Topographie der historischen und kunstgeschichtlichen Denkmale in den Bezirken Tepl und Marienbad/Maiersgrün

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Textdaten
Autor: Anton Gnirs
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Titel: Maiersgrün
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aus: Topographie der historischen und kunstgeschichtlichen Denkmale in den Bezirken Tepl und Marienbad, Augsburg: Filser 1932, S. 156–163
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Erscheinungsdatum: 1932
Verlag: Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
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[156]
Maiersgrün.

Archivalien: Memorabilienbuch im Pfarrarchiv seit 1836. – Matriken für Maiersgrün, Grafengrün und Neumugl seit 1756.

Literatur: Schaller. Topographie IX, 186. - Sommer, Böhmen XV, 284.

Das Dorf Maiersgrün gehört seit alter Zeit zur Burgherrschaft von Königswart. In diesem Untertänigkeitsverhältnis erhält es wie die übrigen Dorfschaften besonders unter der Herrschaft der Herren von Plauen eine Reihe von Vorrechten.

Das Dorf Maiersgrün hat als ein Straßendorf an den Talhängen längs einer alten Weglinie seine Anfänge genommen. Bergbau, der noch im XVIII. Jahrh. hier betrieben wurde, hat die Siedlungsverhältnisse besonders nach dem Ortsbrande des J. 1736 beeinflußt.

Unter den Bauformen der Bauernhöfe und in den Bauten der Kleinhäuser herrscht ländliche Holzarchitektur und gut gepflegtes Fachwerk mit grün und rot gefärbten Bäumen noch vor. Die ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser gehen bis in das XVIII. Jahrh. zurück (Abb. 127).

Die Pfarrkirche zur Geburt Johannes des Täufers war schon im Mittelalter eine Filiale der Königswarter Pfarre. Zur Zeit der Reformation wurde die Kirche aufgelassen, im [157] J. 1680 erneuert, worauf im J. 1682 das ursprüngliche Filialverhältnis wiederhergestellt wurde. Im J. 1787 erhielt sie ihren eigenen Priester. Zur Pfarrkirche wurde sie erst im J. 1856 erhoben.

Die heutige Kirche (Abb. 128), ursprünglich eine gotische Anlage des XV. Jahrh., ist durch eine Erweiterung des bis zum J. 1803 erhalten gebliebenen alten Bauwerkes entstanden, von dem das Langhaus zum Altarraum der neuen Kirche hergerichtet wurde, während der Umbau die Sakristei in das alte Altarhaus verlegt hat.

Sein Raum hat im Innern seine bauliche Ursprünglichkeit bewahrt. Als Lichtwege dienen zwei schmale Spitzbogenfenster, zur Decke wölbt sich ein spitzbogiges Kreuzgewölbe mit einer Scheitelhöhe von [158] 5 m und einer Kämpferhöhe von 2,4 m. Gegen das Langhaus war der quadratische Altarraum durch einen spitzbogigen Triumphbogen, im Scheitel 3,83 m hoch, abgeschlossen. Erhalten geblieben ist auch noch das Steingewände einer spitzbogigen Kirchenpforte, die in die Südwand des neuen Kirchenschiffes neu eingebaut wurde.

Die heutige Pfarrkirche zu S. Johannes dem Täufer ist im Zustand des Erweiterungsbaues vom J. 1803 geblieben. Das einschiffige, orientierte Langhaus mißt in den lichten Achsen 16,15 m und 10,7 m, der Altarraum ist 8,15 m breit und 8,1 m tief. Die Triumphbogenpfeiler werden von einem Träger in einer Spannung von 6,9 m verbunden. Der Kirchturm baut sich auf den Mauern der Sakristei auf. Die Baudaten des Kirchenneubaues sind am Türsturz des Haupteinganges folgend vermerkt:

Exst(ructa) ecclesia est 1803, renov(ata) 1847.

Eine Einrichtung hatte die Kirche im J. 1803/04 durch Zuweisung von Beständen aus Kirchen der weiteren Umgebung erhalten: [159] einen barocken Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel. Der barocke Hochaltar ist unterdessen wieder abgetragen, sein figuraler Schmuck am Kirchenboden deponiert worden. An seine Stelle kam ein moderner Altar mit klassizistischer Prospektarchitektur und einem Altarblatt „Die Geburt Johannes des Täufers“. Die Altarwand wurde in der Werkstatt des Kunsttischlers Karl Pistrol zu Königswart angefertigt, der von dem alten Altar nur die beiden, 1,7 m hohen, barocken Holzfiguren S. Petrus und S. Johannes übernahm.

In den beiden barocken Seitenaltären zum Herzen Jesu und zu S. Maria sind die Titelbilder durch wertlose moderne Werke ersetzt. Das gute Altarblatt aus dem Marienaltar, eine Pieta in kunstvollem Blattstabrahmen, hängt jetzt an der Südwand des Langhauses über der Spitzbogenpforte.

Der Taufstein mit barock gezierter Holzschale für das zinnerne Becken trägt die Jahrzahl 1816.

Die Kreuzwegbilder sind handwerkmäßige, doch immerhin beachtenswerte Arbeiten des XVIII. Jahrh.

Die einfache barocke Kanzel besitzt als einzigen Schmuck die kleinen Statuetten (Holzplastiken) der vier lateinischen Kirchenlehrer, die in die Nischen der Brüstung verteilt sind.

[160]

In der Sakristei wird die Holzstatue eines auferstehenden Heilands, 0,67 m hoch, verwahrt, die auf einem Schildchen signiert ist: 1627 MI., daneben das Renovierungsdatum 1892. Arbeit eines bäuerischen Holzschnitzers, der in der Knitterfaltung des Gewandes noch gotischen Vorbildern folgt. In dieselbe Zeit gehört die Holzfigur eines Christus im Grabe, 0,85 m lang.

In der Pfarrkirche wird aus der alten Täuferkirche ein Teil alter Ausstattung mit gotischen und barocken Holzskulpturen verwahrt. Zu ihrem Inventar zählt:

1. Statue der h. Katharina (Abb. 129), gotische Holzskulptur in ursprünglicher Fassung, 1,39 m hoch. Arbeit eines fränkischen Meisters aus der Zeit gegen 1500. Von dem mit einer Reifenkrone bedeckten Haupt fällt das Haar über die Schultern herab.

2. Statue des h. Sebastian (Abb. 130), Holzskulptur von der Hand desselben Meisters wie das vorangehende Bild. Die Gestalt des Heiligen ist bis auf die freie Brust mit dem faltenreichen Mantel bekleidet, den die rechte Hand etwas gehoben hat. Das entblößte rechte Bein hat ein Pfeil durchbohrt. Die Linke ist zum abwehrenden Gestus erhoben.

3. Standbild Johannes des Täufers mit bärtigem Gesicht, 0,97 m hoch (Abb. 131). Der Heilige trägt das Lamm auf der linken [161] Hand. Diese gotische Holzskulptur dürfte das Kultbild der alten Kirche sein.

4. Kalvariengruppe, gotische Holzskulpturen, Ende des XV. Jahrh., beschädigt. Vom Kruzifix ist der Kopf abgebrochen. Die zugehörigen Standbilder des Johannes und der Maria, jedes 0,83 m hoch, sind erhalten geblieben (Abb. 132).

5. Standbild des S. Jakob von Compostella, barocke Holzschnitzerei, 1,62 m hoch (Abb. 133).

6. Holzfigur einer Mater dolorosa, barock, 0,88 m hoch.

7. Sitzfigur der Mutter Anna, Maria belehrend, barock, 0,8 m hoch.

8. Standbild, S. Johannes von Nepomuk, 1,15 m hoch, barocke Holzfigur.

9. Josef mit dem Kinde, barocke Holzfigur, 0,98 m hoch, auf einer Konsole mit dem Namen des Heiligen.


[162] 10. Mönchsheiliger mit einem Buch, barocke Holzskulptur, 0,9 m hoch.

11. Gruppe von sechs Engeln aus dem Beiwerk des barocken Hochaltars. Davon zwei Paare schwebender Engel, jeder 1,55 m hoch, und zwei liegende Engel von dem Portalgiebel des abgetragenen Altars.

Glocken. Die alten Kirchenglocken sind zur Kriegsmetallgewinnung im J. 1916 eingezogen worden. Drei neue Glocken hat im J. 1928 der Kirche die Budweiser Glockengießerei Rudolf Perner für Maiersgrün geliefert. Vom alten Bestand ist nur eine Glocke aus dem J. 1653 übriggeblieben; sie ist 0,45 m hoch, ihr größter Durchmesser mißt 0,46 m. Am oberen Rande des Feldes läuft ein von Zierstreifen gesäumtes Schriftband mit einer Anrufung und mit der Meisterlegende (Abb. 134):

Soli deo gloria. gos mich Leonhard Löw in Nürmberg a(nn)o 653.

Das erste Zahlzeichen (1) ist aus der Jahrzahl herausgefallen.

Denkmale. An der Gabelung der von Maiersgrün nach Ober-Sandau und Altwasser führenden Straße steht ein großes Steinkreuz, ohne [163] Zeichen oder Inschrift (Abb. 135, 3). Höhe des Denkmals vom Boden gemessen 1,4 m, Dicke 0,25 m. Material Granit, mit großen Feldspatkristallen durchsetzt.

Statue des Johannes von Nepomuk am Kirchplatz. Auf einem 0,6 m hohen Stufenbau ist Sockel und Postament für das barocke Standbild des Heiligen, 1,05 m hoch, aufgestellt. Barocke Steinskulptur, Gesamthöhe des ohne jede Inschrift gebliebenen Denkmals 3,1 m.

An die Dorfeingange sind als Wegmarter einfache Bildstöcke aus Holz, mit Giebeldach gedeckt, verteilt.

Anmerkungen (Wikisource)[Bearbeiten]