Zlatorog

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Titel: Zlatorog
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 195
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[195] Zlatorog. (Zu dem Bilde S. 177.) Hoch in den Julischen Alpen, wo die stolzen Felszinnen des Triglav in die Thäler des Isonzo und der Sawe niederschauen, ist die Sage vom Zlatorog zu Hause. Inmitten der Felsenwildnis des gewaltigen Bergstocks war ehemals eine immergrüne Trift voll herrlichster Alpenblumen, die im Schutze gütiger Feen stand. Ein Rudel schneeweißer Gemsen weidete auf dieser Stätte; der Bock, der es führte, mit den goldenen Krickeln, der Zlatorog, war durch den Zauber der „weißen Frauen“ vor der Kugel verwegener Alpenjäger gefeit. Denn wird er angeschossen, so erblüht aus seinem Blute das Zauberkraut der Triglavrose; von diesem Kraute äst der wunde Gemsbock, wodurch er augenblicklich wieder gesundet. Wenn es freilich je einem Weidmann gelänge, den Zlatorog daran zu hindern und dessen goldne Krickeln zu erbeuten, dann wäre er im Besitz des Mittels, zu unerhörtem Reichtum zu gelangen: vor dem goldnen Gehörn öffnet der Berg Bogatin seinen schoß, und siebenhundert Wagen vermöchten nicht die Schätze fortzubringen, die sich dort aufgehäuft finden. Nun kam einmal ein junger Jägersmann aus dem Thal der Trenta in diese Reviere, der sich als Waise der besonderen Gunst der weißen Frauen des Triglav erfreuen durfte. Er dringt zu dem Zaubergarten empor, erblickt den Zlatorog und legt auf ihn an – da ertönt eine Geisterstimme, die ihn warnt: von den Blumen der Trift dürfe er pflücken soviel er wolle, aber den Gemsbock müsse er schonen, sonst sei es sein eigen Verderben. Unten im Thal hört er von einem alten Hirten und der glutäugigen Sennin Spela, die ihr Herz an ihn verliert, die Sagen des Thals, und als er im Wirtshaus an der Isonzobrücke die Liebe des schönen Töchterleins der Wirtin gewinnt, ist er des Spruchs der Feen eingedenk und holt aus dem Wundergarten droben für sein Lieb die herrlichsten Blumen, die auch im Winter noch blühen. Ein reicher Handelsherr aus Venedig, der in das Thal kommt, huldigt der Schönheit des blonden Mädchens aber mit glänzenderem Schmuck aus Gold und Edelstein, und als der Jäger, aufflammend in Eifersucht, die Braut zurechtweist, antwortet sie ihm: wenn seine Liebe die rechte sei, hätte er ihr längst, statt der Blumen des Zaubergartens, etwas von den Schätzen gebracht, zu denen das goldne Gehörn des Zlatorog den Zutritt verschaffe. Da steigt der Jäger, von der ihm nacheilenden Sennin Spela vergeblich gewarnt, empor in das Revier der weißen Frauen und legt auf Zlatorog an, der, auf einem Felsstück stehend, vorwurfsvoll zu ihm herüberäugt. Der Schuß fällt, die Gemsen stieben auseinander, Zlatorog stürzt getroffen zusammen, rafft sich aber sogleich wieder auf und äst von den roten Blüten, die aus seinem Blute hervorwachsen. Dann enteilt der Bock ins Felsengeklüst, und als der Jäger ihm nachfolgt, wendet er sich plötzlich um, Blitze zucken aus seinem Gehörn, und der Verfolger wird vom Schwindel erfaßt und stürzt in die Tiefe. Von jener Stunde an aber verließen die weißen Frauen den Triglav und die ewig grüne Blumentrift verschwand unter Felsentrümmern. In der reizvollen Ausgestaltung, welche die alte slovenische Alpensage durch Rudolf Baumbach vor zwei Jahrzehnten in der ergreifenden Dichtung „Zlatorog“ gefunden hat, ist sie zum Gemeingut all der vielen geworden, welche sich von der hier angeschlagenen frischen Weise angezogen fühlten. Die schöne Dichtung Baumbachs, in der sich die großartige Alpenwelt der südlichen Kronländer Oesterreichs in prachtvollen Bildern spiegelt, hat seit ihrem Erscheinen 59 Auflagen erlebt und zählt heute zu den beliebtesten ihrer Gattung.