Unsere Bilder (Die Gartenlaube 1878/51)

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Titel: Unsere Bilder
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aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 851
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[841]
Die Gartenlaube (1878) b 841.jpg

Ein Weihnachtsfest Fritz Reuter’s.
Scene aus: „Woans ick tau’ne Fru kamm“.
Dem Blatte C. Beckmann’s in der „Fritz-Reuter-Gallerie“ nachgeschnitten.

[849]
Die Gartenlaube (1878) b 849.jpg

Weihnachten auf der Landstraße.
Nach einer Skizze von Ignaz Ellminger.

[851] Unsere Bilder. (Seite 841 und 849.) In diesen Tagen der fröhlichen, seligen Weihnachtszeit, wo Lichter strahlen und Herzen jubeln, bringt auch die „Gartenlaube“ der Festesstimmung ihren Tribut dar. Unsere Bilder zeigen uns „der Menschen zwiespältig Geschick“, wie der Christabend den Einen feiernd in der traulichen Enge beglückenden [852] Familienlebens findet, den Andern im Dienste der Pflicht in öder Weite der Winternacht: Weihnachten im warmen Heim unterm leuchtenden, buntbehängten Baume, bei munterer Kinder herzerquickendem Jubel - Weihnachten da draußen auf der schneeverwehten Landstraße, unterm kalten Sternenhimmel, bei sausendem Winde.

Weil der lichterbesetzte Tannenbaum, wie überhaupt ein gut Stück unserer Weihnachtsbräuche, den Ueberlieferungen nordischen Natur- und Gemüthslebens seinen Ursprung verdankt, so dürfte der vollsthümlichste unter den nordischen Dichtern der Gegenwart, Fritz Reuter, als Weihnachtsgast bei schlichten Bürgersleuten des biederen Mecklenburg unsern Lesern für die Weihnachtsnummer der rechte Mann am rechten Fleck bedünken. Wir entnehmen das treffliche Bild der jüngst bei Bruckmann in München erschienenen Reuter-Gallerie von C. Beckmann, aus der wir schon in Nr. 49 eine Probe brachten. Fritz Reuter sucht in seiner Junggesellenunlust beim braven Schuster Linsener Weihnachtsfreude und Weihnachtstrost, und dort ist es, wo ihm die Ueberzeugung wird, daß es ein Ende haben muß mit dem leidigen Alleinsein, mit dem Unbeweibtsein. Wer da wissen will, wie das kam und wo das schließlich hinausging, der lese in des Dichters gesammelten Werten die Skizze nach „Woans ick tau ’ne Fru kamm“ („Wie ich zu einer Frau kam“) – es ist eine farbenreiche Schilderung voll realistischer Derbheit und weicher Herzensschönheit.

Und neben die traute Scene kleinbürgerlicher Weihnachtsfreude, wie unser Reuter-Bild sie zeigt, stellen wir als lebensvolles Gegenstück Ellminger’s „Weihnachten auf der Landstraße“. Wie sehnsüchtig mag der biedere Rosselenker auf der Fahrt durch Nacht und Schnee des festlich hellen Stübchens gedenken, wo er - daß auch gerade heute der Dienst ihn traf! - den Seinen fehlt! Die Braunen sind müde; der Weg ist lang, und nun muß ihm auch noch der Schlagbaum ein Halt gebieten und der schimmernde Baum in der Klause des Chausseewärters ihm sagen, was er entbehrt! „Den Schlagbaum auf!“ Endlich - und vorwärts geht’s mit Hussaruf und Peitschenknall, die Landstraße entlang, weiter und immer weiter, der fern winkenden Weihnachtsfreude entgegen.