Zedler:Aligheri, (Dantes)

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Aligheri, (Ludovicus)

Band: 1 (1732), Spalte: 1215–1217. (Scan)

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Aligheri, (Dantes) oder Aligerius, Alghieri, Alighieri, oder Alaghieri, war einer von den ersten und berühmtesten Poeten, so in der Italiänischen Sprache geschrieben.

An. 1265. ward er zu Florentz zur Welt gebracht. Seine Eltern, welche von ansehnlichen Geschlecht waren, erzogen ihn mit der grösten Sorgfalt, und weil sie einen grossen Mann dermaleins aus ihm haben wollten, spahrten sie keine Kosten, ihn in Studiis unterweisen zu lassen.

Unter seinen Vorfahren war Caccia Guida berühmt, welchen einige vor des Elisaei Frangipani Sohn oder Enckel halten, und weil dessen Gemahlin aus dem Geschlecht Aligheri gewesen, so soll auch ihr Sohn diesen Namen angenommen, und auf seine Nachkommen fortgepflantzet haben. Es hat dieses Geschlecht viel Widerwärtigkeiten ausgestanden, indem sie von den Gibellinern zweymal aus Florentz vertrieben worden. Andere berichten, daß sein rechter Name Dantes Aligheri del Bello gewesen, Aligheri sey er von seinem Vater genennet worden, Del Bello aber von seinem Geschlechte, so diesen Namen geführet haben soll. Die dritten bemercken ferner von seinem Zunamen, daß solcher eigentlich Durantes geheissen, weil ihn aber seine Eltern in der Kindheit nur Dantes genennet, so habe man selbigen auch in seinem Alter behalten, und aus Durantes Dantes gemacht.

In seiner Jugend ließ er schon grosse Lust zur Poesie von sich verspüren, welche sich mit den Jahren vermehrete, den grösten Theil hierzu aber mochte wol die Liebe, die er auf ein gewisses Frauenzimmer, Namens Beatrix, des Folconis Portinari Tochter, geworffen, beygetragen haben, wie er denn nach ihrem Absterben die Theologie und seine zu ihr getragene Liebe in Italiänischen Versen soll entworffen haben, und zwar unter dem Namen dieser Beatricis. Gleichwie er sich aber auf die Poesie nicht allein legte, sondern auch andere Studia dabey tractirte, so fand er nicht nur gar bald in der Republic zu Florentz sein gutes Auskommen, sondern gelangte auch endlich zu wichtigen und ansehnlichen Ehren-Aemtern.

Nun waren damals in besagter Republic 2 Factiones, worein sich die Guelphen absonderlich eingetheilet hatten. Eine von ihnen führte den Namen der Schwartzen, und die andere der Weissen. Sie erweckten eine solche Unruhe in der Stadt, daß Papst Bonifacius VIII. sich gezwungen sahe, dem Grafen von Valois [1216] die Commißion aufzutragen, daß er dahin reisen, und den Tumult stillen mögte. Nach genugsamer Einziehung und Erkundigung der Sachen, daß die Faction der Weissen Anlaß zu der erregten Unruhe gegeben, befand sich Dantes Aligheri zum grösten Unglück mit unter denselben.

Indem nun besagte Faction der Weissen aus Florentz verjaget wurde, so muste auch er in seiner Abwesenheit an dem Päpstlichen Hofe, als wohin er wegen des Friedens war geschickt worden, nicht allein die betrübte Zeitung erfahren, daß man sein Haus zerstöret, und seine Land-Güter geplündert habe, sondern er wurde noch darzu in den Bann gethan. Ohngeachtet er alle Mühe anwendete, wiederum in seinem Vaterlande aufgenommen zu werden, so war doch alles umsonst und vergeblich, sondern das Schicksahl hatte beschlossen, daß er seine übrige Lebens-Zeit im Exilio zubringen sollte. Er beschloß dahero, sich zu rächen, und suchte bald den damahligen Fürsten zu Verona, Canem Scaligerum, bald den Kayser Henricum VII. dahin zu vermögen, daß sie mit einer Armee Florentz besuchen mögten.

Sonst soll er an unterschiedenen Orten während seines Exilii sich aufgehalten haben, weil man aber in Benennung der Zeit und der Oerter keine Ubereinstimmung bey den Scribenten antrifft, indem es auf unterschiedene Art vorgetragen wird, so kan man auch deswegen keine Gewißheit angeben. Wenigstens kan man versichert seyn, daß seine erste Ausflucht nach Verona zu einem von den Scaligeris, welcher Alboinus geheissen, und vor den ältesten Bruder des Canis Scaligeri gehalten wird, gewesen. Sechs Jahr darauf nach seinem angetretenen Exilio ging er nach Ravenna zu dem Marquis von Malaspina, woselbst er bis an sein Ende, welches an. 1321 im 56. Jahre seines Alters erfolgte, verblieben. Daß er sich aber, wie einige vorgeben, auch nach Paris gewendet, und daselbst seinen Kummer und Betrübniß durch Studia und fleißiges Disputiren zu vertreiben gesucht, wird von andern gäntzlich verworffen.

Er hinterließ einen Sohn, welcher zu Verona practiciret, und ein Advocat gewesen, von dem auch sein Geschlechte fortgepflantzet worden, und sind viel berühmte und vornehme Männer hernach daraus entsprossen. Einige nur hievon zu berühren, so war Petrus Dantes in grossen Ansehen, welcher das Leben des Dantis Aligheri, wie Philelphus von ihm berichtet, soll geschrieben haben. Ein andrer Dantes lebte zu Verona, der von den Florentinern ersucht worden, wieder zu ihnen zu kommen, so er aber abgeschlagen, und sagt man, daß er zu Mantua, wohin er sich retiriret, da die Venetianer Veronam belagert, in gröster Armuth sein Leben beschlossen habe. Es ist hierbey zu bemercken, daß die Nachkommen des Aligheri mit der Zeit den Namen Aligheri abgelegt, und nur Dantes sich genennet haben.

Auf seine Schrifften endlich zu kommen, so sind derselben unterschiedliche. Er schrieb Italiänische Gedichte, worunter die Comödie von der Höllen, Fege-Feuer und Paradieß, welches eine hefftige Satyre ist, gelesen zu werden, wohl verdienet, und hat Christophorus Landinus, Alexander Vellutellus, und andre mehr, Anmerckungen hinzugesetzt; zu geschweigen desjenigen Streits, welcher sich zwischen Iacobo Mazzonio, und Belisario Bulgarino, erhoben. Mazzonius vertheidigte des Aligheri Gedichte wider die Critiquen eines, Namens Castravillae, Bulgarius widerlegte den Mazzonium, und kamen auch noch andre mehr dazu, die sich in diesen Streit mit einliessen, worunter sonderlich Hieronymus Zobbius bekannt ist.

[1217] Es hat ferner dieser Dantes einen Tractat de Monarchia mundi, darinnen er das Recht des Kaysers wider den Papst behauptet hat, imgleichen epistolas und L’amoroso convivio, so zu Venedig an. 1551 gedruckt worden, herausgegeben.

Er soll ein moröser und verdrießlicher Mann dabey gewesen seyn, auch sich selber eine Grabschrifft kurtz vor seinem Tode gemacht haben. Auf den obern Theil seines Begräbnisses zu Ravenna stehen die Worte: Honori et virtuti.

Bayle. Petrarcha Memorab. II. 4. Freherus Theatr. Erudit. p. 1421. Jovius in Elogia. Valerianus de Literat. infelicit. p. 37. Trithemius de Script. ecclesiast. p. 305. Gesneri Bibl. Brullart. Academ. des sciences T. II. Pocciancius de Script. Florent. Rubeus Hist. de Raven. VI. Vollaterranus Comment. Urban. XXI. Masson. in Elog. T. II. Villan. IX. 135.