Zieh Dich aus, Petronella

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Textdaten
Autor: Kurt Tucholsky
(unter dem Pseudonym Theobald Tiger)
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Titel: Zieh Dich aus, Petronella
Untertitel:
aus: Erstfassung: Ulk Jg. 49, Nr. 1, 1. Januar 1920; Zweitfassung: Tucholsky Gesamtausgabe Bd. 4 Ziffer 4
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1919/20
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag:
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Erstfassung: Digitalisat des Ulk mit Illustration; Zweitfassung: Roger Stein, Das deutsche Dirnenlied, 2006, S. 311-312
Kurzbeschreibung:
Siehe Dirnenlieder
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Fassung im Ulk, Januar 1920[Bearbeiten]

[4]

An eine für viele


Spielst du Sudermann oder Maeterlinck,
oder spielst du Mietze Stuckert:
dann denk, es ist ein eigen Ding
das Herz, das unten puckert.

5
Es atmet klamm das Publikum,

es gäb was drum, es gäb was drum –
     Erhöre nur sein Flehen:
     Das Publikum will sehen …
          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus!

10
          Denn du darfst nicht ennuyant sein,

          und nur so wirst du bekannt sein –
          Und es jubelt voller Lust das ganze Haus:
          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus!

Nicht bei Lulu nur, nicht bei Wedekind,

15
ist der Platz für deine Reize.

Je nackter deine Schultern sind,
je mehr sagt man: „Das kleid se!“
Es aalt sich wohlig das Parkett:
Wie ist die nett! Wie ist die nett!

20
     Das Hemd kann sie vergessen –

     Das sind doch Kunstinteressen …
          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus!
          Denn du darfst nicht ennuyant sein,
          und nur so wirst du bekannt sein –

25
          Und es jubelt voller Lust das ganze Haus:

          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus –!

Was in alter Zeit nur ein einziger sah,
ja, das solln jetzt alle sehen!
Der Gymnasiast, die Großmama:

30
vom Kopf bis zu den Zehen!

Die Orléanssche gibts nicht mehr:
Zeig alles her! Zeig alles her!
     Trag du als Iphigenie
     Dessous, und zwar recht wenige …

35
          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus!

          Denn du darfst nicht sündenbar sein,
          und nur so wirst du ein Star sein –
          Und es jubelt voller Lust das ganze Haus:
          Zieh dich aus, Petronella, zieh dich aus –!

Zweitfassung[Bearbeiten]

Zieh Dich aus, Petronella
Für Gussy Holl im "Schall und Rauch"
Musik: Friedrich Hollaender

Spielst du Sudermann oder Maeterlink
oder spielst du Mieze Stuckert
dann denk: es ist ein eigen Ding
das Herz, das unten puckert!

5
Es atmet klamm das Publikum,

es gäb was drum, es gäb was drum,
erhöre nur sein Flehen:
das Publikum will sehen.

Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!

10
Denn du darfst nicht ennuyant sein,

und nur so wirst du bekannt sein;
und es jubelt voller Lust das ganze Haus
"Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!"

Nicht bei Lulu nur oder Wedekind

15
ist der Platz für Deine Reize,

denn je nackter Deine Schultern sind,
je mehr sagt man: "Det kleid se!"

Als Iphigenie trägst Du nur
'ne Armbanduhr, 'ne Armbanduhr,

20
ich seh den weissen Nacken,

wie schön sind Deine Backen!

Zieh Dich aus Petronella, zieh Dich aus!
Denn du darfst nicht ennuyant sein,
und nur so wirst Du bekannt sein;

25
und es jubelt voller Lust das ganze Haus

"Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!"

Und begleitet Dich nach Dein Souper
Dein Amant in Deine Wohnung,
hüllt er Dich ein bei Eis und Schnee

30
in Nerz mit zarter Schonung.


Stehst Du vor ihm so bloss und blass
Mit ohne was, mit ohne was,
Spricht er zu Dir, Cokettchen,
Vor Deinem weissen Bettchen:

35
Zieh Dich aus Petronella, zieh Dich aus!

Denn Du wirst ja darin flink sein
Und es kann ja bloß Dein Ring sein!
Und ich klatsch auf Deinem Rücken den Applaus
"Zieh Dich aus, Petronella, zieh Dich aus!"

Erläuterungen (Wikisource)[Bearbeiten]

Der Text ist eines der bekanntesten Dirnenlieder Tucholskys, das er für Gussy Holl schrieb, die es im "Schall und Rauch" zur Musik Friedrich Hollaenders 1920 vortrug. Es macht sich über den "Dirnentrend" und die "platte erotische Darstellung auf der Bühne lustig" (Stein, S. 311).

Dem Abdruck im "Ulk" Januar 1920 ist eine Zeichnung von Stüdemann beigegeben (Lebensdaten nicht ermittelt).