Venus Urania (Dehmel)

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Textdaten
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Autor: Richard Dehmel
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Titel: Venus Urania
Untertitel:
aus: Aber die Liebe
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 210-214
Kurzbeschreibung:
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[210]

 VENUS URANIA


Kommst du, Grollender?
tief von Unten?
Ueber Felsen und Wolken:
suchst du mich, im dunkeln Mantel Du,

5
schwarzgekrönter Wetterriese,

mit der bleiernen Stirne?

Höher doch! näher! herauf zu mir,
mir und meiner Sonne,
die hier mein zitternder Arm sich

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vom Himmel riß,

die mich erleuchtet,
von mir umglüht,
sie meine Seele, ihr Leben ich,
taumelnd versunken in Eine große

15
einige, einzige Flammenwelt!


[211] Ja, du suchst uns,
willst uns segnen,
Du mit deinen Donnerorgelstürmen,
willst empor zu Unsrer

20
Flamme, Flammender Du!

Sehnst dich, tief in Unser tiefes
lichtes, allumstrickendes Glück zu blicken,
auch ein Lichtkind,
allverkettender Erschüttrer ... komm!

25
Ja, ich

kenne dich: du bist
mein Bruder!
Komm, tief schaue,
tief auch Ich dir,

30
tief durchs nächtige Auge,

in dein heißes zuckendes Herz, das gute:
Du wirfst Frucht,
Liebe aufs schmachtende Feld herab,
wenn du mit wuchtender Faust

35
krachend zerbrichst

das dumpf drückende Dunstbrett.

Tobe nur, Kommender! nimm,
hebe die splitternde Axt!
Hebe die düstern,

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schönen,

schattenumhangenen Lider!
Grüße mich, du glühend,
Ewigkeiten sprühend Auge:
satt, ich will mich satt sehn, satt

45
an dieser funkelnden Unendlichkeit!

[212] Auf, ihr schmetternden Lippen, jauchzt!
aus eurem rollenden Donnersang rauscht mir
das ewige Lied vom Samen der Sehnsucht,
vom Krieg des Lebens: der Atem der Lust.

50
Sonne, meine Sonne!

weh – Er – stählerne
Ströme sein Blick,
über uns – brennend –
Sonne, wo bist du –

55
Licht – oh Sonne –

stehn wir umklammert,
stehn wir von blendenden,
heißen, sausenden Wonnen umzuckt ...

Sonne, mein zitterndes Licht!

60
Lache! Nur den Baum,

sieh, den Felsen nur
traf sein zischendes Beil.
Hörst du ihn jauchzen?
über der klaffenden Buche,

65
über den thalab polternden Trümmern,

im flatternden Bart ihn
jauchzen sein eisernes Lied:
Weckender Tod,
komm, reckend loht

70
von Stamm zu Stamm die straalende Kraft,

Einer stürzt, der tausend drückte!
Stürzen die Ragenden, wachsen die Ringenden;
tausend wachsen, Einer ragt!
Tod-und-Leben-stammelnde Laute dröhnen,

75
doch darunter schweigt der heil’ge

Mund der Macht ...

[213] Greller doch, Blitze!
spotte nur, Donner du!
triff, zerbrich,

80
was furchtsam zitternde Kronen trägt!

Uns
segnest du;
uns
prüftest du,

85
Blut von Deinem Blut, mit heißen

Fingern in deiner Flammentaufe.
Wir
sind fromm und heilig:
mit gefeitem Diademe krönte

90
uns die Liebe,

unsre sonnenselige Liebe,
zitternd von Wünschen und steiler Kraft!

Oh, und trifft auch Uns,
will ein Bruderopfer Deine Liebe:

95
nimm uns! herrlich stürzen wir,

vermählt verglühend in Deiner reinen,
in unsrer eignen reinen Glut.

Nein, wir fürchten dich
nicht,

100
rasend liebender Bruder!

Wir
sind stark wie Du:
ich und meine Sonne,
meine Lust und Seele,

105
wir zwei Eines,

Eines aller, aller Lust:
[214] wir  lieben  Alle:
Alle müssen
uns

110
lieben ...