Ueber optische Versuche und über einen Apparat zur Bewährung gewisser Eigenschaften des Schwerpunkts

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Autor: Joseph Antoine Ferdinand Plateau
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Titel: Ueber optische Versuche und über einen Apparat zur Bewährung gewisser Eigenschaften des Schwerpunkts
Untertitel:
aus: Annalen der Physik und Chemie, Band LX
Herausgeber: Johann Christian Poggendorff
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: Johann Ambrosius Barth
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Erscheinungsort: Leipzig
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[152]
XIV. Ueber optische Versuche und über einen Apparat zur Bewährung gewisser Eigenschaften des Schwerpunkts;
von Hrn. Plateau.
(Aus dem Bullet. de l’acad. roy. de Bruxell. T. X, vom Hrn. Verfasser mitgetheilt.)


Hr. P. unterhält die Academie mit einigen Versuchen, die er zum Behufe physikalischer Vorlesungen erdacht hat.

Zuvörderst, um die Wiederzusammensetzung der Farbenstrahlen des Sonnenspectrums zu zeigen, läßt er das Lichtbündel nach seinem Austritt aus dem Prisma durch eine cylindrische Linse gehen. Sobald die Axe dieser winkelrecht ist auf der Kante des brechenden Winkels des Prismas, erhält man ein in die Breite gezogenes Spectrum, oder, anders gesagt, lange parallele Streifen von respective den Farben des Spectrums. Dieß erklärt sich leicht. Ist dagegen die Axe der Linse parallel der Kante des brechenden Winkels, so zieht sich jede Farbe nothwendig im Sinne der Länge des Spectrums aus, und, wenn die Linse zweckmäßig gestellt ist, so überdecken sich alle diese farbigen Bilder, und erzeugen einen langen, vollkommen farblosen Streifen. Wenn nun die Linse [153] so gefaßt ist, daß sie sich um sich selbst drehen, und somit allmälig aus der ersten in die zweite Lage kommen kann, so kann man in dem Bilde das Fortschreiten der Verbindung verfolgen, und die Farben nach und nach bis zum vollständigen Verschwinden erblassen sehen.

Zweitens, um einem ganzen Auditorio zu zeigen, daß die Verbindung zweier homogenen Strahlen durch ein zweites Prisma zerstört wird, setzt der Verf. zunächst in den Schieber (porte-lumière), welche den Sonnenstrahl in die dunkle Kammer einläßt, ein doppelbrechendes achromatisirtes Prisma, und fängt dann das dadurch gebildete Doppelbündel mit einem gewöhnlichen Prisma auf; er erhält sonach ein doppeltes Spectrum. Wenn nun die beiden Bündel sich nicht zu sehr von einander entfernen, so kann man, durch zweckmäßiges Drehen des doppeltbrechenden Prismas um sich selbst, es dahin bringen, daß die beiden Spectras einander zum Theil überdecken. Nun fange man sie mit einem schwarzen Schirm auf, der eine enge Oeffnung hat, die ein aus dem gemeinschaftlichen Theil der beiden Spectra herkommendes Bündel durchläßt. Man erhält dadurch, wie ersichtlich, ein einziges Bündel, bestehend aus zwei verschiedenen homogenen Strahlen, welches sich auf der gegenüberstehenden Wand abmalt, ein Bild, dessen Farbe aus der Mengung der Farben beider Strahlen hervorgeht. Fängt man aber dieses einzige Bündel mit einem zweiten Prisma auf, das unmittelbar hinter dem Schirm aufgestellt ist, so wird die Verbindung zerstört, die beiden, dieselbe zusammensetzenden Strahlen trennen sich, und man erhält auf der Mauer zwei unterschiedene Bilder von respective den Farben der beiden Strahlen, um die es sich handelt.

Endlich läßt der Verf. unter den Augen der Versammlung einen Apparat wirken, der zum Nachweise der meisten Eigenschaften des Schwerpunkts bestimmt ist. Dieser Apparat besteht aus einem soliden System, eine Spitze [154] darstellend, mittelst welcher man dasselbe auf eine kleine Horizontalebene stellen kann; er ist versehen mit einer Reihe kleiner Gewichte, die, beweglich durch Klemmschrauben, erlauben den Schwerpunkt nach allen Richtungen zu verschieben. Man kann diesen genau auf den Scheitel der Spitze bringen, und dann erhält sich der Apparat in allen Stellungen, die man ihm giebt, im Gleichgewicht. Führt man den Schwerpunkt unter die Spitze, so erzeugt man eine stabile Gleichgewichtslage, in welche der Apparat wieder zurückkehrt. Bringt man endlich den Schwerpunkt oberhalb der Spitze, so giebt es nur noch ein instabiles Gleichgewicht und der Apparat schlägt nach allen Seiten um.