Vor dem Heirathsvermittlungsbureau

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Textdaten
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Titel: Vor dem Heirathsvermittlungsbureau
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 409, 419
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[409]
Die Gartenlaube (1890) b 409.jpg

Vor dem Heirathsvermittlungsbureau.
Nach einem Gemälde von Aug. Heyn.

[419] Vor dem Heirathsvermittlungsbureau. (Zu dem Bilde S. 409.) Soll sie ihn thun, den letzten Schritt über die verhängnißvolle Schwelle? Noch einmal steht das frische, gesunde Bauernmädchen und überlegt – es will ihr doch nicht der richtige Weg scheinen.

Ein hübscher Bursch daheim ist ihr Schatz gewesen, und sie hat ihn gern gehabt, wahr und wahrhaftig. Da aber ist er zu den Soldaten gekommen und sie ist in einen Dienst gegangen – und wie sie ihm aus den Augen war, da hat er sie vergessen und ist heimgekehrt mit einer fremden Braut. Im bitteren Unmuth aber hat die Marie ihm auftrumpfen wollen und ihm zeigen, daß sie sich nichts um ihn und seine Untreue schert und auch wieder einen haben kann, wenn sie einen will. Und so hat sie der leichtsinnigen Person Gehör gegeben, die ihr in einem fort in den Ohren gelegen hat, was sie ihr für einen Schönen und Reichen wüßte: sie solle nur mit ihr kommen zum „Herrn Sekretär“, der werde ihr alles haarfein nachweisen. Die Marie ist ihr gefolgt bis vor die Thür des Bureaus, aber jetzt, im letzten Augenblick, bricht die vernünftige Ueberlegung noch einmal sich Bahn in ihr und – sie schämt sich. Eifrig, mit verführerischem Lächeln lockt die „Agentin“, sie bangt um ihre „Provision“, glaubte sie doch, das vertrauensselige Landkind bereits sicher zu haben! In den wenigen Minuten, bis sie an die Reihe kommt – es ist eben ein Herr drinnen, ein ältlicher Junggeselle, und die heirathslustige Nähterin an der Thür horcht aufmerksam, was er für Angaben zu machen hat über seinen Stand und sein Vermögen – muß es sich entscheiden, wer obsiegt: die glatte Zunge der Verführerin oder der tüchtige Sinn einer unverdorbenen Natur. Hoffen wir, daß es der letztere sei! =