Unsere fünf kaiserlichen Prinzen

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Titel: Unsere fünf kaiserlichen Prinzen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 180
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[180] Unsere fünf kaiserlichen Prinzen. (Mit Illustration S. 165.) Welches Auge sollte nicht mit innigem Behagen auf diesem Familienbildchen ruhen, auf diesen lieblichen Kindergesichtern, welche das Antlitz einer glücklichen Mutter umrahmen! Es ist die Kaiserin Augusta Viktoria mit ihren fünf Söhnen. Links von der Mutter steht der älteste, der Kronprinz Friedrich Wilhelm, geboren am 6. Mai 1882, rechts von derselben der zweite, Eitel Friedrich, geboren am 7. Juli 1883; er hat sein rechtes Aermchen auf die Schulter der Mutter, sein linkes aber auf die seines zweitjüngsten Bruders August Wilhelm, geboren am 29. Januar 1887, gestützt, während diesem gegenüber auf der andern Seite der Mutter der dritte dem Alter nach, Adalbert, geboren am 14. Juli 1884, sich aufgestellt hat. Den jüngsten der Prinzen aber, Oskar, geboren am 27. Juli 1888, hält die Kaiserin vor sich auf dem Schoße, mit dem gewinnendsten Ausdruck mütterlicher Zärtlichkeit auf ihn herniederblickend.

Ein kleiner Vorfall aus den jüngsten Tagen, bezüglich des Kronprinzen und des Prinzen Eitel Fritz, möge hier noch Platz finden. Er charakterisirt sowohl die Erziehungsmethode als auch die Kindernatur. Von Kaiser Wilhelm ist neuerdings angeordnet worden, daß die beiden Prinzen allein schlafen sollten. Namentlich Eitel Fritz, den der Kaiser wegen seines etwas scheuen Wesens schon häufig „Prinzessin“ genannt hat, erhob dagegen Einspruch und erklärte, er werde sicher vor Furcht nicht schlafen können. Es wurde den Prinzen dagegen bedeutet, daß zur Rechten und Linken von ihren Zimmern jemand schlafen werde, sodaß sie nur zu rufen brauchten, wenn sie durch irgend etwas beunruhigt würden.

Unter solchem und anderem Zureden ward denn nun die neue Einrichtung getroffen, und der Kronprinz fand sich auch leidlich gut hinein. Prinz Eitel Fritz erfaßte aber in dem hohen Schloßgemach, nachdem ihm „Gute Nacht“ gesagt, bald eine quälende Angst, die mit leisem Weinen begann und sich so steigerte, daß er nach Kinderart laut zu schreien begann. Unglücklicherweise hatte sich die dienstthuende Dame nebenan gerade für eine kurze Weile entfernt, und die Rufe des kleinen geängstigten Prinzen verhallten ungehört. Da mochte ihn wohl die Vorstellung beherrschen, man habe ihn nur durch Worte besänftigen wollen, in der That aber ohne nahen Schutz gelassen, was denn zur Folge hatte, daß er aus dem Bett sprang und wehklagend und weinend um Hilfe rief. In dieser höchsten Noth erschien nun endlich seine Beschützerin und es gelang ihr bald, sein bewegtes kleines Kinderherz zu beruhigen. Wir ersehen hieraus, auch Prinzen haben wie andere Menschenkinder ihre Sorgen, Kummer und Herzeleid.