Unsere Feuilleton-Beilage

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Titel: Unsere Feuilleton-Beilage
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 52
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[52] Unsere Feuilleton-Beilage. Einen schönen Beweis von dem regen Wohlthätigkeitssinn unserer Landsleute im Auslande und von der innigen Theilnahme, welche sie allen großen und kleinen Vorgängen ihrer Heimath widmen, haben wir erst wiederum vor dem Feste erhalten. Unter der Ueberschrift „Zum Lehrerelend“ haben unsere „Deutschen Blätter“ kürzlich einen kleinen Artikel gebracht, in dem auch der herzerschütternden Lage des hochbetagten und erblindeten Lehrers Karl Schützler in Auxkallen bei Insterburg gedacht war. Kaum hatte ein braver Deutscher in Moskau, Herr Hohorst aus Memel, diese Mittheilung gelesen, als er sofort unter seinen näheren Bekannten, namentlich in den Kreisen des dortigen Turnvereins und der Liedertafel, eine kleine Sammlung veranstaltete, die den Betrag von zweihundert Thalern ergab. Die liebreiche Gabe traf hier noch rechtzeitig bei der Redaction ein, um bereits am Weihnachtsabend als eine trost- und hülfreiche Freudenbotschaft auf dem Tische der kranken und hartbedrängten Lehrerfamilie liegen zu können. Es ist doch etwas Schönes um den einigen Familiengeist eines großen Volkes. In einem ostpreußischen Dorfe erliegt ein alter hülfloser Lehrer mit den Seinigen der grausamen Pflichtwidrigkeit schnöder Staats- und Gemeinde-Einrichtungen, und in dem fernen Rußland werden durch das deutsche Wort deutsche Herzen erweckt, daß sie in die Nacht des darbenden Landsmanns einen Strahl erwärmenden Lichtes senden!

Da wir hier der „Deutschen Blätter“ gedacht, glauben wir zugleich die Aufmerksamkeit unserer jetzt neu eingetretenen Abonnenten auf diese „Politisch-literarische Feuilleton-Beilage zur Gartenlaube lenken zu müssen. Die seit nunmehr sechs Jahren von Dr. Albert Fränkel redigirten und zum großen Theil auch von ihm geschriebenen „Deutschen Blätter“ haben sich die Aufgabe gestellt, eine selbstständige Ergänzung der „Gartenlaube“ zu sein, das heißt Das zu bieten, was die „Gartenlaube“, bei der längeren Zeit, welche der Druck jeder ihrer Nummern erfordert, nicht immer ganz frisch aus dem Laufe der Tagesereignisse zu bieten vermöchte: eine kritische Wochenübersicht aus dem gesammten Bereiche des Culturlebens, vor Allem des deutschen, in einer bunten und mannigfaltigen Reihe von kleinen und anregenden Artikeln.

Erfreuen sich die „Deutschen Blätter“ einer starken Verbreitung und eines nicht geringen Ansehens und Einflusses in weiten Kreisen des deutschen Lebens, so haben sie diesen Erfolg nicht allein ihrem reichen, vielseitigen und interessanten Material und nicht blos der frischen, volksthümlichen und doch scharf pointirten Art zu danken, mit der sie ihre feuilletonistisch gehaltenen Randglossen in neuer lebendiger und sorgfältig-eleganter Darstellung vorzuführen wissen; weithin anerkannt ist vielmehr auch der entschiedene Freisinn des Blattes, der warme und wachsame Gesinnungsernst, mit dem Dr. Fränkel, der auch den Lesern der Gartenlaube aus seinen trefflichen cultur- und literarhistorischen Beiträgen wohl bekannt ist, bisher fort und fort die Ehre und die Interessen des Vaterlandes vertreten und den Kampf für das Befreiungs-, Bildungs- und Humanitätswerk des Jahrhunderts gegen die reactionären Mächte der Finsterniß geführt hat. Sind daher die „Deutschen Blätter“ jenem beträchtlichen Theile unserer Leser, der sich gern in regelmäßiger Folge auf die wichtigsten Fragen, Erscheinungen und Vorgänge der Zeitströmung verweisen läßt, längst zu einer unentbehrlichen Lectüre geworden, so konnten wir diese Hinweisung nur in Bezug auf Diejenigen nicht für überflüssig halten, deren Beachtung die „Deutschen Blätter“ bis jetzt entgangen sind.