Zedler:Astrolabium

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
fertig
<<<Vorheriger

Astrojus

Nächster>>>

Astrolabium Aequinoctiale

Band: 2 (1732), Spalte: 1950–1953. (Scan)

Astrolabium in Wikisource
Astrolabium in der Wikipedia
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für WP  
Literatur
* {{Zedler Online|2|Astrolabium|1950|1953}}
Weblinks
{{Wikisource|Zedler:Astrolabium|Astrolabium|Artikel in [[Johann Heinrich Zedler|Zedlers’]] [[Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste|Universal-Lexicon]] (1732)}}
mit dem Scan von MDZ vergleichen  


Astrolabium ist ein Astronomisches Instrument, welches auf der Fläche eines ieden grossen Circuls der Himmels-Kugel, als z. E. des Horizonts, Aequatoris, Mittags-Circul, die vornehmsten und nöthigsten Circul derer Sphären per projectionem darstellet, wie sie uns erscheinen würden, wenn unser Auge in der Axe eines solchen grossen Circuls, als in der Axe, die durch das Zenith gehet, in der Axe derer Welt-Polen, in der Axe, welche die beyden Puncte, so der Aequator in dem Horizont bemercket, durchsticht, sich befünde, und so hoch über der Kugel erhaben wäre, daß es die gantze Helfte derselben könnte übersehen, und sie dem Auge als eine Circul-Fläche aussähe.

Man bedienet sich dieses Intruments nicht allein die Höhen derer Sterne über dem Horizont damit zu erforschen, sondern man kan auch alle phaenomena der ersten Bewegung dadurch erklären, die man sonst vermittelst des globi coelestis und sphaerarum armillarium denen Anfängern begreiflich macht. Z. E. man zeiget auf demselben, wie aus dem gegebenen Orte der Sonnen in der Ecliptic dieser ihre Declination zu bestimmen und der Parallel-Circul zu designiren, den die Sonne den vorgegebenen Tag über beschreibet; imgleichen wie man die ascensiones rectas et obliquas, differentias ascensionales, amplitudines ortivas et occiduas derer Sterne untersuchen; wie man dadurch bey Tage mit Bey-Hülfe der Sonnen, und des Nachts mit Zuziehung der Sterne die Zeit finden soll, und was dergleichen problemata primi motus noch mehr sind.

In Ansehung des Gebrauchs theilet man die Astrolabia in universalia und particularia ein; und zwar wird Astrolabium universale dasjenige genennet, so auf alle Pol-Höhen gerichtet ist, und an allen Orten des Erdbodens kann gebraucht werden; hingegen Astrolabium particulare heisset, welches nur auf eine gewisse Pol-Höhe gerichtet ist, u. folglich nur von denenjenigen zum Gebrauch kan angewendet werden, welche unter einerley latitudine geographica wohnen.

Von der ersten Art, nemlich den universalen, hat man bisher sonderlich dreyerley derselben sich bedienet.

Das erste ist das Astrolabium universale des Genimae Frisii, eines Doctoris Medicinae und berühmten Mathematici zu Löwen, welches das Auge in den Polum des Meridiani und Coluri solstitiorum zugleich, oder in den Punct des wahren Auf- und Untergangs setzet, und die Projection auf das planum coluri solstitiorum, das man mit dem Meridiano als ein einiges planum, wie [1951] sich solches täglich wegen des motus diurni zweymal zu ereignen pfleget, consideriret, verrichtet. Es beschreibet derselbe dieses sein inventum in einem besondern Tractat, so mit seiner und des Petri Apiani Cosmographia zu Antwerpen an. 1584 in 4. heraus gekommen, und zeiget darinnen dessen Gebrauch und Nutzen sehr weitläufftig. Man kann dieses Instruments des Frisii sich noch gar wohl bedienen; jedoch ist dieser Fehler dabey, daß sowol die Meridiani als Paralleli gegen die Mitten zu, viel genauer als gegen den äussern Theil des Plani zusammen kommen, wodurch verhindert wird, daß man die Grade um die Mitten des Instruments nicht sowol als gegen dessen Extremität bemercken kann.

Das andere Astrolabium universale ist von Joh. de Rojas, einem Spanier, erfunden und in einem besondern Wercke an. 1550 beschrieben worden. Es hat dasselbige ebenfalls zu seinem Fundamental-Plano, oder plano projectionis den Colurum Solstitiorum, der mit dem Meridiano in einer Fläche stehet, da das Auge wiederum in der Axe dieses Plani, aber nicht, wie in dem vorigen des Frisii, in dem Polo des Coluri, sondern in einer weit grössern, oder, wie man zu reden pfleget, unendlichen Entfernung zu stehen, und alle Puncte des untern Hemisphaerii anzuschauen, concipiret wird, also daß die Radii, die von diesen Puncten auf das Auge zu gehen, nicht so wohl unter einander als gegen der Axe, wegen der unendlichen Weite beständig parallel zu lauffen scheinen, und demnach alle solche Perpendicular-Linien mit dem plano dieses Coluri wieder eine besondere Section auf solchen machen, die man sonsten ein Analemma zu benennen pfleget. Jedoch weilen durch diese Projection die Meridiani gegen die äussere Circumferenz, wie auch die paralleli gegen die polos zu, gar zu genau zusammen treffen; so ist dieses Astrolabium um eben der Ursachen willen, wie das vorige, zum Gebrauch etwas unbequem.

Nachdem de la Hire, der ältere, Königl. Professor Mathematum und Mitglied der Academie der Wissenschaften in Paris, die gedachten Mängel an diesen zweyen Astrolabiis wahrgenommen, so ist er gegen das Ende des vorigen Seculi darauf bedacht gewesen, ein dergleichen Instrument auszusinnen, welches denen Mängeln derer vorigen nicht unterworfen seyn, sondern die Weiten gedachter Cirkel von einander fast in einer Gleichheit darstellen solte, damit sie mit denen Cirkeln auf dem Globo besser mögten überein kommen; welches Vorhaben er auch bald darauf glücklich erreichet, und wird dessen Erfindung, wie auch die andern gedachten Astrolabia universalia nebst den particularen des Ptolemaei in des Bions Tractat von Astrolabiis, so an. 1702 zu Paris unter dem Titel l’usage des Astrolabes tant universels, que particulieres heraus gekommen, beschrieben; und gedachter Instrumente Construction und Gebrauch sehr deutlich gezeiget. Hieraus hat Prof. Doppelmayer in Nürnberg dasjenige genommen, was er in der dritten Eröffnung der Mathematischen Werck-Schule des Bions von der Verfertigung und Gebrauch derer gedachten Astrolabiorum anführet.

Noch ein anders Astrolabium universale hat Jo. Stoflerinus an. 1510 in einem besondern Wercke beschrieben; wiewol er sich nicht vor den ersten Erfinder davon ausgiebet.

Unter denen particularen Astrolabiis [1952] kömmt des Ptolomaei seines heutiges Tages absonderlich noch in Consideration. Es hat dasselbige zur Fundamental-Fläche, worauf die gantze Vorstellung der Sphaere geschiehet, das Planum des Aequatoris, oder eines jeden andern Cirkels, der mit jenem parallel läuffet, wie Z. E. in Ansehung unserer, die wir in dem mitternächtigen Theile der Kugel wohnen, das Planum des Tropici Capricorni dazu angewendet wird. Bey der Projection selbst bildet man sich ein, als stünde das Auge in dem Polo antarctico, so daß der Mittel-Punct des Astrolabii den Pol. arcticum darstelle, und verzeichnet alsdenn die vornehmsten Cirkel der Sphäre auf der Fundamental-Fläche, wie sie dem Auge im gedachten Orte erscheinen.

Das Instrument selbst bestehet aus 2 Platten, auf deren einer alle Cirkel beschrieben sind, die bey einer jeden Pol-Höhe gegen die Fläche des Tropici Capricorni einerley Verhältniß haben. Z. E. die Stunden-Cirkel, die Cirkel derer geraden Ascensionen, Declinationen, Längen und Breiten, imgleichen die Ecliptic; welche Platte deswegen auch bey allen Pol-Höhen kann angewendet werden. Auf der andern Platte trifft man diejenigen Cirkel an, die mit der Pol-Höhe veränderlich sind. Z. E. der Horizont, Vertical und Höhen-Cirkel und so weiter, und welche demnach nur auf eine gewisse Pol-Höhe gerichtet ist.

Die Beschreibung dieses schönen Instruments, sowol, was die Verfertigung als den Gebrauch anlanget, trifft man in des Bions gedachten Tractat, wie auch in Doppelmayers angemerckten Wercke ausführlich an.

Sonst theilet man auch die Astrolabia in Aequinoctialia u. Polaria ein; und heisset dasjenige Aequinoctiale, wenn man das Auge im Anfange des Widders oder Wage setzet, und die Projection verrichtet; Polare hingegen, wenn man das Auge in einem von denen beyden Polis zu stehen sich einbildet.

Wer gründlichere Erkäntniß von denen Astrolabiis und ihrem Gebrauch verlanget, kan des Dechales 4 Bücher de Astrolabiis, so in dem 4ten Tomo des Mundi Mathematici sich befinden, ingleichen das dritte Buch der Optic des Tacquets p 179 seqq. Operum Mathem. nachschlagen; und findet man bey dem Dechales nicht nur, wie man alle sphärische Triangel ohne Trigonometrische Rechnung durch das Astrolabium universale auflösen kan; sondern es zeiget auch derselbe de navigatione Lib. III. prop. 19. p. 225. Tom. III. Mundi Mathem. wie man die Abweichung des Magnetens von Norden durch Hülffe des Astrolabii finden soll.

Christophorus Clavius hat auch ein weitläuftiges Buch von dem Astrolabio geschrieben, welches mit unter seinen Operibus Mathem. zu finden, darin er zwar alles sehr tieff demonstriret, aber so verwirret, daß Tacquet nicht glauben kan, daß jemand sich die Mühe gegeben, u. das gantze Buch mit Bedacht durchgelesen.

Die Astrolabia haben auch zur See nicht geringen Nutzen, um die Höhen der Sterne dadurch zu observiren, wovon Fournier Hydrograph. X. nachzusehen; wiewol man sie heutiges Tages nicht mehr sonderlich brauchet, sondern derer Quadranten sich davor bedienet. Das gemeine See-Astrolabium bestund nur aus einem dicken Cirkel von Meßing, dessen Rand in seine grade und einige geringere Theile eingetheilet war; das Instrument selbst war mit einem beweglichen Linial mit Dioptren und einem Ringe versehen, bey dem man das Astrolabium frey aufhängen konte; wie solches Metius Doctrinae Sphaericorum III, 1. u. [1953] Bion in der Mathematischen Werck-Schule VII. 2. ausführlich beschreiben.

Endlich gebraucht man sich auch des Astrolabii in der Geometria practica, wenn man Weiten und Höhen ausmessen soll, wovon Mallet Geom. pract. II. p. 139. seqq und Bion in seiner Mathematischen Werck-Schule IV. 3. 4. weitere Nachricht ertheilen; ja daher ist es kommen, daß man insgemein alle Instrumente, deren man im Felde, die Winckel zu messen, sich bedienet, Astrolabia zu nennen pfleget.

Die Astrolabia werden von einigen auch Planisphaeria genennet; wiewol dieser Name denenjenigen Astronomischen Instrumenten vielmehr zukommt, welche die Himmels-Kugel mit allen Gestirnen auf der Fläche des Aequatoris oder einen von seinen Parallelis durch projection darstellen; dergleichen Bion sowol in dem Tractat de l’usage des globes, als auch in einem besondern Tractätlein, und daraus Prof. Doppelmayer in der dritten Eröffnung der Mathematischen Werck-Schule desselbigen, der Kunst-liebenden Welt mitgetheilet.