Wie amüsirt sich der Amerikaner?

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Titel: Wie amüsirt sich der Amerikaner?
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 555
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[555] Wie amüsirt sich der Amerikaner? Der eingeborene Amerikaner, der ächte Yankee kennt nur das „Geldmachen“, von einem gemüthlichen Familien- oder Gesellschaftsleben, wie es dem Deutschen, Franzosen oder Engländer Bedürfniß ist, hat er keine Idee. Der Amerikaner versteht sich nicht zu amüsiren und seine Bestrebungen, sich die Freistunden auf angenehme Weise zu kürzen, bestehen nach den Atlantischen Studien in Folgendem:

Er geht mit seinen Ladies spazieren und spricht von der Bibel und der Predigt am letzten Sonntage.

Er ladet eine Abendgesellschaft ein, die der Superlativ von Langweiligkeit ist. Um seinen Tisch im Kreis herum sitzen die Ladies, wie Pfauen aufgeputzt und die Herren schüchtern wie Täubchen. Zu dem ewig gleichen Gespräch von dem Herrn Pfarrer und seiner Predigt, von den Geisterklopfereien oder der letzten Dampfschiffexplosion, in Folge deren fünfzig Menschen wie Krebse gesotten wurden, wird „a cap of tea“ und einige Traubenrosinen und Knackmandeln gereicht, wonach man sich unter Complimenten und devoten Handreichungen gegen 10 Uhr ehrbar nach Haus verfügt und in einem abgelegenen Zimmer eine Cigarre raucht, während die Ladie ihr Abendgebet verrichtet.

Er schleicht sich ein oder zwei Mal des Tages aus seiner Expedition oder Werkstatt hinweg, schlüpft in eine Trinkstube, wo er mit Hast ein Glas Brandy leert, kehrt aber eiligst zurück, als wenn Donnerkeile hinter ihm hergeschleudert würden.

Er geht in einer müßigen Stunde in das Gastzimmer eines Hotels, setzt sich auf einen Stuhl an das offene Fenster, streckt die Beine heraus, so daß die Vorübergehenden vom ganzen Manne nichts weiter sehen als die Schuhsohlen, und liest eine Zeitung.

Er begleitet die Ladies in eine Conditorei und richtet eine vandalische Verheerung unter dem Zuckerwerke an. Er kaut Taback.

Er hält Bankette und bringt die Toaste mit einer Tasse Thee aus.

Er besucht zuweilen ein Concert und bewundert die Pastoralsymphonie von Beethoven, weil ein Donnerwetter darin vorkommt.

Er pfeift den „Yankee-doodle.“

Er fährt oder reitet um die Wette und bricht den Hals.

Er macht alljährlich eine Reise, d. h. er fährt von einer Stadt zur andern und trinkt in jeder einen Rum.

Er hält Paraden.

Er läßt sich explodiren.

Die Frauen amüsiren sich geistiger als ihre Gemahle. Die Pflege der Literatur und Kunst ist in ihren Händen, aber nur die Langeweile treibt sie dazu, nicht das Bedürfniß. Sie amüsiren sich eben nur damit, sie tändeln sentimental und kennen ein tieferes Interesse, ein wirkliches Verständniß der Kunst- und Literaturheroen gar nicht. Wenn man seine Ohren auf die grausamste Weise maltraitiren will, muß man eine ächte Amerikanerin Klavier spielen lassen.