Vorrichtung zum Anzeigen „Schlagender Wetter“

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Titel: Vorrichtung zum Anzeigen von „Schlagenden Wetter“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 468
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[468] Vorrichtung zum Anzeigen „Schlagender Wetter“. Wiederum hat ein furchtbares Grubenunglück die Welt in Schrecken gesetzt. In den Kohlenbergwerken bei Karwin in Oesterreichisch-Schlesien sind durch eine Explosion „Schlagender Wetter“, die vielleicht durch Unvorsichtigkeit eines Arbeiters hervorgerufen wurde, etwa 230 Menschen dem Tode zum Opfer gefallen, und namenloser Jammer erfüllt die ganze Gegend.

Vor zwei Jahren, aus Anlaß der großen “Katastrophe von Anderlues in Belgien, ist in der „Gartenlaube“ auseinandergesetzt worden, was für eine Bewandtnis es mit dieser unheimlichen Erscheinung der schlagenden Wetter hat. Der Bergmann versteht darunter die Gasgemenge, die sich in den Räumen des Bergwerkes bilden und die, wenn sie sich entzünden, mit großer Heftigkeit explodieren. Da diese Gase sich dem Geruchssinne nicht bemerkbar machen, so war es trotz aller Sorgfalt bisher nicht möglich, sie immer zeitig zu entdecken und zu entfernen. Mehrere Apparate, die bestimmt waren, die Gase aufzufinden, bewährten sich nicht, und so wiederholen sich von Zeit zu Zeit die Explosionen mit ihren verderblichen Wirkungen. Angesichts dessen verdient ein neuer Versuch des französischen Gelehrten Hardy Beachtung, der vielleicht berufen ist, eine Besserung zu schaffen. Hardy gründet seine Erfindung, die er Formenephon[1] nennt, auf einen ganz neuen Grundgedanken: er will die bösen Feinde zwingen, sich durch das Gehör zu verraten!

Es ist unseren Lesern wohl bekannt, daß zwei auf genau gleiche Höhe gestimmte Toninstrumente den Ton ganz gleichmäßig abgeben. Ist aber ein geringer Unterschied in der Tonhöhe vorhanden, so fängt der Gesamtton an zu schwingen, er wird abwechselnd stärker und wieder schwächer. Der Physiker nennt diese Erscheinung „Schwebungen“ oder „Stöße“. Bei geringem Unterschiede sind die einzelnen Schwebungen lang, mit wachsendem Tonunterschiede werden sie kürzer. Zur Wahrnehmung dieser Schwebungen ist durchaus kein musikalisches Gehör erforderlich, es bemerkt sie jeder, der überhaupt hören kann.

Es ist gar nicht schwierig, z. B. zwei Orgelpfeifen genau auf dieselbe Höhe abzustimmen. Nun ist aber von dem Erfinder noch eine zweite, vielleicht weniger bekannte Erscheinung zu Hilfe genommen worden; es ist die, daß der Ton einer Pfeife sich ändert, sobald eine Luft von anderer Schwere, also z. B. eine mit Grubengas vermengte und dadurch leichter gewordene Luft sie zum Ertönen bringt.

Die letzterwähnte Erscheinung ist nun in folgender Weise benutzt worden: in zwei getrennten Apparaten befindet sich je eine Orgelpfeife von genau derselben Tonhöhe. Der erste Apparat ist mit reiner Luft gefüllt, die luftdicht abgeschlossen ist. Mittels einer gasometerartigen Glocke oder eines Blasebalges kann man den Inhalt cirkulieren lassen, wobei die Pfeife den Ton angiebt, auf den sie abgestimmt ist. Der zweite Apparat ist ganz ähnlich eingerichtet, nur ist er nicht luftdicht abgeschlossen, sondern wird von der zu untersuchenden Luft durchstrichen. Ist diese nun rein, so ist der Ton der Pfeifen gleichmäßig, ist sie durch Grubengas verunreinigt, so treten sofort jene Schwebungen ein und die Anwesenheit der gefährlichen Gase bat sich verraten. Je kürzer die Schwingungen sind, je größer ist die Gefahr. Macht man die Apparate selbstthätig und überträgt den Ton mittels Telephon in die Stube des Aufsichtsbeamten, so ist dieser jederzeit von der Beschaffenheit der Wetter unterrichtet und kann danach seine Wettermaschinen regeln.



  1. Formen = Grubengas