Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern/Die erstere Dissertation

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Die erstere Dissertation, so Historisch und Critisch ist
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aus: Tractat von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern
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von: Michael Ranft
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[7]

Die erstere Dissertation,

so

Historisch und Critisch

ist,
ward

auf der Universität zu Leipzig

den 27. Sept. 1725. öffentlich gehalten,

Wobey

Hr. Christian Gottfr. Cleemann[1]

von Chemnitz, S. S. Theol. Stud.
Respondente
gewesen.


Vorrede.

DU wirst dich wundern, Geneigter Leser, warum ich in diesen Bogen ein solches Thema auszuführen mir vorgenommen, welches mit so vielen und grossen Controversien verwickelt, daß ich zu thun haben werde, wenn ich demselben ein Genüge thun soll. Es gehört zur Natur-Lehre und folglich [8] zu einer Disciplin, dessen Geheimnisse auch der beste Natur-Kündiger nicht erforschen wird, ob er gleich die gantze Lebens-Zeit hindurch Tag und Nacht damit beschäfftiget ist. Was wirst du demnach von mir halten, der ich der Gottes-Gelahrheit obliege, und[WS 1] doch kein Bedencken trage, mich auf die Untersuchung derer verborgensten Kräffte der Natur zu legen? Jedoch da ein Gelehrter alles zu unternehmen wagen soll, so darff dir es nicht so gar fremde deuchten, daß ich diese schwere und höchst sonderbahre Lehre von dem Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern, so viel sichs thun läst, abzuhandeln mir vorgenommen habe. Eine sehr gute Gelegenheit hierzu habe ich erlanget, da in den öffentlichen Zeitungen uns vor kurtzem ein so sonderbahres Werck der Natur bekannt gemacht worden, daß ich glaube, daß dergleichen an denen todten Cörpern kaum iemahls wahrgenommen worden. Ich nahm mir so gleich vor, etwas davon zu schreiben und zur Probe auf öffentlichen Catheder zu vertheidigen. Alleine da ich kaum die Arbeit vor die Hand genommen hatte, sahe ich mich in so einem weiten Felde, daß ich in denen Schrancken einer eintzigen Dissertation nicht bleiben konte. Du wirst es daher, Geneigter Leser, nicht ungütig deuten, daß ich dir von dieser Materie zwey Dissertationes liefere, eine, so Historisch und Critisch, und die andere, so Philosophisch ist. Die erste ist eben diejenige, so dir in gegenwärtigen [9] Bogen zu Gesichte kömmt. Du wirst die Arbeit zwar vor nicht gemein, aber doch vor nicht sonderlich achten. Die Kürtze der Zeit und andere Umstände sind hinderlich gewesen, daß ich nicht so, wie es hätte seyn sollen, Fleiß darauf wenden können. Ich mache mir daher nicht die geringste Einbildung, einiges Lob oder Ruhm der Gelehrsamkeit dadurch zu erlangen, sondern ich bin zufrieden, wenn nur meine Arbeit dir, Geneigter Leser, nicht gantz vergeblich und verdrießlich scheinet. Ich verspreche mir dieses um so viel gewisser, da mir zur Zeit noch kein Autor bekannt ist, der absonderlich von dieser Materie etwas geschrieben, als Hr. M. Philip Rohr, von Marck-Ranstadt, welcher ebenfalls eine Dissertation hiervon A. 1679. auf unserer Universität Leipzig gehalten, die den Titel führet: Diss. Historico-Philosophica de Masticatione mortuorum.

Ich suchte anfangs viele darinne, das in meinen Kram dienen solte; aber da ich sie genauer ansahe, befand ich, daß sie zwar vieles versprochen, aber wenig geleistet habe. Bey so gestalten Sachen, wollest du dir gegenwärtige Arbeit bestens empfohlen seyn lassen und glauben, daß, so dieser erste Versuch wohl aufgenommen werde: du in kurtzen mit GOtt vielleicht etwas gründlichers und bessers zu gewarten haben werdest.


[10]
Dieser Dissertation Inhalt.

DIe verborgenen Kräffte in der Natur §. 1.

Es ist nicht alles entweder GOTT oder dem Teuffel zuzuschreiben. §. 2.

Ein sonderbahr Exempel eines Enthusiasmi Poëtici. §. 3.

Von der Unwissenheit der Sache ist kein Schluß zu machen auf dessen Verneinung. §. 4.

Aller Geister und Cörper Einfluß in einander. §. 5.

Verschiedene Gattungen der Sympathie und Antipathie. §. 6. 7.

Das Kauen und Schmatzen der Todten, warum es in Zweiffel gezogen worden. §. 8.

Die Rechtgläubigkeit. Die Wunder GOttes von den wunderlichen Dingen in der Natur sind wohl zu unterscheiden. §. 9.

Der Päbstler Wunder-Glaube. §. 10.

Exempel von dem Kauen und Schmatzen der Todten. §. 11.

Ein sonderbar Exempel aus Hungarn. §. 12.

Die Einrichtung der Abhandelung §. 13.

Das Kauen und Schmatzen der Todten ist kein göttlich Wunderwerck, §. 14. 15. 16. 17.

noch auch bloß ein Zeichen des Satans. §. 18. 19. 20. 21.

Die Dæmones oder Mittel-Geister werden verworffen. Wie viel denenselben hier zuzuschreiben. Garmannus. §. 22. 23. 24.

Falsche Meinungen widerlegt. Ob die Todten in den Gräbern kauen und schmatzen? §. 25.

Die alten Sarmaten. Das Geräusche der Seelen. Homerus. Diogenes Laërtius. Lucianus. Sophocles. §. 26.

Wie viel der Aberglaube vermöge? Woher die unterirdischen [11] Knalle. §. 27.

Das Gothische Meteoron. §. 28.

Der Menschen Einbildung. Das Schrecken. Das Klopffen der Todten in Gräbern. §. 29. 30.

Ob die Todten ihre Kleider fressen. §. 31.

Der Jüden ihr Fleisch fressender Azazel. Die Jüdische Maus. §. 32. 33.

Die Muhamedaner. Der Todten-Engel. Das unterirdische Examen. §. 34.

Der Geist und Götze Eurynomus. Der Geist Asuiti. Pausanias. §. 35.

Die Fleisch fressenden Thiere. Hyæna. §. 36.

Die Striges, blutsaugenden Vögel. §. 37.

Die Fleisch fressenden Schlangen, ob sie aus den Menschen-Marck wachsen. Wolffgang Franzius. §. 38.

Ein Monument zu Meissen. §. 39.

Die Todten, so ihre leinen Tücher verschlucken. §. 40.

Die unterirdischen Thiere. Die Mäuse. §. 41.

Schlangen in menschlichen Cörpern. Die Ursache des Fressens der Todten. §. 42. 43.

Das Weibliche Geschlechte. Rohrius und Pitzschmann. Abergläubische Ursachen. Schlüsselburg. Garmann. §. 44. 45.

Das Kauen und Schmatzen der Todten zur Pest-Zeit. Das Schrecken wie vieles da vermöge. Rivinus. Helmont. Geyer. §. 47. 48.

Die Türcken, so sich vor der Pest nicht fürchten. Carl vom Pest-Engel. §. 49.

Der Gestanck der Cörper, ob daher die Pest? Cornelius a Lapide. §. 50. 51.

Das Kauen und Schmatzen der Todten, ob es der Anverwandten Tod nach sich ziehe? § 52.

Der Schluß. Es wird die andere Dissertation versprechen. §. 53.

Q.D.B.V.


[12]
Q. D. B. V.
§. 1.

DIe gantze Natur ist voller verborgenen Kräffte. Es hat die Natur-Lehre zwar zu unsern Zeiten bey nahe den höchsten Grad der Vollkommenheit erreichet, aber es trägt sich doch immer und täglich etwas zu, das die gelehrtesten Meinungen derer Weltweisen umkehren kan. Diejenigen, welche vorgeben, es würcke die gantze Natur nicht anders denn mechanice, die verwerffen alle dergleichen verborgene Kräffte der Natur, oder so genannten qualitates occultas, als Weiber-Mährgen, die in denen Schulen derer Aristotelicorum ihren Ursprung genommen. Alleine da sie die Natur nicht anders als von hinten zu ansehen und alles auff deutliche experimenta ankommen lassen, so langen sie, so zu sagen, mit ihren äussersten Fingern nicht an dieselben, weil sie ihnen über alle Grentzen der Möglichkeit gesetzt zu seyn scheinen. Und gewiß! die Zeichen (phænomena) die zu unsern Zeiten im Reiche der Natur sich geäussert, sind so beschaffen, daß man sich nicht wundern darff, wenn fast alle und auch die besten Philosophischen Oracul darüber verstummen.


§. 2.

Es giebt einige unter denen Weltweisen, die alle dergleichen Natur-Wunder entweder GOtt [13] oder dem Teuffel zuschreiben. Alleine wer hält nicht eine solche Art zu philosophiren vor ein abergläubisch Geschwätze? Es geben dergleichen Leute offenbahr zu erkennen, daß sie in der Erkäntniß derer Kräffte der Natur eine grosse Unwissenheit besitzen. Wir leugnen zwar die Würckungen der Geister in die Leiber nicht, sondern geben vielmehr mit beyden Händen zu, daß nicht nur GOTT noch täglich in der Natur nach seiner sonderbahren Vorsehung Wunder thue, sondern daß auch der Teuffel nach seiner grossen Erkäntniß, die er von denen Kräfften der Natur hat, Wunder-Dinge ausrichten könne. Aber alles deßwegen denen Geistern und ihren unmittelbahren Würckungen zuzuschreiben, düncket uns allzu unreiff philosophirt zu seyn. Denn es ereignen sich zum öfftern in den raresten Natur-Zeichen solche Umstände, die deutlich bezeugen, daß dieselben weder von GOTT noch vom Teuffel unmittelbar herrühren können. Beyde handeln nach ihren Absichten. Daher in solchen Wunder-Dingen allezeit sich entweder eine göttliche Güte oder eine teufflische Boßheit offenbahren muß.


§. 3.

Vor ohngefehr drey oder vier Jahren ward der gelehrten Welt ein so sonderbahres Exempel von einer Poetischen Entzückung (Enthusiasmo poëtico) bekannt gemacht, dergleichen kaum iemahls bey Menschen Gedencken gehöret worden. [14] Wer die Umstände davon aus den Deutschen Actis Eruditorum[2] in genaue Erwegung ziehet, der wird zwar die Verborgenheit derer natürlichen Kräffte bewundern, aber doch auch hier weder GOTTes noch des Teuffels unmittelbahren Würckung etwas zuschreiben können. Denn wenn Gott in diesem Fall über allen Lauff und Macht der Natur ein Wunderwerck gethan hätte so müste uns ein göttlicher Endzweck davon bekannt seyn,[3] der entweder die Ehre GOTTes oder das Heil der Menschen anbeträfe welches beydes hier nicht statt findet. Daß man es aber dem Teuffel zuschreiben wolte, ist darum nicht thunlich, weil es eine Person betrifft, an deren Unsträfflichkeit des Lebens Niemand zu zweiffeln hat: anderer Umstände vor ietzund zu geschweigen.


§. 4.

Es ist demnach gewiß, daß in der Natur viel Kräffte verborgen liegen, über deren Würckungen wir um keiner andern Ursache willen in Verwunderung gerathen, als weil es uns nicht möglich ist, sie zu erkennen. Wer wolte aber deßwegen ihre Existenz leugnen? Ein einfältiger Mensch, der wegen der schlechten Cultur des Verstandes nicht im Stande ist, die Ursachen der geschehenen Dinge zu erforschen, [15] würde viel dem Teuffel zuzuschreiben haben, wenn es erlaubt wäre, von der Unwissenheit der Sache auff der Sache Verneinung zu schliessen. Denn das ist gewiß, daß die Natur unerforschlich bleibt. Je einfacher aber die Kräffte der Natur werden, ie näher kommen sie denen ersten Anfangs-Gründen, und ie mehr werden sie zu Wunderwercken gemacht.[4]


§. 5.

Damit wir aber die Existentz derer verborgenen Kräffte der Natur desto deutlicher erkennen mögen, behaupten wir, daß alle Geister und Cörper Wechselsweise in einander würcken.[5] Denn es würcken die Geister in Geister, es würcken die Geister in Cörper, es würcken endlich auch die Cörper in Cörper. Das vierdte aber, daß auch die Cörper in Geister würcken solten,[6] ist nicht wohl zu glauben. Unter diesen verborgenen Würckungen verdienen gar leichtlich die Würckungen der Cörper in Cörper den ersten Platz, weil die Effecte davon vornehmlich in die Sinne fallen. Sie sind aber in der Wahrheit so feste gegründet, daß sich noch kein wahrer Philosophus gefunden, der [16] sich unterstanden, dieselben zu verwerffen. Sie werden insgemein unter dem Nahmen der Sympathie und Antipathie begriffen, wovon sehr grosse Wercke hin und wieder verhanden sind, die davon handeln, worunter Athanasii Kircheri Magnetismus Naturæ vielleicht den Vorzug verdienet.


§. 6.

Die Existentz der Sympathie und Antipathie wird leichtlich Niemand in Zweiffel ziehen, der von der anziehenden Krafft des Magnets einige Erkäntniß hat. Die Hunde haben mit ihrem ungewöhnlichen und ungeschickten Geheule, das sie in und um den Häusern von sich hören lassen, nicht selten den bevorstehenden Tod derer Krancken vorher verkündiget, und daß ein iedes Thier aus dem blossen Geruche mercken kan, was ihm zur Speise gut ist, sehen wir täglich. Wem ist unbekannt, was die Musicalische Harmonie in den Gemüthern der Menschen vor eine Art der Sympathie erweckt? Was vermögen nicht in diesem Fall die Erb- und Einbildungs-Kranckheiten? (morbi hæreditarii & imaginarii) Was geben nicht die Mordsüchtigen u. die, so gewisse Thiere, z. E. die Katzen, nicht leiden können, vor sonderbahre Exempel der Sympathie und Antipathie ab? Und wer will alles erzehlen können, was zum Beweiß der Existentz derer Würckungen der Cörper in Cörper dienet und einem ieden im gemeinen Leben genugsam bekannt ist.

[17]
§. 7.

Hieher sind allerdings auch viele andere Natur-Zeichen zu rechnen, die, ob sie gleich von mehrer Wichtigkeit sind, dennoch keines weges aus einer teufflischen Zauberey geschehen. Hieher gehöret das Bluten der umgebrachten Cörper, die Wünschel-Ruthe, die Bezauberungen durch eine Magische Einbildung, die Ahndungen der Thiere, das Beschreyen, die denckwürdigen Träume, der Tarantul-Biß, der Einfluß der Gestirne, und viele andere Dinge, deren Ursachen man mit nicht geringerer Wahrscheinlichkeit denen verborgenen Kräfften der Natur zuschreiben kan, als etwan das Einpfropffen der Bäume, die Raserey von Hunden, die Inoculation derer Bocken, das Sympathetische Pulver und dergleichen, von welchen allen man doch nicht den geringsten Verdacht einer teuffelischen Magie hat. Wir unterstehen uns zwar nicht, allen Einfluß der Geister bey solchen verborgenen Würckungen der Natur zu leugnen, weil uns mehr als zu bekannt ist, mit was vor Betrug und List öffters der Teuffel die Menschen durch magische Künste zu betrügen pflegt, um dadurch sein teufflisches Reich zu vermehren. Alleine da er sein Werck meistentheils durch so genannte Hexen, dener der Teuffel auff mancherley Weise die verborgenen Kräffte der Natur bekannt macht, treibet, schliessen wir daraus, es könne sich dieses alles auch ohne Beyhülffe des Satans, [18] nach dem blossen Lauff der Natur zutragen.


§. 8.

Da nun hieraus sattsam erhellet, es gebe vielerley Arten von denen Würckungen der Cörper in Cörper, so wollen wir auch eine gewisse Art setzen, die wir Masticationem mortuorum in tumulis, oder das Kauen u. Schmatzen der Todten in Gräbern nennen. Es haben uns schon längst unsere Vor-Eltern vieles von diesen in Gräbern fressenden Todten erzehlt, aber wir haben davor gehalten, es sey uns schimpflich diesen Mährgen und Aesopischen Fabeln, daran sich nur die alten Weiber ergötzen, Glauben zuzustellen. Die Ursachen sind leichte zu erkennen: Wir haben dergleichen fressende Todte nicht selbst gesehen. Wir können ein dergleichen Natur-Zeichen mit unsern Vernunfft-Schlüssen nicht begreiffen, und die Beschuldigung des Aberglaubens fliehen wir eben so sehr als die Verletzung des ehrlichen Nahmens. Was Wunder daher, wenn wir alle dergleichen Exempel, die hin und wieder in den historischen Schrifften vorkommen bißher in Zweiffel gezogen? Es giebt zwar eine Art Menschen, die von Natur geneigt sind, aus iedweder abergläubischen Muthmassung, ich weiß nicht, was vor ein Vergnügen zu schöpfen. Diesen ist es leichte, alles zu glauben, was sie hören. Was sie aber mit ihrem Verstande nicht begreiffen können, das schreiben [19] sie ohne Bedencken denen höllischen Geistern und der teufflischen Zauber-Kunst zu.


§. 9.

Ausser diesen giebt es auch welche, denen bloß die Rechtgläubigkeit der Evangelischen Religion hinderlich ist, daß sie dem keinen Beyfall geben können, was ihnen sonst nicht schwer zu glauben ist. Vor der Beschuldigung einer Ketzerey haben sie ein solches Grausen, daß sie lieber blindlings auff die Worte ihrer Lehrer schweren, als sich wegen einiger Gegen-Meinung verketzern lassen. Jedoch sie haben vielmahls nicht Ursach sich dißfalls etwas zu befürchten. Die Wahrheit der Heil. Schrifft wird bißweilen bloß aus Vorurtheil vor beleidigt gehalten. Wir erkennen dieses unter andern an der Lehre von der natürlichen Zauber-Kunst oder Magia Naturali. Denn da die alten GOttesgelehrten aus Unwissenheit der verborgenen Kräffte der Natur alle Wunder-Dinge dem Teuffel und seinen Zauberkünsten zugeschrieben, so haben wir daher das Vorurtheil in Kopff bekommen, als ob alle Lehre von der Magia Naturali auff die Zernichtung der göttlichen Wunderwercke abziele. Aber es ist dieses falsch. Die göttlichen Wunderwercke lassen sich auff eine so herrliche Weise von denen Wunder-Dingen der Natur unterscheiden, daß man sich wundern muß, wie sie unter einander verwechselt werden können. Die Zertheilung der Wasser im rothen Meer und Jordan, die Aufferweckung der [20] Todten und viele andere herrliche Thaten, die Christus, die Propheten und Apostel durch GOttes Finger im Alten und Neuen Testamente verrichtet, sind und bleiben der Natur solche Geheimnisse, daß zu deren Erklärung und Nachmachung das gesammte Höllen-Heer mit allen Schwartz-Künstlern nicht zulänglich ist, wenn sie gleich mit gesammten Kräfften darüber zu arbeiten anfiengen.


§. 10.

Alleine wer wolte deßwegen alle Würckungen der Cörper in Cörper, die nach dem, ob wohl etwas ungewöhnlichen Lauff der Natur geschehen, leugnen? Es wird der göttlichen Wahrheit dadurch nichts entzogen. Wir halten vielmehr dafür, daß es dem Evangelischen Glauben nützlich sey, wenn gezeigt werden kan, wie weit GOtt mit seinem unmittelbahren Einfluß in den Wundern der Natur (naturæ prodigiis) concurrire. Es ist uns allen bekannt, daß die Römische Kirche sich mit ihrem Wunder-Glauben viel wisse. Wenn nun wir, die wir von der Gegen-Parthey und eines bessern Glaubens sind, alle wunderlichen Dinge in der Natur so gleich vor Wunderwercke oder wenigstens vor Würckungen einer teuffelischen Magie ausgeben wolten, könten wir denn nicht sehr leichte von unsern[WS 2] Widersachern betrogen u. hintergangen werden? Das Kauen und Schmatzen der Todten in Gräbern werden die Papisten ohne Zweifel auch vor ein göttliches Wunder [21] ausgeben, und wer weiß, was vor eine Lehre sie vielleicht damit zu bekräfftigen suchen? Wer will es uns daher vor übel halten, wenn wir dieses Kauen und Schmatzen einer natürlichen Würckung des Cörpers zuschreiben? Die Art und Weise wird uns zwar allezeit verborgen bleiben, genug, daß immittelst der Sache Existentz dargethan werden kan.


§. 11.

Ehe wir dieses sonderbahre Natur-Wunder betrachten, wollen wir vor allen Dingen die Exempel anführen, die der Sache Gewißheit bestätigen. Uberhaupt verdienen hier nachgeschlagen zu werden Schwimmer in Curiosit. Philos. secret. Diss. IV. §. 12. seqq. Kornmann de Mirac. Mortuorum Part. VII. c. 64. Garmann de Mirac. Mort. L. I. Tit. III. p. 116. 117. Harsdörffer in Theatr. Tragic. c. CXV. p. 406. Phil. Rohr in Diss. de Mastic. Mort. c. I. Th. 7. und Voigt in dem Physical. Zeit-Vertreiber p. 516. Welche alle beflissen sind, die Exempel von denen kauenden und schmatzenden Todten zu sammlen. Einige sonderbahre Exempel aber hiervon findet man bey dem seel. Luthero in seinen Tisch-Reden Tit. 24. fol. 211. 212. Andr. Mollern in Annal. Freiberg. p. 254. Conrad Schlüsselburgen in der gründlichen Erklärung des 91. Psalms conc. XII. p. 155. Martin Böhmen von den drey Land Plagen conc. XVII. fol. 169. Adam Röthern in Pest-Predigten. Wencesl. Hagenecio [22] in Chron Boh. P. 1. fol. 419. b. Just. Ortolph Marold in Loemograph. p. 92. sqq. Martin Zeilern in Not. ad. Resset. Hist. Trag. p. 32. Heinr. Rothen Conc. funeb. 30. in dem Anhang von denen schmatzenden Todten. Pitzschmann in Leichen-Redner P. II. p. 856. Ignat. Hanieln de Peste in Schiefelbein. Mart. Fabricio in Paradox. λοιμ. p. 123. Erasm. Francisci im Höllischen Proteus n. 28. p. 260. sqq. Beiern in fasc. dict. biblic. 4. n. 32. Stieflern im Historien-Schatz P. II. p. 1911. Hercul. Sax. c. XI. de Plica etc. Hieher gehört auch, was der P. Gabriel Rzaczynsky in Hist. Nat. Curios. Regni Poloniæ, welches Buch Anno 1721. zu Sendomir in 4. heraus gekommen, erzehlt und zwar Tract. XIV. sect. II. wo er von dem Bluten derer Cörper handelt und bey dieser Gelegenheit zugleich vieles von denen Todten, die in ihren Gräbern noch fressen und die Lebendigen in der Nachbarschafft als Gespenster umbringen, beybringt. Die Polacken nennen sie mit einem besonderen Nahmen Upiers und Upierzyca, von welchen der gedachte Autor sehr glaubwürdige Zeugnisse anführet.[7]


§. 12.

Das allerneueste Exempel, das uns bekannt ist und vor andern sehr merckwürdig scheinet, ist die Nachricht aus Hungarn, welche wir vor [23] kurtzen in den öffentlichen Zeitungen gelesen. Sie ist würdig, daß wir sie von Wort zu Wort aus den Leipziger Zeitungen dieses Jahrs p. 503. seqq. abschreiben und hier mittheilen:

Wien vom 31. Jul. 1725.

„MAn siehet in den hiesigen Zeitungen oder so genannten Diario einen Bericht, welchen der Käyserl. Provisor in dem Gradisker District in Hungarn an die Käyserl. Adminstration zu Belgrad wegen einer besondern Begebenheit ergehen lassen, welcher unverändert und ohne darüber zu urtheilen, wie er sich gedruckt befindet, folgendes Inhalts ist: Nachdem bereits vor 10. Wochen ein in dem Dorffe Kisolova, Rahmer-Districts, gesessener Unterthan, Nahmens Peter Plogojowitz, mit Tode abgegangen, und nach Rätzischer Manier zur Erden bestattet worden, hat sichs in ermeldetem Dorffe Kisolova geäussert, daß innerhalb 8. Tagen 9. Personen, so wohl Alte als Junge, nach überstandender 24. stündiger Kranckheit also dahin gestorben, daß, als sie annoch auff dem Tod-Bette lebendig gelegen, sie öffentlich ausgesagt, daß obbemeldeter, vor 10. Wochen verstorbener Plogojowitz zu ihnen im Schlaff gekommen, sich auff sie gelegt und gewürget, daß sie nunmehro den Geist auffgeben müsten; gleich wie denn hierüber die übrigen Unterthanen sehr bestürtzet, in solchem noch mehr bestärcket worden, da des verstorbenen [24] Peter Plogojowitz Weib, nachdem sie zuvor ausgesagt, daß ihr Mann zu ihr gekommen und seine Oppanki oder Schuhe begehret, von dem Dorffe Kisolova weg und sich in ein anders begeben; sintemahl aber bey dergleichen Personen, so sie Vampyri nennen, verschiedene Zeichen, als dessen Cörper unverweset, Haut, Haar, Bart und Nägel an ihm wachsend zu sehen seyn müsten, als haben sich die Unterthanen einhellig resolvirt, das Grab des Peter Plogojowitz zu eröffnen und zu sehen, ob sich würcklich obbemeldete Zeichen an ihm befinden; zu welchem Ende sie denn sich zu mir hieher verfüget und nebst Andeutung vorerwehnten casus mich samt dem hiesigen Popen oder Geistlichen ersuchet der Besichtigung beyzuwohnen; und ob ihnen schon erstlich solches Factum reprobirt, mit Meldung, daß ein solches vorhero an eine löbliche Administration unterthänig-gehorsamst berichten und derselben hohe Verfassung hierüber vernehmen müste, haben sie sich doch keines weges hierzu bequemen wollen, sondern vielmehr diese kurtze Antwort von sich gegeben: ich möchte thun, was ich wolte, alleine woferne ich ihnen nicht verstatten würde, auff vorherige Besichtigung u. rechtl. Erkäntniß mit dem Cörper nach ihrem Gebrauch zu verfahren, müsten sie Hauß und Guth verlassen, weil biß zu Erhaltung einer gnädigsten Resolution von Belgrad wohl das gantze Dorff (wie schon unter [25] Türckischen Zeiten geschehen seyn solte) durch solchen üblen Geist zu Grunde gehen könte, welches sie nicht erwarten wolten. Da denn solche Leute weder mit guten Worten noch Bedrohungen von ihrer gefasten Resolution abhalten konte, habe ich mich mit Zuziehung des Gradisker-Popen in gemeldetes Dorff Kisolova begeben, den bereits ausgegrabenen Cörper des Peter Plogojowitz besichtiget und gründlicher Wahrheit gemäß folgendes befunden: daß erstlich von solchem Cörper und dessen Grabe nicht der mindeste, sonsten der Todten gemeiner Geruch verspüret, der Cörper, ausser der Nasen, welche etwas abgefallen, gantz frisch, Haar und Bart, ja auch die Nägel, wovon die alten hinweg gefallen, an ihm gewachsen, die alte Haut, welche etwas weißlicht war, hat sich hinweg gescheelet, und eine neue frische darunter hervor gethan, das Gesichte, Hände und Füsse und der gantze Leib waren so beschaffen, daß sie in seinen Lebzeiten nicht hätten vollkommener seyn können; in seinem Munde habe nicht ohne Erstaunen einiges frisches Blut erblickt, welches der gemeinen Aussage nach, er von denen durch ihn umgebrachten gesogen; in Summa, es waren alle Indicia vorhanden, welche dergleichen Leute (wie schon oben bemercket) an sich haben solten. Nachdem nun so wohl der Pope als ich dieses Spectacul gesehen, der Pöbel aber mehr und mehr ergrimmter als bestürtzter wurde, haben [26] sie gesammte Unterthanen in schneller Eil einen Pfeil gespitzet, mit solchem den todten Cörper zu durchstechen, an das Hertz gesetzet, da denn bey solcher Durchstechung nicht nur allein häuffiges Blut, so gantz frisch, auch durch Ohren und Mund geflossen, sondern noch andere wilde Zeichen (welche wegen hohen Respects umgehe) vorgegangen; sie haben endlich offt ermeldeten Cörper in hoc casu gewöhnlichen Gebrauch nach zu Aschen verbrannt, welches denn einer hochlöblichen Administration hinterbringen und anbey gehorsamst-unterthänigst bitten wollen, daß wenn hierinne einen Fehler begangen haben solte, solchen nicht mir, sondern dem vor Furcht ausser sich selbst gesetzten Pöbel beyzumessen.“

Kayserl. Provisor im Gradisker District.


§. 13.

Drey Haupt-Umstände sind es, die wir in Ansehen dieses Wunder-Zeichens zu betrachten haben. Denn da nicht mehr denn drey Gattungen von wahrscheinlichen Ursachen hier statt finden können, die entweder von GOttes Allmacht, oder von einer teufflischen Zauber-Kunst, oder einer natürl. Sympathie hergenommen sind, so sind wir entschlossen zu zeigen, daß dergleichen Wunder-Zeichen in der Natur weder unter die göttlichen Wunderwercke, noch schlechterdings [27] unter die ausserordentlichen Wercke des Teuffels, sondern unter die verborgenen Würckungen der Natur zu zehlen sind.


§. 14.

Ein Wunderwerck nennen wir diejenige göttl. Würckung, die über den Lauff der Natur ausserordentlich durch den unmittelbahren Einfluß der göttl. Allmacht hervor gebracht wird, zu Bestätigung des Ansehens der göttl. Wahrheit.[8] Es fragt sich demnach: Ob die Wunderwercke noch zu unsern Zeiten statt finden? Wenn wir sie in weitläufftigem Verstande nehmen, wollen wir es nicht gäntzlich leugnen; in engerm Verstande aber genommen und so, wie wir sie itzt beschrieben, ist allerdings gewiß, daß sie zu unsern Zeiten gäntzlich auffgehöret. Denn sie haben ihre Absicht bloß auff die Pflantzung der Kirche, und folglich gehören sie in die Zeiten der Apostel und Jünger Christi. Wir haben daher heut zu Tage nicht mehr dergleichen zu gewarten, weil das Ansehen der göttlichen Wahrheit schon zur Gnüge bestätigt ist. Die Römische Kirche stimmt zwar darinne nicht mit uns überein. Sie rühmet sich vielmehr noch der Wunder-Gaben, wie ehemahls die erste Kirche. Alleine wir wissen [28] aus heiliger Schrifft, daß solches nichts denn Lügen sind.[9] Was daher zu unsern Zeiten durch einen ausserordentlichen Einfluß GOttes über die Kräffte der Natur zu geschehen pfleget, sind Würckungen einer sonderbahren göttlichen Vorsehung, welche bloß im weitläufftigern Verstande Wunder genennet werden.


§. 15.

Wenn wir das Kauen und Schmatzen der Todten unter die göttlichen Wunder zehlen wolten, müste es entweder ein Wunderwerck der Lehre oder ein Wunderwerck der Vorsehung seyn.[10] Daß die Wunderwercke der Lehre schon längst in der Kirche auffgehört, haben wir bereits angezeigt. Alleine gesetzt, daß es dergleichen noch gebe, so läst sich doch aus allen Umständen schliessen, daß wenigstens das Kauen und Schmatzen der Todten nicht darunter zu zehlen sey. Denn ein iedwedes göttliches Wunderwerck, in engerm Verstande bestätiget 1) das Ansehen der göttl. Wahrheit, 2) wird es durch einen unmittelbar von GOtt und Christo gesendeten Propheten oder Apostel verrichtet, und 3) überzeugt es alle, die es sehen und hören, von seiner Wahrheit und Richtigkeit. Wir brauchen keines Beweises, weil die Nothwendigkeit dieser Eigenschafften aus der heil. Schrifft sattsam dargethan werden kan.

[29]
§. 16.

Wie schickt sich nun das Kauen und Schmatzen der Todten hieher? Findet wohl eine eintzige von diesen Eigenschafften der göttl. Wunder hier statt? Wir halten es nicht dafür. Man siehet nicht, was für eine göttl. Wahrheit dadurch bestätiget werden soll. Es fehlen die Propheten und Apostel, die durch GOttes Finger hierbey etwas thun. Es mangelt die Uberzeugung, von der Wahrheit, die die göttlichen Wunder-Wercke sonst allezeit in den Hertzen der Menschen zu würcken pflegen. Wem zu gute solte demnach GOTT ein solches Wunder in der Natur geschehen lassen, da gar kein Endzweck davon bekannt ist? Der Endzweck GOttes ist zweyerley, entweder die Ehre seines Nahmens oder das Heil der Menschen. Zur Ehre des göttl. Nahmens tragen dergleichen Würckungen der Todten wenig oder nichts bey. Sie verhindern sie mehr, als daß sie solche befördern. Denn es werden dadurch die wahren Wunderwercke mit den falschen vermischt und dadurch eine solche Verwirrung angerichtet, die der Ehre GOttes und der Wahrheit der göttl. Wunderwercke sehr nachtheilig ist. Der andere göttl. Endzweck bey den Wunderwercken ist das Heil der Menschen, welches theils zeitlich theils ewig ist. Zu beyderley Heil zu gelangen wird der Glaube an GOtt und seine Verheissungen, der durch die göttlichen Wunderwercke am besten erwecket werden kan, erfordert. [30] Aber was soll aus dem Kauen und Schmatzen der Todten vor ein Glaube entstehen? Was soll uns daraus vor Heil zufliessen? Den schnellen Tod haben die Menschen noch niemahls unter die sonderbahren göttlichen Wohlthaten gerechnet, sonderlich einen solchen gewaltsamen, wie dergleichen die Menschen durch das Kauen und Schmatzen der Todten zu betreffen pflegt. Von dem Glauben aber, der dadurch erweckt werden soll, können wir gar nichts sagen. Man mag es eher einen Aberglauben als wahren Glauben nennen, wenn der Todten Freßigkeit in Gräbern hiervon etwas in denen Hertzen der alten Weiber erwecken solte. Unser Glaube ist genugsam aus den Schrifften Mosis und derer Propheten bestätiget, und wenn wir diese nicht hören wollen, werden wir auch denen Todten nicht glauben, wenn sie gleich aus den Gräbern wieder kämen und uns predigten.


§. 17.

Die andere Art der wahren Wunderwercke hat mit der göttlichen Vorsehung zu thun, die wir deßwegen Wunderwercke der Providentz genennet. Es sind dieselbigen nichts anders als Exempel der sonderbahren göttl. Vorsehung, welche über die gewöhnliche Ordnung der Natur zu Erhaltung und Bewahrung unsers Leibes und Lebens zu geschehen pflegen. Zu einem Exempel hiervon dienet uns dasjenige Mägdgen, welches vor weniger Zeit in der Marck Brandenburg von einem räuberischen Wolffe rücklings [31] mit dem Rachen zwar ergriffen, aber von der Bestie bald wieder ohne einige Verletzung niedergesetzt und verlassen worden.[11] Dergleichen Wunderwercke geschehen zu unsern Zeiten fast noch täglich, aber sie zielen allezeit auf unsers zeitlichen Lebens Erhaltung ab. Daß man das Kauen und Schmatzen der Todten nicht hieher rechnen könne, ist ausgemacht. Denn es dienet solches mehr zu des menschlichen Lebens Verderbung als Erhaltung.


§. 18.

Da nun auf keinerley Art und Weise dieses Wunder-Zeichen der Natur unter die göttliche Wunder Wercke gesetzt werden kan, so entstehet eine neue Frage: Ob es nicht dem Teuffel und dessen Würckungen, die er in die natürlichen Cörper thut, zuzuschreiben sey? Der gröste Theil der Menschen ist geneigt, solches zu bejahen. Denn da sie die verborgenen Kräffte der Natur nicht erkennen, etwas göttliches aber daran nicht wahrnehmen, so wissen sie es nichts anders als einer teufflischen Magie und verborgenen Würckung des Satans zuzuschreiben. Wir selbst können nicht leugnen, daß wir nicht ehemahls dieser Meinung solten zugethan gewesen seyn. Die Schalckheit dieses höllischen Geistes, die Menschen zu betrügen, ist so groß und vielerley, daß sie niemahls genung erforscht [32] werden kan. Was Wunder demnach, wenn wir uns zu Beypflichtung dieser Meinung sonst allezeit geneigt finden lassen? Alleine da wir das merckwürdige Exempel eines kauenden und schmatzenden Todten in genaue Erwegung zogen, so bemerckten wir drey Umstände, die uns bewegten, von dieser Meinung abzugehen. Denn wir erkannten, daß 1) kein Blendwerck dabey vorgehe, 2) dem Teuffel keine Gewalt über der Menschen Tod und Leben zukomme, und 3) die Umstände lauter natürliche Ursachen anzeigten.


§. 19.

Die erste Ursache ist, daß die äusserlichen Umstände dieses Wunder-Zeichens keinen Schein einiger teuflischen Betrügerey zu erkennen geben. Von denen Gespensten und teuflischen Erscheinungen ist bekannt, daß sie nichts anders denn ein Blendwerck sind. Wir vermeinen zwar, würcklich etwas zu sehen, und wenn wir näher hinzu kommen, werden wir nichts gewahr. So ist es auch mit dem Gehöre beschaffen in Ansehen des Geräusches, das die Gespenster bißweilen in Küchen und Kellern machen, da es vielmahls scheinet, als wenn alles zu tausend Drümmern gienge, da man doch nachgehends alles unversehrt an seinem Orte findet. Es ist dieses nicht zu verwundern. Der Teuffel, als ein vollkommener Geist, kan in eines andern Imagination und Einbildungs-Krafft gar leichte allerhand Vorstellungen von gebildeten, ingleichen von empfundenen und gehörten [33] Dingen erwecken, obgleich eigentlich und würcklich nichts verhanden ist, das in die Sinne fället. Es erhellet dieses aus denenjenigen Erscheinungen, welche einem alleine geschehen, da viele, die sich dabey befinden, nichts vermercken. Es pflegt zwar bißweilen auch die Erscheinung dem Menschen würcklich in die äusserlichen Sinne zu fallen, wenn nehmlich der Geist in der Lufft einen Leib, der nur den Schein davon hat, annimmt. Alleine es ist derselbe allezeit so beschaffen, daß wenn man mit einem Lichte hinzu nahet, solcher von sich selbst verschwindet.


§. 20.

Wenn wir das Kauen und Schmatzen der Todten betrachten, so werden wir nichts von einem dergleichen Blend-Wercke gewahr. Haut, Haare, Bart, Nägel und alle übrigen Glieder des oben beschriebenen Hungarischen Cörpers haben von einem iedweden betastet werden können. Es hat auch der Teuffel, oder wer derjenige Geist gewesen, der nach der irrigen Meinung des Pöbels durch das Kauen und Schmatzen des obgedachten Cörpers in den Häusern der Menschen ein so grosses Sterben verursachet, sich auf keinerley Weise als ein Gespenste denen, die sich seinen Würckungen widersetzet, geoffenbahret, welches doch sonst insgemein zu geschehen pflegt. Wir lesen zwar in der Hungarischen Relation, es sey der verstorbene Plogojowitz zu denen Leuten im Schlaffe [34] gekommen, habe sich auf ihre Leiber gelegt, und sie dergestalt gewürget, daß sie des Todes darüber seyn müssen; wir lesen auch ferner, er sey zu seinem Weibe gekommen und habe von ihr seine Schuhe begehret. Alleine was eigentlich von diesen Umständen zu halten sey, wollen wir weiter unten anzeigen. So viel mag vorietzo zu gedencken genung seyn, daß von der Einbildung einer Sache auf deren würckliche Existentz kein Schluß zu machen sey, sonsten müste auch der Alp und andere Kranckheiten, die in der Einbildung bestehen, denen Geistern zuzuschreiben seyn.


§. 21.

Die andere Ursache, die uns abhält, daß wir dem Teuffel das Kauen und Schmatzen der Todten nicht zueignen können, bestehet darinne, daß demselben keine Gewalt über der Menschen Leben und Tod zukömmt. GOtt hat sich dieses als ein besonderes Regale alleine vorbehalten. Denn da er die Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen, hat er niemanden einiges Recht über deren Leben und Tod zugestanden, als der Obrigkeit, die seine Stelle vertritt. Diese alleine kan das Schwerdt der Gerechtigkeit über die Ubelthäter ziehen. Wer wolte aber dem Teuffel, dem von GOttes Angesichte verstossenen und zur ewigen Höllen-Straffe verdammten Geiste, eine so grosse Gewalt über das durch den Sohn GOttes zu Gnaden gebrachte menschliche Geschlechte zugestehen, dieselben [35] nach Gefallen zu tödten, oder zu erhalten? Ausserordentlich schickt zwar GOtt bißweilen zu Bestraffung der Menschen gewisse Executores seiner Gerichte, aber den Teuffel ist er nach seiner ihm beywohnenden Heiligkeit nicht gewohnt, leichtlich hierzu zu erwehlen. Wir lesen zwar von Hiob und andern Heil. Männern in Heil. Schrifft, daß sie vom Teuffel sehr übel tractirt und mit Ruthen und Fäusten gar sehr geschlagen worden. Alleine ob derselbe gleich solche Licentz von niemand anders als dem grossen GOtt erhalten können, so ist sie doch allezeit so eingeschrenckt gewesen, daß er ihnen nicht ans Leben kommen können. Woher soll ihm nun die so grosse Gewalt bey dem Kauen und Schmatzen der Todten kommen? Es ist gewiß recht entsetzlich zu sagen, daß der Teuffel innerhalb sieben Tagen auf zehen Menschen gewaltsamer Weise hingerichtet haben solte, und daß er deren noch mehr habe hinrichten wollen. Es läst zwar GOtt bißweilen dem bösen Geiste zu, daß er mit seinen Erscheinungen manchen Menschen ein solches Schrecken einjaget, daß sie vor Alteration des Todes sind. Alleine auf solche Weise ist der Teuffel nur eine zufällige Ursache des Todes, nicht aber eine Haupt-Ursache, wie es bey dem Kauen und Schmatzen der Todten seyn müste, wenn man solch Wunder-Zeichen der Natur dem Teuffel zuschreiben wolte.


§. 22.

Die dritte Ursache, die uns verhindert, daß [36] wir das Kauen und Schmatzen der Todten dem Teuffel nicht zuschreiben können, ist, daß alle Umstände lauter natürliche Ursachen anzeigen. Wir leugnen zwar nicht, daß die Zauberer, Hexen und andere Unholde, die dem Teuffel dienen, sich der natürlichen Dinge, sonderlich des Auswurffes und Unflaths der Leiber bey ihren teufflischen Künsten zum Schaden des Menschens bedienen. Alleine die Umstände, womit es geschicht, sind allezeit so beschaffen, daß ein ieder leichte daraus ihre teufflische Zauberkunst erkennen kan. Dieses aber kan man bey dem Kauen und Schmatzen der Todten nicht wahrnehmen. Denn da äussern sich solche Umstände, die offenbar das Gegentheil bezeugen. Der Hungarische Cörper ward weder verschnitten noch verstümmelt, sondern gantz und vollkommen im Grabe gefunden. Der natürl. Auswurf des Leibes z. E. die Haare, Bart, Nägel etc. haben ihr Wachsthum und die Leute, die darauff den Tod erlitten, haben nicht das geringste Zeichen einer teufflischen Bezauberung von sich gegeben. In übrigen, wenn auch denen Hexen hier etwas zuzuschreiben wäre, kan man doch nicht glauben, daß etwas anders daraus entstehen solte, als solche Bezauberungen, die zwar der Gesundheit und Integrität des Leibes schädlich sind, aber doch auff keinerley Art und Weise dem Leben Gefahr bringen, geschweige gar einen schleunigen Tod nach sich ziehen. Der verursachte Tod rühret bloß von GOttes Willen [37] her und der Schaden des Leibes, den sonst der Teuffel bißweilen intendirt, ist hier nicht einmahl erfolget.


§. 23.

Bey so gestalten Sachen ist nicht zu zweiffeln, daß nicht alle übernatürl. Ursachen hier cessiren solten. Es muß daher dieses Wunder-Zeichen bloß aus denen Kräfften der Natur erklärt werden. Aber nun fragt sichs: aus was vor welchen? und auff was vor Weise? Es finden sich einige unter denen Welt-Weisen, die die Existentz derer Mittel-Geister oder so genannten Dæmonum behaupten, unter welchen der bekannte Herr D. Rüdiger[12] die oberste Stelle verdient. Sie unterscheiden dieselben von denen bösen Geistern, die sonst Teuffel heissen, und beschreiben sie als unvollkommene Geister, mit einem elementarischen Leibe umgeben, welche zwar eine Empfindung, Gedächtniß und Wissenschafft, aber keinen Verstand und Uberlegung haben. In der Geister-Welt, sagen sie, wären sie eben dasjenige, was die unvernünfftigen Thiere in der Thier-Welt sind. Sie rechnen dahin alle diejenigen Erscheinungen und Gespenster, die man sonst Bergmännigen, Kobelte, Bier-Esel, Drachen und dergleichen nennet. Die Heyden haben ehemahls viel von diesen Dæmonibus gedichtet und sie Schatten und Nacht-Geister, Hauß- und Polter-Geister, [38] Waldgötter[13] etc. u. d. g. geheissen. Sie hielten sie vor gute Geister (Spiritus ἀγαθούς) welche weder Schaden thäten, noch in einer schrecklichen Gestalt erschienen. Theophrastus Paracelsus, den man der Zauberey wegen vor sehr verdächtig gehalten, heist sie ausdrücklich die gütigen Geister, welches auch Georgius Agricola[14] thut, der sie mites nennet und denen immitibus oder bösen entgegen setzet.


§. 24.

Wir verwerffen diese und alle dergleichen Dæmones und Mittel-Geister, weil Vernunfft und Schrifft nichts davon wissen. Was aber in den Bergwercken, Häusern und Wäldern von solchen Unholden wahrgenommen wird, das zeuget sattsam von des Teuffels Boßheit. Der sehr belesene und gelehrte Garmann in Tract. de Mirac. Mort. Lib. I. Tit. III p. 122. urtheilet von ihnen gantz recht, wenn er schreibet: „Ich statuire mit dem P. Thyræo keine Geister, die entweder gantz gütig, oder gantz grausam sind. Welche ietzt gütig, die sind nachgehends grausam, und welche ietzt grausam, die erzeigen sich hernach wieder gütig. Denn auch denen gütigen fehlt es nicht an Boßheit noch an Willen und Vermögen zu schaden. Die uns hassen, [39] können als verschlagene Geister, die tausend Künste wissen, sich auch wieder in Engel des Lichts verstellen und den Schein der grösten Gütigkeit an sich nehmen. Es gilt hier das Sprichwort des Pöbels: Es ist ein Teuffel wie der andere.[15] Dieses sagt nun zwar Garmannus, aber nicht der Pöbel in Hungarn. Denn dieser scheinet, nach der oben angeführten Relation, ebenfalls die Ursache des Todes bey dem obgedachten Wunder-Zeichen denen Dæmonibus oder Mittel-Geistern zuzuschreiben. Denn wir lesen, daß sie unter andern gegen den Kayserl. Provisorem ausdrücklich gesprochen: sie müsten Hauß und Guth verlassen, wenn nicht in kurtzen eine gerichtliche Besichtigung angestellet und der Cörper nach ihrem Gebrauch zernichtet würde; denn sie besorgten, es möchte endlich durch solchen üblen Geist das gantze Dorff zu Grunde gehen. Dieses bekräfftigen selbst die Sterbenden, die ausdrücklich bezeugt haben, daß der verstorbene Plogojowitz als ein Incubus und [40] Nacht-Gespenste auff sie gefallen sey und sie biß auff den Tod gewürget habe. Aber wer will doch solche Würckungen einem gütigen Geiste zuschreiben, und wer erkennet nicht sattsam aus diesen Klauen den höllischen Löwen, wenn man würcklich denen Geistern hier etwas zuschreiben wolte?


§. 25.

Alles demnach, was von denen kauenden und schmatzenden Todten zu mercken ist, muß aus der Cörperlichen Welt erkläret werden. Ehe wir aber in Thesi etwas setzen, haben wir vor allen Dingen auff die Seite zu räumen, was der menschliche Aberglaube entweder aus einer betrogenen Phantasie oder aus einer vorgefasten Meinung diesem Wunder der Natur angedichtet hat. Hieher gehört 1.) daß dergleichen Todte mit einem hellen Laut kauen, 2.) ihre Sterbe-Kleider mit dem Munde fressen, 3.) insgemein von weiblichen Geschlechte seyn, 4.) vornehmlich zu Pest-Zeiten existiren und 5.) keinen anderen als der nechsten Anverwandten Tod verursachen sollen. Was das erste anbetrifft, so stimmen alle Nachrichten von denen schmatzenden Todten überein, daß sie in den Gräbern nach Art der Schweine mit einem hellen Laut mit den Zähnen kauen, daher sie auch die schmatzenden Todten genennet worden sind. Alleine das neueste Exempel, das wir neulich aus Hungarn bekommen, gedencket [41] nichts von diesem Schwein-Schmatzen; woraus erhellet, daß solches ein Gedichte sey, das aus der Leute Aberglauben entstanden. In denen Historischen Jahr-Büchern wird zwar viel von solchen Laut und Stimmen, so auff denen GOttes-Aeckern, Grabmahlen, ja in denen Begräbnissen selbsten, ingleichen in denen Häusern und an anderen Orten gehöret worden, erzehlet, alleine die Wahrheit der Sache beruhet meistentheils auff alten Weiber-Mährgen. Wir wollen zwar nicht gäntzlich in Abrede seyn, daß nicht der Teuffel auf denen Gottes-Aeckern sich bißweilen eine grosse Gewalt heraus nehmen[16] solte, aber es geschicht nicht so offte, als insgemein vorgegeben wird, weil GOtt die Gräber der Frommen bewahren und vor des Teuffels Boßheit und Gespötte unversehrt erhalten will. An den Orten aber, wo Todtschläge und Schlachten geschehen, leugnen wir nicht, daß nicht bißweilen solten Gespenster gesehen, vielerley Geräusche vernommen, unterirdische Stimmen und andere klägliche Worte und Seuffzer gehört worden seyn, aber daß dergleichen auch auff Kirch-Höfen und GOttes-Aeckern als an heil. Stätten geschehen solte, leugnen wir billig.


§. 26.

Von denen alten Heyden lesen wir, daß sie gar viel von diesem unterirdischen Schall und Stimmen geglaubt, aber in Anzeigung der Ursachen [42] hiervon haben sie niemals überein gestimmt. Die alten Sarmatæ scheinen die Ursache dieses unterirdischen Gethönes denen Geistern zugeschrieben zu haben. Denn also erzehlen Joh. Meletius in Epist. de Relig. Boruss. ad Georg. Sabin. und Jo. Losicius,[17] daß sie über den Gräbern die Säbel gezogen und mit diesen Worten in die Lufft geschlagen hätten: Ey! packet euch ihr Geister in eure finstern Hölen.[18] Die Griechen schrieben die Ursache denen Seelen derer Verstorbenen zu, von welchen sie glaubten, daß sie nach dem Abscheiden sauseten und klirreten.[19] Es läst sich daher Homerus Iliad. Lib. XXIII. v. 100. Edit. Cantabrig. p. 636. von der Seele des Patrocli also vernehmen.

Ψυχὴ τὲ κατὰ χθονὸς ἠύτε κάπνος
     Ὤχετο τετριγυῖα.
D. i.

Die Seele fuhr als ein Rauch mit vielen Sausen unter die Erde.[20] Von diesem Sausen und Klirren der Seelen gedencket derselbe an einem andern Orte noch mehr, wenn er sich also hören läst[21]:

[43]

     Ταὶ δὲ τρίζουσαι ἕποντο.
Ὥς, δ’ ὅτε νυκτερίδες μυχῷ ἄντρου θεσπεσίοιο
Τρίζουσαι ποτέονται, ἐπεὶ κέτις ἀποπέσησιν
Ὁρμαθοῦ ἐκ πέτρης, ἀνὰ τ’ ἀλλήσησιν ἔχονται,
Ὥς αἵ τετριγυῖαι ἅμ’ ἤϊσαν.     D. i.

Diese aber folgten mit einem Sausen. Denn wie die Fledermäuse aus ihren Löchern mit einem starcken Sausen heraus fliegen, wenn eine von ihnen von dem Felsen, daran sie hauffenweise hangen, herab geworffen wird: also gehen auch sie, hintereinander sausend her.[22] Diogenes Laërtius schreibet von des Hesiodi Seele also: Φησὶ δὲ Ἱερώνυμος κατελθόντα αὐτὸν εὶς ἅδον, τὴν μὲν Ἡσιόδου ψυχὴν ἰδεῖν πρὸς κίονι χαλκῷ δεδεμένην καὶ τρίξουσαν. D. i. „Es erzehlet Hieronymus, er sey in die unterirdischen Oerter gefahren und habe des Hesiodi Seele an eine eherne Säule angebunden, gesehen, wie sie gerauscht und gesauset habe, vinculis adstrictam stridentemque vidisse.“ Wenn Menippus bey dem Luciano[23] aus der Höllen zurücke kömmt, erzehlt er unter andern: [44] ἔνθα δὴ περιεπέτοντο ἡμᾶς τετριγυῖαι τῶν νεκρῶν αἱ ψυχαὶ: D. i. Es begegneten uns daselbst die rauschenden Seelen der Todten. Sophocles eignet deßwegen denen Seelen ein Summsen (ζομζέίν) zu, wie die Bienen sonst von sich hören lassen.[24]


§. 27.

Wenn wir sagen sollen, was uns davon wahr zu seyn düncket, so glauben wir, daß insgemein solch unterirdisch Geräusche, Gethöse und Gethöne entweder aus einer aberglaubischen Meinung oder falschen Einbildung entstehe. Wie viel der Aberglaube in denen Gemüthern der Menschen vermöge, erkennen wir in diesem Stücke an denen Heyden. Sie schrieben denen Seelen der Verstorbenen ein Sausen u. Sumsen zu, um keiner andern Ursache willen, als weil sie allerhand abergläubische Meinungen von dem Zustande der Seelen nach dem Tode hegten. Wenn sie diese nicht geheget, würden sie das unter der Erde vernommene, Rauschen und Seuffzen vielmehr dem unterirdischen Feuer zugeschrieben haben, als welches vielmahls mit der grösten Gewalt durch die engen Stein-Klüffte und Felsen-Löcher durchdringet und einen fürchterlichen Laut, wie ein Geheule von sich giebt[25]. Sehr schön hat [45] dergleichen Getöse der seel. D. Thomas Ittig in Præf. ad. Hist. Dan. p. 4. mit denen Donner-Wettern verglichen und selbsten unter die Arten des Donners gezehlet. Es verursachet auch ein dergleichen Knallen und Platzen das Eiß, wenn es wie in Island an die See-Klippen stößt, welchen Schall mit gleicher Absurdität vorzeiten die abergläubischen Heyden denen verdammten Seelen zugeeignet, wie solches Saxo Grammaticus und Marinier[26] bezeugen.


§. 28.

Was nun vor alten Zeiten das Gifft des Aberglaubens in den ehemahligen Heyden würcken können, das kan es noch biß diese Stunde in den Hertzen der Christen würcken. Sie erkennen insgemein die Ursachen des unterirdischen Knalls nicht, welche vielerley seyn können, daher bilden sie sich gleich ein, sie hätten die Todten in den Gräbern kauen und pochen gehört. Es sind natürliche Ursachen genung verhanden, die eigentlich das Getöse in den Gräbern verursachen, worunter wir vorietzund nur das Einfalles des Sarges rechnen wollen, welches schwerlich ohne Geräusche und Getöse abgehen kan. Es verlohnt sich der Mühe, das sonderbahre Meteoron, das sich zu Gotha ereignet, hier anzuführen. Mich. Bernh. Valentinus[27] erzehlet solches also: „Ein gewisser Todtengräber machte ein Grab und stieß auff einen gantz verfaulten [46] Sarg, der nichts denn Todten-Beine in sich hielte. Als er solchen auf die Seite thun will, vernimmt er einen Laut, als wenn eine Ganß zischte und schnatterte[28] wobey er zugleich wahrnimmt, daß aus dem äussersten der Gebeine ein Schaum einer Faust groß heraus dringt, und zwar mit einem solchen Gestancke, daß er Maul und Nase zuhalten muß. Er setzt sich darauf auf die andere Seite des Grabes und will sehen, was endlich daraus werden wird. Nicht lange darnach giebt die ausgeschäumte Materie einen solchen Knall von sich, als wenn einer eine Pistole gelöset, worauff ein blauer Rauch herfür steigt und sich in die Höhe dreht, der die Lufft mit einem noch viel stärckern Gestancke als vorher der herausgequollene Schaum gethan, erfüllet, so daß der Todten-Gräber ohnfehlbar davon des Todes gewesen seyn würde, wenn er nicht in höchster Eil das Grab verlassen, sich nach Hause begeben und gewisse Artzneyen eingenommen hätte.“ Aus dieser Begebenheit läst sichs genugsam schliessen, daß es gar viel und vielerley natürliche Ursachen gebe, dadurch ein Laut in denen Gräbern entstehen könne, welche gewiß sonst Niemand vor übernatürlich ausgeben wird, als der voller Aberglauben ist.


§. 29.

So viel aber dem Aberglauben in diesem Fall zuzuschreiben ist, so viel kan man auch der falschen [47] Einbildung zueignen. Wir geben zwar zu, daß wir durch die Sinne die Wahrheit empfinden, aber es müssen dieselben unversehrt, gesund und richtig seyn. Es kan aber dieselben nichts mehr verderben, als Furcht und Schrecken, welches nach dem Ausspruch des Ciceronis, das Gemüthe verrücken[29] kan. Es scheinen alsdenn viele Dinge, als wenn sie würcklich wären, und sind es doch nicht. Denn wenn das Schrecken das Hertze einnimmt, verrückt es den Verstand, erfüllt das Gemüthe mit vielen nichtigen Bildern, und macht es voller Irrthum und Ungewißheit. Wer will sich daher verwundern, wenn ein Schreckens-volles Weib, oder sonst eine Person dieses Gelichters auff denen Kirchhöfen und Gottes-Aeckern bisweilen etwas klopffen und rauschen gehört, welches doch nichts, denn eine falsche Einbildung ist[30]. Man könte eine grosse Anzahl von Exempeln anführen, wenn wir alle Jahr-Bücher und Chronicken, die man in unserm Sachsen fast von einer iedweden Stadt aufweisen kan, durchgehen wolte. Nur eins davon anzuführen, so wird erzehlt, daß einsmahls zu Harburg in dem Grabe einer gewissen Adelichen Dame einige Tage lang ein Klopffen gehört worden. Nachdem man nun das Grab so wohl als den Sarg geöffnet, hat man an dem Cörper nicht das geringste Zeichen eines Lebens oder [48] Bewegung wahrgenommen. Jedoch da man den Sarg wieder eingescharrt, hat es den Leuten abermahl gedeucht, als hörten sie pochen. Sie werden hierdurch bewogen, den Sarg von neuen zu eröffnen, aber sie haben dißmahl eben so wenig an dem todten Cörper veränderliches gefunden, als das vorige mahl.[31]


§. 30.

Ein gantz sonderbahres Exempel eines klopffenden Todten erzehlet Herr George Gottlob Pitzschmann im Leichen-Redner p. 886. folgender gestalt: Zu Buntzlau in Schlesien ward A. 1701. ein gewisser alter Mann den vierdten Tag nach seinem Tode mit gewöhnlichen Ceremonien zur Erden bestattet. Nicht lange darnach vernimmt der Todten-Gräber im Grabe ein Klopfen. Dieser, der es wenig achtet, geht darauf nach Gewohnheit in die Schencke, u. erzehlet etwas davon denen bey ihm sitzenden Zech-Brüdern. Sie ermahnen ihn, er solle es der Stadt-Obrigkeit anzeigen, weil der Verstorbene vielleicht noch einiges Leben bey sich haben könte. Der Todten-Gräber thut es. Er geht zum Magistrat der Stadt, erzehlet ihm, was er gehört, und bewegt ihn, daß er befielt, den Todten wieder auszugraben. Alleine da man das Grab geöffnet, findet man nichts weiter veränderliches darinnen, als daß die Decke des Sarges wegen [49] allzu grossen Last der Erde, die darauff geworfen worden, eingebrochen, wovon es einen solchen Laut gegeben, als wenn es klopffte oder pochte. Man erkennet aus diesem Exempel, wie offte und leichte die Gemüther der Menschen von der falschen Einbildung betrogen werden können. Es scheinet daher Cassius bey dem Plutarcho nicht unrecht gesprochen zu haben: Ἡμέτερος, ὦ Βροῦτε, λόγος. ὡς οὐ πάντα πάσχομεν ἀληθῶς, οὐ δ’ ὁρῶμεν, ἀλλ’ ὑγρὸν μέν τε χρῆμος καὶ ἀπατηλὸν αἴσθησις.

D. i. „Brute, das ist unsere Meinung; Daß nicht alles, was wir empfinden oder sehen, wahr ist, sondern es ist mit denen Sinnen eine schlüpffrige und betrügliche Sache.“[32] Die sinnlichen Dinge, die man einmahl empfunden, werden in das Gemüthe dergestalt eingedrückt, daß sie nicht eher wieder ausgerottet werden können, als biß die wahre Ursache auffs deutlichste unter die Augen gestellet worden. Es mag uns demnach von denen klopffenden und schmatzenden Todten iemand sagen, was er will, so leugnen wir sie dennoch gäntzlich. Denn die Leute, die etwas davon gehört haben wollen, sind entweder durch den Aberglauben oder die Einbildung betrogen worden.


§. 31.

Wir kommen nunmehro auff einen andern Umstand, den der abergläubische Pöbel bey dem Kauen und Schmatzen der Todten wahrgenommen [50] zu haben glaubet und den wir als irrig hier verwerffen. Er bestehet darinne, daß man vorgiebt, die Todten frässen in diesem Fall ihre Kleider. Aber wem ist nicht das Sprichwort bekannt, dessen sich schon vorlängst Theodotus bey dem Plutarcho bedient: νεκρός οὐ δάκνει: ein Todter beist nicht mehr:[33] Denn nach Auflösung des natürlichen Bandes zwischen Leib und Seel, hören auch alle Verrichtungen auff, die aus dieser Vereinigung herkommen.[34] Wir reden aber ietzt von denen wahrhafftig Todten, nicht aber von denen Epilepticis, Syncopticis, Hystericis oder Ecstaticis, die alle bißweilen auch den Schein haben, als wären sie todt, und doch zu solcher Zeit solche Dinge thun können, die denen Lebenden eigen sind. Von solchen ist hier die Rede nicht. Die Exempel zwar, welche wir oben von denen schmatzenden Todten angeführt, stimmen gröstentheils darinne überein, daß die Todten ihre Sterbe-Kleider, so weit sie solche mit dem Munde haben erreichen können, gefressen und verschlungen hätten. Alleine das gantz sonderbahre Exempel aus Hungarn, welches wir hier vernehmlich zu untersuchen vor uns haben, giebt uns von diesem Umstande keine Nachricht. Der ausgegrabene Plogojowitz hat seine Sterbe-Kleider noch alle gantz gehabt. Das eintzige, was da [51] scheinet, hieher zu gehören, ist das Blut, das man in dessen Munde gefunden, und von welchem man geglaubt, es sey von denen, durch ihn umgebrachten, gesogen worden. Alleine was davon zu halten sey, wollen wir an seinem Orte umständlich zeigen.


§. 32.

Die heutigen Jüden, Türcken und andere dergleichen Völcker haben von dem unterirdischen Fressen derer Todten viel gedichtet, wovon wir etwas hier gedencken wollen. Denen Todten selbst haben sie sich zwar nicht unterstanden, die Ursache zuzuschreiben, sie haben aber der Sache Wahrheit mit so schlechten Ursachen bekräfftiget, daß wir sie nicht werth achten, zu widerlegen. Von denen Jüden ist bekannt, daß sie vier Haupt-Teuffel oder Dæmones glauben, die sie Sammaël, Azazel, Asaël, und Muchazaël nennen. Unter diesen ist der Azazel derjenige, der mit seinem Gesellen, dem Samchasai, vom Himmel gefallen zu seyn geglaubet wird, BUXTORFF. in Lexic Talmud. col. 1593. und von welchem die Juden vorgeben sollen, er habe sich in eine Schlange verwandelt und die ersten Eltern verführet, worauf er durch einen göttlichen Fluch darzu verdammt worden, daß er Erde und Staub fressen sollen.[35] Hieraus haben sie nachgehends geschlossen, es sey dem Azazel das Fleisch und [52] was von dem Menschen nach dem Tode übrig bleibet, zu einer Speise bestimmt worden. Aber es sind dieses einfältige Possen, deren sich selbst die klugen Jüden in Ernste vorzubringen schämen.


§. 33.

Wenn es erlaubt ist, zu sagen, was hiervon wahr ist, so ist es ein Gedichte und ein Mährgen, welches die unsrigen denen Jüden aus denen nicht recht verstandenen Rabbinischen Schrifften angedichtet. Denn alles was dißfalls zum Beweiß vorgebracht werden kan, scheinet aus Buxtorffii Synag. Jud.[36] genommen zu seyn, allwo Elias Gramaticus[37] also geschrieben haben soll: „Der Rabbinen Meinung ist, daß, wenn ein Jüde aus dieser Welt gegangen und begraben worden, der Engel des Todes komme und sich auffs Grab setze, da denn zu gleicher Zeit dessen Seele in den Leib kehre und ihn auffrichte; dieser Engel des Todes nehme alsdenn eine eiserne Kette, die halb kalt u. halb warm ist, und schlage damit zweymahl den Cörper; bey dem ersten Schlage würden die Leibes-Glieder alle aus einander gerissen; bey dem andern Schlage betreffe es die Gebeine, und wenn endlich mit dem dritten Schlage die Zugabe geschähe, werde der gantze Leib in Staub und Asche verwandelt.“ Opinio est Rabbinorum, quod postea, quam Judæus quispiam ex hoc mundo discessit & [53] humatus est, veniens Angelus mortis super sepulchrum sepulti sessum eat, eodemque tempore anima ejusdem revertatur in corpus & erigat idipsum, quodque tum angelus iste mortis ferream sumens catenam dimidia ex parte frigidam, dimidia ex parte calidam, bis corpus sive cadaver percutiat eadem, quodque percussione quidem prima peracta membrorum corporis omnium alia ab aliis disjecta dilabantur, percussione vero secunda ossa omnia dispergantur, a percussione denique tertia corollarii loco facta corpus totum in pulverem cineremq; convertatur. Alleine wer will doch hieraus beweisen, daß die Jüden von dem Azazel glaubten, er nähre sich von den Leibern derer Todten. Immittelst wird es bey denen Scribenten, die von Garmanno[38] u. Rohrio[39] häuffig allegirt werden, vor eine ausgemachte Meinung gehalten. Mit der Jüdischen Mauß, welche die Cörper derer Verstorbenen bald nach ihrer Beerdigung so grausam beissen soll, daß sie vor Schmertzen schreyen müssen, ist es eben so beschaffen. Wir halten dieses vor ein Gedichte, ob gleich der grosse Theologus D. Martin Geyer die Sache gantz umständlich erzehlt, wenn er schreibt: „Wenn die Jüden über dem Grabe ihre Kleider zerrissen haben, so lauffen sie alle [54] mit grossen Geschrey und Lermen von dem GOttes-Acker, damit sie das tödtliche Schreyen des Verstorbenen nicht hören mögen, welches derselbe ihrer Meinung nach unter der Erden, wenn er von der Mauß an die Nase gebissen wird, von sich geben soll, und wovon derjenige, der es gehört, innerhalb 30. Tagen gleichfalls sterben[40] muß.“


§. 34.

Die Mahometaner sind von diesen Träumen nicht weit entfernt, als welche aus einem nichtigen Aberglauben davor halten, daß wenn ein Cörper eine Viertel Stunde lang im Grabe gelegen, so werde ihm von GOtt sowohl ein neuer Geist eingegeben, als es kämen auch zwey Engel zu ihm, welche brennende Fackeln in der Hand hätten, und unter einer schrecklichen Gestalt den Verstorbenen wegen seines geführten Lebens und Wandels examinirten; wenn sie nun befänden, daß derselbe solches mit vielen Lastern beflecket, schlügen sie ihn mit feurigen Peitschen, wo er aber ein unsträfflich Leben geführt, so gäben sie ihm die Gestalt eines schönen Engels und sprächen ihm auff das allerfreundlichste zu. Es erzehlet dieses Philippus Lonicerus; in Chron. Turc. L. I. p. 119. Doch stimmen die andern Scribenten damit nicht überein: Sandys[41] [55] und Phil. Baldus[42] nennen diese schwartzen und mißgünstigen Geister bald Moncar und Nacir, bald Mongir und Guarequir, bald Mungir und Quoregner. Edo Pocokius erzehlet das unterirdische Examen derer Todten in Gräbern also: Wenn der Todte recht geantwortet, so lassen sie ihn sanffte schlaffen, wo aber nicht, peinigen sie ihn mit harten Schlägen, die sie ihm mit einem eisernen Hammer zwischen die Ohren geben, dergestalt, daß das Geschrey iedermann zwischen Morgen und Abend hören kan.[43] Gerhard Cornelius Driesch in der Historischen Nachricht von der K. Kayserl. Groß-Bothsch. nach Constantinopel Lib. I. sect. 8. p. 114. erzehlet die Umstände hiervon also: „Die Türcken, spricht er, machen ihre Gräber viel weiter als unsere und zwar aus dieser Ursache, damit die Todten mit Hülffe des guten Engels Gebrai oder Gabriel, dem sie im Grabe ein gewisses Behältniß anweisen, desto bequemer mit den bösen Geistern, die sie Aruth und Maruth nennen, streiten können“. Jedoch da er nichts weiter hiervon gedencket, läst sich leichte daraus erkennen, daß dieses gantze Vorgeben nichts anders, denn eine Sage des abergläubischen Pöbels sey.


§. 35.

Von dieser Beschaffenheit scheinet auch derjenige Heydnische Geist zu seyn, den sie Eurynomon [56] oder Euryonium nennen. Die Priester, die ehemahls zu Delphis gewesen, zehlten ihn unter die unterirdischen Götter und gaben vor, er fresse das Fleisch der Todten, so daß er nichts weiter als die Gebeine übrig lasse.[44] Die Gestalt, worinne sie diesen Götzen abbildeten, war schrecklich. Denn sie mahlten ihn mit fletschenden Zähnen, in einem Fuchß-Peltze sitzende, in blauer und schwartzer Farbe. Ob der Geist des Asuiti, davon Saxo Grammaticus gedencket, von gleicher Beschaffenheit gewesen, lassen wir an seinen Ort gestellt seyn. Er läst sich aber daselbst von ihm also vernehmen:

Nescio, quo stygii Numinis ausu
Missus ab inferis spiritus Asuiti,
Sævis alipedem dentibus edit,
Infandoque canem præbuit ori:
Nec contentus equi vel carnis esu,
Mox in me rapidos transtulit ungues
Discissaque gena sustulit aurem,
Hinc laceri vultus horret imago,
Emicat inque fero vulnere sanguis.
[45]
 D. i.

„Ich weiß nicht, durch was vor eine unterirdische Gottheit der Geist des Asuiti aus der Höllen herab gesendet worden, welcher mit seinen [57] grausamen Zähnen das Feder-Vieh frißt und an die Hunde seinen unsäglichen Freß-Rachen setzet. Er ist nicht einmahl mit Pferde-Fleisch zufrieden, sondern setzet seine räuberischen Klauen in mich selbsten und nach einer abgerissenen Wange nimmt er mir ein Ohr: Es giebt daher das zerfleischte Angesicht ein schreckliches Ansehen und in der grausamen Wunde sieht man nichts denn Blut.“

Jedoch es sey dem, wie ihm wolle, so ist so viel gewiß, daß Pausanias selbst an der wahren Existenz dieses fressenden Geistes gar sehr gezweiffelt. Denn er spricht[46] ausdrücklich: daß weder bei dem Homero in seiner Odyssea, noch in dem Gedichte, so Minyas genennet wird, noch in dem so genannten letztern, welches von der Wiederkunfft handelt (in welchen allen vornehmlich von der Höllen und denen schreckhafften Dingen unter der Erden gehandelt wird) etwas von einem Dæmone gedacht werde, der Euryomus heisse. Neque Homeri de Ulysse carmina, neque Poësis ea, quæ est Minyas appellata, nec postrema, quæ reditus inscribitur, ullum norunt inter manium Deos Eurynomum.


§. 36.

Jedoch wir wollen diese Narren-Possen bey Seite setzen, und uns zu einigen wahrscheinlichern Ursachen dieses unterirdischen Fressens wenden, die unserm Bedüncken nach, bey gewissen [58] Thieren zu suchen sind. Von der Hyæna und andern dergleichen Fleisch-fressenden Thieren, von welchen Garmannus sehr weitläufftig handelt,[47] ist hier nicht die Rede. Denn von solchen ist bekannt, daß sie gantze Cörper aus den Gräbern reissen und nach Art der Bäre in Rußland, deren Wuth Adam Olearius[48] sehr schön beschreibet, fressen. Zum Zeugen können wir dißfalls den heil. Chrysostomum anführen, der an einem gewissen Orte[49] also schreibet: „Die Hyæna wird niemahls bey Tage gesehen, sondern allezeit bey der Nacht, niemahls im Lichte, sondern allezeit im Finsterniß; sie hat die Art, daß sie die Cörper der Todten ausgräbt und sie frißt; wenn nun iemand eine Leiche liederlich begräbt; gräbt sie solche bey der Nacht aus, trägt sie davon und frißt sie; wo nur Gräber und Gebeine sind, da ist auch der Hyæna ihr Auffenthalt.“ Siehe PLINIUM in Hist. Nat. L. VIII. c. 30. KORNMANN. de Mirac. Mort. P. X. c. 21. und ROHRIVM de Mastic. mort. c.2. th. 4.


§. 37.

Von denen Blut-saugenden Strigibus oder Nacht-Vögeln wird bey dem Delrio[50] und einigen andern Scribenten verschiedenes erzehlet. Ovidius beschreibet sie also:

[59]

Sunt avidæ volucres, non quæ Phineia mensis
Guttura fraudabant: sed genus inde trahunt.
Grande caput, stantes oculi, rostra apta rapinæ,
Canities pennis, unguibus hamus inest.
Nocte volant, puerosque petunt nutricis egentes,
Et vitiant cunis corpora rapta suis.
Carpere dicuntur lactentia viscera matris,
Et plenum poto sanguine guttur habent.
Est illis strigibus nomen, sed nominis hujus
Causa, quod horrenda stridere nocte solent.
[51]

D. i.

„Es giebt sehr hungrige Vögel etc. Sie haben einen grossen Kopff, stehende Augen, Schnäbel, die zum Raube geschickt sind, graue Federn, und starcke Klauen. Sie fliegen bey der Nacht, trachten nach den kleinen Kindern und rauben sie aus den Wiegen. Man sagt: sie fressen die milchreichen Brüste der Mütter und haben stets den Halß voll Blut. Sie heissen Striges und haben daher den Nahmen, [60] weil sie bey der fürchterlichen Nacht ein grosses Geräusche machen.“ Alleine es erhellet hieraus noch nicht genugsam, daß sie Fleisch fressen. Wir wollen daher einen andern, obwohl viel jüngern Poeten, hören, welches Io. Stiegelius ist, der von den Strigibus sich also vernehmen läst:

Grande illis & triste caput, semperque micantes
Igne oculi, rostrumque capax hamoque timendum,
Venter iners, crudo nunquamsine sanguine guttur,
Multiplices uncique pedes, aptique rapinæ,
Corpora namque hominum sugunt & viscera rodunt,
Humanoque gulam gaudent implere cruore.
[52]

D. i.

„Sie haben einen grossen traurigen Kopff, allezeit funckelnde Augen, einen räuberischen Schnabel, leeren Bauch, einen Halß voller frischen Bluts, und starcke Klauen, so geschickt zum Raube sind; sie saugen der Menschen Leiber aus und fressen derselben Eingeweide; ihre Kehle ist mit Menschen-Blute angefüllet.“

Wenn wir diesen Strigibus bey dem Kauen [61] und Schmatzen der Todten etwas zuschreiben solten, würden wir die Ursache sehr schön darthun können, warum in dem Munde des obengedachten verstorbenen Plogojowitzens Blut gefunden worden. Alleine da in demselben Cörper kein Anzeigen einer Freßigkeit anzutreffen gewesen, würde es eine thörichte Muthmassung seyn, wenn wir derselben im Ernst nachhängen wolten. Daß immittelst dergleichen Vögel würcklich verhanden sind, wollen wir aus Aristotelis Histor. Anim. L. IX. c. 30. Schrifften nicht in Zweiffel ziehen, wir wollen auch zugestehen, daß sie das Blut der kleinen Kinder, wenn sie darzu kommen können, saugen; daß sie aber überdiß auch die Brüste der Kinder mit ihren Schnäbeln ausmelcken solten,[53] wollen wir ietzund nicht untersuchen. Doch ist so viel gewiß, daß es allerdings manchmahl hat geschehen können, daß dergleichen Vögel eine Ursache desjenigen Fressens gewesen, das man an denen kauenden und schmatzenden Todten will wahrgenommen haben, insonderheit, wenn die Gräber nicht genugsam verwahret und zugedeckt gewesen.


§. 38.

Es giebt noch mehr dergleichen Thiere, welche Menschen-Fleisch fressen, und welche leichte zu den Gräbern kommen und die Cörper darinnen benagen können. Die erste Stelle verdienen [62] hier die Schlangen, von welchen bekannt ist, daß sie sich an dem süssen Fleische der Vögel und vierfüßigen Thiere und insonderheit derer Menschen gar sehr laben. Sie lieben überdiß die warmen Oerter, wie dergleichen die Gottes-Aecker sind, weil sie von Natur kalt sind. Sie scheinen daher angues von angulis, d. i. denen Winckeln, und colubri von colendis umbris d. i. denen bewohnten Schatten genennet worden zu seyn, weil sie allezeit in Schatten und Büschen stecken und ihren Auffenthalt in unterirdischen Hölen suchen. Es ist daher nicht zu leugnen, daß nicht die Schlangen das Fleisch der todten Aeser fressen solten. Es giebt einige, welche mit dem Plinio[54] vorgeben, es würden gewisse Schlangen in dem Rücken-Marck des menschlichen Cörpers gezeuget, welches auch Plutarchus,[55] Lev. Lemnius, de occultis Nat. Mir. L. IV. c. 12. Jo. Bapt. Porta, in Mag. Natur. L. II. c. 2. Ovidius[56], Camerarius[57], Fort. Licetus[58], M. Aur. Severius, de vipera Pythia c. X. Athan. Kircherus und andere behaupten. Alleine es ist diese Meinung mit allem Fleiß von Sennerto[59], Sperlingo[60], [63] und Francisco Redi[61] widerlegt worden. Es ist unsers Orts ietzo nicht, uns in Streitigkeiten einzulassen. Daher wir nur so viel bekräfftigen wollen, daß die Schlangen in den menschlichen Cörpern allerdings bißweilen ihr Behältniß haben und von ihrem Fleische fressen, nach dem bekannten Ausspruche Syrachs: Wenn der Mensch todt ist, so fressen ihn die Schlagen und Würmer. Sir. X. 13. Wolffgang Frantzius bestätiget dieses nicht nur durch sein Zeugniß, sondern setzet noch hinzu, daß die Schlangen in den menschlichen Gräbern bißweilen auch gezeugt werden könten, ob er gleich nicht zugeben will, daß solches aus dem Marck des menschlichen Cörpers geschehen müsse.[62]


§. 39.

Es verdienet hier dasjenige Ehren-Mahl und Monument angemerckt zu werden, welches die Stadt Meissen in der Kirche zu S. Afra zeiget. Es soll daßelbe zum Gedächtniß eines gewissen Edelmanns, Nahmens Wolffgang von Schleinitz, mit dem Zunahmen des Schönen, der daselbst A. 1523. begraben worden, auffgebauet worden seyn. Es konte derselbe auff keinerley Art und Weise beredet werden, sich in seinem Leben abmahlen zu lassen. Jedoch verlangte er, daß man ihn nach seinem Tode nach Verlauff eines Monaths ausgraben und in der Gestalt, darinnen man ihn finden würde, [64] abmahlen solte. Als nun dieses geschahe, ward sein Leichnam mitten unter denen Schlangen gefunden. Eine Schlange hatte sich um den Halß, zweye um die Arme und eben so viel um einen iedweden Fuß geschlungen. Wie man nun den Cörper gefunden, so ward er auch in Stein ausgehauen, welches Monument man noch biß diese Stunde zu sehen bekömmt. Es erzehlen dieses Hilscherus,[63] Laur. Faustius[64] und Camerarius in Hor. subsec. cent. l. p. 73. Was aber andere davon gehalten, wollen wir ietzund nicht anführen; Siehe Wolffg. FRANZIVM de Interpret. Script. S. p. 868. it. AUG. PFEIFFERUM in Delic. Evang. P. II. p. 268. 484. und MICH. SACHSIVM in Alph. Hist. P. IV. p. 636. genung, daß dieses Exempel sich sehr wohl zu Erleuterung des Umstands von dem Fressen der schmatzenden Todten in Gräbern schickt.


§. 40.

Wenn demnach Exempel verhanden sind von menschlichen Cörpern, die da scheinen, als wenn sie ihre Sterbe-Kleider, so weit sie solche mit dem Munde erreichen können, verschlungen hätten, kan man aus dem oben angeführten gar leichte eine Ursache angeben. Denn wir wollen die Sache eben nicht gäntzlich leugnen, weil es so viele bekräfftigen, daß sie es mit Augen gesehen, daß die Cörper nicht nur das leinene Zeug [65] an sich gezogen, sondern es so gar in sich geschlungen. Alleine was sagen wir vom leinenen Zeuge? Wir lesen, daß sie selbst ihr Fleisch gefressen. Es soll dieses zu des seel. Lutheri Zeiten geschehen seyn, wie M. George Rörer von einem gewissen Cörper, der in seinem Kirch-Spiel sein eigen Eingeweide und Gedärme gefressen haben soll, berichtet hat.[65] Ein dergleichen Exempel erzehlet Hohndorff von einem verstorbenen Weibe, die sich selbst im Grabe gefressen.[66] Und wenn wir Harsdörffern [67] Glauben zustellen sollen, so führt er auch ein Exempel von einem männlichen Cörper an, der in Mähren nicht nur seine eigenen, sondern auch seiner bey ihm in einem Grabe liegenden Frauen ihre Sterbe-Tüchlein verschlungen u. vieles von ihrem Fleische gefressen haben soll. Siehe mit mehrern KORNMANNUM de Mir. Mort. P. VI. c. 64.


§. 41.

Was sollen wir nun von diesen und andern dergleichen Dingen sagen? Wir können weder dem Teuffel noch denen Todten selbst hiervon etwas ohne mehrern Beweiß zuschreiben. Wer die Ursache bey denen unterirdischen Thieren, deren es eine grosse Menge in der Erden giebt, zuschreiben will, der wird [66] nicht irren. Es gehören hieher die Ratten, Mäuse, Maulwürffe und dergleichen, von welchen allen bekannt ist, daß sie zu Füllung ihrer hungerigen Mägen Fleisch fressen. Es bezeuget solches Georgius Agricola,[68] welcher von den Mäusen also schreibet: „Sie fressen nicht nur Früchte, sondern auch Brod, Fleisch, Fische, Suppen und Breyer: am allerbegierigsten aber sind sie auff Milch, Butter und Käse, welches, wenn sie es kauen, einen solchen Laut als ein junges Schweingen von sich geben.“[69] Aber, möchte man sagen, warum wird denn das Fressen in Gräbern nur an der Cörper Munde und Gesichte wahrgenommen, wenn solches einigen Fleisch-fressenden Thieren zuzuschreiben ist? Wir antworten darauff, daß solches darum geschehe, weil diese Theile des Leibes bloß sind. Denn es wird ja der gantze Cörper vor dem Begräbniß in einige Sterbe-Kleider gehüllet, und nichts weiter, als Gesichte, Halß und Hände bloß gelassen. Daher kömmt es, daß die übrigen Glieder des Cörpers insgemein in den Gräbern unversehrt bleiben. Daß aber auch an denen Händen nicht leichtlich eine Verletzung wahrgenommen wird, geschicht wegen derselben Hagerkeit, welche verursacht, daß ob gleich dieselben nicht bedeckt sind, dennoch unversehrt bleiben, weil sie dergleichen [67] Thierchen, wie wir oben angezeigt, keine sonderliche Nahrung geben. Das Gesichte aber und der Halß, der nebst der Brust wegen seiner Fettig- und Fleischhafftigkeit am besten und süssesten zu essen ist, wird von ihnen mit ihren Zähnen am leichtesten angefressen und benaget.


§. 42.

Jedoch wer an diesem Fressen der Mäuse in Gräbern annoch zweiffelt, der mag es nach Gefallen verwerffen und seine Gedancken lieber von neuen auff die Schlangen richten, bey welchen er vielleicht die wahre Ursache von diesem unterirdischen Fressen der Todten finden wird. Denn diese Art der Thiere hält sich in den Löchern unter der Erden auff, frisset Fleisch von Aesern und wird zum öfftern in den Gräbern gefunden. Franzius mercket unter andern von ihnen an, daß sie das Fleisch, das sie kriegen, aussaugeten, und zwar nicht von aussen, wie die Spinnen, sondern von innen heraus.[70] Hieraus scheinet zu erhellen, warum man bey Eröffnung derer Gräber von ihnen keine Spur findet. Sie bewohnen die Cörper und entziehen sich auff alle Art und Weise durch die Löcher des Schlundes dem Gesichte der Leute. Es ist daher kein Zweiffel, daß sie nicht zuförderst das Eingeweide fressen und sich nachgehends zwischen denen Gebeinen einen Auffenthalt zubereiten solten. Was will man sich demnach verwundern, wenn gelesen [68] wird, Siehe HARSDOERFFERUM in Theatr. Trag. p. 406. daß ein gewisser weiblicher Cörper in einer Böhmischen Stadt A. 1345. die Helffte von seinem Sterbe-Kleide im Grabe verschlungen habe? Ingleichen wenn Rohrius[71] von einem Cörper nicht weit von unserer lieben Stadt Leipzig, der A. 1672. ausgegraben worden, erzehlet, daß der Scharff-Richter aus dessen Munde einen grossen Schleyer heraus gezogen habe, welchen der Verstorbene seinem Weibe vom Kopffe genommen und verschlungen haben solle?


§. 43.

Wenn wir die Wahrheit sagen sollen, so halten wir davor, daß die Schlangen diese Cörper allerdings bewohnet und dergleichen Schleyer und Tücher von innen an sich gezogen haben. Denn da die nahen Anverwandten und andere Beystehende es insgemein übel nehmen, wenn eine Zerschneidung der Glieder mit einem dergleichen Cörper vorgenommen werden soll, so ist die wahre Ursache dieses Fressens biß diese Stunde verborgen geblieben, wird es auch allezeit bleiben, wenn nicht endlich die Masque des Aberglaubens abgeleget und die Wahrheit dieser Sache genauer untersucht wird. Alleine was wir ietzund von dem Fressen der Todten vorgebracht, das darff auff keinerley Weise zu dem Prodigio Masticationis mortuorum oder den Wunderzeichen [69] der kauenden und schmatzenden Todten selbst gerechnet werden. Denn es findet sich hier keine Ursache, welche denen Lebenden den Tod zuziehe, welches doch der vornehmste u. in diesem Fall der wichtigste und merckwürdigste Umstand ist. Denn es kan sich dasjenige mit allen Cörpern zutragen, was wir oben von den Ursachen des unterirdischen Fressens gedacht haben, und zwar ohne alle Lebens-Gefahr derer Lebenden, welche doch sonsten nach der irrigen Meinung des Pöbels denenselben daraus vorstehen soll.


§. 44.

Das dritte Vorurtheil, welches wir kürtzlich zu widerlegen haben, ist auff der Verstorbenen Sexum und Geschlechte gerichtet. Es ist bey allen, die davon geschrieben, fast eine ausgemachte Sache, daß das Kauen und Schmatzen der Todten nur an weiblichen Cörpern beobachtet werde. Also behauptet dieses Z. E. Rohrius,[72] ob er wohl zugleich ausdrücklich zugesteht, daß man bey denen Scribenten von beyderley Geschlechte Cörper angemerckt finde, die im Grabe gekauet und geschmatzet haben sollen. Pitzschmann[73] bemühet sich alle Exempel von männlichen Cörpern, an denen man dergleichen wahrgenommen haben wolle, in Zweiffel zu ziehen. Alleine wir glauben, daß diese Meinung ebenfalls aus Aberglauben entstanden sey. Es hat sich vielleicht einmahl zugetragen, daß die ersten [70] Exempel, welche von diesem Natur-Wunder bekannt worden, sich an Weibes-Personen ereignet; so gleich hat darauff der Aberglaube einige Theologische Ursachen an die Hand gegeben, warum der Teuffel, dem sie es ohne Ursache zugeschrieben haben, dergleichen mit dem weibl. Geschlechte vornehme. Diese Meinung ist nachgehends in den Hertzen derer Menschen dergestalt eingewurtzelt, daß sie aus solchen nicht leichtlich wieder hat heraus gebracht werden können. Schlüsselburg in Explic. Ps. XCI. p. 157. sq. giebt hiervon diese Ursache an, „es sey der Teuffel ein abgesagter Feind des weiblichen Geschlechts, weil aus solchem derjenige gebohren worden, der stärcker sey als er; daher wende er allen Fleiß an, den guten Nahmen der Weiber auf alle Art und Weise zu Schanden zu machen.“ Hiermit stimmen auch überein Adam Röther, in Conc. 2. de Peste. Mart. Bohemus[74] und Garmannus,[75] welcher zugleich hinzu setzet, daß weil iederman, nach dem Zeugniß Strabonis,[76] die Weiber vor die Urheber des Aberglaubens halte, so suche der Teufel hierdurch die Menschen noch mehr zu äffen, um zu verursachen, daß das Unkraut noch reichere Früchte des Aberglaubens bringen möge.


§. 45.

Alleine wir sehen nicht, warum der Teuffel [71] vornehmlich die Weiber verleumden solle, da sie ja ohne diß schon allezeit vor geringer denn die Männer gehalten worden. Christus ist zwar von einem Weibe gebohren worden, hat aber doch männliche Gestalt und männliches Geschlechte angenommen. Ich wolte daher lieber davor halten, es thäte der Teuffel besser, wenn er das männliche Geschlechte auff einige Art verleumden und dem weiblichen Geschlechte geringer machen könte. Alleine was wollen wir uns darüber lange mit vielen Muthmassungen auffhalten, da es eine Sache betrifft, die ausser Streit gesetzet ist. Denn es sind ja von beyderley Sexu und Geschlechte Exempel der schmatzenden Todten verhanden, unter welchen dasjenige, das neulich aus Hungarn berichtet worden, unfehlbar die oberste Stelle verdient, allwo nicht eine Weibs-sondern eine Manns-Person das Subjectum Masticationis gewesen.


§. 46.

Das vierte Vorurtheil, das aus Aberglauben des Pöbels von denen schmatzenden Todten geheget wird, betrifft die Zeit, zu welcher vornehmlich die todten Cörper in den Gräbern schmatzen sollen. Es ist eine allgemeine Meinung, daß solches zur Pest-Zeit geschehe. Alleine ob wir gleich zugestehen, daß uns zu solcher Zeit die meisten Exempel bekannt worden, so ist doch die Ursache davon nicht in der Pest selbst zu suchen. Die Pest hat nur Gelegenheit gegeben, daß dieses Wunderzeichen desto mehr bekannt und offenbahr [72] gemacht worden. Denn zu der Zeit, wenn die Pest im gantzen Lande grassirt und in Menge die Menschen nach einander hinreist, so werden vielmahls die todten Cörper unbegraben gelassen. Wenn nun die Todtengräber alsdenn Tag und Nacht auff den Begräbniß-Plätzen ihr Amt verrichten und gleichsam mitten unter den Todten sich befinden, so ist es kein Wunder, wenn zur selbigen Zeit das Kauen und Schmatzen der Todten am meisten wahrgenommen worden. Denn die Wunder der Todten können sich zu keiner Zeit besser offenbahren, als zu solchen kläglichen Pest-Zeiten. Immittelst hat dieses Anlaß gegeben zu glauben, daß das Kauen und Schmatzen der Todten nicht nur eine Ursache der ansteckenden Seuche sey, sondern daß auch dieselbe so lange dauren werden, biß nach weggenommener Ursache die schädliche Würckung selbst auffhöre. Alleine es ist ein Irrthum und etwas unanständiges vor einen gelehrten Mann, wenn er solchen einfältigen Meinungen Beyfall geben will. Die Sache hat keinen Grund der Wahrheit, weil eben so viel Exempel von Todten, die ausser der Pest-Zeit geschmatzet, verhanden sind, als von denen Scribenten beygebracht werden, die es nur zur Pest-Zeit gethan. Wir wollen uns vorietzund nur auff das eintzige Hungarische Exempel beziehen. Denn von solchem lesen wir, daß es weder zur Pest-Zeit geschehen, noch vor eine Ursache der Pest gehalten worden, ob gleich sonst der Pöbel [73] daselbst sich sehr abergläubisch erwiesen.


§. 47.

Es sind aber vornehmlich zwey Ursachen, welche von denen vorgebracht werden, die das Kauen und Schmatzen der Todten denen Pest-Zeiten zueignen. Die erste ist das Schrecken, das der Teuffel denen Menschen durch solches Wunder-Zeichen einjage. Sie beruffen sich dieserhalben auff diejenigen Medicos, welche vorgeben, daß das Schrecken in der Pest und in andern hitzigen und ansteckenden Kranckheiten mehr vermöge, als die würckliche Seuche selbsten, wie dergleichen, A. Q. Rivinus[77] behauptet. Sie sagen, der Teuffel sey ein vollkommener Physicus, der von Erschaffung der Welt an biß ietzo viel Erfahrung erlangt. Dieser wisse daher aufs genaueste, wie viel das Schrecken in den Gemüthern der Menschen vermöge. „Denn wenn das Gemüthe anfange sich einzubilden, daß es würcklich etwas ansteckendes, ob wohl unter einiger Ungewißheit und Aengstlichkeit, (weil das Gifft der Pest unsichtbar ist,) in sich gesogen, so würcke endlich solche Einbildung und die Beunruhigung des Gemüths in dem allgemeinen Welt-Geiste ein würckliches Bild, zu Zeugung eines Saamens, der die Pest hervor bringe.“[78] Die Gottesgelehrten, denen die Boßheit des Teuffels [74] sonderlich sehr zu Hertzen geht, stimmen darinne, was das Schrecken anbetrifft, fast alle überein; nur daß sie ihre Meinung mehr mit Theologischen als Physicalischen Ursachen zu bekräfftigen suchen. Lasset uns vorietzo nur den eintzigen Martinum Geyerum[79] hören, welcher sich also vernehmen läst: „Es will der Teufel durch solche unsel. Zeichen denen Menschen eine Furcht einjagen, daß sie durch Verderbung der Lebens-Säffte desto leichter sterben müssen.“ Die Worte lauten eigentlich also: Dæmon vult hujusmodi infaustis signis metum incutere hominibus, ut turbatis in corpore humoribus eo facilius mors triumphare posset.


§. 48.

Wir wollen diesem Vorgeben nicht gäntzlich entgegen seyn. Wir geben vielmehr zu, daß der Teuffel ein guter Naturkündiger sey; wir gestehen, daß er dem Leben der Menschen sehr nachstelle; wir geben auch Beyfall denen, die dem Schrecken bey ansteckenden Kranckheiten viel zuschreiben. Aber daß sich diß alles hieher gar nicht schicke, noch etwas zu Umwerffung [75] unserer hypothesis beytrage, halten wir vor eine ausgemachte Sache. Die Frage ist hier nur: ob der Teuffel durch das Wunder-Zeichen der Mastication in Willens habe, denen Menschen ein solches Schrecken einzujagen, daß daraus die Pest entstehen, oder solche, wenn sie bereits entstanden, noch viel ärger wüten müsse? Aus dem, was wir oben gedacht, folgt nichts weiter, als daß der und jener bißweilen zur Pest-Zeit wegen des vernommenen Kauens u. Schmatzens derer Todten also erschreckt werden könne, daß er selbst auch die Pest bekömmt. Alleine wenn wir fragen: woher dieses Schrecken kömmt? so können wir keine andere Ursache anführen, als den Aberglauben, weil ein furchtsamer Mensch denckt, dieses Kauen und Schmatzen der Todten rühre vom Teuffel her, und sey ein Zeichen einer viel stärckern Pestilentz. Wenn er das nicht gedächte, so würde sein Gemüthe in keine Furcht u. Schrecken gesetzt werden. Wer will nun nicht daraus schliessen, daß nicht so wohl der Teuffel, als wir selbsten in diesem Fall eine Ursache dieses gefährlichen Schreckens seyn solten, wenn die Gemüther aus einer vorgefasten Meinung so hefftig bewegt werden können.


§. 49.

Was das Schrecken selbst anbetrifft, so sind ihrer unter denen Medicis und Physicis so viel eben nicht, die es unter die wahren Ursachen der Pest zehlen. Denn leider! die Erfahrung hat uns sattsam gelehret, daß die Pest allerdings [76] etwas mit sich führe, das an und vor sich selbst ansteckend ist. Es erhellet dieses wenigstens daraus, daß solche durch Kauffmanns-Güther, Kleider, Wolle, Leinewand u. andere dergleichen Dinge pflegt aus einem Land ins andere gebracht zu werden. Hierzu kömmt, daß dieselbe insgemein in denjenigen Ländern, welche gegen Morgen liegen, am meisten sich äussert. Da nun diese Länder gröstentheils von Mahometanern bewohnet werden, die die Lehre von der Nothwendigkeit des Schicksals unter ihre Glaubens-Artickul zehlen, so müste man sich gar sehr verwundern, wenn daselbst die Pest grassiren solte, weil die dasigen Völcker nach den Grund-Sätzen ihrer Religion sich vor nichts weniger fürchten als der Pest und derselben Contagion und Ansteckung. Es bezeuget dieses unter andern der Herr von Driesch[80] mit deutlichen Worten, wenn er gedencket, daß die Türcken mitten in der Pest sich um dieselbe wenig bekümmerten. Hieraus erhellet, was von derjenigen Meinung zu halten sey, die Joh. Sam. Carlius[81] von der Pest heget. Er hohlt die Ursache ihrer Ansteckung aus der Geister-Welt her und philosophirt also: „Wenn die menschliche Seele von einem aus der höhern Engel-Welt fliessenden Principio geschreckt und mit einer durchdringenden Magie angegriffen wird, so [77] läst sie ihre Mixtion aus Furcht und Schrecken aus den Händen fallen und läst der innern Fäulung den Lauff.“[82] Alleine der Autor scheinet uns hiermit wenig oder nichts gesagt zu haben.


§. 50.

Die andere Ursache, die die Widersacher zu Behauptung ihrer Hypothesis, daß nehmlich der Teuffel durch das Kauen und Schmatzen der Todten die Pest zu erregen suche, vorbringen, ist hergenommen von denen gifftigen Ausdünstungen, welche aus denen geöffneten Gräbern herauff steigen. Denn sie geben vor, es suchte der Teuffel, durch das Kauen und Schmatzen der Todten die Ausgrabung der Cörper, und zwar aus der Ursache, zu befördern, daß sie durch ihren schändlichen Geruch die Lufft mit einer ansteckenden Seuche vergifften solten. Alleine die Exempel, welche sie zu Bekräfftigung der Sache anführen, beweisen nichts. Also erzehlet zwar z. E. Fortun. Licetus in Libr. de annul. antiq. c. 23. von dreyen Todten-Gräbern, welche vor Gestanck, so aus einem geöffneten Grabe gekommen, plötzlich gestorben wären. Aber wer will deswegen schliessen, daß dieses insgemein geschehe? Wenn Licetus die Umstände der Sache, sonderlich in Ansehen der Kranckheit, an welcher die Person gestorben, hinzugesetzet hätte, so würde uns vielleicht die Ursache dieses plötzlichen Todes bekannt [78] seyn. Immittelst ist so viel gewiß, daß daraus wenigstens die Pest nicht entstanden ist. Es kan zwar mit Exempeln dargethan werden, daß dieselbe bißweilen aus dem grossen Gestanck der Aeser ihren Ursprung genommen. Alleine es haben sich alsdenn die gifftigen Ausdünstungen nicht von einem eintzigen Aase, sondern von vielen tausenden in der Lufft vereiniget und dieselbe so denn inficiret.


§. 51.

Wir wollen daher dem Ambrosio Pareo gar gerne Glauben zustellen, wenn er erzehlt,[83] es wären einsmahls sehr viel menschliche Cörper in einen Brunnen, der auf 100. Ellen tieff gewesen, geworffen worden, wodurch ein so schändlicher und gifftiger Gestanck entstanden, daß viel tausend Menschen durch die gantze Landschafft Agenois in Franckreich an der Pest gestorben. Cæsar Ripa[84] mercket deswegen gar recht an, daß die Gräber nicht so wohl um der Todten als um der Lebenden willen erfunden worden wären, um den Gestanck der von denen Cörpern entstehe, zu verhindern. Ob aber deswegen Cornelius a Lapide[85] recht geschlossen, wenn er unter die Ursachen, warum die Römer ihre todten Cörper verbrannt, auch diese mit gezehlet, damit der Gestanck derselben denen Lebendigen keine Pest zuziehen möchte, wollen wir ietzund nicht untersuchen. Immittelst können wir uns gantz sicher auff die tägliche [79] Erfahrung beruffen, welche uns mehr denn 100. Exempel an die Hand giebt, daß die Gräber ohne den geringsten Schaden geöffnet worden. Bey so gestalten Sachen kan man leichte erkennen, daß es nicht genugsam der Wahrheit gemäß sey, zu sagen, der Teuffel suche durch das Kauen und Schmatzen der Todten die Pest zu erregen.


§. 52.

Es ist noch das fünffte und letzte Vorurtheil übrig, das wir bey dieser Materie zu wiederlegen haben. Es bestehet solches in dem Wahne, als ob das Kauen und Schmatzen der Todten nur der nächsten Blutsverwandten Tod nach sich ziehe. Es hat diese Meinung sonderlich in dem Hertzen des Pöbels sich feste gesetzet. Sie prophezeyen, es werde der Todte die nächsten Anverwandten und Freunde nachhohlen. Kornmannus hegt eben diesen Aberglauben de Mirac. Mort. P. VII. c. 64. Denn er führt solche Ursachen an, die man sonsten zu führen pflegt, wenn gefragt wird: Warum in der Pest und in andern ansteckenden Kranckheiten ein eintziger Tod bißweilen den Untergang einer gantzen Familie nach sich ziehe? Alleine da ietzt von der Pest nicht die Rede ist, sondern nur von dem Kauen und Schmatzen der Todten, welches der gedachte Kornmann nach dem oben abgehandelten Vorurtheil vor etwas, das mit der Pest verknüpfft ist, hält, wollen wir uns nicht länger dabey auffhalten. Es scheinet dasselbe zwar an sich selbst sehr wahrscheinlich zu seyn, indem die kauenden [80] und schmatzenden Todten allerdings bißweilen eine gantze Familie aus der Zahl der Lebendigen gestossen haben. Alleine es ist dieses nur von ohngefehr geschehen, wie wir an seinem Orte mit mehren zeigen wollen. Denn die Exempel, welche man anzuführen pfleget, bezeugen, daß nicht nur ein Hauß, sondern gantze Dorffschafften durch solches wunderbahre Würgen hingerichtet worden. Es erhellet dieses sonderlich aus derjenigen Hungarischen Erzehlung, die wir oben §. 12. beygebracht, allwo die Einwohner desselben Orts alles das ihrige haben verlassen wollen, weil sie sich besorgt, es möchte endlich das gantze Dorff, wie dergleichen schon vormahls, da es unter der Türcken Bothmäßigkeit gestanden, geschehen sey, zu Grunde gehen. Es hat dieses seine Richtigkeit. Das Kauen und Schmatzen der Todten ziehet allerdings derer Lebenden Tod nach sich. Aber es betrifft nicht so wohl die nahen Anverwandten, als vielmehr diejenigen, welche mit denen Verstorbenen kurtz vor ihrem Tode eine grosse Gemeinschafft gehabt.


§. 53.

Nach Widerlegung dieser fünf vorgefasten falschen Meinungen von denen kauenden und schmatzenden Todten, bleiben uns von diesem Wunder-Zeichen der Natur mehr nicht denn zwey Phænomena übrig, die Vegetantz des Cörpers und dessen schädliche Würckung in die [81] lebendigen Menschen.[86] Diese solten wir nunmehro nach unserm Vermögen aus denen gesunden Anfangs-Gründen der Natur-Lehre zu erklären suchen. Alleine weil der Mangel des Raums solches vorietz und verhindert, wolle uns der Geneigte Leser verzeihen, daß wir seinem Verlangen vor dißmahl kein Genügen thun können. Es wolle sich derselbe immittelst versichert halten, daß wir in der folgenden andern Dissertation, welche Philosophisch seyn wird, alles dasjenige erfüllen wollen, was wir ihm ietzo versprochen. Es lebe derselbe indessen wohl und urtheile von diesen Blättern also, wie wir es von dessen Gütigkeit allezeit hoffen können.


S. D. G.

Anmerkungen

  1. Er ist nach der Zeit zu Wittenberg Philosophiæ Magister und bey dem Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächs. Infanterie-Regimente des Herrn Grafen von Sulkowsky Feld-Prediger worden.
  2. Tom. VII. Part. 79. pag. 524. sqq.
  3. nemlich ein solcher Endzweck, der ohne dieses Wunder-Zeichen nicht hatte erlangt werden können.
  4. Quo simpliciores vero Naturæ vires evadunt, eo propius accedunt primis principiis & eo magis in prodigium trahuntur.
  5. defendimus mutuum aliquem omnium spirituum & corporum inter se influxum.
  6. nemlich unmittelbar.
  7. Siehe Acta Erudit. A. 1722. M. Jan. p. 17.
  8. Miraculum dicimus effectum illum divinum, qui extra ordinem & supra omnes causas naturales per influxum divinæ omnipotentiæ producitur, ad confirmandam divinæ veritatis auctoritatem.
  9. 2. Thess. II. 9. Math. XXIV. 24. Apoc. XIII. 13. 14.
  10. Miraculum doctrinæ aut miraculum providentiæ.
  11. Es wurde uns diese Begebenheit damahls umständlich durch die Leipziger Zeitungen berichtet.
  12. in Physic. Div. Lib. I. c. 4. sect. 4.
  13. quos larvas & umbras, lares & lemures, Faunos etc. appellarunt.
  14. in Libr. de Animantibus subterr. p. 76. seqq. ubi mites vocitat & immitibus f. κακοῖς opponit.
  15. Nullos crediderim cum P. Thyræo Dæmones, qui tantum sunt mites: nullos, qui tantum sunt truculenti. Qui nunc mites, post truculenti, qui nunc truculenti, post mites. Nam nec mitibus sua deest bilis aut nocendi potestas vel voluntas. Et qui odio in nos sæviunt, quia mille artes norunt, etiam in angelos lucis se transformant et summam quandoque simulant mititatem. Habet hic locum vulgi emunciatum: Es ist ein Teuffel wie der andere.
  16. Confer Matth. VIII, 28.
  17. de Diis Samogitarum.
  18. Eia! fugite Dæmones in orcum!
  19. quas post mortem τρίζειν seu stridere credebant.
  20. Anima sub terram tanquam fumus abiit murmure stridens.
  21. Iliad. Lib. XXIV. v. 5. sqq.
  22. Hæ autem stridentes sequebantur. Sicut autem vespertiliones secessu antri magni strepentes volant, postquam aliquis cadere fecit ordinem a petra in se invicem cohærentem: sic hæ stridentes simul ibant.
  23. in Necyomantia p. m. 306.
  24. Es verdienet von diesen allen mit mehren nachgelesen zu werden GERHARD. JO. VOSSIVS de Idololatr. L. II. c. 28. p. 445 seq. und PORPHYRIVS de nympharum antro.
  25. Siehe JOH. RVDOLPH. GLAVBERVM in Operibus Min. P. II. p. 18.
  26. in der Reise nach Norden c. 43. p. 72.
  27. Dec. 2. Ann. VIII. M. C. obs. 74. p. 188.
  28. sonitum percepit sibilum & stridorem anserinum exacte referentem.
  29. mentem loco movere.
  30. κατ’ εἰδώλων φαντασία.
  31. Es erzehlt dieses aus ADELUNGII Hist. Harburg. p. 218. Ziegler im Histor. Labyrinth der Zeit n. 626. p. 128. und GARMANN. de Mir. Mort. c. l.
  32. PLVTARCH. in Vita Bruti.
  33. PLVTARCH, in Vita Pompeji p. 432.
  34. Cessante causa cessat effectus.
  35. Confer Gen. III, 14. it. Jes. LXV. 25.
  36. cap. XXXVI.
  37. in Diction. Tischbi in voce Chabat.
  38. de Mirac. Mort. L. I. Tit. III. p. 124.
  39. in Diss. de Mastic. Mort. c. I. Th. 5.
  40. MART. GEYERUS Tract. de Luctu Ebræorum c. VI. §. 17. p. 103.
  41. in Itiner. p. 162.
  42. in descript Malab. & Coromand. L. I. c. VI. p. 20.
  43. EDO POCOKIUS in Not. Miscell. p. 241.
  44. ὡς τὰς σάρκας περιεσθίει τῶν νεκρῶν μόνα ἀπολείπων τὰ ὀσσᾶ; PAVSANIAS in Phocicis s. Libr. X. p. m. 663.
  45. SAX. GRAMMAT. Lib. V. Hist. Dan. p. 82. 83.
  46. in Phocicis l. c.
  47. GARM. de Mir. Mort. L. I. Tit. III. p. 123.
  48. in seiner Persianischen Reise-Beschr. L. II. c. X. p. 119.
  49. Homil. XIII. sup. Marc. Tom. II.
  50. in Disquis. Mag. Lib. I. p. 16. it. L. III. p. 355.
  51. OVIDIUS Lib. VI. Fastor. p. m. 111. sq.
  52. JO. STIGELIVS in Poëm: Tom. II. fol. 299.
  53. Wie einige Scribenten bey dem Garmanno c. l. insbesondere vorgeben wollen.
  54. in Histor. Natur. L. X. c. 66.
  55. in Vita Cleomenis.
  56. Lib. IV. Metamorph.
  57. in Hor. succ. cent. I. c. XI. p. 45.
  58. de spont. vivip. ortu.
  59. in Hypomn. V. c. 8 p. 524.
  60. in Zoolog. Phys. L. VI. c. 2. p. 438.
  61. in Generat. Insect. p. 149.
  62. in Histor. Animal. P. IV. c. I. p. m. 780.
  63. im Todten-Tantz p. 83.
  64. in den Geschichten der Stadt Meissen. p. 69.
  65. Siehe Lutheri Tisch-Reden Tit. 24. fol. 211. 212.
  66. in Theatr. Histor. p. 147.
  67. in Theatro Tragico.
  68. de Anim. subterr. p. 32.
  69. quæ cum mandir, oris suctu sonitum sicuti porcellus edit.
  70. FRANZIVS in Hist. Animal. p. 776.
  71. in Dissert. de Mastic. Mort. c. 2. th. 10.
  72. in Dissert. de Mastic. Mortuorum c. I. th. 6.
  73. im Leichen-Redner P. II. qu. 36. p. 856.
  74. in Conc. 17. von den drey Land-Plagen. p. 315.
  75. c. l. p. 133.
  76. Lib. VII. Geogr. fol. 205.
  77. in Dissert. de Peste Lips. c. 2. p. 22.
  78. So dunckel und obscur philosophirt hiervon der bekannte HELMONTIUS in Tract. sub titulo: [76] Tumulus pestis. p. 860. sq. Seine eigentliche Worte lauten also: cum in imaginatione aliquam fidem timoremque vehat, se aliquid contagionis actu hausisse sub incertitudine & agonia, eo quod venenum pestis sit invisibile; particula hæc fidei cum perturbatione terroris perficiat tandem actualem imaginem in Archæo generandæ pestis semen.
  79. in Disquisit. de Superstitione c. 3. §. 37.
  80. in der Groß-Bothschafft nach Constantinopel Lib. IV. p. 211.
  81. vom Pest-Engel oder seinem medicinischen voto zu den heutigen Pest-Consiliis.
  82. Siehe deutsche Act. Erudit. Tom. VII. P. 74. p. 110.
  83. Lib. X. Chirurg. c. 13.
  84. de Peste c. IV. p. 135.
  85. in Commentario in Amos. c. VI. p. 320.
  86. vegetantia Corporis und nociva ejus in vivos operatio.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Druckfehler in der Vorlage (uud)
  2. Vorlage: unsen