Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 44

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Von etlichen seltzamen handlungen, die sich bei zeiten herrn Gotfridt Wernhers freiherrn von Zimbern zue Mösskirch und in der herrschaft zue Guetenstain begeben haben.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 428–438
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[530] Von etlichen seltzamen handlungen, die sich bei zeiten herrn Gotfridt Wernhers freiherrn von Zimbern zue Mösskirch und in der herrschaft zue Guetenstain begeben haben.

Es ist umb die jar 1514 zu Guettenstain ein man
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gewesen, Jacob Algewer, ein fromer, gotzförchtiger man, derhalben in der bös gaist angefochten und den in ain solche fantasei und bekömmernus gepracht, das er immerdar vermaint, er müeß verderben. Uf ain zeit ist im ain ochs

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[429] gestorben, hat in der bös feindt wider also angefochten, das er mermals im sinn gehapt, sich umbzubringen, derhalben er ain meser im Dahanloch begraben, sich damit zu seiner gelegenhait zu erstechen. In kürze darnach hat in
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der bös gaist[1] abermals angefochten, das er sich umbbringen solle, derhalben er ins Dahanloch, ist ain wüster dobel, gangen, des fürsatzs, das er sich umbpringen welle. Wie er nun dahin kommen und das meser gesucht, hat er das nit mehr finden kinden, derhalben ungeschafft wider heim
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gangen. Wie er nun uf die bruck kommen, ist im in sinn gefallen, er soll wider umbkeren, er werde das messer finden. Also hat der arm mann dem malimorti wider gewillfart, umbkert und fleißiger gesucht. Do hat ers gefunden und nach langer deliberation hat ine doch letzstlich der bös
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feindt überwunden, das er im selbs ain stich in hals geben, das im der athem außgangen. Dieweil aber der stich etwas zu kurz angangen, hat in der bös gaist wider angefochten, noch ain stich zu thon, aber der allmechtig Gott hat dem bösen Satan söllichs nit zugeben, sonder dem armen man
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diese gnad bewisen, das er in dem, wie er den stich abermals gefasset, gesprochen: »Das walt Got und unser liebe Fraw!« So baldt er das gesagt, hat er kain chraft oder willen gehapt, im selbs was weiters args zuzufüegen. Indess haben sich ein grose anzall böser feindt sichtbarlichen vor
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im erzaigt, die haben in geworfen, geschlagen und also zugerüst, das er ain haut an allem seinem leib nit anders, dann wie ain rinden, hat bekommen, und wie er hernach an seim todbet bekennt, hat er gesprochen, es seien mehr böse gaister domals bei und umb in gewesen, dann laub
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und gras. Nach solchem allem haben in die bösen gaister verlassen, und ist der guet arm mann durch den willen Gottes an die Schmeihen hinüber kommen, und dieweil es im Julio beschehen und das wetter ganz warm gewesen, sein die bremen und mucken an in kommen, die haben in
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an die wunden an hals gestochen; ist er am wasser an der Schmeihen gesessen und hat das unzifer abgeweschen. Do sein ungeferdt etlicher seiner verwanten, die zu Schmeihen dem dorf seßhaft gewesen, zu im kommen, die haben ine erkennt und, als sie vermerkt, das im nit recht zu sinn,
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haben sie den casum geen Guettenstain entbotten. Do

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[430] haben in sein weib und die nechste freundt holen lassen. Uf dem weg ist er ganz schwach worden, also, wie er geen Guettenstain kommen, hat er an den pfarrer daselbst, genannt herr Gregori Spet, begert mit dem hailigen
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sacrament versehen zu werden. Der hat aber söllichs gewaigert, mit vermelden, dieweil er in ain solche verzweiflung kommen und also gehandelt, werde er im das sacrament nit raichen, wie dann solchs in canonibus höchlichen verbotten. Hierauf er bei einer gemaindt zu Guettenstain also angehalten, das
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sie für iren herren, herr Gotfridten Wernhern, geworben, dem haben sie alle handlung fürbracht. Dieweil dann dozumal die pfaffen das küsin mit den dreien zipflen in henden und sich in vil wenigerm niemands gegen inen einlassen dörfte, [531] wellt herr Gotfridt Wernher sich hierinen auch
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nit verdiefen, sonder ließ die sach an bischof Haugen von Costanz langen. Derselbig gab den beschaidt, waverr der arm mann an seiner rewe über die sündt und begangne thatten beharrete, sollte in der pfarrer absolviern und im das sacrament raichen. Das beschach. Der guet mann
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beharrete nit allain an seiner rew, sonder begerte, man solte im nur ein kleins stücklin am sacrament geben, waver an aim partikel solte difficultirt werden, mit dem vermelden, er könte und würde nit sterben, er were dann vorhin mit dem hailigen sacrament nach christenlicher ordnung
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versehen. Also wie er in seinem fürnemen beharrete, hörte in der pfarrer, obgenannt, beicht, versahe in wie ain christenmentschen, und nit in ainer halben stunde darnach starbe er selligclichen; wardt zu Guettenstain ins geweicht begraben.
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* [1531] Diser herr Gregori ist auch ain pfarrer zu Pfullendorf gewesen; da[2] het er uf ain zeit offenlichen an der canzel gebrediget vom wichwasser, was das für tugenden und gaistliche craft, namlich da es in ainem guten glauben und fürsatz uf ain grab werde gesprenzet, und ob schon ain
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dicker stain uf dem grab lege, so möge doch das wasser durch den stain und alle dicke der erden penetriren[3], auch der seel, da sie im fegfeur, zu fürstand irer erledigung helfen. Nun ist aber domals ein burger alda gewest, ain selzamer, einfürer man, genannt Petter Schorndorf, nam sich
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schalksnarrenweis an, ain schneider seins handtwerks. Der was

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[431] gewon, ain großen, braiten, grawen hut zu tragen, und do man im schon das weichwasser in der kürchen gab, so zoch er den hut nit ab. Dessen gewaret sein pfarrer, maister Gregori, zu oftermal, vermaint nur, er wer villeucht
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von den secten und rottengaister verfürt, sprach ine derhalben uf ain zeit gütlichen darumb an, was er hiemit gemaint, und da schon er der cristenlichen ordnung und des weichwasser das nit wellt zu verklainerung gethon haben, so weren doch andere leut, die darauf achtung geben und
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bei denen es auch ein ergernus brechte, mit anderm bericht mer, darzu dienstlich. Der maister Petter zaicht im widerum an, daz er söllichs zu verklainerung des weihwassers oder der cristenlichen ordnung gar nit thete, sonder, dieweil er zu oftermal het geprediget, das weichwasser durchtrünge
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die dicke stain und diefe der erden biß ins fegfeur, und er dann seinen predigen gewisslichen glaubt und in denen kain zweifel oder bedenken het, so künte nit felen, da er schon den braiten, dicken filzhut ufbehielte, so würde ime das weichwasser multo minori negotio den hut auch
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leuchtlichen durchdringen. Der pfarrer wust nit, was er sagen sollt, war geschwaigt, dann er konte seiner predigen nit laugenbar sein, so wust er auch sonst nichts an dem zeltsamen man zu gewinnen, wüscht das maul und gieng darvon. Er hett, wie man sagt, was guts darfür geben, das
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er geschwigen, oder aber das es in secreto beschehen und nit sovil leut weren darbei gewest. * Umb die zeit ungefärlich ist ain burger zu Mösskirch gewesen, Paule Hebenstreit genannt, ein söllich einfür und streitig man, als man den zu selbigem mal finden het
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kinden. Der ist seiner seltzamen weis sonderlichen verrüempt gewesen. Uf ainmal in der fassnacht ist er zu etlichen gueten gesellen, als zu Paule Bader, Petter Schneider und ander in des alten Jacob Rennisfelds haus kommen. Dieweil aber menigclichem bewist, das er ain vorders bös,
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ungezempts weib, ist ain frag in der zech fürgefallen, welcher das gehorsamest und gevolgist weib. Das ist nun alles uf den Hebenstreit angesehen gewesen. Derselbig hat sich dieser frag halber herfür gethon und sich seiner hausfrawen guetwilligkait vil ußgethon. Darauf hat die ganz companei
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gewettet umb das geloch, wer das verliere. Also hat der Hebenstreit ein knaben zu seim weib geschickt und begert, sie solle im ain zipfel von irem pett schicken. Wiewol nun

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[432] das weib ungern gewilfaret, iedoch hat sie mit schaden den ain zipfel vom bet abgeschniten und den dem hauswürt zugesandt. Hiemit hat der Hebenstreit wider irer aller verhoffen das gewett redlich gewonnen gehapt. Das ist nun
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also ansteen bliben biß uf die nechstkünftige ostern, und als ainest vor jaren zu Mösskirch der geprauch gewesen, das der predicant oder pfarrer uf den ostertag nach der predig ein gueten, lecherlichen schwank gesagt, da hat herr Adrian Dornfogel solchs an die handt genomen, nach der
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predig uf künftigen ostertag von dem Paule Hebenstreit und seiner frawen geprediget, wie gehorsam, wie gevölgig sie im seie, darumb er billich als ain maister in seim haus vor andern, als ain seltzams und ungewonlichs, zu Mösskirch soll gerüempt werden, auch billich das christenlich, herrlich
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lobgesang, das Christ ist erstanden, vor menigclichem soll anfahen zu singen. Das hat den einfürn mann verdrossen, so hoch, das er überlaut in der kirchen uf den pfarrer geschworen, sprechendt, er welt, das er alle plagen het, im zu gefallen zu singen müeß ers doch nit thon; damit ist er
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zu der kirchen hinauß gangen, dess dann iederman gelachet, und hat niemands under den mannen singen wellen. Hierrauf herr Adrian, der pfarrer, gesagt: »Ist das nit zu erbarmen? ich hab den mennern, als dem edler und würdiger geschepf, uf heutigen tag und billich die ehr wellen
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zumessen, das sie maister im haus seien, so hats keiner, auch der, so sich dess billich und mit der warheit hat rümen kinden, annemen wellen. Damit aber etwar die maisterschaft im haus hab, waver eine under den erbarn frawen, die sich in irem haus maister sein gedunkt, die soll das
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herrlich lobgesang mit frewden anfahen. Der pfarrer konte das wort nit außreden, es wolt keine under den weibern die letzst mit singen sein, es fiengen iren zumal ob den hunderten an. Hernach wardt von dieses singens wegen ain söllichs gespai under der burgerschaft, das vil ain bösers
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zu besorgen was, der[532]halben herr Gottfridt Wernher solche und dergleichen facetias uf der canzel zu treiben ernstlich verbotten, welches auch also biß uf unsere zeiten gehalten würt. Dieser Paule wolt nit Paule Wech haisen, damit muest
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er sich vil erleiden. Er wardt hernach über vil jar ain wächter zu Mösskirch. Wie er nun in ainer nacht die wacht uf dem thurn versahe und umb miternacht die stund außruefen

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[433] wolt, wie gebreuchlichen, do fuer etwas ungehewr vor den laden hin, das griff im in mundt, zerret und krümpt im den, das hernach die übrig zeit seins lebens im sollichs nit wider vergangen, sonder für und für das zaichen antragen müeßen.
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So ist auch der zeit ain arme dienstmagdt zu Mösskirch gewesen, hat hin und wider gedienet, ist genannt worden Greta, am Markt. Die hat sich keiner mann oder jungen gesellen angenomen oder denen zu pank steen wellen, sonder hat die jungen döchter geliept, denen nachgangen und
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gekramet, auch alle geperden und maniern, als ob sie ain mannlichen affect het, gebraucht. Sie ist mehrmals für ain hermaphroditen oder androgynum geachtet worden, welches sich aber nit sein erfunden, dann sie ist von fürwitzigen muetwilligen besucht und als ain wahr, recht weib gesehen
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worden. Zu achten, sie seie under ainer verkerten, unnaturlichen constellation geporn worden, aber bei den gelerten und belesnen find man, dergleichen vil bei den Graecis und Remern begegnet, wiewol dasselb vilmehr den bösen sitten deren verderbten und mit sünden geplagten nationen, dann
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des himels Iauf oder dem gestirn, zuzumessen. Zu zeiten sein hievor und auch bei unsern zeiten weiber in manns- und dann man in weibsklaider wandlen, dienen und alle officia ußrichten befonden worden, als ich dann von dem alten herrn cammerrichter, graf Wilhelm Wernhern von
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Zimbern, mehrmals gehört, das er ain koch, wie er das kaiserlich camergericht versehen, bei sich gehapt, der die gestalt eins weibs im angesicht, des gangs und geperden, auch in der rede. Der hab in der bestallung clärlichen außgedingt, das er all nacht in aim bett allain ligen und nachts niemands
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bei sich haben oder gedulden wellen. Das ist im nun gehalten worden, und hat getrewlichen gedienet und wol gekochet. Zu bekreftigung des argkwons, das er ain weibsbildt gewesen, hat er treffenlichen wol spinnen künden, und so er desshalben angeredt, hat er gesprochen: »Ich mueß
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wol spinnen, dann wer wolt mir sonst gedüchs genug geben?« Derselbig koch ist auch in aim solchen verdacht, als er sein versprochen zeit außgedienet, hinweg kommen, das hierin kain weitere erkundigung beschehen. Got waist den grundt. So haben wir bei wenig jaren erfaren, das ain gemaine fraw
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sich in mannsklaider verklaidet, die jungen gesellen an sich gezogen, under andern des burgermaisters Hanns Conrat Hettingers son von Rotweil, der dozumal zu Freiburg im

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[434] Breisgew studirt. Den hat sie an sich gehenkt, mit im ins feldt spaziern gangen, letzstlich hat sie in ermürdt und plinderet, auch an ain girtel gehenkt, also das menigclich anders nit gewist, dann er hab sich selbs entleibt. Aber in
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aim jar darnach ist der trug offenbar worden, und hat die bestia iren verdienten lone darab bekommen; dann sie ist in manskleidern zu Rotweil gefangen worden und, als sie peinlichen gefragt, hat sie vil böser stuck, die sie begangen und auch dozu geholfen, bekennt, under anderm auch, wie
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sie den gueten jungen studenten, wie oblaut, zu Freiburg ermürt und zu ablainung alles argwons den mit der gurtel ufgehenkt hab. * [1468] In disem [1514] jar hat sich ain großer lerman im land zu Schwaben begeben und ward den grafen von
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Fürstenberg ir schloß Wartenberg[4], in der Bar gelegen, von aim edelman ingenomen und geplünderet. Das schickt sich also. Es hett herzog Ulrich von Würtenberg bei sich zu hof ain edelman, hieß Jerg Staufer von Blossen-Staufen[5]. Der überkam umb was schlecht sachen sprüch und
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vordrungen zu grave Wilhalmen zu Fürstenberg, welcher dozumal noch in seiner jugendt und ain wilder graf, auch vil bei dem herzogen zu hoff war. Es hett ainest graf Wolf von Fürstenberg, graf Wilhalms vatter, disen Jergen Staufer neben ander edelknaben uferzogen, möcht im villeucht was
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für sein abfertigung versprochen haben oder vermacht; das wolt hernach nit gelaist werden, und vermaint graf Wilhalm, er wer im nichts schuldig, sollt seine ansprachen lengest ußtragen haben. Das wolt der Staufer nit gut haisen, möcht auch sein, das er darauf wer gestift worden. Daher
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erwuchs aller unwill zu baiden tailen, und wolt[6] kainer dem ander nachgeben. Dieweil sie dann baiderseiten unverträgenlich leut waren, must die fründtschaft besorgen, [1469] das nichs guts darauß volgen. Darumb so nam sich der landtvogt zu Nellenburg, schenk Christof von Limburg, des handels
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an und vertrueg sie mitenandern. Nit waiß ich, was die ursach, es kam hernach ain missverstandt darein und wolt der graff den vertrag anders vermerken, dann der Staufer, und derhalben dem in allen puncten nit nachkomen, wie

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[435] dann Staufer vermaint beschehen söllt. Derhalben, wie graff Wilhalm das, so dem Staufer durch schenk Christoffen gesprochen, nit laisten und dessen der Staufer in mangel stehn, do waren sie abermals zu unfriden. Darauf schrib der
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Staufer dem grafen ain vecht zu. Solchs gab graf Wilhalmen wenig zu schaffen, nams uf die leicht achsel und schluegs in wind. Indess begab sich, das grave Wilhalm von Fürstenberg ins Niderland must verraisen; so war auch sein jünger bruder, graf Friderich, nit zu landt, sonder biß anher
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in Braband bei erzherzog Carlin, dem prinzen von Hispanien, erzogen worden. Derhalben, dieweil er dennost des Staufers halb in sorgen sten must, gleichwol er sein sonst wenig achten thet, do beschrib er graff Christoffen von Werdenberg, als seiner nechsten verwanten ainen, zudem derselb
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der fürnembst graff der zeit in Schwaben war, gen Mülhaim. Mit dem handlet er in beisein[7] Wolfen von Honburgs und Jergen von Röckenbachs und befalch im in seinem abwesen und verreiten, alle seine und seins bruders sachen, land und leut zu versehen und zu bestellen, als ob die sein aigen
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weren. Darauf fur er darvon. Nichs desterweniger aber hett sich der Staufer hin und wider bei denen vom adel beworben und ain namhafte anzal pferdt bekommen; zudem het er sein ufenthalt im Hegew uf Twiel bei denen von Klingenberg, die sich in alle hendel inmischen theten und
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ie verderben wollten, als auch zu letzst beschach. Also in obermeltem 1514 jar nach ostern do schrib der Staufer obermeltem grave Christoffen, bat in, er wellt sich der vecht nichts annemen, auch ime mit seinen reiter den pass vergonnen und die ire pfening lassen zeren; erpott sich
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gleichwol darneben rechtens für herzog Ulrichen, dessen dann Fürstenberg und er domals diener und hoffgesindt waren. Darneben aber hett er sich an aim ander ort, nemlich im Hegew, beworben und überfiel ganz unversehenlich bei angehender nacht das schloß Wartenberg. Das nam er mit
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listen ein und was er fand von silbergeschir, briefen und ander, das im gefellig und darvon bringen mögt, das nam er in der eil mit im dahin. Dessgleichen fürt er mit im gefengclich darvon den amptman der graffschaft Fürstenberg, Jergen von Reckenbach, auch ain, genannt der Schmelz.
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Iedoch in seinem abschaiden do verließ er hinder im vier-

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[436] zehen personen seins kriegsvolk und ain kranken, geschedigten knaben, die solten das schloß in seinem namen und von seinen wegen inhaben, er aber fur mit dem raub darvon. Was das für schimpf und ain spott, das gib ich aim
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ieden zu bedenken. Iedoch, so baldt dise geschwinde that ußbracht, do maneten die überigen fürstenbergischen amptleut, auch die im Kinziger thal und in der Ortnaw eilends uf und mit der landtschaft do belegerten sie Wartenberg an allen orten. Dieweil aber des Staufers zusatz weder mit
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proviand oder anderm in die harr gefasst und derhalben das schloß nit getrawten zu erhalten, zu dem der Staufer die besten vögel mit im hinweg, do gaben sie es gleich uf, iedoch uf gnad und sicherung. Das ward inen gehalten und darauf gen Fürstenberg gefürt. Nichs destoweniger bewarb
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sich der Staufer noch weiter und giengen allerhand reden auß, als ob etlich pferdt und kriegsvolk, bei 6000 stark, im Berenthal sollten ligen; dessgleichen befand sich was reuterei und kriegsgewerb umb[8] Wirmlingen und dem Spaichinger thal. Derhalben dann die fürstenbergischen amptleut
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in tausent lesten standen, schreiben eilends graf Christoffen von [1470] Werdenberg, als irem superintendenti, mit beger, inen etliche pferd zu schicken, auch sein landschaft im fal der not ufzumanen und uf der Alb, auch anderstwa kundtschaften einzunemen, auch, da sich was weiters angriffs
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zutragen, er mit macht zuziehen möcht. Graff Cristof erpott sich vil, und möcht villeicht sein, grave Cristof hett hievor den sachen wol fürkommen künden, ward aber angehenkt und verliederlichet, wie es hievor mit der herrschaft Bickenbach auch war[9] ergangen. Iedoch ist er zu herzog Ulrichen
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geriten, bei dem hat er angehalten, ain einsehens zu haben, damit die sachen gestillt und weiter angriff verhüet werde, seitmals sich der Staufer so stark zu ross und zu fuß het beworben. Also war der herzog gleich gutwillig und erpott sich underhandlung. Darauf verordnet er seine zwen räte und
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ampleut, Dieterich Spetten und Hanns Lenharten von Reischach, das die sampt und neben grave Cristoffen sich der sach underfahen und vertragen sollten. Das beschach, und kam der graf sampt den iezgeherten vom adel gen Geisingen[10] zusamen. Do ward die vecht ufgehept und die gefangen
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gegen ainandern gelediget; die ansprach aber und die

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[437] hauptsach, mit allem anhang, sollt zu herzog Ulrich gütlichen oder rechtlichen usspruch und entschid sten, welches dann in vier monaten den nechsten hernach beschehen sollt. Dessgleichen sollten die gefangen baiderseits gen
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Sigmaringen zu handen graff Cristofs gestallt und gegen ainandren abgewechslet werden. Dise abred vertrags ward von baiden tailen angenommen. Da man aber die gefangnen gen Simeringen sollt liferen, do stiß[11] es sich bei den fürstenbergischen amptleuten, die wollten sich desshalben zuvor bei
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irem herren, graff Wilhalmen, beschaids erholen, zu dem wollt graf Wilhalm die abred nit bewilligen und thet im die schmach wehe, das im ain solcher spott und schimpf von aim edelman sollt begegnen. Darumb erclagt er sich des gewalts bei kaiser Maximiliano und wollt vil des orts
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ußrichten, gleichwol er schlechten beschaid erlangt. Graf Cristof war übel zufriden, das die amptleut mit den gefangnen nit pariren, auch daz graf Wilhalm in die abred nit wolt bewilligen. Darum schrib er ernstlich dem graffen und seinen amptleiten, dergleichen beschwert und erclagt sich
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der Staufer des verzugs und nithaltens gegen Würtenberg. Also ward grave Wilhalm letstlich sovil erinneret, wess er mit graff Cristoffen verabschidet, auch wie und was gehandlet, das er doch die abred bewilliget und anname[12]. So ward auch die hauptsach durch den herzogen verglichen. Darauf
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gab der Staufer allen raub, den er uf Wartenberg genommen, darunder zwai fürstenbergische insigl, wider, gleichwol vil hernach gezweifelt, es seien die besten brief und documenta darvon defalcirt und underschlagen worden. Der, dem nichts verborgen, waist die recht warhait. Jerg von
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Reckenbach, der fürstenbergisch amptman, auch der Schmelz waren hiezwüschen im land zu Würtenberg und mertails zu Geppingen enthalten worden, die warden auch wider ledig. Wie dises Reckenbachs son hernach geraten und ain mann darauß worden, das kompt hernach in diser historia an
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gebürendem ort. Dise ganze handlung und vecht mit dem Staufer, die doch der zeit in unser landtsart ain große turbam und entperung geben, ist, so man den rechten grund ansicht, ußer ainer geringen und klainfüegen ursach entsprungen und soll der erst anfang, wie die alten gesagt, von
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aines pferds wegen, das graf Wilhalm dem Jergen Staufer

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[438] versprochen und darnach nit geben wellen, gewest sein; und ob gleichwol der graf recht gehapt, so hat er doch des fals unweislich und dörlich gehandlet, das er sein grafschaft und reputation wider ain sollichen klainfüegen man und ain
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schlechten, verdorbnen vom adel hat aventuirt und bewegt, darab auch in seinem abwesen ain solche schimpfliche kappen ingenomen. Das sollt im ain ieder ain denkzedel und witzigung sein lassen, sich mit [1471] solchen verdorbnen leuten und denen es gleich gilt, es gang ob oder under
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sich, einzumischen. Diser Jerg Staufer, wie hoch im der herzog Ulrich partisirt, so ist er doch hernach nit der wenigsten ainer gewest, die dem herzogen widerig und in haben helfen vertreiben (deitscher ist hievon nit zu schreiben). Mit herr Dieterich Spetten ist er, als man sagt, ain
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kuch und aier gewest. Mir gedenkt noch wol, als ich in meinen kindtlichen jaren von Philips Echtern zu Mespelbron ward von meiner anfrawen, der greffin von Werdenberg, erzogen, das uf ain zeit in aller winterskelte bemelter Staufer mit etlich wenig pferdten gen Mespelbron kam und alda
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übernacht war. Es sollt in niemands kennen, dann allain dem alten Echter gab er sich zu erkennen, wollt verholen da sein, und glaub, es hab in herr Jerg truchseß von Walpurg, der statthalter in Würtenberg, in die Wederow, Ottenwald und den stift Menz geordnet, kundtschaften und anders
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einzunemen und zu praticirn. Darumb besorgt er sich auch dermaßen und waren im alle sachen verargwonet, seitmals das land zu Hessen an der hand, do sich der vertriben herzog domals enthielt. Des aubents aber, wie bemelter Staufer zu Mespelbron, so kompt ain bott von Engen von
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graf Jergen von Lupfen, hieß Bastion Hackh, ain guts dockelmendle. Der hett bei aim halben jar darvor bemeltem[13] Staufer zwen welsch pfawen gebracht von graf Jergen, der kannt den Staufer und sagt es menigclichen, gleichwol Staufer domals den vorthail, das in doch, ob er gleichwol
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genennt, niemands, dann der alt Echter, kant. Iedoch so war im hiebei nit gehewer; des andern morgens in aller früe nam er sein abschidt und fure wider darvon. *




  1. der bös gaist] vgl. J. P. Hebels Karfunkel.
  2. da] hs. das.
  3. penetriren] hs. penetiren.
  4. Wartenberg] vgl. hierüber Münch, Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg II, 7 ff., und ebendas. IV, 409 ff.
  5. Blossen-Staufen] Crusius, Schwäbische Chronik II, 28; Blassenstauffen; Heyd, Ulrich, Herzog von Württemberg I, 181.
  6. wolt] hs. wol.
  7. beisein] hs. besein.
  8. umb] hs. und.
  9. war] hs. vor.
  10. Geisingen] hs. Geisingingen.
  11. stiß] hs. siß.
  12. anname] hs. annamen.
  13. bemeltem] hs. bemelter.