Warum in Meusebach keine Sperlinge sind

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Warum in Meusebach keine Sperlinge sind
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. Anhang: Die Sagen des Herzogthums Sachsen-Altenburg, S. 357–358
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[357]
45) Warum in Meusebach keine Sperlinge sind.
S. Eisel a. a. O. Nr. 579. Greß S. 90 fgg.

Das Dorf Meusebach gehört zu den wenigen Orten, wo man nie einen Sperling gesehen hat (s. oben Bd. II. Nr. 810). Als Ursache wird aber folgende Begebenheit erzählt. Einst gab es in dem Dorfe einen Schulzen, Namens Leonhard, der einen liederlichen Sohn hatte, der allen Leuten im Dorfe ein Aergerniß war, weil er nichts arbeitete und nur Vergnügen daran fand, seine Nachbarn zu ärgern und ihnen Possen zu spielen. Schließlich ging er aber in die weite Welt und Niemand dachte mehr an ihn, selbst seine Aeltern und Geschwister nicht, im Gegentheil Alle waren froh, daß er fort war, und hofften, er werde nie wiederkehren. Siehe da kam nach langen Jahren gerade den Tag vorher als die jüngste Tochter des Schulzen sich verheirathen wollte, der verlorene Sohn wieder nach Hause, arm und abgerissen. Er kam aber doch nicht mit leeren Händen zur Hochzeit, er brachte seiner Schwester ein kleines Kästchen mit, aus dem, als es geöffnet wurde, zwei kleine Vögel, die er Spatzen nannte, zwitschernd aufflogen, und weil sie Allen so wohl gefielen, gab er auch noch andern Dorfbewohnern einige dieser Vögel. Diese Thiere vermehrten sich aber bald so, daß sie den Meusebachern die Felder abfraßen und diese zuletzt selbst nichts hatten. Alle Mittel wurden angewandt, um die gefräßigen Vögel zu vertreiben, aber vergeblich. Da kam gerade zur rechten Zeit ein fremder Jägerbursche ins Dorf, der verstand sich auf die schwarze Kunst und versprach den Bauern Abhilfe, wenn sie nur einwilligen wollten, daß er aus ihren Feldern wieder Wald machen dürfe. Wirklich kaufte er drei Wagen voll Fichtensamen und säete ihn aus und zwar unter so kräftigen Bannsprüchen, daß seitdem die Sperlinge bis auf den letzten auf Nimmerwiederkehr verschwunden sind. Darum findet man noch heute in Meusebach keinen einzigen Sperling und wenn es wahr ist, daß der [358] Bann so viele Jahre währen soll, als ehedem Samenkörnchen ausgesäet wurden, da werden die Meusebacher noch lange keinen Sperling zu sehen bekommen.