Zu den bittersten Kriegsnachwehen

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Titel: Zu den bittersten Kriegsnachwehen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 268
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
vergl. Der Invalidendank
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[268] Zu den bittersten Kriegsnachwehen gehört die nachträgliche Störung so mancher tüchtig und mit Glück betretenen Lebensbahn. Die Zahl der jungen Männer, welche durch den Krieg erst ihre Gesundheit und dann noch ihre frühere Lebensstellung verloren haben, ist gar nicht gering. Der Staat hat allerdings gethan, was er konnte: er giebt den so hart Geschädigten Pension und ertheilt ihnen Civilversorgungs-Berechtigung. Da es aber sehr schwer ist, letztere geltend zu machen, so muß manche junge tüchtige Kraft feiern und darben zugleich, wenn auch das Lazareth sein Möglichstes an ihr gethan hat. Von ganz besonderer Härte ist solch ein Schicksal – solch ein Lohn für den Vaterlandsdienst mit allen seinen Entbehrungen und Gefahren –, wenn der junge Mann den Kreisen höherer geistiger Ansprüche, der Künste, Wissenschaften und Kunstgewerbe angehörte und, aus rührigster Thäthigkeit gerissen, nun nicht nur völlig brach gelegt ist, sondern des Lebens Blüthezeit dahinschwinden sieht mit kaum anderer Aussicht als der auf ein frucht- und freudeloses Leben.

Wir kennen einen solchen jungen Mann, welcher, studirter Jurist, vor dem Kriege als praktischer Beamter eine anständige Stellung hatte. Diese verlor er in Folge seiner Invalidität und wollte er in dieselbe Carriere zurücktreten, so hätte er den Dienst so ziemlich von vorne anfangen müssen. Seit noch nicht einem Jahre wieder gesund, ist nun derselbe auf Grund seiner Civilversorgungs-Berechtigung bei sämmtlichen Behörden des Königreichs Preußen, bei sämmtlichen Reichsbehörden vorstellig geworden und hat überall die nämliche Antwort bekommen: „Wegen der Menge der Bewerber sei zur Zeit die Annahme seiner Person unmöglich.“ Er hat sich vergebens bemüht, eine Privatstellung zu erlangen bei der Versicherungsbranche, als Privatsecretär, bei Eisenbahnen etc. Er hat eine für seine Verhältnisse bedeutende Summe (circa sechzig Thaler) für Annoncen ausgegeben; Alles umsonst. Institute zur Unterbringung der Invaliden, wie „Invalidendank“ und andere, haben ihm auch nicht genützt. Kurz, er hat Alles, Alles probirt, überall gebeten, überall gebettelt, und nirgends ist ihm auch nur der Schimmer einer Hoffnung geworden. Und doch war er sehr bescheiden in seinen Ansprüchen; bei den öffentlichen und Privatbehörden hat er nicht etwa gleich Anstellung verlangt, sondern nur vorläufige Probeaufnahme; bei den Privatleuten hat er nur um kleine Stellen, als Secretär, Cassen- oder Rechnungsführer gebeten. Doch, wie gesagt, Alles umsonst. Man denke sich in die Lage eines solchen Bedrängten. Immer an geistige, anregende Beschäftigung gewöhnt gewesen und nun überall zurückgewiesen, verfällt er allmählich in Trübsinn und Stumpfsinn. Es ist schwer sich vorzustellen, wie erschlaffend und zersetzend eine solche Unthätigkeit auf Geist und Körper wirkt.

Wir haben unseren Lesern dieses einen Mannes Lage vorgestellt, weil wir hoffen, daß auf diesem Wege ihm geholfen werden könne, und stellen uns zur Vermittelung von Anträgen zur Verfügung.