Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern/Die andere Dissertation

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Die andere Dissertation, so Philosophisch ist
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aus: Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern
Seite: 84–161
von: Michael Ranft
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Die andere Dissertation,
so Philosophisch ist.[1]
Inhalt
dieser Dissertation:

EIngang zu dieser Dissertation. §. 1. Cörper sind nach dem Tode unverweset. Der Tod bey dem Menschen zweyerley. §. 2. Der Cörper Unverweßlichkeit. Caspar a Rejes. Johannes Mabillon. §. 4. Die Jüden. Die Geschichte der Heiligen. Des heil. Spiridionis Unverweßlichkeit. §. 5. Exempel von unverweseten Cörpern. Homerus. Plutarchus. Burius. Caspar a Rejes. Bartholinus. §. 6. Ein Bergmann zu Ehrenfriedersdorff, so nicht verweset. §. 7. Das Hungarische Wunder-Zeichen. Venerabilis Beda. Burrhus. §. 8. Die erste Materie. G. P. Müller. §. 9. Der ersten Materie Eigenschafft, das Leben. §. 10. Dieses Lebens Eigenschafften. Das Wachsthum und die Empfindung. §. 11. Dieses Lebens Universalität. Der Welt-Geist. Die Entelechia. Der Lebens-Balsam. §. 12. Die Elemente. §. 13. Des Menschen Natur und Substantz. Theod. Craanen. § 14. Des Menschen Leib an und vor sich selbst lebendig. §. 15. Des Menschen Schöpffung nicht auff einmahl geschehen. §. 16. Des Menschen Leib mit der gantzen Natur [92] ein Leib. Die Aufflösung. §. 17. Die äusserliche Umstände der schmatzenden Todten. §. 18. Des Menschen Verwesung, wie sie geschehe. §. 19. 20. Des Menschen Unverweßlichkeit. §. 21. Garmannus. Zacchias. Santorellus. §. 22. Die feuchten Cörper, ob sie unverweßlich. §. 23. Das Hungarische Erdreich, wie es beschaffen. §. 24. 25. Plogojowitz, ob er mit Giffte vergeben worden. Die Natur des Giffts. Alexandri M. Leib unverweßlich. §. 26. Die Kräffte des Opii. §. 27. Aller Glieder des Leibes Ubereinstimmung unter einander. §. 28. Die eingefallene Nase des Plogojowitz. Santorellus. §. 29. Das Wachsthum der Haare und Nägel. Garmannus. Helmontius. §. 30. Die Abschälung der Haut. §. 31. Das Bluten des Cörpers. §. 32. 33. Das Steiff-Seyn des männlichen Glieds und dessen Ursachen. §. 34. 35. 36. 37. Der Cörper Würckung in die Lebendigen. §. 38. Die allgemeine Empfindlichkeit der gantzen Natur. Santinelli. §. 39. Der gantzen Natur Zusammenhang. Die Atmosphæra. §. 40. Die Ausdünstungen der Cörper. Jo. Westphal. Der Grund-Satz aller Magie. §. 41. Die Magie des menschl. Leibes. §. 42. Die Einbildung, ein Werckzeug der Magie. §. 43. Die Würckung der Cörper in Cörper. §. 44. Der Geister Antheil an der Magie. Marcus Marci a Kronland. Carrichterus. Das Beschreyen. §. 45. Die schädliche Würckung des verstorbenen Plogojowitz in die Lebendigen. [93] §. 46. Alles Schmatzens der Todten Ursprung. §. 47. Die Kräffte der Einbildung. Die Einbildungs-Kranckheiten. Josephus Scaliger. Der Alp. §. 48. 49. Die Kräffte der Einbildung zur Pest-Zeit. Frid. Hoffmann. Carlius. § 50. Des Hungarischen Wunder-Zeichens Ursprung. §. 51. Das böse Gewissen. Des Plogojowitz hinterlassenes Weib. §. 52. Die Schädlichkeit derer magischen Würckungen. Paracelsus. Marcus Marci a Kronland. §. 53. 54. Die schädliche Würckungen des Plogojowitz. §. 55. Die Mittel wider das schädliche Schmatzen der Todten. Das Abstossen des Haupts von denen Cörpern. §. 56. Das Zernichten der Cörper. G. P. Müller. Der Erden-Kloß, der denen Todten bey dem Begräbniß unter das Kinn gelegt wird. §. 57. Müllerus widerlegt. Schwimmerus. Phil. Rohr. Der Jüden Aberglaube. §. 58. Der Stein und Pfennig, so man in derer Verstorbenen Mund gelegt. Das dritte Concilium zu Carthago. §. 59. Das beste Mittel in diesem Fall. Der Schluß der gantzen Dissertation. §. 60.


§. 1.

ES waren noch zwey Phænomena zu erklären übrig, als wir die erstere Dissertation geschlossen: Die Vegetantz des Cörpers und dessen schädliche Würckung in die Lebendigen. Diese wollen wir nun mit GOtt vor die Hand nehmen, und sie erklären, so gut sichs wird thun lassen. [94]

§. 2.

Die Vegetantz der schmatzenden Cörper (Vegetantiam cadaveris masticantis) zu erweisen, ist vor allen Dingen nöthig, diese Frage zu erörtern: ob auch die Cörper bißweilen nach dem Tode noch unverweset bleiben können? Wenn es erlaubt ist, uns auff das allerheiligste Exempel unsers Heylandes zu beruffen, so müssen wir allerdings mit Ja antworten. Denn daß dessen Leib nach dem Tode nicht das geringste von einer Verwesung empfunden, bezeuget die heil. Schrifft deutlich. Ob aber von diesem besondern Exempel ein Schluß auff andere menschliche Cörper zu machen sey, können wir nicht sicher behaupten. Aber so viel folgt wenigstens daraus, daß die Abscheidung und Trennung der Seelen von dem Leibe eigentlich zwar den Tod des Menschen ausmache, welcher Tod aber von dem Tode des Leibes selbsten sehr weit unterschieden sey.[2] Es scheinet diese Meinung zwar vielen sehr ungereimt zu seyn, iedoch ist sie in der Wahrheit gegründet. Der Mensch besteht, wie bekannt, aus zwey wesentlichen Theilen, Leib und Seele. Wenn ein Theil abgeht, so hört der Mensch zwar auff ein Mensch zu seyn, aber die Seele bleibt doch Seele und der Leib Leib. Wenn nun die Seele von dem Leibe scheidet, so sagt man allerdings, der [95] Mensch stirbt, aber der rückständige Leib bleibt doch so lange noch ein Leib, biß er durch die Fäulniß in seine ersten Elementa, woraus er zusammen gesetzt ist, resolvirt worden: welches wir mit dem Theod. Craanen[3] gar füglich den Tod des Leibes nennen können.


§. 3.

Nun fragt sichs, ob nicht solchergestalt der Leib, nach Abscheidung der Seele, von der Verwesung eine Zeitlang befreyt bleiben könne? Wenn wir denen Papisten erlauben sollen, darauff zu antworten, so werden sie diese Frage ohne Zweiffel mit Ja beantworten, und zwar mit Verwerffung aller Ursachen, die die Natur-Kündiger nur auf einige Weise aus der Natur herhohlen können. Denn es ist bekannt, daß sie die Unverweßlichkeit der Cörper vor ein Wunderwerck halten, dadurch sie die Wahrheit ihres Glaubens und Religion zu bekräfftigen suchen. Denn sie halten dafür, daß die Leiber der Heiligen durch Krafft aus der Höhe unverweset bleiben. Es hat dieses bey ihnen Anlaß zu so einer grossen Menge Heiligen gegeben, daß zu Begehung des Gedächtnisses derselben kaum eine Zeit von tausend Jahren zureichen würde, wenn gleich auff ieden Tag mehr denn einem sein bestimmtes Opffer gebracht würde. Denn so offte sie einen menschlichen Cörper noch gantz und unverweset finden, so offte glauben sie auch einen unbekannten Heiligen gefunden zu haben. [96]

§. 4.

Aber wer solte nicht daraus leichte erkennen können, daß auch die Heyden und Ketzer auf solche Weise sich mit der Unverweßlichkeit ihrer Leiber groß machen könten? Daß dieses ein sehr falsches und höchst ungewisses Zeichen der Heiligkeit, Unschuld und Tugend sey, haben selbst viele unter denen Papisten erkannt. Also bezeugt unter andern Caspar a Rejes[4] ausdrücklich, „daß die Daurung der Cörper nach dem Tode vor kein eigentliches Zeichen der Heiligkeit und Unschuld des Lebens zu halten sey, wo man nicht zugleich aus andern Nachrichten und vorher gewusten Dingen die Richtigkeit und Unsträflichkeit des Lebens erkannt: Denn es kan GOtt einem gnädig seyn, wenn auch gleich sein Leib verweset: Die Heiligen verabscheuen nicht den Natur- sondern den Sünden-Gestanck.“ Nam putrefacto licet corpore, possit quis Deo maxime quoque gratus esse: sancti enim non abhorrent fœtorem naturæ sed culpæ. Hiermit stimmt auch der gelehrte P. Johannes Mabillon in seiner, unter verdecktem Nahmen herausgegebenen, Epistel de Cultu Sanctorum Ignotorum[5] überein, dessen Meinung zum Vortheil der Rechtgläubigkeit seiner Kirche zu erklären, sich [97] Marcus Antonius Boldetti sehr viel Mühe gegeben.[6]


§. 5.

Wir sind ietzt nicht gesonnen, uns in Theologische Streitigkeiten einzulassen. Wir lassen sie vielmehr an ihren Ort gestellet seyn und kehren wieder zurücke zu unsern Physicalischen Anmerckungen. Nur dieses sind wir noch gesonnen, hinzu zu setzen, daß die Jüden mit denen Papisten in dieser Sache in ein Horn blasen. Denn Garmannus[7] gedencket, daß R. Manasse[8] also geschrieben habe: „Von derer ihren Leibern, die recht und ehrlich gelebt, darff man nicht glauben, daß die Würmer einige Gewalt über sie haben, sie werden auch nicht eher in Staub verwandelt, als etwan eine Stunde vor der Aufferstehung der Todten.“ In corum cadaveribus, qui recte & honeste vixerunt, nihil juris vermes habituri sunt, & non prius in pulverem convertentur, quam hora una ante resurrectionem mortuorum.

Wenn wir die Wahrheit sagen sollen, so leugnen wir, daß iemahls einem Menschen von GOtt vor andern das Privilegium von der Unverweßlichkeit gegeben worden; iedoch geben wir zu, daß bisweilen ein und der andere Cörper [98] aus verschiedenen natürlichen Ursachen eine Zeitlang von der Verwesung verschont geblieben und noch ferner verschont bleiben könne, so lange nehmlich die Ursachen, die solches würcken, nicht aufgehöret. Die Exempel, welche wir in grosser Menge bey dem Garmanno c. l. beysammen finden, bestätigen dieses sattsam. Die Geschichte der Heiligen wollen wir hierbey nicht zu Rathe ziehen, weil ihre Glaubwürdigkeit nicht zum besten gegründet ist. Daß wir nur ein eintzig Exempel daraus anführen, so schreibet Petrus de la Valle[9] von dem heil. Spiridion also: „Man verehrt in Corfu den Leichnam des heil. Spiridions, dessen Fleisch annoch so lebhafft und frisch ist, daß, wenn man das dicke Fleisch am Schenckel angreifft, dasselbe den Fingern etwas nachgiebt und alsbald wieder in seine vorige Stelle kömmt.“ Jedoch wir können uns nicht entsinnen, etwas davon in des gelehrten Herrn L. Siberi Buche von dem Leben des heil. Spiridionis gelesen zu haben.[10]


§. 6.

Jedoch dem sey, wie ihm wolle, so sind doch würcklich Exempel verhanden von todten Cörpern, die viele Jahre unverweset geblieben. [99] Man höre nur den Homerum,[11] welcher von Hectore, der im Trojanischen Kriege umgekommen, also schreibet:

Οὔπω τὸν δὲ κύνες φάγον, οὐδ’ ὀιωνοὶ,
Ἀλλ’ ἔτι κεῖνος κεῖται Ἀχιλλῆος παρὰ νηὶ.
Ἄυτως ἐν κλισίησι δυωδεκάτη δὲ ἡ ἠὼς
Κειμένῳ, οὐδἑ τοι ὁ χρὼς σήπεται οὐδὲ μὶν σύλαι
Ἐσθοὺς·, αἳ ρα τε φῶτας ἀρηϊφάτους κατεσθίουσι.
D. i.

„Es haben ihn die Hunde noch nicht gefressen, noch die Vögel, sondern es liegt Achilles noch bey dem Schiffe; und indem er in seinem Gezelte liegt, ist es schon der zwölffte Tag, da weder etwas an seiner Haut faulendes, noch von den Würmern angefressenes verspüret wird, welche letztere doch sonst die Helden, so in Treffen bleiben, zu fressen pflegen.“ Man höre ferner Plutarchum in Vit. Alex. M. p. m. 593. welcher von Alexandro M. erzehlt, daß sein Cörper in dem heissen Mesopotamien viel Tage lang unbegraben gelegen, und doch nicht das geringste Zeichen einiger Verwesung von sich gegeben, sondern er sey rein und frisch geblieben. Man höre Wilhelmum Burium,[12] welcher von Pabst Bonifacio VIII. berichtet, daß als man 300. Jahr nach seinem Tode den 11. Oct. 1605. seinen Leichnam gefunden, sey [100] er an allen Gliedern gantz unversehrt gewesen, dergestalt, daß man auch an dessen Kleidern nicht die geringste Verletzung habe wahrnehmen können. Das öffentliche Instrument, das darüber aufgerichtet worden, finden wir bey dem Bzovio[13]. Man höre ferner Casparum a Rejes, welcher[14] gedencket, daß als man auf des Königs in Spanien Befehl An. 1656. die Königl. Cörper in das herrliche Begräbniß des Escurials, Pantheon genannt, gebracht, so sey Kayser Caroli V. Leichnam gantz unversehrt und ohne den geringsten Flecken und Zeichen einiger Fäulniß gefunden worden. Man höre endlich noch Thomam Bartholinum, in Respons. de Experim. Bils. p. 535. welcher aus dem Theop. Raynaudo de Incorrupt. Cadav. c. 2. erzehlet, daß A. 1642. zu Carpentras[15] ein weiblicher Cörper ausgegraben worden, der etliche Secula gelegen und unverweset gewesen. Er beschreibet ihn also: „Die Glieder lagen alle geschickt beysammen in ihrer Ordnung; iedoch war Fleisch und Haut etwas ausgetrocknet und schwartzbraun angelauffen. Die Brüste hatten noch ihre gehörige Weiche, und der Hals seine Lindigkeit; an den Hüfften, und der Wade des rechten Fusses, so an sich selbst unversehrt war, ingleichen hinter den Schulter-Blättern [101] befand sich eine ungewöhnliche Zärtigkeit. Das Haupt-Haar hieng feste an der Haut, die Ohren waren gantz, die Zunge trocken, der Knorpel des Gaumens gesund und frisch; iedoch das Gesichte war ohne Haut und Fleisch, weil durch das gewaltsame Ausgraben und die dabey geschehene Unvorsichtigkeit solches gar sehr versehrt worden. In den Augen-Löchern befand sich noch die gewöhnliche Feuchtigkeit, und der Wund-Artzt Roller zog eine nasse Bley-Kugel, die voller klebrichten Feuchtigkeit war, aus dem Haupte, in welches sie ehemahls geschossen worden. Die Geburts-Glieder waren in gantz unversehrtem Stande. Der Wund-Artzt eröffnete die rechte Brust, und steckte einen Finger in die Wunde, da er denn befand, daß das Fleisch drüsicht, weiß und feuchte gewesen und gar keinen Gestanck von sich gegeben.“[16] [102]

§. 7.

Das merckwürdigste Exempel, das hier noch angeführt zu werden verdient, giebt ein Bergmann, mit Nahmen Oswald Barthels, welcher nach Verlauff von 60. Jahren aus einem Bergwercke nicht weit von dem Meißnischen Städtgen Ehrenfriedersdorff unversehrt und ohne die geringste Fäulniß an sich zu haben ausgegraben worden. Andreas Mollerus erzehlet die Sache folgender gestalt: „A. 1568. den 20. Sept. hat man zu Ehrenfriedersdorff Oswaldum Barthels, einen Bergmann, welcher vor 61. Jahren A. 1507. im Berge, der Seuberg genannt, verfallen, noch gantz und unverweset in seiner ledernen Berg-Kappe und Kleidern mit dem Gruben-Beile, Unschlicht-Tasche und Zscherper unversehener Weise wieder gefunden und mit gewöhnlichen Ceremonien zur Erden bestattet.“[17] M. Georgius Ruta, der damahls Pfarrer in dem gedachten Städtgen, nachmahls aber Superintendent zu Chemnitz gewesen, hat sich in der Leichen-Predigt, die er diesem Bergmann gehalten, und die A. 1588. zu Freyberg gedruckt worden, von [103] diesem sonderbahren Exempel eines unverweseten menschlichen Cörpers also vernehmen lassen: „Mirabilis Dominus in operibus suis: und wird diß forthin wunderbarlich und unglaublich zu sagen und zu hören seyn, zumahl an fremden Orten, daß man eine Leiche eines Bergmanns zur Erden bestätiget, auch dabey eine Leichen-Predigt gethan, der 60. Jahr zuvor verstorben, ehe denn der Prediger gebohren, denn ich ietzo Gottlob! 31. Jahr alt bin.“ Siehe GARMANNUM de Mirac. Mort. L. III. Tit. II. p. 954. und ANSHELM. ZIEGLERUM im Historischen Labyrinth der Zeit n. 619. p. 1175. Wer will daher nicht glauben, daß es allerdings menschliche Cörper gebe, welche von der Verwesung und Zernichtung, wo nicht beständig, doch auff einige Zeit, frey und unversehrt bleiben können. Die Papisten haben also nicht Ursache, solches unter die göttlichen Wunderwercke, dadurch sie die Richtigkeit ihres Glaubens darthun, zu zehlen.


§. 8.

Komm wir wiederum auff unser Wunder-Zeichen zu reden, so haben wir nunmehro nicht mehr Ursache, uns so gar sehr zu verwundern, daß das Fleisch der schmatzenden Todten noch in den Gräbern frisch sey, da aus den oben angeführten Exempeln schon zur Gnüge erhellet, daß in der Natur etwas seyn müsse, so uns lehret, [104] daß nach dem Lauff der Natur es gar wohl geschehen könne, daß denen menschlichen Cörpern bißweilen noch nach dem Tode einiges Frisch-seyn des Fleisches beywohnen könne.[18] Es verlohnt sich der Mühe, aus denen ersten Anfangs-Gründen der Natur die Ursachen dieses Phænomeni zu erklären. Ehe wir aber solches vornehmen, mag der Ehrwürdige Beda aufftreten und von der Unverweßlichkeit derer menschlichen Leiber seine Gedancken eröffnen. Er läst sich aber also vernehmen: „Es giebt alle Jahre drey Tage und drey Nächte, nehmlich der 27. und 30. Jan. und der 13. Febr. Wer an diesen Tagen gebohren wird, dessen Leib bleibt biß an den jüngsten Tag unverweßlich.“ [19] Alleine wer kan leugnen, daß nicht der gute Beda in Untersuchung derer Ursachen natürlicher Dinge sehr unglücklich gewesen seyn solte? Franciscus Josephus Burrhus hat sich zwar gewiß eingebildet, daß die Eyer, die an dem Tage, da im Frühling Tag und Nacht einander gleich sind, von den Hühnern gelegt würden, niemahls faul würden. Alleine gesetzt, es sey diese Sache wahr, wer will doch daraus schliessen, Ergo sehen auch diejenigen Cörper, die an gewissen [105] Tagen des Jahrs gezeuget werden, niemahls die Verwesung. Es verdienet hiervon mit mehrern Herr Tentzel in seinen monathlichen Unterredungen[20] nachgelesen zu werden.


§. 9.

Es pflegen zwar die Philosophi von einer eintzigen Sache insgemein mehr denn eine Ursache anzugeben. Alleine es hat uns allezeit am glaubwürdigsten geschienen, wenn die Ursachen einer Sache alle zusammen unter ein eintziges Principium haben gebracht werden können. Es wolle es daher Niemand übel nehmen, wenn wir bey unserer Abhandlung allen Vorrath der Ursachen, welchen Garmannus c. l. von der Unverweßlichkeit der Cörper aus allen Reichen der Natur anführt, auff die Seite setzen und von dem ersten und eintzigen Anfangs-Grunde der Natur, nehmlich der ersten Materia, zu reden anfangen. Denn es ist nicht nur aus der heil. Schrifft, sondern auch aus denen Principiis der Weltweisen bekannt, daß GOtt im Anfange aller Dinge nur zwey Dinge aus nichts hervor gebracht, die Geister und eine gewisse unförmliche Last, indigestam aliquam molem, welche Ovidius Libr. I. Metamorph. rude Chaos nennet. Dieses Chaos, diese unförmliche moles und massa ist der erste Anfangs-Grund und die erste Materie der gantzen Natur und aller Elemente [106] gewesen, woraus alle Cörper an der Feste des Himmels und auff Erden gebildet worden. Herr Gottfr. Polyc. Müller hat sich[21] unterstanden, aus dieser Materie auch den Ursprung der Geister-Welt[22] herzuleiten, aber wie richtig und weißlich solches geschehen sey, wollen wir ietzund nicht untersuchen. Immittelst versichern wir, daß wenn er dieses nicht gethan hätte, wir kein Bedencken getragen haben würden, seinen Philosophischen Fußstapffen überall mit festem Fusse nachzufolgen, aber bey so gestalten Sachen werden wir solches nur bey einigen Umständen thun.


§. 10.

GOTT hat demnach ausser denen Geistern einen gewissen allgemeinen Anfangs-Grund (Principium universale) geschaffen und zwar so lebendig und kräfftig, daß daraus alle Arten derer Cörper nach der, von GOtt bestimmten Ordnung haben herfür kommen können. Dieses Principium haben wir zwar die erste Materie (Materiam primam) genennet, alleine daß solche deßwegen bloß in der Extension und Ausdehnung bestanden haben solte, leugnen wir billig. Denn die Extensio und Ausdehnung ist bloß eine Affectio und Qualität des Entis, welche ohne der ausgedehnten Sache sine re [107] extensa) weder existiren noch gedacht werden kan. Viel besser thun wir, wenn wir dieser ersten Materie als eine wesentliche Eigenschafft das Leben zueignen, das in unzehlbahren Kräfften zu wachsen und zu empfinden besteht.[23] Denn GOtt als das selbständige unendliche Leben hat in dem Wercke der Schöpffung sich nicht anders denn lebendig und kräfftig erzeigen können, daher auch kein todes und an Kräfften Mangel leidendes Ding von ihm hat hervorgebracht werden können. Dieses erste lebendige Ding aber oder dieses Ens vivum hatte unzehlige End-Ursachen in sich, die daraus erfolgen solten. Hoc vero Ens vivum idque primum innumeros in se habuit fines, qui exinde evolvi debebant. Also lag in solchem die Krafft, Pflantzen hervor zu bringen verborgen, ehe noch die Pflantzen selbst verhanden waren. Sobald es demnach GOTT beliebte zu sagen: Es werden Pflantzen! So bald that diese Krafft ihre Würckung.


§. 11.

Dieses Leben der ersten Materie, oder wie wir es nunmehro nennen wollen, diese Vitalitas, hatte wiederum zwey besondere Eigenschafften an sich, nehmlich die Vegetantz und [108] die Empfindung.[24] Denn da alles Leben eine Krafft in sich fasset, von der Peripheria ad Centrum und vom Centro ad Peripheriam sich zu bewegen,[25] welche gedoppelte Beweglichkeit man gar füglich Actionem u. Passionem nennen kan; so kömmt solches auch der ersten Materie zu, die ein lebendiges Wesen oder Ens vivum ist. Niemand kan ihr die Krafft zu begehren und zu empfinden[26] absprechen. Die erste Krafft nennen wir Vegetantiam und beschreiben sie durch das natürliche und von GOTT eingepflantzte Begehren, sich zu erhalten und weiter auszubreiten; Prima Facultas s. Appetentia nobis jam dicitur Vegetantia & definitur per naturale & a Deo ingenitum implantatumque desiderium sese partim conservandi partim pluribus extendendi. Oder wie Gottfr. Pol. Müller in Philos. Fac. sup. accommod. P. 1. sect. 1. §. 2. p. 81. seine so genannte Activitatem primi Entis zu beschreiben scheinet: Ein Begehren nach unzehlig End-Ursachen, die GOTT durch gewisse mitgeschaffene Mittel geordnet hat.[27] Die andere Krafft der ersten Materie in Ansehen der Vitalität (oder [109] des Lebens, darinnen vornehmlich das Wesen der ersten Materie besteht) ist die Percipientia oder wie sie sonsten heisset, die Sensio und Empfindung, welche in einem innerlichen Fühlen dessen, was dem Wesen eine Sache entweder angenehm oder unangenehm deuchtet,[28] bestehet.


§. 12.

Diese gedoppelte Eigenschafft der ersten Materie ist nachgehends allen Cörpern mitgetheilet worden, also, daß nach dieser allgemeinen Vitalität die gantze Natur und alle Cörper derselben gleichsam vermittelst eines Bandes an einander hängen. Der obgedachte Herr Müller[29] nennet diese Verbindung aller Cörper unter sich, Formam Universalem, welche mit des Aristotelis’ Ἐντελεχίᾳ einerley zu seyn scheinet. Andere nennen es den Welt-Geist oder Archeum Mundi, wieder andere die Seele der Welt, iedoch beydes nicht weißlich genung, weil solche Benennungen Anleitung zum Spinosismo geben können. Theoph. Paracelsus Lib. I. Chir. Mag. c. 2. p. 3. und Helmontius nennen es einen Lebens-Balsam, Balsamum vitalem, welchen Jo. Bickerus[30] also beschreibet: [110] „Dieser Balsam ist des Leibes Leben und ein Gestirne, durch dessen Lebens-Strahlen die Glieder des Leibes erleuchtet werden, auff die Weise, wie durch das Licht der Sonnen die gantze grosse Welt-Machine erleuchtet zu werden pfleget.“[31]


§. 13.

Wir nennen dieses Principium ein allgemeines Leben, eine Vitalitatem, die der gantzen Natur gemein ist. Denn da GOtt bey Erschaffung dieses Welt-Gebäudes aus der oben beschriebenen ersten Materie durch eine Verdickung die Elemente hervor gebracht, so hat es nicht anders kommen können, es haben dieselben an der Vitalität der ersten Materie alle Theil nehmen müssen. Es sind aber die Elemente etwas dichtes und gebildetes[32] und werden von denen Philosophis insgemein in primaria und secundaria eingetheilet. Ein Elementum primarium, oder ein Element aus der erstern Classe ist derjenige Theil der ersten Materie, der nur eine einige sinnliche Qualität u. Eigenschafft hat, als z. E. das elementarische Feuer oder das Lichte-seyn (luciditas) und das elementarische Wasser oder die Feuchtigkeit und Flüßigkeit [111] (fluiditas). Ein Elementum secundarium oder ein Element aus der andern Classe aber hat zwey oder mehr sinnliche Qualitäten und Eigenschafften, als z. E. der Schwefel ist aus Feuer und Lufft zusammen gesetzt. Aus dieser Vermischung nun derer Elemente bestehen alle Cörper am Firmament des Himmels und auf Erden, welche alle zwar ihr besonder Leben haben, iedoch nichts desto weniger in Ansehen der Elemente, daraus sie zusammen gesetzt sind, und in Ansehen der allgemeinen Vitalität, in einer beständigen Verbindung zusammen stehen, also, daß auch im Tode diese Verbindung nicht auffhöret, weil sie nicht anders als mit Untergang der gantzen Natur ein Ende nehmen kan.


§. 14.

Lasset uns nun wieder auff den Menschen zu reden kommen. Es wird von demselben mit Recht gesagt, er bestehe aus zwey wesentlichen Theilen, Leib und Seele. Die Seele ist ein Geist, und daher frey von aller Materie. Der Leib aber ist aus der ersten Materie geschaffen und zusammen gesetzt. Es erhellet daraus, daß der Leib zwar an sich selbst sein Leben und seine Form habe, welches Leben aber von dem Leben des Menschen selbst gäntzlich unterschieden ist. Theodorus Crannen in Tract. Phys. Medico de Humine c. I. p. 2. it. p. 236. schreibet daher nicht so gar unrecht, wenn er sich von dem Leben des Menschen also vernehmen läst: „Unser [112] Leben gehört, eigentlich zu reden, nicht zur Seele, sondern zum Leibe, weil wir viel andere Leiber haben, als wir sehen, daß die unvernünfftigen Thiere, wie auch die Pflantzen haben: Wir dörffen auch nicht dafür halten, als ob der menschliche Leib durch das Abscheiden der Seele vom Leibe sterbe, sondern es geschicht vielmehr, wenn der Leib sich von der Seele trennet, weil alsdenn die Gefässe desselben, welche zu einem vollkommenen Leben erfodert werden, dergestalt verletzet und verderbet werden, daß die Seele sich derselben nicht mehr bedienen kan, um ihre Herrschafft und Verrichtungen vermittelst des Leibes zu führen und fortzusetzen.“[33] Es verdienet hierbey mit mehrern der berühmte Cartesius[34] nachgelesen zu werden.


§. 15.

Wir stimmen diesem bey. Denn es ist des Menschen Leib allerdings aus einer lebendigen [113] und wachsenden Materie geschaffen worden. Er kan daher wachsen und sich nähren, geschwächt und gestärcket, kranck und gesund werden. Welches alles von der Seele nicht gesagt werden kan, als welche ein Geist ist, dessen Wesen, seiner Simplicität nach, keiner Veränderung unterworffen ist. Immittelst hanget des Menschen Leben allerdings an der Seele, weil der Mensch aufhöret ein Mensch zu seyn, so bald ein wesentlicher Theil desselben anfängt zu mangeln. Wer daher seinen Geist aufgiebt, von dem heist es auch, er sey gestorben, weil der rückständige Leib zwar ein Leib, aber nicht ein Mensch genennet werden kan.


§. 16.

Es fragt sich aber: ob denn der Leib, nachdem die Seele davon ausgegangen, noch lebendig, frisch und wachsend bleiben könne?[35] Wir können solches nach unsern Grund-Sätzen nicht leugnen. GOTT hat den menschlichen Leib geschaffen, ehe noch die Seele verhanden gewesen. Wenn wir die heil. Schrifft auffschlagen, Gen. II. 7. Und GOtt der Herr machte den Menschen aus einem Erden-Klose, und er bließ ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele; wird uns dieses deutlich zu erkennen gegeben. Denn es erhellet daraus, daß GOTT die Substantz [114] des Menschen nicht anders denn successive und Stuffen-weise geschaffen, und zwar in solcher Ordnung, daß erstlich der Leib aus gewissen erdenen Theilgen, die mit andern Theilgen der Lufft, des Feuers und Wassers vermischt gewesen, gebildet und solchem so denn unmittelbahr die Seele eingeblasen worden. Da nun der Leib schon vor der Existentz der Seelen geschaffen worden, so hat derselbe an und vor sich betrachtet, nicht anders denn lebend seyn können. Denn der unsterbliche GOTT hat unmöglich etwas todtes schaffen können, daher auch die erste Materie, daraus so viele lebendige Geschöpffe gebildet werden solten, allerdings auch lebend, frisch und wachsend hat seyn müssen. Da nun der menschliche Leib aus eben dieser, und keiner andern Materie, die etwan todt gewesen, geschaffen worden, hat er allerdings auch lebend und wachsend (vivens ac vegetum) seyn müssen. Wer will daher zweifeln, daß nicht des ersten Menschens Leib, sein gehöriges Fleisch und Adern, Blut und Feuchtigkeiten und was zu einem wahren menschlichen Leibe erfodert wird, gehabt haben solte, ob ihm gleich noch die Seele, als der andere wesentliche Theil eines Menschen gemangelt? Wenn dieses nicht gewesen wäre, würde der Leib kein wahrer Leib, sondern vielleicht nur eine Saltz-Säule oder steinerne Statue gewesen seyn, welches zu sagen höchst ungereimt ist. [115]

§. 17.

Der menschliche Leib besteht also aus einer Materie, die an sich selbst lebend und wachsend, und die allen Cörpern der gantzen Natur gemein ist. Niemand wird daher leugnen, daß nicht solcher Leib mit der gantzen Natur, krafft desjenigen allgemeinen principii vitalitatis, das wir oben beschrieben haben, verknüpfft seyn solte. Denn die gantze Natur ist gleichsam ein Cörper, der in allen besondern Cörpern zugegen ist. Und wenn auch gleich ein gewisses Individuum seine besondere Vitalität verliehrt, so höret doch deßwegen die allgemeine Vitalität nicht auf, die allen Cörpern gemein ist. So lange demnach ein Cörper noch nicht verweset und vergangen, sondern noch würcklich verhanden ist, so lange kan er auch noch ein Leben haben; hat er es nicht in Ansehen der gantzen Zusammensetzung, so hat er es doch in Ansehen gewisser Theile, die einander dem Wesen nach gleich sind.[36] Denn alle Auflösung derer natürlichen Cörper erfodert etwas, das dem Wesen des Cörpers entgegen ist, oder, wie man es zu nennen pflegt, ein Menstruum, das die einander ähnlichen Theilgen aus dem Cörper treibet.[37] So dieses [116] fehlt, kan der Cörper nicht zernichtet werden. Es beweiset dieses mit mehren und zwar zum Vortheil unserer hypothesis am allerbesten Godfr. Polyc. Müllerus in dem ersten Theile seiner Philosophie[38] an dem Orte, wo er von derer Cörper Vereinigung und Auflösung sehr weitläufftig handelt.


§. 18.

Nach diesen voraus gesetzten Anfangs-Gründen, wird es leichte seyn, alle die Phænomena und äußerlichen Umstände zu erklären und zu beurtheilen, welche in Ansehen des Frisch-seyns (Vegetantiæ) an denen so genannten schmatzenden Todten pflegen wahrgenommen zu werden. Es gehören hieher, wenn wir nur das eintzige Exempel aus Hungarn ansehen, die Unverweßlichkeit des Cörpers, das Wachsthum der Haare, die Abschälung und Verneuung der Haut, das Wachsthum der Nägel, das Bluten des Hertzens, die Aufrichtung des männlichen Gliedes und was dergleichen mehr ist. Ehe wir uns aber zu eines ieden besondern Betrachtung und Erklärung wenden, wollen wir überhaupt noch etwas von derer verstorbenen Cörper Unverweßlichkeit und derselben natürlichen Ursachen gedencken. [117]

§. 19.

Wir setzen dieses voraus, daß des Menschen Leib aus denen Elementen so wohl der erstern als andern Classe zusammen gesetzt ist. Es bestehet derselbe aus erdenen, wässerichten, feurigen und lufftigen Theilgen, er bestehet auch nach denen Grund-Sätzen der Scheide-Kunst aus Saltz, Schwefel und Quecksilber. Von der Anwesenheit des Saltzes, wie uns die Erfahrung lehret, zeugen der Urin, das Blut und Fleisch, welches alles einen starcken Geschmack hat. Von dem Schwefel zeugen die Fettigkeit, der Geruch, die Farbe, und daß er verbrannt werden kan; von dem Mercurio oder Quecksilber aber die Zerbrechlichkeit, Beweglichkeit, Flüchtigkeit und Sterblichkeit. Wenn nun ein Cörper untergeht, wird er in seine principia resolvirt, aus welchen er zusammen gesetzt ist, welches durch eine Gährung geschicht, so in einer Abscheidung der ungeschicktern und dem Wesen der Materie wiederstreitenden Theilgen besteht. Fermentatio secretio est crassioris & heterogeneæ materiæ. Wo nun alle Theile unter einander gleichartig und nicht widerstreitend sind, da wird auch nicht leichtlich eine Destruction und Verwesung statt finden. Es muß allezeit ein Heterogeneum verhanden seyn, welches nach Unterschied der innerlichen und äusserlichen Ursachen vielerley seyn kan. So bald ein solches widerstreitendes Ding im Leibe Platz findet, fängt der Leib an kranck zu werden, [118] und wenn es nicht durch Hülffe der Medicorum oder Wund-Aertzte zu rechter Zeit auff die Seite geräumet wird, ziehet es den Tod nach sich, welcher in nichts anders denn einer Auflösung des Gantzen in seine eintzelnen Theilgen[39] besteht. Das besondere Leben (vita specifica) fängt zwar im Tode an aufzuhören, nicht aber das allgemeine Leben, welches denen ersten Principiis und Elementis wesentlich beywohnet und den Cörper mit seiner Krafft und Lebhafftigkeit nicht verläßt, als biß dasjenige, was verwesen soll, völlig in seine Simplicia, daraus es zusammen gesetzt ist, resolviret und auffgelöset worden.


§. 20.

Diese Aufflösung wird sonst auch eine Verfaulung genannt, weil durch die feuchte Wärme des eintzelnen Cörpers (Corporis specifici) die Elemente und ersten Principia von einander gesondert werden. Es geschicht dieses durch eine ausserordentliche Circulation und Umtreibung derer Saltze und Schwefel, welche allmählig dergestalt zerstreuet werden, daß endlich nicht das geringste mehr von dem Cörper übrig bleibt. Ein iegliches Theilgen fängt alsdenn an zu gähren und das, was seines Wesens ist, zu suchen, damit es sich mit demselben vereinige.[40] Also ruhen z. E. die [119] saltzigten Theilgen, wenn sie einmahl aus den Grentzen ihrer Zusammensetzung gekommen sind, nicht eher, als biß sie von dem gährenden Cörper völlig gewichen und etwas conformes gefunden haben. Wenn nun dieses auch die übrigen Theilgen, als die schwefelichten, mercurialischen und andern, so wohl edlern als unedlern gethan, was bleibt wohl von dem Cörper übrig? Ein iedes gehet nach seines gleichen und läst von sich nichts denn den Raum zurücke. Wir pflegen dieses mit einem Worte die Verfaulung zu nennen, welche nicht eher als mit dem Cörper selbst auffhöret.


§. 21.

Wenn nun gefragt wird, woher denn die Unverweßlichkeit der Cörper komme? so ist leichte darauff zu antworten, es verursache solches die Anwesenheit derer gleich artigen Theile.[41] Hierdurch wird nicht nur des gährenden Leibes Zernichtung verhindert; sondern solcher auch so lange in dem Zustande, darinnen er ist, erhalten, biß ein stärcker Menstruum darzu kömmt, das solchen endlich aufflöset. Nach der verschiedenen Beschaffenheit derer Temperamente und Zusammensetzungen wird auch die Unverweßlichkeit der Cörper gewürcket. Die natürliche Verbindung, [120] die sich zwischen denen Eigenschafften der äusserlichen Theile findet, rühret von unserm Principio der allgemeinen Vitalität her, welches in seinem Zusammenhang fast nur ein einig Leben, und einen eintzigen Cörper ausmacht. Wo nun die Menge derer ungleichartigen Theile (heterogenearum partium) die Anzahl derer gleichartigen (homogenearum) nicht übertrifft, da findet auch nicht leichtlich die Verwesung statt, indem kein Menstruum verhanden ist, das die gleichen Theile (partes analogas) aus dem Cörper treibet.


§. 22.

Die Naturkündiger stimmen in Anführung der Ursachen dieser Unverweßlichkeit nicht überein. Insgemein schreiben sie es der Gütigkeit der Natur und denen mancherleyen Zusammensetzungen der Cörper zu; welcher Meinung auch Herr Garmann in Tract. de Mir. Mort. p. 960. sqq. zugethan zu seyn scheinet, der zugleich viel andere, die seiner Meinung sind, anführet, unter welchen ich nur des eintzigen Zacchiæ[42] gedencken will, nach dessen Meinung das warme und trockene Temperament die vornehmste Ursache seyn soll, weil nach der hypothesi Ant. Santorelli[43] und anderer Philosophorum und Medicorum der vorigen Zeiten die Feuchtigkeit eine Mutter aller Fäulniß sey. Alleine [121] wenn wir die Sache a priori und nach der wahren Beschaffenheit ansehen, finden wir die Ursache nicht in dem Temperamente, sondern in andern äusserlichen Dingen, welche nach ihrer Analogie durch das Band der Natur mit demselben verknüpfft sind. Also gestehen wir zwar Jo. Joach. Bechero[44] gantz gerne zu, daß die warmen und trockenen Dinge sehr schwer, ja einige gantz und gar nicht verfaulen, aber was ist da anders Ursache, als weil die lufftigen Theilgen, die sich gröstentheils in denen trockenen Cörpern befinden, durch den Einfluß der Lufft, die ihnen analogisch ist, in ihrer Zusammensetzung erhalten werden, so lange sie nehmlich kein stärcker Menstruum, das die gleichartigen Theile auffhebt, admittiren können.


§. 23.

Eben dieses geschicht auch bey denen feuchten Cörpern, welche eben so leichte unverweset erhalten werden können. Dieses unterstehet sich so gar Garmannus nicht zu leugnen, ob er gleich keine Ursachen anführen kan, warum solches geschehe. Denn er bezeuget mit ausdrückl. Worten c. l. p. 963. „daß die Auflösung unter der Erden bey dem Schmeer und Fette nicht leichtlich statt finde.“[45] Die Exempel sind ihm nicht unbekannt. Er versichert, daß er sonst mehr als einmahl von denen Todten-Gräbern gehört, daß sie in den [122] Gräbern der verfaulten Cörper eine grosse Menge Schmeer und Fett gefunden hätten. Und was hat man nicht überdiß bißweilen in denen Brunnen vor unverwesete Cörper gefunden? Insonderheit verdienet die in denen Gräbern geschehene Erhaltung des Gehirns in Verwunderung gezogen zu werden, dessen schmierichte und flüßige Materie doch sonsten am leichtesten sich verzehret. Petrus Borellus[46] erzehlet, „daß man einsmahls aus einem Brunnen in einem Dominicaner-Kloster die Gebeine von 60. erwürgten Soldaten, allwo sie über 80. Jahr gelegen, heraus gelangt, da denn in einem iedweden Hirn-schedel das Gehirne noch weich und ohne Gestanck gefunden worden.“


§. 24.

Es ist unsers Orts ietzo nicht, alle Ursachen der Unverweßlichkeit, die dieser und jener Gelehrter nach Veranlassung seiner Hypothesis vorbringt, zu untersuchen. Wir können sie alle unter einen Grund-Satz und Principium bringen, welches das allgemeine Leben oder die so genannte Vitalitas dieses Welt-Gebäudes ist. Wenn kein Menstruum oder Aufflösungs-Mittel in einem Cörper, der verwesen soll, verhanden ist, so kan auch keine Verwesung statt finden. Und dieses ist es auch, was wir bey unserm Hungarischen Wunder-Zeichen, das wir in der vorigen Dissertation beschrieben, [123] wahrzunehmen haben. Es können viel Ursachen verhanden seyn, warum der verstorbene Cörper keine gleichartigen Theilgen finden können, mit welchen er sich bey seiner Aufflösung vereiniget. Wenn wir nur Gelegenheit hätten, die Natur und Eigenschafft der Hungarischen Gegend des Himmels und der Erden zu erforschen, würde es uns leichter seyn, hiervon zu handeln. Bey so gestalten Sachen aber wird uns die wahre Ursache dieser Unverweßlichkeit allezeit unbekannt bleiben. Aus denen Nachrichten derer, die diese Länder durchreiset, erhellet, wenn man ihnen anders glauben darff, so viel, daß das Erdreich der Unverweßlichkeit der Cörper nicht zuwider ist. Die Lufft ist sehr dicke und kalt, der Erdboden aber sehr dienlich zu eingesaltzenen Sachen und dabey voller sumpffigten Wassers:[47] welches alles eine balsamische Krafft heget.


§. 25.

Das Königreich Hungarn ist zwar sehr ungesund und daher mehr als einmahl mit der Pest heimgesucht worden. Aber dieses hebt unsere Hypothesin nicht auff. Je grösser bißweilen die Vitiositas des Himmels ist, ie gütiger ist der Schooß der Erden. Das väterliche Erdreich ist iedem das gesündeste. Es sind uns bißher aus Hungarn und zwar aus derjenigen Landschafft, darinne unser Plogojowitz gestorben, [124] Exempel von Leuten bekannt worden, die ihr Alter auff 170. Jahr gebracht. Es ward dergleichen vor einigen Jahren aus Belgard berichtet, auch das Bildniß eines so alten Mannes als eine Rarität nach Wien gebracht, wie aus den öffentlichen Zeitungen erhellet. Hieraus läst sich schliessen, daß, ob gleich die fremden Soldaten in derselben Gegend vielmahls Hauffen-weise hinfallen und sterben, doch die Lage des Himmels denen Einwohnern daselbst und die nach ihrer Art zu leben gewohnt sind, so gar schädlich und ungesund nicht sey. So viel ist wenigstens gewiß, daß das Hungarische Erdreich sehr geschickt sey, die Cörper eine Zeit lang vor der Verwesung zu bewahren.


§. 26.

Unser Plogojowitz ist ohne Zweiffel an keiner auszehrenden und langwierigen Kranckheit, sondern vielleicht eines gewaltsamen Todes gestorben. Wenn wir nur Gelegenheit hätten, den Tod dieses Menschen zu untersuchen, so würden wir vielleicht befinden, daß er an empfangenem Giffte gestorben sey. Denn wie Seneca[48] bezeugt, so giebt es eine Art des Giffts, dadurch diejenigen, die es zu sich nehmen, getödtet werden, aber die Cörper verwesen nicht, kriegen auch keine Würmer.[49] Paulus Zacchias [125] berufft sich darauf u. hält es vor ein gewisses Zeichen, daß ein Mensch Gifft bekommen.[50] Das Exempel Alexandri M. dienet zu einem Beweißthum, als von dessen entseelten Cörper sich Q Curtius Lib. X. c. 10. also vernehmen läst: „Die zu ihm hinein gegangen, haben wahrgenommen, daß er durch keine Auszehrung verdorben noch den geringsten Flecken einiger Fäulniß an sich gehabt; auch die blühende Krafft, die sonst das Leben giebt, hatte ihn nicht verlassen.[51] Als daher die Egypter und Chaldäer auff erhaltenen Befehl den verblichenen Cörper gewöhnlicher Weise zubereiten solten, haben sie sichs anfangs nicht erkühnet, die Hände an ihn, als einen Lebenden, zu legen: hernach aber, da sie gen Himmel geseuffzet, daß ihnen als Sterblichen erlaubt seyn möchte, ihn anzurühren, haben sie den Cörper gereiniget und einbalsamirt“: Wobey Curtius hinzusetzet: „Denn sie glaubten, er sey mit Giffte vergeben worden.


§. 27.

Von dem Opio und andern Schlaff-machenden Artzneyen ist bekannt, daß sie den Tod nach sich ziehen, wenn sie nicht gebührend gebraucht werden. Ein solcher Tod aber, was ist er anders, als ein sehr tieffer Schlaff, der die Lebens-Geister [126] also bezwinget, und das Gehirne also einnimmt, daß aller Odem und Pulß, ja endlich das Leben selbsten aussen bleibt. Wie nun ein solcher Todter gleichsam in einem tieffen und sehr schweren Schlaffe liegt, also hat auch dessen Cörper noch nichts erlitten, das die Haußhaltung und Oeconomie der Seelen stören und verderben könne. Der Mensch hat zwar würcklich auffgehöret zu leben, aber der Leib hat doch noch nicht seine formam verlohren, weil die Theile desselben gleichartig geblieben u. kein Auflösungs-Mittel bey sich admittiret haben.[52] Wenn nun ein solcher Cörper sogleich begraben wird, ehe noch etwas widerwärtiges (aliquid heterogenei) in ihm entstanden, kan es leichte geschehen, daß er eine Zeitlang in seiner Blüthe, Krafft und Vegetanz unverweßlich bleibt, insonderheit, wenn die Erde, darein er gebracht wird, und das Grab selbst, seiner Natur nach, etwas zu Erhaltung desselben beyträgt. Man hat sich demnach nicht zu verwundern, daß der Leib unsers Plogojowitz so lange nach dem Tode unversehrt und unverwest befunden worden.


§. 28.

Hat aber ein gantzer Cörper unverweset bleiben können, warum nicht auch eintzelne Theile desselben? Wir haben oben schon erinnert, daß [127] bey dem Hungarischen Casu viel Umstände vorkommen, die verdienen, in eine besondere Betrachtung gezogen zu werden. Und diesem wollen wir ietzt nachkommen. Was wir aber hier zu sagen haben, kömmt mit dem oben gedachten völlig überein. Wir werden daher unsere Hypothesin nicht wiederhohlen, sondern nur von einem iedweden Phænomeno ins besondere etwas gedencken. So viel können wir voraus zu setzen nicht Umgang nehmen, daß die Glieder des Leibes nicht alle von einerley Beschaffenheit sind. Es haben zwar alle Leibes-Glieder unter sich eine natürliche Ubereinstimmung und die Abtheilung der Glieder hat ihr richtiges Ebenmaaß, nichts desto weniger hat iedwedes Glied, an sich selbst betrachtet, seine besondere Zusammensetzung der Theile, durch welche es von andern, der Verrichtung und Eigenschafft nach, unterschieden ist.[53] Wenn nun ein und das andere Glied des Leibes in seiner Aufflösung keine recht ähnlichen Theile, mit welchen es sich vereinigen kan, findet, pflegt es sich etwas länger, als gewöhnlich ist, zu erhalten. Es ist nicht nöthig, daß wir uns länger dabey aufhalten, weil in dem, vor uns habenden [128] Exempel nicht so wohl einige Theile, als vielmehr der gantze Cörper unversehrt zu sehen gewesen. Was aber sonderbahres daran wahrgenommen worden, sind Würckungen der ihnen beywohnenden Vitalität.


§. 29.

Das erste, was die Leute bey dem ausgegrabenen Cörper angemerckt, ist der Geruch, der nicht das geringste von einer Fäulniß zu erkennen gegeben. Aber es ist dieses nicht zu verwundern, weil noch keine würckliche Fäulniß verhanden gewesen. Das andere, was sie wahrgenommen, ist einer grössern Nachforschung wehrt. Sie haben nemlich befunden, daß die Nase, obgleich der gantze Cörper gantz und unversehrt befunden worden, eingefallen gewesen. Es pflegt dieses gemeiniglich an dergleichen Cörpern wahrgenommen zu werden. Wir können in dieser Sache Ant. Santorellum in Post. Prax. Med. c. 42. p. 140. zum Zeugen anführen, welcher schon längst an dem Cörper des seel. Jacobi de Marchia zu Neapolis, ingleichen zu Venedig an dem Cörper der heil. Helenæ angemerckt, daß, wenn gleich alle Theile des Leibes unverweset befunden würden, so mangele doch der äusserste Theil der Nase. Er leugnet aber, daß derselbe verwest sey, ob es gleich so geschienen. Denn er setzet hinzu: „Es scheine zwar, als ob [129] er mangele, weil der äusserste Theil der Nase an einem Knorpel, und nicht an einem Beine hängt. Der Knorpel aber, wenn er ausgetrocknet ist, ziehet sich leichte zusammen; ziehet er sich aber zusammen, so ziehet sich auch die Haut und Fleisch, so darauff ruhet, zusammen. Wenn nun die Nase nicht mehr diejenige Länge hat, die sie vorher gehabt, so ist sie nicht verweset, sondern hat sich nur aus Vertrocknung zusammen gezogen, wie es etwan mit dem Leder und Fellen zu geschehen pflegt.“ Wir stimmen dieser Meinung bey und führen Julium Cæsarem zum Exempel an, welcher, da er Alexandri M. Leib angegriffen, ein Stück von dessen Nase abgebrochen hat. Es erzehlet dieses Dio Cassus[54] und aus selbigem Jo. Xiphilinus.[55]


§. 30.

Ferner hat man an dem Cörper des Plogojowitz wahrgenommen, daß der Bart, die Nägel und Haare gewachsen gewesen. Alleine was verwundern wir uns darüber, da es die Natur der Nägel und Haare nicht anders mit sich bringt? Wenn wir derselben Natur genau untersuchen wolten, würden wir die Wahrheit dieser Sache deutlich erkennen. Es mag vorietzund genung seyn, des eintzigen Garmanni Hypothesin anzuführen und sie uns zuzueignen, als welcher Bart, Haare und Nägel weder [130] der vor einen Auswurff des Leibes, noch auch vor Theile desselben hält und ausgiebt. Er hält Bart und Haare vor ein besonderes Vegetabile, welches mit dem Mooß und gewissen Kräutern, die auff den Bäumen wachsen, z. E. Engelfüß etc. zu vergleichen sey. Wie nun solcher Mooß oder Kräuter ein besonderes und von dem Baume gantz unterschiedenes Wachsthum und Leben haben, ob sie gleich aus dem lebendigen Baume selbst ihre Nahrung empfangen: also sey es auch mit den Haaren, Bart und Nägeln beschaffen. Der Unterschied des Wachsthums und Lebens zwischen solchem Mooß und Kräutern und dem Baume, darauff es wächset, erhellet unter andern daraus, daß jenes auch noch wächset, und frisch ist, wenn gleich der Baum verdorret, so lange nemlich dasselbe aus solchem erstorbenen Baume oder anders woher noch ein mit seiner Natur übereinstimmendes Nutriment haben kan. Und so ist es auch mit den Haaren und Bart beschaffen, so ferne sie aus dem Leibe, er mag nun lebend oder todt seyn, ein convenientes Nutriment erlangen; sie haben ihr besonders Leben und wachsen zu ihrer gehörigen Grösse; Daß aber dieses Leben mit denen übrigen Theilen keine Gemeinschafft habe, erkennet man daraus, daß der Tod denen Haaren mit denen andern Theilen des Leibes nicht gemein ist. Denn nach Auffgebung der Seele sterben zwar alle Theile des Leibes, die von einer Seele belebt worden, aber nicht die Haare, als von [131] welchen man so vielmahl angemerckt, daß sie lange nach der Menschen Tode gelebet und gewachsen haben.[56] Eben dieses wird auch von denen Nägeln bekräfftiget. Denn es bestehen die Nägel und Haare aus einerley, nemlich einer klebrichten Materie, weil sie, wenn man sie kochet, eine Sultz oder Gallert von sich geben. Siehe FRANC. MERC. HELMONT. in Alph. Nat. coll. 14. p. 132. Hippocrates nennet es daher einen zähen Rotz, mucum glutinosum. Immittelst wird iederman Garmanno[57] leichte zugestehen, daß der Leim, der aus den Haaren gekocht wird, nicht so viel irdischen Unflath bey sich führe, als der aus den Nägeln gekocht wird: man wird auch Jo. Dolæo.[58] glauben, daß die Haare und der Bart einerley Nutriment haben. Bey so gestalten Sachen hat man nicht Ursache, solches an unserm Plogojowitz in Verwunderung zu ziehen.


§. 31.

Was aber die Haut an demselben betrifft, so hat sie gantz abgeschählt geschienen. Darüber wird man sich gleichfalls nicht verwundern, wenn man die Natur und Structur der Haut in Betrachtung zieht. Denn die Haut besteht aus lauter nervösen Fibern oder Fäsichen, welche wunderbahrer Weise in einander verwickelt sind,[59] und ist gleichsam das allgemeine Emunctorium des Geblüts, durch welches vermittelst des [132] Schweises und der Ausdünstung das überflüßige Blut excerniret wird. Est quasi commune sanguinis emunctorium, quo sudoris & transpirationis beneficio superfluus sanguis exernitur. So lange diese Abscheidung statt findet, ist die Haut feuchte u. frey von aller Trockenheit, wenn sie aber cessirt, so trocknen die äussersten Fibern aus und verschwinden. Da nun ein Cörper unter der Erden nicht leichtlich schwitzen und ausdünsten kan, erkennet man daraus, warum unser ausgegrabener Plogojowitz seine Haut oder vielmehr das Aeusserste derselben abgeleget habe. Denn die äussersten Fibern sind vor Trockenheit vergangen. Daß aber an demselben zugleich eine neue Haut hervor gekommen, ist der Vegetantz des Cörpers zuzuschreiben, durch welche die innersten Fibern so fruchtbar gemacht worden sind, daß sie sogleich zu einer neuen Haut geworden.


§. 32.

Nun folget an dem ausgegrabenen Cörper zu betrachten das Bluten desselben und die so genannte Cruentatio. Denn es erzehlt der Kayserliche Provisor, dem wir die gantze Nachricht zu dancken haben, daß in dem Munde des verstorbenen Plogojowitz lebendiges Blut angetroffen worden, von welchem er gedencket, daß die gemeine Rede gegangen, es sey von ihm aus den umgebrachten Leibern gesogen worden. Alleine wir haben dieses Vorgeben als ein Mährgen schon in der erstern Dissertation[60] sattsam [133] widerlegt. Was aber das Blut selbsten anbetrifft, das gefunden worden, wollen wir von solchem noch etwas gedencken. Das Bluten der Cörper, an sich selbsten betrachtet, ist eine überall so bekannte und ausgemachte Sache, daß wir es vor überflüßig achten, überhaupt davon zu handeln, sonderlich da der öffters gelobte Garmannus einen gantzen Titel davon in seinem gelehrten Wercke hat, der denen Wunderwercken der Todten gewidmet ist: Gäntzlich kan dieses Phænomenon nicht geleugnet werden, ob gleich in Anführung der Ursachen die Naturkündiger nicht überein stimmen. Wir treffen eine gedoppelte Art der Ursachen bey ihnen an. Einige sind aus der ordentlichen Natur-Lehre, so ferne sie der verborgenen entgegen gesetzt wird, hergenommen, einige aber aus der verborgenen, die sonst die natürliche Magie und Zauberkunst heisset. Mit dieser haben wir vorietzund nichts zu thun, weil alles dasjenige, was als blutig an dem ausgegrabenen Cörper des verstorbenen Plogojowitz wahrgenommen worden, aus denen Grund-Sätzen der ordentlichen Natur-Lehre dargethan werden kan.


§. 33.

Es ist der Cörper blühend und lebend gewesen: warum solte denn nicht auch das Blut von gleicher Beschaffenheit gewesen seyn? Denn es besteht ja in dem Blute vornehmlich des Leibes Leben; wenn das Blut auffhöret, fliessend zu seyn, höret auch das Leben auff. Daß aber das [134] Blut so lange in einem verstorbenen Cörper bestehen könne, bezeugen mehr als hundert Exempel bey denen weltlichen Scribenten. Die meisten geben zwar vor, es könne das Geblüthe nicht länger denn sieben biß acht, oder auffs längste zehen biß zwölff Stunden in einem solchen Cörper fliessend bleiben; es finden sich aber auch andere, die diese Zeit mit Cornelio Gemma[61] biß auf den dritten und mit Hieronymo Cardano[62] biß auff den vierten Tag in der Winters-Zeit extendiren. Alleine ich halte dafür, daß man darinne keine gewisse Zeit bestimmen könne. Denn wir lesen, daß die Flüßigkeit des Geblüthes nicht nur eine oder zwey Wochen, sondern auch drey, vier, fünff Wochen, ja wohl gar zwey Monathe gedauret habe. Siehe THOM. CAMPANELLAM, JO. MANLIUM, GREGOR. HORSTIUM, JO. BOEMUM und andere in GARMANNI Tractat. de Mir. Mort. L. II. Tit. 7. §. 96. Es verdienet deßwegen hier eine Stelle, was Herr M. George Christoph Ludewig, Pfarrer zu Linsenhoff, in seinem Buche, das er Rotte-Ackers Trauer-Tag nennet, anmercket, da er das Unglück, so die Donau durch Einreissung einer Brücke vor einigen Jahren zu Rotte-Acker im Hertzogthum Würtenberg mit ihrer Uberschwemmung verursachet, beschreibet. Denn es sind damahls einige Cörper, [135] welche über 4. biß 5. Wochen im Wasser gelegen, durch die Wärme dergestalt wieder erquicket worden, daß sie durch die Nase zu bluten angefangen.[63] Man hat daher nicht Ursache sich über unsern Plogojowitz zu verwundern, daß dessen Cörper nach Verlauff zweyer Monathe, nachdem er beerdiget worden, annoch wahres Blut bey sich gehabt. Das meiste, was uns hierbey in Verwunderung setzet, ist das Blut, das in dem Munde des Cörpers gefunden worden. Alleine da uns nicht bekannt ist, mit was vor Instrumenten die erzürnten Einwohner selbiges Orts den verschlossenen Mund des Verstorbenen eröffnet, ist es glaublich, daß sie dem Cörper und dessen Munde Gewalt angethan haben.


§. 34.

Nun ist noch übrig, daß wir bey Erklärung derer phænomenorum unsers wunderthätigen Cörpers diejenigen Zeichen untersuchen, welche der Kayserliche Provisor in seiner Relation wilde Zeichen nennet, und die er aus Erbarkeit nicht eigentlich nennen will. Alleine wir können leichte errathen, daß er damit nichts anders als die Erhebung und Aufrichtung des männlichen Gliedes stillschweigend anzeigen will. Aber was will er verschweigen, was will er sich wundern, da so viel Exempel verhanden sind von Cörpern, an denen das männliche Glied nach dem Tode starr und steiff zu sehen gewesen? [136] Ambrosius Stegmannus[64] erzehlet, er habe mehr als einmahl mit seinen Augen an denen Verstorbenen das Glied auffgerichtet gesehen, und Garmannus[65] versichert, daß er von denen Soldaten zum öfftern vernommen, daß die im Treffen gebliebenen Soldaten insgemein erectum penem gehabt. S. P. Sachsius berichtet, (Siehe GARMANNUM cit. l.) daß er an denen bey St. Gotthard gebliebenen Türcken selbst gesehen, daß sie nach ausgezogenen Kleidern ein so starres Glied gehabt, als ob sie auff dem Felde der Venus einen neuen Kampff hätten antreten wollen.


§. 35.

Was hiervon die Ursache sey, läst sich leichte einsehen. Jedoch nach Unterschied der Exempel findet sich auch ein Unterschied der Ursachen. Wer an dem so genannten Priapismo[66] stirbt, oder wie der Menelaus mitten in Liebes-Wercken,[67] der wird gemeiniglich so lange ein steiffes Glied behalten, biß es durch die Fäulniß verzehret worden. Hierzu tragen auch viel bey alle Aphrodisiaca und stimulantia, z. E. Die Purgantzen, Liebes-Träncke, Geilwurtzel, [137] Bangve, Maslach, Hanff, Opium, Toback-Rauch, die Wurtzel Asparagi in denen pituitosis, boletus cervinus und dergleichen; von deren Würckungen unser Garmann viel wunderbahre Dinge, die sich an lebenden und todten Cörpern ereignet, erzehlet. Daß auch zu solcher Erhaltung des steiffen Gliedes die Furcht vor einem bevorstehenden Ubel etwas beytrage, wird iederman Garmanno[68] zugestehen, wenn er schreibt: „Wir sehen an denen Maleficanten, die zum Tode hingeführet werden, daß nicht nur alle äusserlichen Glieder, z. E. die Füsse starren, sondern daß auch die austreibenden also stimulirt werden, daß sie zu Stuhle gehen und ihr Wasser abschlagen müssen, ja selbst den Saamen von sich lassen; es kan daher bey jungen Leuten gar leichte geschehen, daß wenn die Glieder starren, auch die männliche Ruthe starre wird.“ Videmus enim in maleficis ad supplicium dandis non tantum externas corporis partes e. g. pedes rigere, sed & expultrices stimulari ita, ut excrementa alvi vesicæque egerint, imo & ipsum semen: in junioribus igitur facile fieri posse, ut rigentibus partibus vicinis etiam rigeat penis. Wer nun mit starrem Gliede stirbt, der behält auch im Tode ein starrendes Glied. Es ist dieses längst durch die Erfahrung bestätiget. Denn da die Nerven und Flechsen, so bald sie auffhören ihr Amt im Leibe zu verrichten, starre [138] werden, so läst sichs leichte daher schliessen, warum die Leibes-Glieder im Tode insgemein erstarren, und in demjenigen Zustande verbleiben, darinnen sie sind, wenn der Mensch stirbt. Es ist ein merckwürdig Exempel, welches hiervon Thomas Cantipratanus[69] von einem Geistlichen und einer Nonne, die während der fleischlichen Vermischung den Geist auffgegeben, erzehlt. Denn es hat solche ein gewisses altes Weib mit umgeschlagenen Armen und Beinen im Bette liegend so genau mit einander vereinigt angetroffen, daß sie auff keinerley Art und Weise haben wieder von einander gebracht werden können.


§. 36.

Bey so gestalten Sachen wird sich Niemand über unsern Plogojowitz verwundern, daß er nach dem Tode noch sein Glied auffgerichtet. Es ist solches an sich selbst von einer schwammigten Natur und kan daher durch eine eingelassene Feuchtigkeit oder durch das Einblasen in die arteriam hypogastricam so gleich in dem Cörper auffgerichtet werden.[70] Wenn nun der gantze Cörper frisch und lebend (vegetans) gewesen, wie wir oben gezeiget, warum solte nicht auch das männliche Glied seine Vegetantz gehabt haben? Hierzu kömmt, daß der Mann vielleicht am überflüßig empfangenen Opio gestorben. Nun ist von dem Opio, wie wir oben erinnert, [139] bekannt, daß es bey den Morgenländern eine Krafft zu stimuliren habe. Denn wir lesen, daß es so wohl die Persianer[71] und Indianer, JAC. SAAR Ost-Indianische Kriegs-Dienste p. 12. als auch die Türcken ad excitandos stimulos gebrauchen, als bey welchen letztern es den Nahmen Maslach führet.[72]


§. 37.

Alleine wenn wir fragen: Ob sich nicht alsdenn erst die männliche Ruthe auffgerichtet, da die Hungarn den Sarg geöffnet? so ist solches, wenn wir die Relation des Provisoris, so, wie sie in denen öffentlichen Zeitungen vorkömmt, ansehen, nicht zu leugnen. Alleine was thut das, wenn es auch gleich geschehen ist? Der Cörper ist eingeschlossen und von allem Anhauchen der Lufft so abgesondert gewesen, daß es nicht zu verwundern ist, wenn der Cörper nach geöffnetem Sarge eine neue Bewegung bekommen, insonderheit da er noch frisch und blühend gewesen. Selbst Garmannus[73] kan nicht leugnen, daß nicht das Aufflauffen des männlichen Gliedes durch die Fäulniß-Wärme leichte vermehret werden können, wenn solches schon vorher starre gewesen ist.[74] [140]

§. 38.

Dieses mag von der Vegetantz des Cörpers genung gesagt seyn. Wir kommen nunmehro auf das andere Phænomenon, das wir bey den schmatzenden Todten zu behaupten auff uns genommen haben. Es bestehet in der schädlichen Würckung derselben in die Lebendigen. Nociva in vivos Operatio. Wir müssen von denen ersten Gründen der Natur-Lehre den Anfang machen. Wir haben oben schon ad §. 10. sqq. gezeiget, daß die erste Materie, die GOtt geschaffen, zwey wesentliche Eigenschafften gehabt, die Vegetantz und die Sension oder Empfindung, welche beyde wir mit einem Worte Vitalitatem, das Leben genennet. Was die Vegetantz, die erste Eigenschafft unsers Principii, anbetrifft, so haben wir von derselben zur Gnüge gehandelt, auch daraus sattsam erkläret, was zur Demonstration der Vegetantz unsers schmatzenden Cörpers nöthig gewesen. Nun ist noch übrig, daß wir auch von der andern Eigenschafft der ersten Materie, der Sension, handeln damit wir auch das andere Haupt-Phænomenon unsers Cörpers daraus erklären können.


§. 39.

Wir haben diese Sension oder Empfindung schon oben beschrieben durch ein innerlich Fühlen dessen, was dem Wesen der Sache angenehm oder unangenehm deuchtet. Was in der Natur ist, trachtet nach seiner Erhaltung. Die Mittel [141] aber solche Erhaltung zu erlangen, können nicht begehret, oder gesuchet werden, als biß sie vorher empfunden und erkannt worden. Es ist aber diese Empfindung oder Sensio sehr wohl von derjenigen zu unterscheiden, die sonst in Schulen modificatio particularis heist, welche denen Thieren eigen ist. Denn wir verstehen hier eine einfache simple Sension, die der gantzen Natur gemein ist. Wie es nun keine Empfindung ohne Berührung giebt, also kan auch diese Empfindung nicht anders, denn durch das Berühren geschehen. Alles aber, was empfunden wird, ist entweder angenehm oder unangenehm. Wenn es angenehm ist, folgt daraus eine Sympathie, ist es aber unangenehm, so folgt eine Antipathie. Und dieses ist das Principium der gantzen Magiæ Naturalis oder natürlichen Zauberkunst. Es stimmet darinne in einigen Stücken mit uns Ferdinandus Santanelli in seiner Philosophiæ reconditæ Explanatione überein, ob wir gleich in den übrigen demjenigen Beyfall geben, was der gelehrte Verfasser der Deutschen Actorum Erudit. davon geurtheilet.[75]


§. 40.

Aus diesem ietzt angeführten erhellet, daß die gantze Natur durch das Principium der Activität oder Vitalität zusammen verbunden ist. Das Systema aller erschaffenen Dinge ist als ein [142] eintziger Cörper anzusehen, weil zwischen allen Cörpern sich eine gemeinschafftl. Verbindung der Vitalität findet, durch welche sie einander theils durch ihrer Conplexionen Aehnlichkeit, theils durch derselben Contrarietät berühren.[76] Wenn gleichartige Dinge empfunden werden, verursachen sie ein Vergnügen, die widrigen aber einen Eckel. Beyderley Würckung aber ist magisch, weil sie in geheim geschicht und ohne denen modificirten Sinnen. Denn die Berührung der Cörper, von welcher wir hier handeln, geschicht nicht durch das handgreiffliche Berühren, sondern durch ein geheimes Würcken. Die Atmosphär kan hier viel beytragen, weil vermittelst der selben die Ausdünstungen der Cörper in einander zu würcken pflegen. Es sind aber diese Ausdünstungen und Effluvia gleichsam das vornehmste Band, durch welches die Cörper aneinander hängen und sich unter einander berühren. Und von solchen Ausdünstungen ist unsere gantze Atmosphär voll, als deren Wesen eben darinne besteht, daß sie die Dünste, die täglich aus der Erde auff und in die Höhe steigen, auffnimmt.


§. 41.

Wenn wir die Natur derer Ausdünstungen [143] untersuchen, befinden wir, daß sie nichts anders sind als die Kräffte der würckenden Cörper, welche nach etwas ihnen ähnliches streben. Nil aliud esse credimus, quam ipsas corporumoperantium potentias, quæ ad sibi analogon tendunt. Wenn diese einmahl in Bewegung gekommen sind, hören sie nicht eher auff zu würcken, biß sie entweder das, wornach sie streben, erlangt haben, oder in ihrer Würckung gestöhret worden sind. Es hat dieses Jo. Westphalus[77] in allen sympathetischen und magischen Kranckheiten sehr wohl angemercket. Denn da einem iedweden Cörper von Natur eine Empfindung des angenehmen und unangenehmen eingepflantzt ist, so kan eines ieden andern Cörpers magische Würckung, die durch die Effluvia und Ausdünstungen geschicht, gar leichte empfunden und recipirt werden. Wir werden daher eben in denen sympathetischen Kranckheiten so viele wunderbahre Würckungen gewahr, weil unsere Cörper von Natur geneigt sind, dasjenige zu recipiren, was bey der magischen Würckung intendirt wird. Wenn demnach eine mit Haß angefüllte Hexe die Schärffe ihrer Augen auff ein Kind richtet, mit dieser festen Intention, es zu bezaubern, so wird das Kind so gleich behext, welches wir insgemein ein Beschreyen nennen.[78] Gleichwie es aber in der Natur [144] Natur eine gedoppelte Magie giebt, eine Natürliche in eigentlichem Verstande und eine Künstliche;[79] also ist auch die Erregung derer verborgenen Kräffte der Natur nicht von einerley Art und Weise. Was ohne alle Mit-Würckung eines Menschen geschicht, als des Magnets Anziehung des Eisens etc. das gehört zu der eigentlich so genannten natürlichen Magie; was aber durch verborgene Künste der Menschen und folglich durch einige Mit-Würckung in der Natur erwecket wird, heist die Künstliche Magie, welche aber an sich selbst ebenfalls natürlich ist.


§. 42.

Beyderley Magie liegt selbst in dem Menschen. Je stärcker aber die Kräffte der Seelen sind, desto schwächer dargegen sind die magischen Würckungen. Denn die Würckungen der Seelen sind allezeit denen Würckungen des Leibes zuwider. Daher kömmt es, daß gemeiniglich die alten Weiber und die kein starckes und scharffes Gemüthe haben, des Lasters der Zauberey schuldig befunden werden. Es tragen auch hierzu gewisse Temperamenta viel bey, insonderheit das Melancholische, welches das Gemüthe des Menschen mit so vielen Bildern und Vorstellungen einnimmt, daß derselbe allezeit traurig, [145] stille, furchtsam und verdrießlich aussiehet. Aristoteles hält dafür, es hätten solche Leute in ihren Gemüthern etwas wahrsagendes und ahnendes bey sich, aliquid præsagientis atque divini, ut testatur CICERO divin. I. Herr D. Rüdiger eignet ihnen eine Facultatem divinandi zu. Siehe dessen sensum Veri & Falsi p. 12. sq. it. Physicam Div. L. I. c. 4. §. 45. 46. 47. Jedoch wir sind ietzt nicht gesonnen, die gantze Kunst der Magie zu erklären. Daher setzen wir vielmehr alles dasjenige, was hieher gehöret, auff die Seite, und bleiben bloß ein wenig bey der Lehre von der Imagination und Einbildung stehen, welche, wie sie das meiste in der Magie thut, also auch das meiste zu Erklärung derjenigen schädlichen Würckung beyträgt, welche an denen schmatzenden Todten pflegt wahrgenommen zu werden.


§. 43.

Die Imaginatio und Einbildung ist, unserm Bedüncken nach, hier nichts anders, als was wir sonst die Phantasie zu nennen pflegen. Diese Phantasie kan durch vielerley Ursachen erweckt werden, und hängt dem Gemüthe insgemein so feste an, daß sie auff keinerley Art und Weise wieder aus solchem heraus gebracht werden kan. Wenn sie hefftig erregt wird, verursacht sie Raserey, wie wir an den Kräutern sehen, welche eine Krafft haben, in die Gemüther [146] der Menschen zu würcken, z. E. Das Bilsen-Kraut,[80] durch dessen Krafft der Menschen Einbildung vielmahls dergestalt erhitzt und auffgebracht worden, daß die Leute darüber in Raserey gerathen. Wer mehr Würckungen der Einbildung wissen will, der lese die Scribenten, die ins besondere davon geschrieben haben. Unsers Orts ist es vorietzund nicht, uns länger dabey aufzuhalten. Wir beruffen uns nur noch auf Westphalum,[81] der von den sonderbahren Curen der Kranckheiten, die durch die Einbildung geschehen, ein mehrers geschrieben hat.


§. 44.

Daß aber die Einbildung allerdings viel zu denen Magischen Würckungen beytrage, läst sich wenigstens daraus erkennen, daß auch durch dieselbe gantz alleine in des andern Leib eine Würckung geschehen könne. Es bezeugen dieses sonderlich die schwangern Weiber. Was bildet nicht bißweilen derselben Phantasie in ihrem Leibe vor Mißgeburthen, welche nichts anders denn Früchte einer magischen Würckung sind. Der verkappte Philagrius le Roy[82] vergleichet daher nicht unbillig den gantzen Zusammenhang der Welt mit einem Weibe. „Es sey in diesem Zusammenhang, spricht er, ein eintziger untheilbarer Geist, der gantz im gantzen und gantz in einem ieden Theile desselben durch seine verschiedenen Ideen, die er denen Dingen einpräget [147] und die die Phantasie des Welt-Geistes bewegen, mancherley sich einbilde.“ In qua compage unus atque indivisibilis spiritus, totus in toto & totus in qualibet ejus parte per diversas ideas rebus impressas & moventes Spiritus Mundi phatasiam diversa sibi imaginetur. Es kömmt aber die Einbildung zu der Magie entweder als ein principium primarium oder nur als ein principium secundarium. Ein Principium primarum giebt sie ab in der würcklichen Bezauberung und Beschreyung, ingleichen in denen Kranckheiten, die durch die Furcht erregt werden, wie Theophrastus Paracelsus und Helmontius in denen Tractaten von der Pest bezeugen; als ein Principium secundarium aber erweist sie sich, wenn sie nur zufälliger Weise etwas zu der Magie beyträgt, wie uns darinne zu einem Exempel dienet das Vertrauen eines Krancken, das er auff den Arzt und die Artzeney setzet.[83] Je hefftiger (quo vehementior & intensior) aber die Einbildung ist, desto mehr trägt sie zu denen magischen Würckungen bey. Es brauchen daher die Hexen bey ihren verborgenen Künsten insgemein magische Kräuter, die die Einbildung desto mehr excitiren: welches, unserm Bedüncken nach, auch diejenigen Ceremonien und Characteres würcken, mit welchen die alten Hexen mit höchstem Aberglauben die Geister [148] herbey zu locken pflegen, ob sie gleich selbst nicht wissen, was sie damit haben wollen, noch was sie bedeuten.[84]


§. 45.

Wir leugnen immittelst nicht, daß nicht die Geister bißweilen zu Excitirung der Einbildung und folglich zur Magie etwas beytragen könten; alleine dadurch cessirt eben nicht die natürliche Würckung. Denn die Geister können nicht in die Natur würcken, ohne durch die Natur. Daher kan man auch denen teufflischen Vergifftungen, durch natürliche Mittel widerstehen.[85] Die Cur aber und Zeichen, dadurch dergleichen Vergifftungen von andern Kranckheiten unterschieden werden, hat vor allen andern Carrichter de Cura morborum magicorum, welcher Tractat des Mercklini Buche de Incantamentis beygefüget ist, sehr schön gezeigt. Was die Bezauberung ins besondere anbetrifft, so ist sie nichts anders, als eine Beschädigung, welche lebenden Cörpern (vegetantibus corporibus) durch die magische Einbildung zugefüget wird. Sie heisset sonst auch [149] das Beschreyen, davon die Gräffin d’ Aunoy in ihrer Spanischen Reise-Beschreibung[86] ein gar sonderbahr Exempel anführt. Es wird solches der Natur zugeschrieben, so ferne die Ausdünstungen und Exhalationes derer zarten Leiber, wie dergleichen die Kinder haben, durch derer feindseligen und gehäßigen Menschen Augen-Licht und Leibes-Dünste vermittelst einer schädlichen Imagination und widrigen Bewegung vergifftet und angegriffen werden. Weiter in dieser Betrachtung zu gehen, verhindern die engen Grentzen dieser Wissenschafft, welche zu überschreiten wir nicht vor rathsam erachten.


§. 46.

Nach diesem voraus gesetzten Präliminar-Discurse wird es uns nun leichte seyn, vollends zu erklären, was uns von denen kauenden und schmatzenden Todten übrig ist. Denn da wir uns gegen den Leser einmahl anheischig gemacht, dieses Wunder-Zeichen nach unsern Kräfften und Vermögen zu untersuchen, wollen wir solches nunmehro zu erfüllen suchen. Das Hungarische Exempel, das wir hierbey zum Grunde legen, lehret und überzeugt uns, daß aller Todten Freßigkeit einer magischen Einbildung zuzuschreiben sey. Es bezeugen dieses in der oben angeführten Relation fast alle Umstände, sonderlich diejenigen, da erzehlet wird, der [150] verstorbene Plogojowitz sey zu den Leuten im Schlaff gekommen, habe sich auff ihre Leiber gelegt und sie so gewürget, daß sie darüber sterben müssen; ingleichen wenn ferner erzehlt wird, es habe dessen hinterlassenes Weib ausgesagt, daß ihr verstorbener Mann zu ihr gekommen und seine Schuhe gefodert hätte, und was dergleichen mehr ist.


§. 47.

Hieraus schliessen wir, daß das Phænomenon derer so genannten schmatzenden Todten folgender gestalt seinen Ursprung genommen. Es hat nehmlich sich einsmahls zugetragen, daß die Pest an einem gewissen Orte viel Menschen weggerissen. Da nun das Graßiren dieser Seuche insgemein durch der Menschen Einbildung fortgepflantzet wird, wie wir unten zeigen wollen, hat es leichte geschehen können, daß die Leute bey ängstlichen Nächten und schweren Schlaffe mit vielen Todten-Bildern also umgetrieben worden, daß sie darüber gleichsam in eine Wahnsinnigkeit gefallen und endlich an der Pest gestorben sind. Wie nun in der Magie und bey allen verborgenen Würckungen der Cörper die starcke Einbildung insgemein das meiste thut: also hat sichs vielleicht auch zugetragen, daß die Hinterlassenen eines, auff solche Art verstorbenen Mannes nach dessen Tode von ihm allerhand Vorstellungen, Erscheinungen und Bilder bekommen, durch welche der Verstorbene so hefftig in sie gewürcket, daß sie endlich an [151] der Taubsucht Phrenitide oder einer andern dergleichen Kranckheit bald darauff gestorben sind. Die Hinterbliebenen, die eben dergleichen besorget, haben die Worte der Sterbenden bey sich überlegt, und da sie von ihnen vor ihrem Ende vernommen, daß der Verstorbene zu ihnen gekommen,[87] und sie auff mancherley Weise geplagt hätte, haben sie beschlossen, den Cörper desselben auszugraben und zu untersuchen, was die Ursache sey, daß die Sterbenden von denselben mit so vielen Erscheinungen gequälet worden. Als man nun den Cörper ausgegraben, haben sie von ohngefehr gefunden, daß derselbe nach denen obangeführten Ursachen und Gründen noch frisch sey; darüber sind sie in solches Erstaunen gerathen, daß sie vor Verwunderung sich nicht zu lassen gewust. Hierzu ist gekommen, daß vielleicht um des verstorbenen Brust etwas von der Kleidung, aus oben beygebrachten Gründen,[88] zerrissen oder aus seinen Falten gerückt gewesen. Hierdurch ist der abergläubische Pöbel sogleich veranlasset worden zu glauben und vorzugeben: es habe der Verstorbene im Grabe seine Kleider gefressen, und weil sie zugleich wahrgenommen, daß dessen Anverwandten auff eine sonderbahre Weise gestorben, so haben sie nicht umhin gekont, es dem Fressen dieser Kleider zuzuschreiben. Nachdem nun [152] dieses einmahl in die Mäuler der alten Weiber gekommen, ist täglich etwas hinzugesetzt, und endlich dieses vor eine ausgemachte Sache gehalten worden: Wenn die Todten in den Gräbern kauen und schmatzen, so ziehet es ein Sterben nach sich. Man wundere sich demnach nicht, daß uns so viele Mährgen von kauenden und schmatzenden Todten zu Ohren gekommen. Denn so offte sich nachgehends solche Umstände, wie wir oben beschrieben, an denen Sterbenden ereignet, hat man den verstorbenen Cörper, der solches verursachet haben soll, ausgegraben, und was man an demselben ausserordentliches wahrgenommen, zu einem Wunderzeichen gemacht. Und auf solche Art glauben wir, daß daher alles dasjenige, was unsere Eltern von den kauenden und schmatzenden Todten erzehlet, seinen Ursprung genommen habe.


§. 48.

Gleich wie aber allezeit an solchen Fabeln und Geschichten wenigstens etwas wahr ist, also ist es auch mit dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern beschaffen. Wir haben zwar in der erstern Dissertation vieles davon verworffen und widerlegt, aber wir halten doch nicht dafür, daß alles zu verwerffen sey. Denn es sind uns noch zwey Umstände, die durch Exempel und Gründe sattsam bestätigt werden können, übrig geblieben. Einen haben wir nur ietzo betrachtet, den andern aber haben wir noch unter Händen und bestehet in derjenigen schädlichen [153] Würckung in die Lebendigen, welche wir zwar schon einer magischen Einbildung zugeschrieben, aber nicht genungsam erwiesen haben. Alleine damit wir in gehöriger Ordnung gehen, wollen wir erst darthun, daß es allerdings solche Kranckheiten gebe, die in der Einbildung bestehen, und den Tod nach sich ziehen, hernach wollen wir zeigen, wie die Leute, die an solchen Kranckheiten sterben, bisweilen auf eine magische Weise in die Lebendigen würcken können.


§. 49.

Die Kräffte der Einbildung, die wir oben beschrieben, haben viele dergestalt erhoben, daß sie mit Avicenna de Animal. sect. 4. c. 4. geglaubt, „es könne dadurch ein Mensch, der zu Pferde sitzet, eine ziemliche Weite davon herunter geworffen, ingleichen Ungewitter und Erdbeben erweckt, und in den Wolcken ein solches Knallen, als wenn es donnerte und blitzte, gemacht werden.“[89] Ob wir nun gleich diesen Träumen keinen Beyfall geben, können wir doch nicht leugnen, daß nicht die Kräffte der Einbildung vielmahls so groß seyn solten, daß sie eine Kranckheit, ja den Tod selbst nach sich ziehen. Es verdienet daher Jos. Scaliger angeführt [154] geführt zu werden, welcher von denen Einbildungs-Kranckheiten (die aus Einbildung entstehen) also schreibet: „Eine Einbildungs-Kranckheit ist die Phrenitis, da dem Gemüthe allerhand Phantasmata und Gespenster vorkommen; Eine andere Einbildungs-Kranckheit heist bey den Griechen κορυβαντισμὸς, daran diejenigen darnieder liegen, die mit offenen Augen schlaffen und wegen allerhand Erscheinungen und Gepolter einen unsichern Schlaff haben, welches die Alten aus Aberglauben den Corybantibus[90] zugeschrieben: Daher kömmt Corybantiare, an dieser Kranckheit darnieder liegen.“[91] Hierher gehört auch der Alp, da die Leute nicht anders dencken, als es komme ein Incubus und Nacht-Geist zu ihnen, der sich auf ihren Leib lege und sie so drücke, daß sie vor Angst ihren Geist aufgeben möchten. Es haben ihn daher viele vor einen natürlichen Geist gehalten, der Elementarisch sey und Milch und Blut sauge. Es lehret dieses unter andern JO. SOPHR. KOZACK. in Anatom. Vital. Microscosm. c. 17. p. 175.


§. 50.

Dergleichen Gifft der Einbildung empfinden nun sonderlich die Leute zur Pest-Zeit. Selbst [155] Herr D. Friedrich Hoffmann will es nicht gäntzlich leugnen, wenn er in seinen Dissertationibus Physico Medicis[92] ausdrücklich von der Pest schreibet, sie entstehe aus der Fäulniß der menschlichen Cörper, und werde durch die Furcht erhalten und fortgepflantzet. Am allerweitläufftigsten hat hiervon Jo. Samuel Carl[93] gehandelt. Denn so offte, seiner Meinung nach, wie wir oben in der ersten Dissertation angeführt, die menschliche Seele von einem aus der höhern Engel-Welt fliessenden Principio geschreckt und mit einer durchdringenden Magie angegriffen wird, so lasse sie ihre Mixtion aus Furcht und Schrecken aus den Händen fallen und lasse der innern Fäulniß den Lauff.[94] Ob wir nun gleich Bedencken tragen, diese Hypothesin anzunehmen, so unterstehen wir uns doch nicht zu leugnen, daß die Pest allerdings eine so schreckliche Sache sey, daß zu solcher Zeit die gantze Natur des Menschen in ihren Gliedern schon den Tod mit sich führet, ob sie ihn gleich noch nicht empfindet. Wir sehen zu dieser Zeit Vater und Mutter, Nachbar und Schwager innerhalb sehr kurtzer Zeit den Geist aufgeben; Durch solchen geschwinden Tod werden der Hinterlassenen Gemüther so beweget und mit so viel Bildern eingenommen, daß sie ihrer selbst nicht [156] mehr mächtig sind, sondern täglich als träumende mit vielen falschen Gesichtern umgetrieben werden.


§. 51.

Dieses glauben wir auch, sey dem Volcke in Hungarn, das den verstorbenen Plogojowitz eines Mords der Seinigen beschuldiget, begegnet. Es ist dieser gute Mann entweder eines sehr plötzlichen oder gewaltsamen Todes gestorben. Er mag nun eines Todes von beyden gestorben seyn, welches er will, so hat derselbe bey denen Hinterlassenen gar leichte solche Gesichter und Schreck-Bilder verursachen können, wie sie ihnen nach dessen Tode würcklich vorgekommen sind. Der plötzliche Tod würcket in denen Hinterlassenen gemeiniglich Bekümmerniß. Die Bekümmerniß führet Traurigkeit bey sich. Die Traurigkeit zeuget Melancholie. Die Melancholie verursachet unruhige Nächte und schwere Träume. Und durch schwere Träume werden die Kräffte des Leibes und der Seelen dergestalt geschwächt, daß nicht nur Kranckheit, sondern auch der Tod selbst daraus erfolget. Uberdiß entstehet der plötzliche Tod aus hitzigen Kranckheiten, deren Malignität gemeiniglich ansteckend ist, insonderheit wenn das Gemüthe sich dafür allzu sehr scheuet und fürchtet, wie in allen Arten der Masern und Pocken zu sehen ist. Es pflegt auch in solchen hitzigen Kranckheiten die Hitze des Leibes das Gehirne einzunehmen und es [157] zu Empfahung allerhand Gesicher und Einbildungen geschickt zu machen.


§. 52.

Daß der Plogojowitz eines gewaltsamen Todes gestorben sey, haben wir schon oben. §. 26. gemuthmasset. Ist solches in der Wahrheit gegründet, was Wunder? wenn der Hinterlassenen Gemüther mit vielerley Einbildungen beunruhiget worden. Denn es ist nichts elenders als ein Gemüthe, das sich nichts gutes bewust ist. Wer die Stiche des bösen Gewissens empfindet, der wird auch durch die Straffe des Bubenstücks, die er sich gewiß vorstellet, so geängstiget, daß er beständig ohne Rath und Gemüths-Verfassung ist; ja es beissen denselben noch die begangenen Sünden, wenn gleich schon viele Jahre verflossen sind. Præteritis admissa annis peccata remordent. LUCRET. Lib. III. Was soll nun nicht geschehen, wenn nur etliche Wochen verflossen sind, wie zu vermuthen steht, daß bey unserm Plogojowitz geschehen. Das hinterlassene Weib scheinet die meiste Beunruhigung über den Tod ihres Mannes gehabt zu haben, daher sie nirgend bleiben können, sondern wegen der vielen Gewissens-Bisse, die sie empfunden, sich von einem Ort zu dem andern begeben müssen. Es ist aber der Weiber Boßheit vielmahls so groß, daß sie auf keinerley Art und Weise genugsam erforscht werden kan. Wer will es uns demnach vor [158] übel halten, wenn wir glauben, es habe das Weib[95] den abergläubischen Pöbel vielleicht mit Fleiß auff die Gedancken gebracht, als ob der verstorbene Plogojowitz im Grabe kaue und schmatze, und folglich ein so genannter Vampyr sey. Dieses haben sich nachgehends die furchtsamen Leute dergestalt in Sinn geprägt, daß sie es aus solchem nicht wieder haben heraus bringen können, sonderlich da sie gesehen, daß verschiedene Leute eines plötzlichen Todes gestorben.


§. 53.

Wir kommen nunmehro auff das wichtigste Stück unserer Abhandelung, welches von der magischen Würckung der Toden in die Lebendigen handelt. Je wichtiger aber dessen Inhalt ist, ie schwerer ist auch dessen Abhandelung. Alleine wir leben der guten Hoffnung, es werde der geneigte Leser mit uns zufrieden seyn, wenn wir ihm nur die Existentz der Sache darzuthun suchen. Denn sie gehört zu den Geheimnissen der Natur, die Niemand genungsam ausforschen wird, wenn er sich auch gleich die gantze Zeit seines Lebens darauff leget. Was wir aber hier zu sagen haben, gründet sich auff die Hypothesin, nach welcher wir der gantzen Natur einen mutuellen Einfluß in sich selbsten [159] zugeschrieben haben.[96] Dieser mutuelle Einfluß erfodert unzehlich viel Kräffte der Cörper, oder, wie andere sagen, Ideen, durch die sie einander berühren. Diese Kräffte aber, da sie allezeit etwas, einem Verlangen ähnliches, in sich haben, können auff vielerley Weise erwecket werden, und zwar also, daß sie auff dieses und nicht auff ein anderes Objectum sich richten. Wenn nun ein Mensch durch seine starcke Einbildung seine Ideen und Kräffte auff gewisse Personen, sie entweder zu seegnen oder zu verfluchen, richtet, so fangen sie so gleich an, auff eine heimliche Weise in sie zu würcken. Wir werden dieses gewahr, so offte wir zu sagen pflegen: lupus in fabula.[97] Hieher gehören auch alle Ahndungen und Bezauberungen und was zu der Lehre von der Sympathie und Antipathie der Thiere, die sie unter einander haben, gehöret.


§. 54.

Diese Kräffte (potentiæ) so durch eine sehr starcke Einbildung erweckt worden, hören auch nicht nach des Menschen Tode auff, sondern würcken so lange, biß sie in ihrer Würckung gestöret worden. Es entstehen daher alle diejenigen Erscheinungen derer Verstorbenen, dadurch [160] die Hinterlassenen bald nach derselben Tode im Schlaffe vielmahls geplagt werden; ingleichen, wenn dem Verstorbenen im Tode bald etliche nachfolgen, welche mit ihm im Leben eine grosse Gemeinschafft gehabt. Es sind deßwegen die Worte merckwürdig, die Theophr. Paracelsus[98] folgendes Inhalts vorbringt: „Wenn ein schwangeres Weib zur Pest-Zeit in Kindes-Nöthen von aller Hülffe verlassen, stirbt, ist leichte zu schliessen, was sie alsdenn vor eine Einbildung habe. Denn wenn sie wünschet, ich wolte, daß, da ich ietzt und meine Geburth so elende sterben müssen, alle Menschen zugleich mit uns sterben möchten, so ist kein Zweiffel, daß nicht ein gedoppeltes Gifft der ansteckenden Seuche dadurch auff die Lebenden kommen solte.“ Es verdienet hier auch Marcus Marci von Kronland angeführt zu werden, bey welchem wir folgende merckwürdige Observation von dem Blute eines umgebrachten Cörpers, so durch die Imagination des Thäters in Bewegung gebracht worden, finden: „Es kan geschehen“, schreibt er, in Philos. Vet. Restit. p. 406. „daß bißweilen ein gantz unschuldiger deßwegen in Verdacht kömmt, wenn nehmlich ein Sterbender einen fälschlich vor den Urheber seines Todes hält und in solcher festen Einbildung sein Leben beschließt; ich kenne hier in Prag ein Mägdgen von 14. Jahren, die mit einer [161] solchen Phantasie behafft gewesen; sie bildete sich ein, sie habe von einer andern Person Gifft bekommen, daran sie sterben müste. Sie starb darauff an allerhand Convulsionibus,[99] und ward den dritten Tag begraben. Als sie nun beerdiget wurde und die Person, die ihr verdächtigt gewesen, darzu kam, schoß dem verblichenen Cörper das Blut aus der Nasen.“[100]


§. 55.

Hieraus erhellet, daß es so gar sehr nicht zu verwundern sey, wenn der verstorbene Plogojowitz nach seinem Tode innerhalb acht Tagen auff neun Personen umgebracht. Er hat vielleicht vielerley Zänckereyen mit seinen Nachbaren gehabt, dadurch er in solchen Haß gegen sie gerathen, daß er auch im Tode nicht dafür ruhen können. Es können auch noch andere Ursachen verhanden gewesen seyn, welche die Einbildung desselben im Tode wider diesen und jenen erweckt, davon wir aber wegen Entlegenheit des Orts keine Umstände anführen können. Was man aber von einem Exempel sagen kan, das kan auch bey mehrern gelten. So offt uns demnach von denen kauenden und schmatzenden Todten in Gräbern etwas zu Ohren kömmt, und wir zugleich diese wunderbahre Würckung [162] vernehmen, daß nehmlich verschiedene Einwohner desselben Orts dadurch eines plötzlichen Todes gestorben, wird es uns leichte seyn zu erkennen, was hiervon die Ursache sey. Der andern Umstände, welche hier zu erwegen sind, nicht zu gedencken, dürffen wir nur derer Verstorbenen geführtes Leben untersuchen, und vornehmlich uns erkundigen, mit was vor Gemüths-Affecten sie gestorben sind. Ich bin gewiß versichert, daß die Ursache dieses Sterbens gemeiniglich in keiner andern Sache bestehe, als in einer magischen Würckung der Imagination und Einbildung, welche zu entdecken, wir ietzt allen möglichen Vorschub gethan haben.


§. 56.

Aber nun wird auch nöthig seyn, diesen Wunden eine Cur zu verordnen. Wenn wir die alten Weiber um Rath fragen wolten, würde es nicht schwer seyn, denen kauenden und schmatzenden Cörpern das Maul zu verstopffen, und ihre Freßhafftigkeit dergestalt zu zäumen, daß sie Niemanden weiter beschwerlich fallen. Aber wer will sich mit abergläubischen Dingen auffhalten, wenn man derselben überhoben seyn kan? Der gemeinste Rath in diesem Fall besteht darinne, daß dem schmatzenden Cörper der Kopff abgestossen wird. Hercules Saxonicus erzehlet[101] hiervon folgende Geschichte: „A. 1572. grassirte in gantz Pohlen die Pest. Es ward [163] der verblichene Leib einer gewissen Weibes-Person aus dem Dorffe Rhezur hinaus getragen, und in der Vor-Stadt zu Lemberg an die Kirche der Erhöhung des Creutzes begraben. Bald darauff fieng die Pest an, in denen benachbarten Häusern zu wüten. Diejenigen, so es angienge, muthmasseten, es müsse dieses Weib eine Hexe gewesen seyn. Es ward der Cörper wieder ausgegraben und nackend befunden. Jedweder schlosse daraus, sie müsse ihre Kleider gefressen haben. Sie stossen ihr daher das Haupt mit einer Grabschauffel ab und begraben sie wiederum, worauff die Pest auffhöret.“ Daß es der Pöbel in Hungarn nicht viel anders gemacht, haben wir oben vernommen. Denn so bald derselbe davor gehalten, er habe die Ursache des Todes der Seinigen gefunden, hat man einen Pfahl gespitzt, und damit den Cörper durchstochen, und zwar mit solchem Grimm, daß es daran nicht genung gewesen, sondern man ihn auch auff einen Scheiter-Hauffen gesetzet und zu Asche verbrannt.


§. 57.

Ob darinnen ein Fehler vorgegangen, ist nicht nöthig zu fragen. Es argwohnet dieses zwar der Kayserl. Provisor zu Ende seiner Relation, aber wir halten eben nicht dafür, daß er solches zu thun Ursache gehabt. Denn ob sie gleich an sich selbst einen grossen Irthum geheget und in einem grossen Vorurtheil gesteckt, so [164] haben sie es doch nicht in Ansehen dieser Execution bewiesen. Wir halten selbst dafür, daß es in diesem Fall allerdings das beste Mittel sey, so gleich allen Fleiß anzuwenden, daß ein dergleichen schädlicher Cörper zerstossen und zernichtet werde. Denn dadurch hören alle würckenden Kräffte in ihrer Würckung, und folglich auch der Schaden, der dadurch denen Lebenden wiederfährt, auff. Hoc facto omnes potentiæ operatices in operatione cessant: quibus cessantibus cessat etiam damnum, inde in vivos promanans. Jedoch ist es etwas einfältiges, wenn um deß willen die Leute an manchen Orten in Gebrauch haben, denen, die begraben werden sollen, einen frischen Erden-Kloß unter das Kinn zu legen, um dadurch das Kauen und Schmatzen der Todten, und was nur daraus schädliches entstehen möge, zu verhindern. Zu Dreßden pflegen sie denen Todten das Halßtuch feste zuzustecken, und dieses ebenfalls um keiner andern Ursache willen, als denenselben die Gelegenheit zum kauen und schmatzen zu benehmen. Gotfr. Pol. Müller[102] hat hiervon folgende Gedancken: „Der Leib des Verstorbenen“ spricht er, „wenn er in den Sarg eingeschlossen wird, verliehrt alle Gemeinschafft mit der äusserlichen Lufft: hierdurch erwarmen die verschlossenen Elemente daselbst, wie die warme Dunst bezeugt, die aus denen verschlossenen [165] Särgen herauff steigt; Wenn nun in dieser Wärme das allgemeine Principium vitale zu würcken anfängt, so bestehet dessen Würckung in attractione versus aliquod centrum, weil nach seiner Hypothesi formarum motus est attractivus. in Somatol. c. IV. §. 7. 12. die Bewegung derer Gestalten herbeyziehend ist.“ Hieraus schließt er nun: „E. dürffen die Oeffnungen des Cörpers nicht verschlossen werden; Da aber durch das Verstopffen des Mundes und das Herbeyziehen der Kleider zum Munde das Hin- und Wiedergehen der Lufft in dem faulenden Cörper verhindert wird, folge daraus, daß die Ideen oder Kräffte der Kranckheit in dem Cörper erhitzt werden. Denn da in dem todten Cörper die Materie der Kranckheit liegen bleibe, würden die im Cörper erweckten Ideen der Kranckheit ansteckend und gifftig, und folglich können sie denen andern Cörpern, die eine Analogie mit ihnen haben, schaden.“ Die Worte sind so dunckel, daß wir nicht wissen, was er damit haben wolle.


§. 58.

Wenn es unsers Orts wäre, die ietzt angeführten Ursachen zu untersuchen, würde es uns eben nicht schwer fallen, allerhand darwider einzuwenden. Von gleicher Beschaffenheit werden vermuthlich auch die Gedancken seyn, [166] die Schwimmerus[103] hiervon heget; wir haben aber nicht Gelegenheit gehabt, sie uns bekannt zu machen, weil uns seine Curiositates Philosophicæ nicht zu Gesichte gekommen sind. Viel deutlicher und richtiger eröffnet hiervon Rohrius seine Gedancken, wenn er in seiner Dissertation[104] sehr weitläufftig von denen Mitteln handelt, die zu Abwendung dieses Ubels angepriesen werden. Er kan das Vornehmen derer nicht genungsam belachen, die durch das Unterlegen des Erden-Kloses unter das Kinn des Verstorbenen das gefährliche Kauen und Schmatzen der Todten verhindern wollen. Er hält dafür, daß der gemeine Pöbel solchen Aberglauben denen Jüden nachthue, als wovon uns Mart. Geyerus[105] aus dem Buche Minhachim erzehlet, daß darinnen geboten sey: „Man solle sich hüten, daß dem Todten nichts von seinen Sterbe-Kleidern an den Mund komme, weil daraus eine grosse Gefahr entstehe.“ Cavendum ne mortuo aliquid de תכריכין s. linteis feralibus in os veniat, alias סכנה periculum.


§. 59.

Nicht viel klüger haben sich vorzeiten diejenigen Christen erwiesen, deren Gebrauch Garmannus[106] sehr umständlich beschreibet, [167] wenn er spricht: „Ehe sie dem Todten den Mund zugestopffet, haben sie ihm einen kleinen Stein und Pfennig in Mund gelegt, damit, wenn derselbe im Grabe zu beissen anfange, er auf den Stein und Pfennig beisse und sein Gebiß verderbe.“[107] Die Wahrheit solcher Relation bestätiget Rollenhagen,[108] welcher ausdrücklich erzehlet, „es wäre zu seiner Zeit in Sachsen an vielen Orten in den Mund der Verstorbenen nebst einem Pfennige ein Steinigen gelegt worden.“ Derjenige ungereimte Gebrauch der alten Kirche, welchen der dritte Carthaginensische Synodus canone VI. anzeigt, ist von gleicher Beschaffenheit. Denn nach dem Zeugniß der Hist. Goth. hat man den Todten so wohl das Sacrament der Tauffe als des Abendmahls zu consecriren und statt des Pfennigs eine geweyhete Hostie entweder in des Verstorbenen Mund oder auff dessen Brust zu legen pflegen, welches sie ἐφόδιον d. i. Viaticum, einen Zehr-Pfennig genennet. Gregorius Dialog.[109] führt hiervon ein sehr merckwürdiges Exempel an.


§. 60.

Wenn wir unsere Meinung hiervon offenhertzig sagen sollen, so widerrathen wir alle diejenigen Mittel, die nach einem Aberglauben riechen. [168] Das Beste in diesem Fall ist, daß man eine aufrichtige Versöhnung mit denen Sterbenden stiffte und alles, was widriges vorher gegangen, in gäntzliche Vergessenheit stelle. Denn auff solche Weise entschlaffen dieselben mit versöhntem Hertzen und haben nach nichts weiter in dieser Welt eine Begierde. Ihre Einbildung bleibt schlaffend und in Ermangelung einer Ursache kan sie niemahls in einen lebenden Menschen würckend werden.[110] Ubrigens, wenn ja sich etwas zuträgt, das zu unserm Phænomeno Masticationis gehöret, ist am rathsamsten, daß man sich wenig darum bekümmere. Denn alle Gemüths-Bewegung ist gleichsam der magischen Würckungen Nahrung. Wenn aber auch dieses nichts helffen will, so wird endlich das Beste seyn, daß man den Cörper ausgrabe und dessen schädlichen Würckungen durch eine völlige Zernichtung ein Ende mache.

Dieses ist es, was ich von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern dem geneigten Leser zu communiciren in Willens gehabt.


S. D. G.

  1. Es würde diese Dissertation ebenfalls öffentlich gehalten worden seyn, wenn ich nicht unverhofft einen Beruff aus Leipzig bekommen hätte.
  2. At hoc tamen inde sequitur, quod animæ separation & recessio a corpore, proprie quidem constituat mortem hominis, quæ tamen a morte ipsius corporis adhuc multum sit distinguenda.
  3. in Opp. Med. Tom. I. p. 2.
  4. in Camp. Elys. quast. 34. n. 76. p. 412. sg.
  5. Siehe Deutsche Act. Erul. T. VII. P. 82. p. 619. sqq.
  6. in Osservazioni sopra i cimiterii de Santi Martirï & antichi Christiani di Roma, welches Buch An. 1720 zu Rom heraus gekommen.
  7. de Mir. Mort. L. III. Tit. II. pag. 948.
  8. de Resurrect. L. II. c. 17.
  9. in Itiner. Part. I. ep. I. p. 3. edit. Germ.
  10. Es kam solches unter dem Titel: S. Spiridionis Vita, zu Leipzig A. 1718. in 4 13. Bogen starck zum Vorschein. Siehe Deutsche Act. Erud. T. VI. P. 64. p. 259. sq.
  11. Lib. XXIV. Iliad. v. 411. sq.
  12. in Notit. Rom. Pontif. p. 223.
  13. in Annal. Eccles. Tom. IV.
  14. in Campis. Elys q. 34. n. 26 p. 413.
  15. in der Graffschaft Avignon in Franckreich.
  16. Apte inter se commissa erant membra, carne tamen sua & cute arida tamen & subfusca belle vestita. Sua uberibus inerat mollitudo, collo lenitas, nec non coxendicibus & posticæ pedis dextri parti plane integra & post scapulas insueta cadaveri teneritas. Capilli capitis cuti tenaciter adhærebant, aures integræ, lingua arida, laryngis cartilago sana & vegeta, carne & cute nudata facies, dum vi exhumatum corpus per imprudentiam concisa. Humor oculorum orbibus continebatur, chirurgusque Rollerius vulnerariam bolidem capiti immislam humore glutinoso & obscuro madidam eduxit. Pilosa erant genitalia. Stupæ, quibus vulva obducebatur, integræ visebantur. Dextram mammam aperuit Chirurgus, digitoque in vulnus immisso carnem glandulosam, candidam & humidam invenit plane incorruptam sine ullo fœtore.
  17. ANDR. MOLLER. in Annal. Freyberg. p. 293.
  18. quod cadaveribus humanis interdum adhuc insit post mortem aliqua carnium Vegetantia.
  19. Siehe ERASMUM FRANCISCI in Annot. ad DN. Vluvasoris Ehre des Herzogthums Crain Lib. XI.
  20. A. 1690. M. Dec. p. 1113. sq.
  21. in Philosoph. Fac. sup. accommod. P. I. sect. I. §. 2 p. 80. sqq.
  22. Mundi spiritualis & intelligibilis.
  23. Rectius igitur materiæ huic primæ attribuimus ceu essentialem proprietatem, finitam aliquam Vitalitatem, quæ per innumeras & vegetandi & sentiendi optime describi potest potentias.
  24. Vegetantiam & Sensionem.
  25. D. i. seine Bewegungen active und passive, oder expansive und contractive zu führen.
  26. Facultatem & appetendi & percipiendi.
  27. Desiderium tendens ad innumeros fines a Deo constitutos per media ab ipso concreata. Alleine die Dunckelheit dieser Definition wird iedweder gar leichte erkennen.
  28. Herr Godfr. Polyc. Müller beschreibet die Sension in seiner Philos. Fac. sup. Accomod. also: Sensio est animadversio mediorum per gratitudinem aut ingratitudinem percepta.
  29. in Philos. P. I. p. 137. sqq.
  30. in Hermet. Rediviv. sect. I. c. 3. p. 42.
  31. Hic balsamus corporis vita est & astrum, quo corporis membra vitalibus radiis illuminantur, perinde ut folis lumine tota magni mundi machina illustrari solet.
  32. aliquod coagulatum ac figuratum und zwar in Ansehen der ersten Materie, die subtil und lauter und ohne Form und Bildung ist.
  33. Vita nostra proprie loquendo non spectat ad mentem, fed ad corpus, quoniam plura alia corpora, qualia sunt brutorum animantium, nec non plantarum vivere animadvertimus: neque putandum, corpus humanum mori, quod mens a corpore recedat, sed ex eo potius, quod corpus recedat a mente, quatenus organa ejus, quæ ad vitam perfectam & exactam requiruntur, vitiantur & corrumpuntur, ut mens iis amplius uti nequeat, ad imperia sua per corpus distribuenda functionesque suas peragendas.
  34. in Tract. de Passionibus §. 5. sqq.
  35. Utrum corpus reddita anima adhuc manere possit vividum ac vegetans?
  36. Quamdiu ergo destructibile corpus adhuc extat, tamdiu quoque vitam aliquam in se habere potest; si non respectu totius compositi, respectu tamen certarum partium inter se homogenearum
  37. Omnis corporum naturalium solutio requirit, ut in corpore aliquid heterogenei adsit, seu, ur ajunt, menstruum, quod analogas extrahat ex corpore partes.
  38. in Philos. Part. I. sect. 2. 6. 9.
  39. Mors nil aliud est, quam solutio compositi in sua simplicia.
  40. Fit hoc per extraordinariam aliquam salium & sulphurum circulationem, quæ sensim sensimque ita dissipantur, ut tandem ne umbra quidem de corpore remaneat. Quælibet tunc particula incipit fermentare & ad sui analogum tendere, ut se iterum cum eo uniat.
  41. partium homogenearum præsentia.
  42. Lib. IV. Quæst. Med. Leg. p. 304.
  43. in Post. Prax. Med. c. 21. p. 135.
  44. in Physic. subterr. sect. 5. c. I. p. 311.
  45. in adipem aut pinguedinem vim suam in subterraneis locis non facile exercere διάλυσιν.
  46. in Observ. Med. Phys. cent. 2. p. 133.
  47. Aër valde compressus est & frigidus, terræ vero solum admodum falsamentarium & aquæ paludosæ plenum.
  48. Lib. II. Nat. Quæst. c. 31.
  49. Datur enim venenorum genus, quibus assumtis animalia quidem enecantur, sed corpora tamen non liquescunt nec verminationem patiuntur.
  50. in Quæst. Med. Legal. T. III. cons. 17. n. 8. p. 23.
  51. Nulla tabe ne minimo quidem livore corruptum videre, qui intraverant; vigor quoque, qui constat ex spiritu, non destituerat.
  52. Homo quidem vere desiit esse vivus, at corpus tamen nondum formam suam amisit, quia partes ejus adhuc homogeneæ manserunt, nullumque receperunt menstruum.
  53. Datur quidem omnium inter se membrorum naturalis competentia, membrorumque commensus justas suas habet symmetriarum rationes, quodlibet tamen membrum, in se spectatum, specifica sua gaudet partium compositione, qua ab aliis & munere & indole diversum est.
  54. Lib. LI. Histor.
  55. p. 454.
  56. Siehe GARMANN. Lib. I. Tit. I. p. 20.
  57. Lib. I. c. X. p. 274.
  58. in Encycl. Chir. L. I. c. 2. p. 27.
  59. S HEISTERUM in Compend. Anatom. p. 46.
  60. § 31. sqq. p. 51. sqq.
  61. Lib. I. c. VI. p. 73.
  62. Lib. III. de util. ex. adv. capiend. p. 728.
  63. Es erzehlet dieses der Verfasser der deutschen Act. Erud. T. II. P. 13. p. 77. sq.
  64. M. C. D. 3. A. 4. obs. 105. p. 221.
  65. Lib. I. Tit. XI. p. 291.
  66. Nomen habet a Priapo Lampsaceno, qui ob membri virilis magnitudinem immoderatam ex Hellesponto ejectus, dein pro Deo habitus est.
  67. Inter opus medium lasciva morte solutus.
  68. cit. loc. p. 304.
  69. Lib. III. Mir. & Exemp. sui temporis p. 331.
  70. Siehe REGNERUM DE GRAAF de Organ. vir. p. 154. it. de Usu siphon. p. 230.
  71. TAVERNIER in Itin. Per. L. V. p. 269.
  72. J. C. SCALIGER Exercit. 154. p. 615. it. DAN. SENNERTUS Med. Pract. Lib. I. p. 329.
  73. l. c. p. 305.
  74. Tumorem penis urgente calore putredinali aliquantisper adaugeri posse, dummodo penis antea fuerit rigidus.
  75. Tom. IX. P. 101. p. 314. 326.
  76. Systema omnium corporum creatorum rursus unum corpus est, quia inter omnia corpora communis aliquis datur activitatis s. vitalitatis nexus, quo se invicem attingunt afficiuntque, partim per complexionum suarum analogiam, partim per earum contrarietatem.
  77. in Pathol. Dæmon. p. 32 sq.
  78. Si iraque odio impleta saga, aciom oculorum [137] in infantem direxit cum firmissima hac intentione, ut cum fascinet, infans statim incantatur, quod vulgo dicimus Beschreyen.
  79. Magia vel Naturalis, stricte sic dicta, vel Artificialis est.
  80. Hyoscyamus.
  81. in Pathol. Dæmon. p. 44. 49.
  82. in Philos. Radic. Elect. p. 532.
  83. Es hat hiervon Herr D. Gottlieb FRIDERICH in Leipzig eine Dissertation geschrieben.
  84. Es hat von dieser superstitiösen und teufflischen Magie ein gewisser Frantzösischer Autor in dem Buche, das den Titel führt: Secrets merveilleux de la Magie naturelle & cabbalistique à Lion 1706. viel Exempel zusammen getragen.
  85. Es handelt hiervon weitläufftig MARCUS MARCI A KRONLAND in Philos. vet. Rest. p. 565.
  86. Tom. I. p. 214. sqq.
  87. Welches doch nur Phantasien und Einbildungen gewesen.
  88. in Dissert. Priore §. 30. sqq.
  89. Imaginationis viribus hominem equo insidentem, quamvis distantem, dejici posse, tempestates moveri & terræ motus, in nubibus similes bombardarum strepitus excitari tonitruis & fulminibus.Siehe CASPAR. a REJES in Camp. Elys. qu. 50. n. 21. p. 632.
  90. Corybantes erant Cybeles facerdotes, qui correpti furore cymbala pulsabant, capitaque saltando jactantes alios in similem rabiem agebant. Horat.
  91. Siehe JOS. SCALIGER. in seinem Catullo.
  92. Tom. I. Diss VII. de peste.
  93. in Libro vom Pest-Engel.
  94. Siehe Deutsche Act. Erud. T. VII. P. 74. p. 110.
  95. nachdem sie ihren Mann durch ein Gifft-Süppgen auf die Seite geschafft, und dadurch in ihrem Gewissen sehr beunruhiget worden.
  96. Toto naturæ mutuum inter se adscripsimus influxum.
  97. D. i. indem man von einem redt, oder unverhofft an ihn gedenckt, kömmt er zur Stube herein.
  98. Tom. II. Fragm. de Virt. Imag. p. 276.
  99. periit tetano ac convulsionibus.
  100. Es erzehlt dieses auch BOGISLAVS BALBINVS in Miscell. Boh. p. 216.
  101. cap. XI. de plica.
  102. in Discursu ad Philos fas. sup. atcomod. P. I. sect. III. c. o. §. 15.
  103. in Curiosit. Philos. secret. Diss. IV.
  104. de Mastic. Mort. c. IV. §. 16.
  105. de Luctu Ebr. c. V. §. 20. p. 61.
  106. s. l. Lib. III. Tit. III. §. 7. p. 28.
  107. Mortuo prius quam os claudatur, lapidem & nummum ponunt in ore, ut si in sepulchro mordere incipiat, lapidem & nummum inveniat & morsu feriatur.
  108. Lib. IV. mirab. peregr. c. XX.
  109. Lib. II. c. 24.
  110. Optimum in tali casu nobis visum fuit infucata cum moribundis reconciliatio & quorumvis præteritorum in se oblivio. Sic placato corde placide obdormiunt & ulterius in vita hac nihil appetunt. Imaginatio eorum manet sopita & cessante causa nunquam fit magice in vivos operans.