Wie erkennen und verbessern wir schlechte Zimmerluft?

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Autor: Adolf Wolpert
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Titel: Wie erkennen und verbessern wir schlechte Zimmerluft?
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aus: Die Gartenlaube, Heft 8 u. 12, S. 122–123 u. 186–188
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Wie erkennen und verbessern wir schlechte Zimmerluft?

Von Professor Dr. A. Wolpert.
I.

Gute und schlechte Zimmerluft unterscheiden wir häufig recht wohl durch den Geruchssinn. Bleiben wir aber in Gesellschaft anderer längere Zeit in einem geschlossenen Raume mit anfänglich guter Luft, so kann diese durch Athmung und Ausdünstung allmählich viel schlechter werden, ohne daß wir davon etwas merken oder doch über den Grad der Luftverschlechterung ein bestimmtes Urtheil haben. Das Empfindungsvermögen des Geruchsorgans wird eben durch Angewöhnung abgestumpft.

Daraus folgt indessen keineswegs die Unschädlichkeit schlechter Luft, sondern die um so größere Wichtigkeit einer Vorrichtung, welche uns in leicht wahrnehmbarer Weise beständig belehrt, ob die Zimmerluft noch rein genug oder in welchem Grade sie durch schädliche Beimengungen verdorben ist.

Vorrichtungen, welche nach gewissen Vorbereitungen und Manipulationen das erkennen lassen, daher „Luftprüfer“ genannt werden können, sind im letzten Jahrzehnt häufiger bekannt geworden. Sie beruhen alle auf einer chemischen Wirkung der Kohlensäure. Daß gleichwohl nicht die verhältnißmäßig geringe Menge Kohlensäure es ist, was den Aufenthalt in nicht gelüsteten und stark angefüllten Räumen unbehaglich und ungesund macht, das hat Pettenkofer schon vor mehr als dreißig Jahren bestimmt erklärt, als er den Kohlensäurezuwachs als geeigneten Maßstab für die vermuthlich im gleichen Verhältniß damit anwachsenden unbekannten schädlichen Abscheidungsstoffe von Haut und Lungen benutzte.

Auch was Du Bois-Reymond als Anthropotoxin, Menschengift, bezeichnete, ist nicht Kohlensäure, sondern ein dem Wesen nach nicht genau erforschter Stoff, der fortwährend mit der Athmungsluft aus den Lungen entfernt wird und dessen sehr giftige Wirkungen in neuester Zeit auch der Pariser Physiologe Professor Brown-Séquard gemeinsam mit Dr. d’Arsonval durch Einspritzungsversuche an Thieren nachgewiesen hat.

Nach Brown-Séquard ist der giftige Stoff wahrscheinlich ein organisches Alkaloid aus der Reihe der „Ptomaïne“ (Leichengift) benannten Zersetzungsprodukte des Körpers, ist flüchtig, in Wasser löslich, geht leicht durch das Filter hindurch. Die Flüssigkeit, welche das Gift enthält, reagirt alkalisch, und beim Aufkochen im geschlossenen Gefäß bleibt das Gift unverändert.

Bei allen diesen neuen Aufschlüssen giebt es aber bis jetzt und vielleicht noch lange kein Verfahren und keine Vorrichtung, durch welche man unmittelbar nur annähernd genau den Grad der durch den giftigen Ausathmungsstoff verursachten Luftverschlechterung oder die Anhäufung des Giftes in der Luft bestimmen könnte. Die Menge des Giftstoffes ist eben auch in stark verdorbener Luft noch sehr gering. Selbst die Menge aller organischen Substanzen, welche sich in der ausgeathmeten Luft vorfinden und von welchen das schädliche Agens ein geringer Theil sein mag, ist sehr klein, beträgt nach Dr. Rausomes Untersuchungen bei einem Erwachsenen in 24 Stunden nur 1/5 Gramm.

Von den zur Ermittlung des Kohlensäuregehaltes der Zimmerluft dienenden Vorrichtungen ist eine, der im Jahre 1882 erfundene Wolpertsche Luftprüfer, in der „Gartenlaube“ 1884, S. 19 beschrieben. Der Umstand, daß er ein kleiner leicht zu behandelnder Taschenapparat ist, mit welchem sich in sehr kurzer Zeit eine Luftuntersuchung ausführen läßt, hat demselben zwar eine große Verbreitung verschafft; doch steht einer wünschenswerthen häufigeren Anwendung die Thatsache im Wege, daß den meisten Menschen die Vornahme von besonderen Veranstaltungen, so einfach sie auch sein mögen, alsbald lästig wird.

Ein aus dem praktischen Leben gegriffener Wunsch war es daher, welcher auf einer Versammlung des Vereins für Gesundheitstechnik (München 1885) ausgesprochen wurde und welchem schon einige Jahre vorher (1882) Profeffor Hofrath Dr. Freiherr v. Tröltsch in einer Abhandlung über „Das Ohr und seine Pflege“ Ausdruck gegeben hatte: daß man ein Instrument haben sollte, welches, wie das Thermometer die Temperatur und das Barometer den Grad des eben stattfindenden Luftdrucks, die Luftbeschaffenheit beständig und sofort erkennen lassen würde.

[123] Eine solche Vorrichtung ist der daraufhin konstruierte „Wolpertsche fortgesetzt selbstthätige Luftprüfer“, dessen Anzeige auf einem neuen Grundsatze beruht: daß eine farbige Flüssigkeit, auf welche die Kohlensäure entfärbend wirkt, an einem weißen Faden hingeführt, nach Maßgabe der bis zur Entfärbung zurückgelegten kleineren oder größeren Weglänge den größeren oder kleineren Kohlensäuregehalt der Luft und damit ihre geringere oder größere Reinheit anzeigt.

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Die Einrichtung des selbstthätigen Luftprüfers, welchen nebenstehende Abbildung veranschaulicht, ist folgende:

Auf einer Wandkonsole steht ein niedriges weites Glasgefäß, gefüllt mit schwacher Sodalösung, welche mit Phenolphtaleïn roth gefärbt ist. Die rothe Flüssigkeit, im Gefäß durch aufgegossenes Mineralöl gegen Einwirkung der Luft geschützt, wird mittels eines Glashebers, welcher an einem in der Flüssigkeit liegenden Schwimmer befestigt ist, in Tropfen auf einen 1/2 m langen Faden übergeleitet und röthet diesen, indem sie daran herabfließt. Die Röthung erstreckt sich auf die ganze Fadenlänge, wenn die Luft sehr rein ist. In schlechter Luft ist infolge der entfärbenden Wirkung der Kohlensäure der Faden von unten nach oben um so weiter weiß, je schlechter die Luft ist. Der Grad der Luftverschlechterung von „rein“ bis „äußerst schlecht“ (unter 0,7 bis über 4 ‰ Kohlensäuregehalt) mit den Abstufungen „noch zulässig“ (0,7 bis 1 ‰), „schlecht“ (1 bis 2 ‰), „sehr schlecht“ (2 bis 4 ‰) ist auf einer hinter dem Faden angebrachten, nach Pettenkofers Kohlensäuremaßstab festgestellten Skala abzulesen.

Die Inganghaltung des selbstthätigen Luftprüfers erfordert nur wenig Mühe und Kosten: Mischen und Nachfüllen der rothen Reagensflüssigkeit alle zehn Tage mit einer auf 24 Stunden sich vertheilenden Ausgabe von etwa einem halben Pfennig. Dagegen stehen leider die Anschaffungskosten des Apparates – selbst bei einfachster Ausstattung immer noch mehr als 10 Mark – der Einführung desselben in weiteren Kreisen hinderlich im Wege.

Darum will ich noch ein anderes und zwar recht wohlfeiles Mittel zur Luftprüfung, namentlich für Schlafzimmer, angeben:

Man löst 1 Gramm (schwach das Gewicht eines silbernen Zwanzigpfennigstücks) krystallisirte Soda, wie man sie in vielen Haushaltungen beim Waschen benutzt, in dreiviertel Liter (einer gewöhnlichen Weinflasche) Wasser auf. Davon gießt man im Schlafzimmer abends vor dem Schlafengehen 2 Eßlöffel voll in eine Untertasse und giebt einige Tropfen Phenolphtaleïnlösung dazu, welche die Sodalösung schön roth färben. Wird die Schlafzimmerluft während der Nacht zu schlecht, so ist die Flüssigkeit am Morgen wasserhell, geringes Verblassen deutet auf nur geringe Luftverschlechterung; bei sehr guter Luft würde das Verblassen der rothen Flüssigkeit in einer Nacht kaum bemerklich sein. Diese Flüssigkeit ist nicht giftig.

Die Phenolphtaleïnlösung kann man sich für länger als ein Jahr ausreichend bereiten, indem man 1 Gramm Phenolphtaleïnpulver (bei der Fabrik des selbstthätigen Luftprüfers, Reiniger, Gebbert und Schall in Erlangen für 15 Pfennig zu haben) in einem viertel Liter Spiritus löst.

Bei langem Aufbewahren der Sodalösung kann es vorkommen, daß durch Einträufeln von Phenolphtaleïn die schöne Röthung nicht entsteht. Das wäre ein Zeichen, daß die Sodalösung infolge undichten Schlusses der Aufbewahrungsflasche bereits viel Kohlensäure aufgenommen hat und nicht mehr brauchbar ist.

Zum Zwecke der Luftprüfung – wie von anderen Seiten empfohlen worden ist – ein flaches Gefäß mit Kalkwasser aufzustellen, welches in schlechter Luft trüb werde, gehört zu den Experimenten, die von einem gedacht, von andern nachgesagt, von keinem aber vorher gemacht werden. Das Kalkwasser überzieht sich nämlich mit einem Häutchen von unlöslichem kohlensauren Kalk, aber nicht nur in schlechter Zimmerluft, sondern auch in der guten Luft der freien Atmosphäre, und bei der allmählichen Absorption der Kohlensäure an der ruhigen Oberfläche des Kalkwassers bleibt dieses unter dem Häutchen ungetrübt. Man kann aber auch Kalkwasser mit Phenolphtaleïn roth färben. Verschwindet bei gesättigtem Kalkwasser die Röthung in einer Nacht, so muß die Luft äußerst schlecht sein.

Die Anwendung des selbstthätigen Luftprüfers wird in manchen Fällen erkennen lassen, daß man nicht nöthig hat, im Winter auf Kosten des Heizmaterials so verschwenderisch zu lüften wie man es seither gethan, ja daß in scheinbar dicht geschlossenen Zimmern die Luft gut bleibt, weil durch die unvermeidlichen Oeffnungen, die Fugen und Ritzen an Thüren und Fenstern wie auch durch die Mauerporen, besonders bei starkem Wind und bei großem Temperaturunterschied der inneren und äußeren Luft, bedeutender und oft genügender Luftwechsel stattfindet.

In einer weit größeren Zahl von Fällen dagegen wird der Luftprüfer zeigen, daß man in zu schlechter Luft lebt, also für Luftverbesserung sorgen muß. Es fragt sich dann, wie verbessern wir die Zimmerluft?

Was der große Liebig, der Chemiker berühmten Andenkens, empfohlen hat: zum Zweck der Luftreinigung in Zimmern Gefäße mit Kalkwasser aufzustellen, damit die Kohlensaure absorbirt werde, kann nach den vorstehenden Mittheilungen über die genauer erforschte Ursache der Luftverschlechterung nicht mehr als genügendes Luftverbesserungsmittel gelten. Ferner muß hier gesagt werden, daß Räuchermittel und Wohlgeruchsessenzen, vom Wachholderrauch an bis zum Koniferenduft und Blumengeist, die Luft nicht reiner machen, daß mehr Luftwechsel als der zufällige unumgänglich nöthig ist, so oft und so bald der Luftprüfer auf „schlecht“ zeigt.

Das einfachste und allerorts übliche Lüftungsmittel ist das Oeffnen von Fenstern, was aber zu oft wegen bekannter Unzuträglichkeiten unterbleiben muß.

Man kann aber die Menge der unmerklich durch die zufälligen kleinen Oeffnungen eindringenden reinen Luft bedeutend vermehren, wenn man den Ueberdruck der Außenluft gegen die Zimmerluft vergrößert, was in sehr einfacher Weise durch Herstellung einer entsprechenden Oeffnung am Schornstein nahe an der Zimmerdecke geschieht. Namentlich für Schlafzimmer ist das sehr zu empfehlen. An der Oeffnung wird ein Blechthürchen oder auch eine hübsche Rosette angebracht, womit man die Oeffnung bei Tage geschlossen hält, um den Zug der in den Schornstein mündenden Feuerungen nicht allzusehr zu schwächen. Wo der Schornstein durch seine Lage ungünstigen Windstößen ausgesetzt ist, läßt man eine gute Schutzkappe aufsetzen.

Bei Neubauten ist die Ausführung besonderer Luftschächte anzurathen, welche durch daneben liegende oder in ihnen emporgeführte Kaminröhren oder durch besondere kleine Heizvorrichtungen warm gehalten werden.

Wo man gleichmäßigeren und stärkeren Luftwechsel als in gewöhnlichen Wohnungen braucht, also in Räumen, welche für den Aufenthalt vieler Menschen bestimmt sind, genügen so einfache Vorrichtungen nicht. Denn die auszuwechselnden Luftmenge soll stündlich für jedes Kind 10 bis 20 Kubikmeter betragen, für jeden gesunden Erwachsenen 20 bis 40, für jeden kranken 60 bis 100. Man muß daher bei stark angefüllten Räumen auch für besondere Luftzuführung sorgen, den sogenannten Abluftkanälen entsprechend auch Zuluftkanäle in Verbindung mit Ventilations-Mantelöfen, Lufteinlaß-Säulen u. dergl. anbringen.

Für manche Zwecke sind überdies maschinelle Vorrichtungen zum Eintreiben und Absaugen der Luft am rechten Platze, Apparate verschiedener Einrichtung, wie sie zahlreich in der technischen Litteratur beschrieben sind und deren Beschaffung heutzutage nicht schwer ist, da jetzt viele Techniker sich besonders mit Ausführung von Ventilations- und Heizungsanlagen beschäftigen.




[186]
II.
Der richtige Feuchtigkeitsgehalt der Zimmerluft und Feuchtigkeitsprüfer alter und neuer Zeit.

In einem feuchten Zimmer wohnt niemand gern, und doch wird, besonders bei den neueren Heizungsarten, viel über Trockenheit geklagt und auf Mittel gesonnen, die Zimmerluft zu befeuchten. Manche trockne, gesunde Wohnung wird so zu einer feuchten, ungesunden gemacht.

Da die Fähigkeit der Luft, Wasser aufzunehmen und aufgelöst zu halten – die Feuchtigkeitskapacität der Luft – mit der Erwärmung wächst, so geschieht es im Winter oft, daß die in einem kalten Zimmer nahezu mit Feuchtigkeit gesättigte Luft, nachdem sie durch Heizen erwärmt wurde, trocken befunden wird. Diese Veränderung tritt besonders da hervor, wo mit der Heizung reichlicher Luftwechsel verbunden ist, weil dann die durch Athmung und Ausdünstung der Bewohner und andere Ursachen, namentlich durch Aufnahme des vorher von den wasserziehenden Möbeln und Umgrenzungskörpern des Zimmers absorbirten Wassers, befeuchtete Luft abgeführt und durch trocknere Luft ersetzt wird.

Bei mangelndem oder geringem Luftwechsel steht der durch Erwärmung entstehenden Verminderung der relativen Feuchtigkeit (Verhältniß der in einem Raume gasförmig vorhandenen Wassermenge zu der bei gleicher Temperatur möglichen Sättigungsmenge) aus den genannten Feuchtigkeitsquellen eine solche Zunahme der absoluten Feuchtigkeit gegenüber, daß die Zimmerluft gewöhnlich feucht genug, oft sogar zu feucht ist.

Eine nahe liegende Folge dieser Verhältnisse ist es, daß man den neueren Heizungen mit ausgiebigem Luftwechsel, namentlich der Luftheizung als derjenigen Heizmethode, welche bei der üblichen unvollkommenen Einrichtung das Erwärmen der Zimmer nicht anders als mit beständigem Luftwechsel gestattet, den mitunter auch gerechtfertigten Vorwurf gemacht hat, die Heizung bewirke zu starke Austrocknung der Zimmerluft. Auf diesen Vorwurf hat man die Forderung gegründet, die Luftheizung aus öffentlichen Gebäuden, namentlich Schulen, zu beseitigen, obgleich seit Jahren in der Regel so umfangreiche Einrichtungen für Wasserverdampfung in den Luftheizkammern oder Heizkanälen und in den Zimmern selbst angewendet werden, daß man häufiger über zu große Feuchtigkeit als über zu große Trockenheit zu klagen Grund haben könnte. Ein lästiger Reiz auf die Schleimhäute des Athmungsorgans kann wohl durch Einathmung zu trockner Luft entstehen, nicht minder aber auch bei genügend feuchter Luft durch Einathmung von Erzeugnissen der trocknen Destillation, die bei mangelhaft ausgeführten oder schlecht bedienten Heizungsanlagen aus dem auf diesen abgelagerten Staube entwickelt werden.

Die Ansichten darüber, welchen Feuchtigkeitsgrad die Zimmerluft haben soll, sind sehr verschieden. Von wissenschaftlicher Seite ist eine Norm dafür noch nicht festgestellt, obwohl Männer der Wissenschaft ihre Meinungen darüber mehrfach ausgesprochen haben.

Ohne Zweifel ist es eine Bedingung unseres Wohlbefindens, daß wir fortwährend durch Athmung und Ausdünstung eine weder zu große noch zu kleine Wassermenge ausscheiden. Sehr trockne Luft kann dem Körper zu viel Wasser entziehen, sehr feuchte Luft nimmt zu wenig von ihm hinweg. Daher liegt die Annahme nahe, daß die etwa zur Hälfte mit Feuchtigkeit gesättigte Luft am angenehmsten und gesündesten sei. Dafür erklären sich denn auch mit ziemlicher Uebereinstimmung die meisten Physiologen; doch finden sich auch beachtungswürdige Stimmen, die bedeutend davon abweichen, und zwar nach der Richtung der Feuchtigkeit sowohl wie nach der der Trockenheit.

Das erklärt sich theilweise aus der Verschiedenheit der individuellen Empfindung, beziehungsweise der Geneigtheit zum Schwitzen, theilweise aus unrichtigen Angaben oder unrichtiger Benützung der zur Messung der Feuchtigkeit dienenden Vorrichtungen, [187] theilweise daraus, daß die relative Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen eines geheizten Zimmers nicht gleich groß ist. Bei dem Zusammenwirken genannter Umstände können Abweichungen von 25 Prozent und mehr in den Ermittelungen der relativen Feuchtigkeit bei Zimmern mit thatsächlich gleicher relativer Feuchtigkeit wohl vorkommen.

Nach meinen vieljährigen Beobachtungen halte ich es für zweckmäßig, daß die Zimmerluft künstlich befeuchtet wird, wenn in Kopfhöhe an einer Wand von mittlerer Temperatur oder in der Mitte des Zimmers die relative Feuchtigkeit geringer ist als 40 Prozent der Sättigung, daß aber die Luftbefeuchtung höchstens bis zu 60 Prozent fortgesetzt wird.

Zwischen diesen Grenzen findet jeder die Luftfeuchtigkeit angenehm, nicht aber weit darüber und darunter. Eine relative Feuchtigkeit von 70 Prozent in einem geheizten geschlossenen Zimmer wird mir lästig, eine von 80 Prozent fast unerträglich, während einige Personen meiner Umgebung sich auch in so feuchter Luft behaglich fühlen, dagegen eine Luft von etwa 30 Prozent der Sättigung, wobei ich nicht das mindeste Unbehagen fühle, unerträglich trocken finden.

Nicht außer Berücksichtigung zu lassen ist auch, daß in sehr trockener Luft Möbel und Bautheile aus Holz schwinden und reißen, auch Tapeten abspringen, daß dagegen starke Luftbefeuchtung schädliches Aufquellen mancher Gegenstände, Rostbildung und feuchte Wände mit ihren für Eigenthum und Gesundheit verderblichen Folgen verursacht.

Damit ergiebt sich die Zweckmäßigkeit der Anwendung von Mitteln, welche die relative Feuchtigkeit bestimmen lassen. Wo es genügt, bedeutende Zunahme und Abnahme der Luftfeuchtigkeit zu erkennen und verschiedene Feuchtigkeitszustände ungefähr zu schätzen, kann man sich der weniger genauen Hygroskope, Feuchtigkeitsanzeiger, bedienen. Um aber den Grad der Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit genauer zu beobachten und zu messen, braucht man Hygrometer. Alle Vorrichtungen dieser und jener Art können als Feuchtigkeitsprüfer bezeichnet werden.

Solche Feuchtigkeitsprüfer hat es vor Jahrhunderten schon gegeben. Von jeher hat es die Naturgelehrten beschäftigt, die Feuchtigkeitszustände der Atmosphäre und deren Zusammenhang mit der Witterung zu erforschen. Im Dienste der Wetterkunde sind daher Hygrometer und Hygroskope längst bekannt, und zwar in großer Menge und Mannigfaltigkeit.

Die Wahrnehmung, daß gewisse Körper in feuchter Luft schwerer, in trockner Luft leichter werden, mußte schon in den ältesten Zeiten darauf führen, die Vermehrung des Gewichts eines solchen Körpers durch aufgenommene Feuchtigkeit als Maß dieser dienen zu lassen. Man hängte den wasserziehenden (hygroskopischen) Stoff an einem Wagbalken auf, und ein Zeiger auf der anderen Seite gab durch seine höhere oder tiefere Stellung die Grade der Feuchtigkeit oder Trockenheit an. So benützte man das Meergras, häufiger noch einen mit Salmiak getränkten Badeschwamm, ferner Kochsalz, Weinstein und andere Salze in gepulvertem Zustande. In gleichem Sinne wird von der Eigenschaft der Schwefelsäure, Wasser aus der Luft aufzunehmen, seit 200 Jahren Gebrauch gemacht.

Zu den am frühesten zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit angewandten wasserziehenden Stoffen gehört das Papier. Auf der Londoner internationalen Ausstellung wissenschaftlicher Apparate 1876 waren zwei Papierhygrometer zu sehen. Das älteste, vielleicht über 260 Jahre alte aus King Georges III. Museum ist ein Gewichtshygrometer; es läßt die Feuchtigkeit aus dem Gewicht einer Anzahl angehängter Papierscheiben bestimmen. Das andere, 1664 von Folli da Poppi hergestellt, beruht auf der durch Feuchtwerden erfolgenden Längenzunahme; es zeigt einen in wagrechter Richtung mit den Enden auf Säulen befestigten Papierstreifen, in der Mitte mit einem Gewicht und Zeiger belastet, dessen höherer oder tieferer Stand Trockenheit oder Feuchtigkeit anzeigt.

Zu den schon vor mehr als 200 Jahren benützten Hygrometern gehören ferner die von Darmsaiten, bei welchen die Zunahme der Luftfeuchtigkeit Aufdrehen und damit Drehung eines daran aufgehängten Zeigers oder anderen Gegenstandes bewirkt. Darauf beruht auch die Einrichtung des sogenannten holländischen Wetterhäuschens, um 1685 von Molyneux erdacht und mit unwesentlichen Veränderungen heute noch ein beliebter Beobachtungsgegenstand. Auf einer Scheibe, welche an einer Darmsaite hängt, sind einander gegenüber zwei verschiedene Figuren stehend befestigt, gewöhnlich ein Mann mit einem Regenschirm und eine Frau mit einem Fächer oder Sonnenschirm, oder auch ein Gärtner mit einer Gießkanne. Bei feuchter Luft kommt die erstere Figur durch eine Thüröffnung zum Vorschein, bei trocknem Wetter die andere.

Die Wahrnehmung, daß eine zwischen zwei festen Punkten gespannte Darmsaite in feuchter Luft tiefer, in trockner Luft höher tönt, war Veranlassung zur Anfertigung von akustischen oder Tonhygroskopen.

Kurze dicke Stückchen von Darmsaite hat man stehend befestigt und oben mit einem Zeiger versehen. In gleicher und ähnlicher Weise haben andere feuchtigkeitziehende Körper Anwendung gefunden: ein dünn geschabter und schraubenförmig geschnittener Federkiel, Grannen von Wildhafer, die gewundenen Spitzen von Geranien und Pelargonien, die spiralförmigen Grannen des Storchschnabels oder Reiherschnabels. Feuchtigkeitsprüfer letzterer Art werden in neuerer Zeit wieder angeboten. Bei manchen derselben sieht man die Granne vollständig und die Spitze dient unmittelbar als Zeiger oder trägt ein vergoldetes Blättchen (Wetteranzeiger von Gangwisch in Hätzingen), bei andern verdeckt das Gehäuse die stark gekrümmte Granne und nur ein daran aufgestecktes gefärbtes Strohröhrchen ist sichtbar, welches als längerer Zeiger sich über eine ziemlich große Bogenskala hinbewegt (Hygroskop von August).

Einen dünn geschabten Federkiel, mit Quecksilber gefüllt, verwendete 1783 Chiminello, und Gefäßhygrometer nach gleichem Princip machte man von Cylindern aus Buchsbaumholz oder Elfenbein, auch von Rattenblasen, indem man bis zu gewisser Höhe Quecksilber in dieselben einfüllte und ein Glasröhrchen einsetzte.

Am meisten hat man band- und fadenförmige feuchtigkeitziehende Körper benutzt, um aus deren Verkürzung in trockner und Verlängerung in feuchter Luft auf den Grad der Luftfeuchtigkeit zu schließen. So außer dem Papierstreifen des Folli da Poppi auch Pergament, ferner einen Streifen Goldschlägerhaut (J. Baptiste), ein Stück Froschhaut, Eihaut, dünne Brettchen und Hobelspäne, quer über die Fasern geschnittene Fischbeinstreifen (De Luc 1773), dünne Hanffäden, Hanfschnüre ohne weitere Zubereitung oder in Salzwasser gesotten (Smeaton 1770), Seide, den Darm des Seidenwurms, Coconfäden, Haare.

Von allen aus den genannten Stoffen angefertigten Vorrichtungen zur Erkennung der Luftfeuchtigkeit hat nur das Haarhygrometer, welches Horace de Saussure, Professor der Physik in Genf, vor mehr als 100 Jahren erfand, allgemeines Ansehen erlangt und fast unverändert bis in die Gegenwart Anwendung gefunden. Die Einrichtung ist folgende:

Ein durch Kochen in Kalilauge oder durch Einlegen in Schwefeläther entfettetes blondes Menschenhaar ist an dem einen Ende befestigt, an dem andern um eine Rolle geschlungen, welche den Zeiger trägt. Ein kleines Gewicht an der Rolle hält das Haar gespannt. Der Zeiger deutet auf eine Kreisbogenskala, welche gleichmäßig getheilt ist.

Hierzu muß bemerkt werden, daß Haare sich nicht gleichmäßig mit der Zunahme der Feuchtigkeit verlängern, sondern von der größten Trockenheit, dem Nullpunkt der Skala aus, anfangs am meisten, dann immer weniger und in der Nähe des Sättigungsgrades, dem Punkt 100 der Skala, nur noch sehr wenig. Daher entsprechen die Hygrometergrade der gleichmäßig getheilten Skala nicht den Prozenten der höchstmöglichen Feuchtigkeit, der Sättigung. Um die relative Feuchtigkeit unmittelbar erkennen zu lassen, müßten die Theile der Skala nach einem bestimmten Verhältniß ungleich sein, von 0 bis 100 immer enger werden. Bei einer relativen Feuchtigkeit von 50 Prozent der Sättigung stellt sich der Zeiger des gleichheitlich getheilten Saussureschen Haarhygrometers auf ungefähr 72. Dieser Umstand, wenig bekannt, mag zu der viel verbreiteten irrthümlichen Annahme geführt haben, daß ein sehr hoher Feuchtigkeitsgehalt der Zimmerluft wünschenswerth sei.

Bald nach Saussure suchte man dessen Hygrometer dadurch zu verbessern, daß man anstatt eines Haares mehrere, drei oder sogar acht mit einander verbundene Haare nahm. Aber wegen der ungleichen Beschaffenheit derselben und der ungleichmäßigen Spannung, auch wegen der nicht mehr so allseitigen Berührung der Luft mit den an einander liegenden Haaren, machte man [188] dadurch das Instrument unzuverlässiger und weniger empfindlich. Das ist von Belang für die Vergleichung des Werthes einiger Hygrometer der Neuzeit.

Vor zwanzig Jahren war noch kein Hygrometer bekannt, an welchem man die relative Feuchtigkeit der Luft, den Wassergehalt in Prozenten der Sättigungsmenge ausgedrückt, unmittelbar ablesen konnte. Das Bedürfniß eines solchen Instruments zur leichten Ermittelung der richtigen Feuchtigkeit der Zimmerluft hat mich veranlaßt, ein Prozenthygrometer – das erste dieses Namens – herzustellen. Die Theorie desselben, auf welche sich die gleichmäßig getheilte Skala gründet, ist in wissenschaftlichen Zeitschriften (1872) veröffentlicht.

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Nebenstehende Abbildung zeigt das Prozenthygrometer in etwa halber Größe der gewöhnlichen Ausführung; doch kann es auch ebenso klein und noch kleiner hergestellt werden. Der hygroskopische Bestandtheil ist ein über einer spiegelnden Skalaplatte an dem einen Ende festgeklemmter Kornstrohfaden.

Da Stroh aus zwei miteinander verwachsenen Schichten besteht, von welchen die äußere in geringem Grade, die innere in hohem Grade zur Aufnahme von Feuchtigkeit geneigt ist, so bildet der Faden eine um so mehr gekrümmte Bogenlinie, je trockener die Luft ist. Die freie Spitze des Fadens dient als Zeiger, jeder Mechanismus ist entbehrlich. Dieser Umstand ist für den leichten und gleichmäßigen Gang wesentlich vortheilhaft.

Nach den bisherigen Erfahrungen ist anzunehmen, daß der Strohfaden in sehr langer Zeit keine Veränderung erleidet. Zwar krümmt sich der Faden zu wenig und zeigt folglich zu feucht, wenn er einige Zeit trockener Luft ausgesetzt war, aber er zeigt immer wieder so richtig wie in neuem Zustande, wenn man ihn durch Annässen auffrischt, was von Zeit zu Zeit, besonders vor wichtigen Beobachtungen, geschehen muß.

Ein Strohhygroskop kann sich jeder leicht in folgender Weise anfertigen: aus dem weichen mittleren Theil eines alten, trocknen und gerade gewachsenen Kornstrohhalms nimmt man ein fingerlanges Röhrchen, legt es einige Minuten in Wasser und spaltet es dann in 10 oder 12 schmale Streifen. Einen solchen Streifen, Strohfaden, befestigt man mittels eines Holzzäpfchens auf einem Brettchen. Den Punkt der Sättigung findet man am besten, wenn man das Brettchen mit dem Faden nach unten auf ein entsprechend weites, bis zum Rande mit Wasser gefülltes Gefäß legt, so daß der Strohfaden sich im Wasser befindet. Nach etwa 10 Minuten bezeichnet man den Punkt, an welchem die Fadenspitze steht, und schreibt neben diesen Punkt gegen die Mitte hin „Feucht“, wie auf der Abbildung des Prozenthygrometers ersichtlich. Hierauf hält man das Brettchen mit dem Strohfaden über eine heiße Herdplatte oder in einen heißen Luftstrom, bezeichnet den Punkt, auf welchen die Spitze des stark gekrümmten Fadens gelangt, und schreibt von da gegen die Mitte hin „Trocken“. In die Mitte zwischen „Feucht“ und „Trocken“ schreibt man „Normal“. Wird der Faden zuweilen durch Annässen aufgefrischt, so zeigt er in einem Zimmer von richtigem Feuchtigkeitsgehalt auf die mit „Normal“ bezeichnete Strecke.

Eine andere fürs Haus brauchbare Vorrichtung, die sich jeder anfertigen kann, ist das Farbenhygroskop. Weißes Papier oder Baumwollzeug, mit einer Lösung von Kobalt-Chlorür leicht überstrichen, wird in trockner Luft blau, in feuchter rosenroth, bei normaler Feuchtigkeit violett.

Merkwürdige Beobachtungen lassen sich mit einem so zubereiteten von der Zimmerdecke bis zum Boden reichenden Bande machen. Man erkennt, bei der in der Regel ungleichen Wärmevertheilung in geheizten Zimmern, an der verschiedenen Färbung des Bandes die Verschiedenheiten der relativen Feuchtigkeit in verschiedenen Höhen des Zimmers. Das Band ist oft oben blau und unten roth, während die violette Mitte den richtigen Feuchtigkeitsgrad anzeigt. Eine hübsche Anwendung desselben Grundsatzes sind auch die jetzt unter dem Namen Chamäleon-Wetterbilder (Patent Rückert in Liebenwalde) käuflichen Glastransparente.

Um wieder auf genauere Feuchtigkeitsprüfer zurückzukommen, ist zunächst das durch beistehende Darstellung veranschaulichte Koppesche Hygrometer zu nennen. Dr. Karl Koppe in Zürich hat 1877 das Saussuresche Haarhygrometer vervollkommnet, indem er die Eintheilung der Skala nach Prozenten der Sättigung ausführte und dem Instrument eine solche Einrichtung gab, daß die Anpassung und zugleich die Auffrischung des Haares schnell und leicht zu bewerkstelligen ist.

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Koppesches Hygrometer.

Bei anderen Haarhygrometern der Neuzeit suchte man durch Anwendung eines Mechanismus mit Excentrik die Anwendung einer gleichmäßig getheilten Prozentskala zu ermöglichen; so bei den von Lambrecht in Göttingen angefertigten Klinkerfuesschen und anderen Lambrechtschen Hygrometern, welche in verschiedenen Gestalten und Herstellungsweisen seit mehreren Jahren Verbreitung gefunden haben.

Feuchtigkeitsprüfer durch Zusammenkleben hygroskopischer und nicht hygroskopischer Stoffe anzufertigen ist früher mehrfach ohne befriedigenden Erfolg versucht worden. Dagegen findet gegenwärtig das Metall-Spiral-Hygroskop von Mithoff vielseitige Anwendung. Ein Streifen Eihaut ist mit einer Lösung von Federharz in Benzin auf einer Metallspirale befestigt. Bei Veränderung der Luftfeuchtigkeit ändert sich die Länge der Eihaut und die Spirale rollt sich auf oder zusammen. Diese Bewegung wird durch einen Mechanismus hinter der Skalaplatte auf den Zeiger übertragen. Neuere Mithoffsche Hygroskope tragen die Zeiger unmittelbar am freien Ende der auf der Skalaplatte befestigten Spirale.

Ein 1886 zuerst in französischen Journalen beschriebenes Instrument ist Nodons Hygrometer mit Schreibwerk. Der wesentliche Bestandtheil ist ein schraubenförmig gewundener Papierstreifen, auf der äußeren Seite mit Gelatine bestrichen. Infolge der überwiegend hygroskopischen Natur der Gelatine sind in feuchter Luft die Windungen enger als in trockner Luft. Solche paarweise verbundene Strecken bewegen einen über zwei Röllchen laufenden Faden, woran eine Feder befestigt ist, welche zwischen zwei Führungen laufend auf einem senkrecht zur Richtung der Feder langsam fortbewegten eingeteilten Papierbogen mit Tinte Linien beschreibt, die in ihrem Zusammenhang den hygrometrischen Zustand der Luft zu jeder Zeit anschaulich machen.

Zum Schlusse mag noch des am häufigsten bei den meteorologischen Stationen benützten und daher am meisten bekannten Feuchtigkeitsprüfers, des Psychrometers von August, dessen Leistung auf der Verdunstungskälte an einem von zwei Thermometern beruht, in einer veränderten Anwendungsweise gedacht werden.

Da auf die Temperaturverminderung an der nassen Thermometerkugel die sehr veränderliche Luftbewegung Einfluß hat und die Berücksichtigung dieses Einflusses schwierig ist, suchte Doyère 1855 seine Beobachtungen unter dem Einflusse gleicher relativer Luftbewegung zu machen, indem er das Instrument als Schleuder-Psychrometer verwendete. Die beiden Thermometer werden an einer 1 Meter langen Schnur im Kreise geschwungen, und nach etwa 100 Kreisschwingungen wird der Unterschied der beiden Thermometerstände abgelesen, nach welchem man die relative Feuchtigkeit berechnet oder in einer Tabelle aufsucht.

Dieses Schleuder-Psychrometer wurde in neuerer und neuester Zeit von einigen Gelehrten empfohlen, wird aber – außer vielleicht für meteorologische Zwecke – wenig benützt werden. Für häuslichen Gebrauch sind nur solche Feuchigkeitsprüfer als handlich und praktisch zu bezeichnen, welche weder Vorbereitung, noch Berechnung, noch andere Bemühungen als höchstens zuweilen das Auffrischen nöthig machen und die relative Feuchtigkeit unmittelbar ablesen lassen. Ungenauigkeiten von etwa 5 Prozent der Sättigung haben dabei wenig oder keine Bedeutung.