Unsere Zeit

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Unsere Zeit
Untertitel:
aus: In Reih und Glied
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: J. H. W. Dietz
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 3–5
Kurzbeschreibung:
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[3]
Unsere Zeit.


Wohl ist es eine Zeit von Eisen,
In der zu wirken uns bestimmt,
Die rauh den Dichtern und den Weisen
Die Sammlung und die Stille nimmt,

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Die vorwärts drängt auf Sturmesflügeln

Mit schrillem Pfiff, mit grellem Schrei,
Wo sonst in Thälern und auf Hügeln
Gewebt der Mondnacht Zauberei.

Doch diese rauhe Zeit zu hassen –

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Verstockte Blindheit nur vermag’s;

Es gilt nur eins – sie recht zu fassen,
Die Dämmerung dieses neuen Tags,
Der aus dem Zwielicht grauer Dome,
Wie es der Kinderzeit gebührt,

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Die Menschheit rasch dem vollen Strome

Des goldnen Lichts entgegenführt.

Weckt aus der Asche die Heroen,
Die Roms und Hellas’ Größe sahn –
Wie würden ihre Augen lohen,

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Beträten staunend sie die Bahn!

Wie würden sie bewundernd preisen
Die siegreich-frohe Geisterschlacht,
Die neue Zeit, die Zeit von Eisen
In aller ihrer Wundermacht!

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[4]
Wenn zag und scheu die Alten standen

Vor dem Geheimniß tiefverhüllt,
Und sich hinweg am Ende wandten,
Von ahnungsvollem Grau’n erfüllt;
So haben wir uns durchgerungen

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Auf schwacher, oft verlorner Spur,

Und sie in unsern Dienst gezwungen,
Die Riesenkräfte der Natur.

Prometheus, sei um deine kühne
Glorreiche That von uns gegrüßt,

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Der du den Raub, den ohne Sühne

Wir jetzt begehen, schwer gebüßt!
Seit das Geschenk der heil’gen Flamme
Vom Tisch der Götter du gemacht,
Ward ungestraft dem Menschenstamme

40
So manche Gabe dargebracht.


Doch welche Zeit kann sich berühmen
So ungebrochnen Siegeszugs?
Wer ahnt das Ziel des ungestümen,
Des adlergleichen Sonnenflugs?

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Wo ist die letzte feste Schranke,

Wo weiß kein tiefes Sinnen Rath,
Wo schwindelt haltlos der Gedanke,
Wo sinkt der Arm der kühnen That?

So Unerhörtes ward errungen

50
In einer kurzen Spanne Zeit,

So Urgewalt’ges ward bezwungen –
Und vor uns liegt’s wie Ewigkeit!

[5]
Wer möchte nicht die Hände heben

Voll Inbrunst, wie es nie geschehn,

55
Und stehen um ein langes Leben,

Um mehr der Siege noch zu sehn?

Im großen Heer mit Karst und Feder,
Das kühn des Weltgeists Schlachten schlägt,
Soldaten wir, von denen jeder

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Den Marschallsstab im Ranzen trägt!

So laßt als treue Zeitgenossen
Uns fest denn zu einander stehn
Und durch die Reihen festgeschlossen
Ein siegesfrohes Rufen gehn!


Anmerkungen (Wikisource)

Ebenfalls abgedruckt in:

  • „Die Neue Welt“, Nr. 15, S. 341 (Titelseite, 1884)