Unter dem Geistertisch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Unter dem Geistertisch
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 296–298
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: aus dem „Buch der Enthüllungen“ von Barnum
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[296]
Unter dem Geistertisch.


Taschenspieler pflegen wohl für den letzten Abend ihres Aufenthalts in einer Stadt eine Vorstellung zu geben, in der sie den Zuschauern ihre Kunststücke, freilich nicht alle, erklären. Eine Anwendung im Großen hat diese Sitte durch einen Mann gefunden, der sich durch Geschäfte, die sich meistens als höchst einträgliche Eulenspiegelstreiche bezeichnen lassen, einen Weltruf erworben hat. Barnum, der Erfinder des Meerweibchens und der Amme Washington’s, der Säuglings-Ausstellungen und des Miethens von Künstlern für Wanderconcerte, hat ein Buch der Enthüllungen geschrieben, in welchem er das liebe Publicum unterrichtet, wie es von ihm und Seinesgleichen an der Nase herumgeführt wird. Wir wissen nicht, ob diese Beichte eine Buße ist, die der Zunftälteste der nordamerikanischen Schwindler sich auferlegt hat. Jedenfalls hat Barnum ein ergötzliches und für den Theil der Welt, der nicht selbst betrogen sein will, nützliches Buch geschrieben.

Die Schwindeleien, die von Speculanten erfunden werden, sind in der Regel nur auf den Moment berechnet. Es giebt aber auch dauerhafte Sorten, und nicht gerade zur Ehre des menschlichen Verstandes und Herzens sind dies ohne Ausnahme diejenigen, welche entweder auf die Schlechtigkeit oder auf die Dummheit der Menschen berechnet sind. Es würde nicht ganz leicht sein, einen Schwindel zu nennen, der noch plumper ist, als das Geisterbannen, und doch behauptet sich dieser Schwindel seit achtzehn Jahren und hat sich von seiner nordamerikanischen Heimath über Europa verbreitet. Das Geisterklopfen ist zu einem Gewerbe geworden, das besonders in Palästen sein Brod sucht und sogar von den Tuilerien einen Tribut erhoben haben soll.

Die Töchter eines gewissen Fox zu Hydesville im Staate New-York sind die Erfinderinnen des Geisterklopfens. Sie wußten mit den Gelenken der Zehen und der Kniee knackende Töne hervorzubringen, deren Ursprung für Jedermann ein Räthsel war. Ein besonders heller Kopf kam auf die Vermuthung, daß dieses Knacken ein Geisterklopfen sei, und verlangte eine Probe. „Bist du ein Geist, der du diese Töne hervorbringst, so klopfe dreimal,“ rief er, und es klopfte drei Mal. Das Aufsehen war ein ungeheures und die Misses Fox begriffen, daß sie viel Geld verdienen könnten, wenn sie sich zu Mittlerinnen (Mediums) eines Verkehrs der Menschen mit den Geistern erböten. Sie erfanden ein System der Correspondenz, das noch heute im Gebrauch, obgleich durch einfachere Methoden ziemlich verdrängt ist. Hatte ein Geist, mit dem Jemand in Verkehr zu treten wünschte, durch Klopfen angezeigt, daß er anwesend sei und auf Fragen antworten wolle, so sprach der Fragende die Buchstaben des Alphabets. Klopfte es bei einem Buchstaben, so wurde dieser aufgeschrieben und das Alphabet wieder hergesagt, womit man so lange fortfuhr, bis die durch Klopfen bezeichneten Buchstaben Worte bildeten, in denen der Fragende die gewünschte Auskunft zu erkennen hatte. Jetzt schreiben manche Mittler die Antwort in krampfhaften Zuckungen nieder – Geister führen ihnen die Hand! – oder sie fallen gleich der delphischen Pythia in Ekstase und sprechen die Worte, welche die Geister ihnen souffliren.

Der Geisterglaube nahm vom ersten Augenblicke den unverwüstlichen Charakter an, der ihm geblieben ist. Die Misses Fox gaben häufig falsche Antworten und erklärten z. B. einen verschwundenen Colporteur für ermordet, der nächster Tage frisch und gesund in Hydesville wiedererschien. Frau Culver, eine nahe Verwandte, verrieth das Verfahren der jungen Damen, das diese unter dem Siegel der Verschwiegenheit ihr mitgetheilt hatten. Ein ganzes Collegium von Aerzten erklärte ausführlich, wie das klopfende Geräusch entstehe, und einer dieser Aerzte, Doctor van Bleck, hielt Vorlesungen über den Schwindel, die er durch Leistungen im Klopfen erläuterte, hinter denen die Misses Fox weit zurückblieben. Alles wars vergebens; statt unterdrückt zu werden, verbreitete sich der Schwindel und nahm neue Formen an.

Der Verkehr mit der Geisterwelt ist durch die Ausbildung des Spiritualismus ein sehr leichter geworden. Ein Gespenst ist heutzutage wie ein Mensch: man kann sich mit ihm mündlich und auch schriftlich unterhalten. Es giebt einen Mann Namens J. V. Mansfield, den die Geister zu ihrem Generalpostdirector ernannt haben. Will Jemand an einen Verstorbenen schreiben, so schickt er seinen Brief, der aber nur gut verschlossen angenommen wird, an Mansfield. Mit der Antwort des Verstorbenen erhält er zugleich seinen eigenen Brief in demselben Zustande zurück, in dem er ihn abgehen ließ, damit er sich überzeugt, daß die Geisterpost das Briefgeheimniß nicht verletzt. Natürlich öffnet Mansfield jeden Brief, um zu wissen, ob und wie der Verstorbene zu antworten hat. Blos mit Gummi geschlossene Briefe lassen sich öffnen, wenn man sie in heiße Wasserdämpfe hält. Sind die Briefe mit Siegellack versiegelt, so erwärmt man das Siegel und fährt mit einer dünnen, scharfen Klinge darunter hin, ohne das Papier zu verletzen. Zum Wiederaufkleben benutzt man etwas Gummi. Hat ein Briefsteller zuerst mit Oblate und darüber mit Siegellack gesiegelt, so schneidet Mansfield das Couvert von der Seite mit einem ganz dünnen Messer auf, verklebt es wieder mit Gummi und glättet es sorgfältig mit dem Schabholz. Briefe, die nicht von fünf Dollars begleitet werden, berücksichtigt er nicht. Briefe, die er nicht zu öffnen wagt oder deren Inhalt ihm verfänglich ist, werden von den Geistern keiner Antwort gewürdigt, aber die fünf Dollars zahlt Mansfield darum nicht zurück. Wie jede Post, garantirt seine Geisterpost blos die richtige Briefbestellung und steht für die Beantwortung der Briefe nicht ein. „Wo sind Sie gestorben? Wann? Wer hat Sie in Ihrer letzten Krankheit gepflegt? Wie viele Personen waren im Augenblick Ihres Todes anwesend?“ Solche und ähnliche Fragen nehmen dem Briefsteller jede Hoffnung auf eine Antwort. Aber diese bleibt nie aus, wenn so gefragt wird: „Sind Sie glücklich? Sind Sie oft in meiner Nähe? Haben Ihre religiösen Ansichten in der Geisterwelt eine Aenderung erfahren?“ Auch Mansfield ist als Betrüger entlarvt worden, ohne daß die Einkünfte seiner Post darunter gelitten hätten. Ein Bürger von Buffalo übergab ihm einen Brief, in den er ein Härchen und ein Sandkorn eingeschlossen hatte. Der Brief kam, von einer Geisterantwort begleitet, mit scheinbar unverletztem Siegel zurück, aber die beiden Einlagen, die von Mansfield nicht beachtet worden waren, fehlten. Der Mann von Buffalo gab dieser Thatsache die weiteste Verbreitung, doch Mansfield konnte seine Betrügereien nach wie vor fortsetzen.

Eine Mittlerin (weibliches Medium) hielt mehrere Jahre lang in einem der palastähnlichen Häuser des Breitenwegs von New-York ein Geister-Bureau. Eines Tages tritt ein Herr ein und erklärt seinen Wunsch, mit den Geistern in Verbindung zu treten. „Wünschen Sie von Verstorbenen zu hören?“ fragt die Mittlerin. Der Herr bejaht und fügt hinzu, daß das Schicksal seiner Frau ihn beschäftige. Das Medium geräth in Zuckungen und beginnt zu schreiben: „Lieber Mann! Wie froh bin ich, daß ich mich auf diese Weise mit Dir unterhalten kann! Ich fühle mich in der neuen Wohnung, die mein Geist bewohnt, wahrhaft glücklich und warte geduldig auf die Zeit, die Dich mit mir vereinigt.“ Der Fremde ist nicht wenig erstaunt; seine Frau ist gar nicht todt, sie liegt seit sechs Monaten krank darnieder, und der gute Mann hat einen Versuch machen wollen, ob die Geister in der Auffindung des richtigen Heilmittels glücklicher sind, als die New-Yorker Aerzte. Das Medium, das deceased (gestorben) wie diseased (erkrankt) ausgesprochen hat, ist schuld an dem fatalen Mißverständniß gewesen. Dieselbe Mittlerin reiste später in England und Schottland und wurde dort dem Gelächter preisgegeben. Sie ließ die Fragen an die Geister aufschreiben und antwortete, ohne das Geschriebene gesehen zu haben. Da der Schreibende ihr gegenüber Platz nehmen mußte und sie keinen Blick von seiner Hand verwandte, so schloß ein Arzt, daß die Dame sich geübt habe, an der Bewegung der Hand zu errathen, was geschrieben werde. In der Regel wird der Geist gefragt: „Sind Sie glücklich (happy)?“ Der Arzt machte aber eine für das Auge der Mittlerin nicht bemerkbare Variante und schrieb: „Sind Sie hungrig (hungry)?“ „Ja, sehr,“ antwortete der Geist.

Eine gewöhnliche Manier der Mediums, den Inhalt der niedergeschriebenen Fragen kennen zu lernen, ist die folgende. Der Fragende erhält ein feines, durchsichtiges Papier, schreibt darauf und faltet es so zusammen, daß die Schrift verdeckt wird. Das Papier wird nun dem gegenübersitzenden Mittler übergeben, „damit er den Geistern den Inhalt des Geschriebenen durch magnetisches Streichen zugänglicher mache“. Er streicht in der That und so stark, daß die Inschrift durch das feine Papier hindurch lesbar [297] wird, worauf er leicht antworten kann. Eindrucksvoller wird diese leichte Betrügerei, wenn ein gefälliger Geist sich bestimmen läßt, dem Mittler die Antwort in blutiger Schrift auf den Arm zu schreiben. Das wird so gemacht. Während der Kunde irgendwie beschäftigt wird, hält der Mittler den Arm unter den Tisch, strafft die Muskeln an und schreibt mit der anderen Hand, in der er einen Bleistift oder irgend ein anderes Instrument mit stumpfer Spitze hält, die Geister-Antwort in Buchstaben von drei Viertelzoll Länge auf den Arm. Er muß so stark drücken, daß er einen leichten Schmerz empfindet, doch darf er die Haut natürlich nicht verletzen. Ist er mit seinen Buchstaben fertig, so streicht er einige Male über den Arm hin, und die Antwort steht in rother Schrift da. Der starke Druck des Bleistifts zwingt nämlich das Blut, aus den Haargefäßen herbeizuströmen, und ein Theil bleibt durch die Epidermis an den gedrückten Stellen sichtbar, bis der wiederhergestellte Kreisumlauf des Blutes es allmählich verschwinden läßt.

Die Antworten der Geister durch Klopfen sind wegen der Leichtigkeit, mit der sich klopfen läßt, in der Mode geblieben. Die beiden Beine des klopfenden Tisches auf der Seite, wo der Fragende sitzt, greifen mit einem Paar kleinen Eisenspitzen in ebenso kleine Löcher des Fußbodens ein, so daß der Tisch auf dieser Seite nicht gleiten kann. Der Mittler sitzt auf der andern Seite, legt die Hand auf den Rand des Tisches, drückt mit dem Ballen gegen die Tischplatte, hebt dadurch den Tisch und läßt ihn klopfen. Auf eine stark verbesserte Klopfmethode wurden die Geisterkenner durch einen Wirth gebracht. Herr Dexter hielt in der New-Yorker Blancker-Street einen Austern- und Liqueurladen, der nicht in Ruf kommen wollte. Als kluger Yankee wußte er sich durch Tänze neuester Art zu helfen. Eine Violine wurde herumgezeigt, in einen Kasten eingeschlossen und auf die Erde gelegt. Indem der Wirth mit der Hand oben auf dem Kasten hin- und herfuhr, spielte die eingeschlossene Violine Walzer und Rutscher, zu denen zehn bis zwölf Hüte tanzten. Der Tanz war ein bloßes Aufundniederhüpfen, aber selbst diese unvollkommene Leistung ging so weit über die Natur des Hutes hinaus, daß sie nur durch die Kraft von Geistern erklärt werden konnte. Die Geisterbanner von New-York zögerten denn auch nicht, Dexter’s Vorstellungen für neue Beweise des Hereinragens einer anderen Welt in die unsrige zu erklären. Einer von ihnen, ein Mechaniker Paine, studirte die tanzenden Hüte, bis er die bewegende Kraft ermittelt hatte. Er gab nun, zuerst in Worcester (Massachusetts), dann in New-York, Vorstellungen mit tanzenden Tischen. Die von selbst spielende Violine ließ er weg, weil ihm der verschwiegene Gehülfe fehlte, der bei Dexter ein Stock tiefer genau unter der Stelle des Fußbodens, wo der Violinkasten lag, eine andere Violine spielte. Er miethete sich in New-York bei einer stillen Familie ein und traf in Stunden, wo außer ihm Niemand im Hause war, seine mechanischen Vorkehrungen. Bei seinen Vorstellungen saß er in einem halbverdunkelten Zimmer soweit von seinem tanzenden Tische, daß man an eine Verbindung zwischen ihm und dem munteren Mahagony nicht wohl denken konnte. Ein als Indianer gekleideter Diener spielte Walzer, und zierlich hob der Tisch im Tacte das eine und das andere Bein.

Eines Tages traten drei Herren bei Paine ein. Sie hatten dem Tanz eine Weile zuzusehen, als einer aufstand, die Thür verschloß und auf den Geisterbanner zuging. „Ich werde Sie untersuchen,“ sagte er, „und finde ich bei Ihnen nicht eine dünne eiserne Ruthe, die durch ein Loch unter den Fußboden geht und auf einen Hebel wirkt, der den Tisch in Bewegung setzt, so werde ich Sie um Verzeihung bitten und an Ihre Gespenster glauben.“ Paine sah sich entdeckt und gestand Alles. Er hatte in der That unter dem Fußboden einen etwas verwickelten Mechanismus angebracht, auf den er drückte und der abwechselnd die Tischbeine hob. Auf dem Fußboden lag ein Teppich, dessen kleine Oeffnungen Niemand wahrnahm, wenn die Drähte, welche die Beine hoben, nach dem Tanze wieder unter dem Fußboden verborgen waren, und Paine die Zuschauer zu einer genauen Untersuchung des Tisches aufforderte.

Eine der plumpsten Täuschungen gelang längere Zeit einer Dame, die mit dem altjüdischen Simson in Geschäftsverbindung zu stehen vorgab. Der riesenstarke Feind und Dränger der Philister saß unsichtbar, in Gesellschaft eines deutschen Accordions, einer großen zinnernen Schüssel mit Handgriffen und einer Klingel unter einem Tische, von dem ein Teppich bis zum Fußboden niederhing und auch die mit untergeschlagenen Armen ruhig daneben sitzende Dame bis zum Gürtel unsichtbar machte. Auf Bestellung entlockte Simson dem Accordion wirre Töne, klingelte und machte mit der Zinnschüssel einen Heidenlärm. Fand sich unter den Zuschauern ein besonders muthiger, so durfte er vor den Tisch treten und empfing durch den Teppich hindurch einen biedern Händedruck. Einmal hob ein solcher Mann den Teppich plötzlich und die Gesellschaft sah nun, daß die Füße der Dame der klingelnde, spielende und händedrückende Simson seien. Sie konnte ihre Zehen wie Finger bewegen. Das Kunststück des Händedrückens führte sie so aus, daß die große Zehe des einen Fußes den Daumen, die Zehen des andern Fußes die übrigen Finger vorstellten.

Mit wem man Briefe wechselt, dem kann man seine Photographie nicht wohl abschlagen. Die Geister sahen das ein und ließen sich auch in dieser Beziehung gefällig finden. Wie Barnum erzählt, gab ein Experiment, das ein ehrlicher Photograph machte, die Veranlassung zu Photographien aus dem Geisterreiche. Jener Künstler schloß sich in eine Camera obscura ein und versuchte sich selbst zu photographiren. Er erhielt ein Bild von schattenhaftem, wahrhaft gespenstischem Charakter, das übrigens eine gewisse Aehnlichkeit hatte. Ein Geisterkenner, dem er die Photographie mit geheimnißvoller Andeutung über ihren Ursprung zeigte, machte im New-York Herald of Progreß bekannt, daß Geister sich in einer Camera obscura eingefunden hätten, um sich photographiren zu lassen. Der Künstler bestätigte die Sache, weil er die Aussicht auf glänzende Geschäfte vor sich sah. In der That strömten die Menschen nun herbei, um die Photographien verstorbener Männer, Frauen, Söhne, Töchter, Brüder und Schwestern zu erhalten. Der Glaube macht blind, und so wenige Anhaltspunkte der Photograph zuweilen besaß, fand doch Jeder die Photographie, die ihm eingehändigt wurde, zum Sprechen ähnlich. Einige kleine Versehen liefen auch hier mit unter, z. B. kam eine vor Jahren gestorbene Frau auf der Platte mit einer Zuavenweste vom modernsten Schnitt zum Vorschein. Der Photograph nahm anfänglich für das Bild fünf Dollars, aber bald ließ er sich zehn Dollars bezahlen, und der Zudrang nahm noch immer zu.

Gegen das Ende des Bürgerkriegs wünschte einer der frömmsten Friedensfreunde, William Lerwell Jewett, die Ueberzeugung zu haben, ob die todten großen Männer des Vaterlandes in dessen Drangsalen es umschwebten. Um darüber Gewißheit zu erlangen, forderte er von dem Photographen der Geister die Portraits von John Adams, Andrew Jackson, Henry Clay, Stephen A. Douglas und – Napoleon. Der Photograph sprach sein Bedenken aus, ob die Schatten so großer Männer seine Werkstatt beehren würden, und in der That gelang am ersten Tage blos eine Art von Nebelbild, in dem Jewett aber die Züge des ältern Adams erkannte. Um so besser geriethen die spätern Photographien – der Künstler hatte sich authentische Portraits verschafft. Die Photographie Napoleon’s l. hat Jewett dem jetzigen Kaiser der Franzosen zugeschickt, damit er sich freue, wie wenig sein großer Oheim im Grabe sich verändert hat.

Die Helden, Könige, Richter und Propheten des Alten Testaments sind unter den Geistern, die sich herbeiklopfen lassen, stark vertreten. Mit Daniel aus der Löwengrube hatte ein Medium ein kleines Unglück. Der Prophet ließ sich blos hebräisch vernehmen und seine Auslassung mußte folglich übersetzt werden. Man brachte sie einem Israeliten, der auf der Stelle einige Verse aus dem letzten Capitel des Daniel erkannte und sagte: „Hebräisch ist es, aber der Prophet hat drüben ganz vergessen, daß wir von rechts nach links schreiben.“ Einem Professor der orientalischen Sprachen wurde eine Antwort Mohammed’s auf eine Anfrage über den Werth seiner Offenbarungen vorgelegt. „Ist es nicht arabisch?“ fragte man, als er lange schwieg. „Etwas Arabisches ist drin,“ antwortete er trocken, „nämlich Gummi Arabicum.“

Das Hauptblatt der amerikanischen Spiritualisten erscheint in Boston und heißt „das Banner des Lichts“. Hinter dem Titel folgt gleich die Anzeige: „Jede Enthüllung kostet zwei Schilling.“ Die Zeitung enthält Berichte aus ganz Nordamerika und theilt ganze Correspondenzen zwischen Lebenden und Verstorbenen mit. Welch’ tolles Zeug dabei zum Vorschein kommt, wollen wir an einem Beispiel zeigen. Ein Geist schreibt an einen irdischen Bekannten: „Auf der Welt war ich ein Mann, hier bin ich eine Frau geworden. Dort unten hatte ich etwas genommen, worauf ich kein Recht hatte, ein Eigenthum, welches mir nicht gehörte. Ich habe zweitausend Dollars genommen, die mir Niemand schuldete, [298] und davon will ich jetzt reden. Ich hatte Bekanntschaft mit einem Juden, der mich zu seinem Glauben bekehren wollte, und ich wollte einen Christen aus ihm machen. Kaum war ich in der Geisterwelt angekommen, als der Bruder jenes Juden mir begegnete und mir sagte: ‚Hans, Du mußt auf die Erde zurückkehren und Deine Rechnung mit meinem Bruder ausgleichen.‘ Dazu bin ich jetzt hier. Ich wünsche also, daß meine Frau zweitausend Dollars nimmt und sie der Frau des Juden zurückgiebt. Das Geld liegt in einem zinnernen Kästchen.“ Der Geist vergißt nun, daß er selbst eine Frau geworden ist, und schließt mit einem Ausfall auf das ganze weibliche Geschlecht. Er giebt seiner Frau schuld, nicht zu wissen, wie ihr eigener Name geschrieben werde. „Alle Frauen schreiben falsch,“ ist sein letztes Wort.

Das „Banner des Lichts“ macht fast wöchentlich Mittheilungen über Ausschußsitzungen und große Versammlungen der Spiritualisten. In den großen Städten des Ostens wie in den Dörfern des Westens giebt es Gruppen von Geisterbannern, die sich gegenseitig unterstützen und von der Leichtgläubigkeit der Menschen starke Steuern erheben. Werden diese Enthüllungen, von denen wir nur die pikantesten ausgehoben haben, dem Unwesen einen Stoß versetzen? Ihr Verfasser bezweifelt es selbst, und diesem erfahrenen Kenner der menschlichen Schwäche dürfen wir nicht Unrecht geben.