Wanderlieder

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Wilhelm Müller
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Wanderlieder
Untertitel:
aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 16, S. 62–63
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Göttingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[62]
Wanderlieder.
1.
Froher Auszug.




     Ich ziehe so lustig zum Thore hinaus,
Als ob’s ein Spaß nur wär’:
Das macht, es wallt Feinliebchens Bild
Gar helle vor mir her.

5
     Da merk’ ich denn im Herzen bald:

Ich sei dort oder hier,
Ich gehe fort, ich kehre heim,
Ich ziehe doch immer zu ihr.

     Und wer zu seinem Liebchen reist,

10
Dem wird kein Weg zu schwer:

Das läuft bei Tag und läuft bei Nacht
Und ruht sich nimmermehr.

     Und ob es regnet, ob es stürmt,
Mir thut kein Wetter weh,

15
Es hat mein Liebchen mir gesagt

Ein freundliches Ade!




2.
Auf der Landstraße.

     Was suchen doch die Menschen all
Zu Roß und auch zu Fuß?
Das wandert hin und wandert her
Zeitlebens ohn’ Verdruß.

5
     Die haben wohl kein Liebchen heim

Und auch ihr Herz dabei:
Sie sehn mich an und wundern sich,
Daß ich so langsam sei.

     Ach, wer mit jedem, jedem Fuß,

10
Den er setzt in die Welt hinein,

Einen Schritt von seiner Liebsten thut,
Der macht ihn gerne klein.

     Wer hat das Wandern doch erdacht?
Der hätt’ ein Herz von Stein –

15
Und wär’ es heut noch nicht bekannt,

Ich ließ’ es wahrlich sein.




3.
Das Thürmchen in der Ferne.

     Ich muß auf alle Berge steigen,
Die rechts und links am Wege stehn,
Und muß herab von allen Bergen
In weite, weite Ferne sehn.

[63]
5
     Und ist das Thürmchen auch versunken

Wonach ich schau’, in blaue Luft,
Muß doch auf alle Berge steigen,
Weiß nicht, wer so hernieder ruft.

     Und muß nach jener Gegend schauen,

10
Wo ich das Thürmchen sonst gesehn,

Daß mir zuletzt von allem Schauen
Die müden Augen übergehn.

     Und in dem nassen Blick verschwimmen
Mir Feld und Fluß und Berg und Thal,

15
Und durch die trüben Tropfen flimmert

Es wie ein heller Mondenstrahl.

     Dann hab’ ich in dem goldnen Lichte
Das liebe Thürmchen oft gesehn,
Und hat mir’s manchmal gar geschienen,

20
Als thät mein Schätzchen oben stehn,


     Und schaute nach der Straße nieder
Und schaute nach den blauen Höhn,
Daß ihr zuletzt von allem Schauen
Die müden Augen übergehn.

25
     Ich muß auf alle Berge steigen,

Die rechts und links am Wege stehn,
Und muß herab von allen Bergen
In weite, weite Ferne sehn.

Wilhelm Müller.