Zum Abschied

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Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Zum Abschied
Untertitel:
aus: In Reih und Glied
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: J. H. W. Dietz
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer:
Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 86–88
Kurzbeschreibung:
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[86]
Zum Abschied.

(Letzte Nummer des „Sozialdemokrat,“ 27. Sept. 1890.)

Ihr habt über ihn das Exil verhängt,
Ihr Ritter von Bibel und Säbel;
Ihr habt an den Fuß ihn der Gletscher versprengt
Und in Englands stickige Nebel;

5
Doch hat er sich allzeit der Feinde erwehrt –

Wo immer er stand auf der Warte,
Es blieb ihm das scharfe, das blitzende Schwert
Und die flatternde rothe Standarte.

Ihr habt ohne Rast, ohne Ruh bis zuletzt

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Mit der kläffenden, geifernden Meute

Den stolzen Verfehmten gejagt und gehetzt –
Wann ward er dem Kleinmuth zur Beute?
Ihr habt ihm die Pässe verbaut und verstellt,
Gelauert auf Wegen und Stegen,

15
Und schwirrende Pfeile vom Bogen geschnellt –

Wann ist der Verfolgte erlegen?

Er hat die Gebote der Wahrheit, des Rechts
Mit hallender Stimme verkündigt
Im Namen des armen, des wehrlosen Knechts,

20
An dem ihr euch dreifach versündigt;

Und ließt ihr auch wirbeln bei Tag und bei Nacht
Die Trommeln in machtlosem Grimme –
Wann habt ihr sie jemals zum Schweigen gebracht,
Die eherne, drohende Stimme?

25
[87]
Er streute den Samen trotz Bann und trotz Acht,

Der tief in die Seelen gesunken;
Er hat sie zu wehender Flamme entfacht,
Die scheinbar ersterbenden Funken;
Er hat eure prahlenden Dämme zerwühlt,

30
Daß sie barsten im Anprall der Fluthen;

Wann hat er die Arme erlahmen gefühlt,
Wann erloschen im Herzen die Gluthen?

Er hegte und pflegte den zartesten Keim,
Es durfte das Hoffen nicht kranken;

35
Er bot allen Kühnen und Freien daheim

Die Freistatt für trotz’ge Gedanken;
Er hat die mahnenden Zeichen der Zeit
Den Schwankenden, Bangen gedeutet,
Er hat die Fanfaren geblasen zum Streit

40
Und die Glocken zum Sturme geläutet.

 
Und nun er gebrochen, der lastende Bann,
Und der heilige Volkszorn gewettert
Und den gestern noch hochmuthgepanzerten Mann
Vom Sessel der Ehren geschmettert, –

45
Nun zum offenen Kampf, der so lange verwehrt,

Sie das Recht jetzt errungen sich wieder,
Nun legen getrost wir Standarte und Schwert
In die Hände der Siegreichen nieder.

Ihr habt unsern Händen sie anvertraut,

50
Um in finsteren, stürmischen Tagen

Den alten Kampfruf in trotzigem Laut
Weithin in die Lande zu tragen. –

[88]
Und was, als ihr so uns zu Kämpfern erhobt,

In des Fahnentuchs purpurne Falten

55
Wir einst euch mit Händedruck schweigend gelobt, –

Wir glauben, wir haben’s gehalten!


Anmerkungen (Wikisource)

Ebenfalls abgedruckt in:

  • Der Sozialdemokrat, 27.09.1890, Nr. 39, Titelseite
  • Das Wort der Verfolgten Seite 153
  • Lavant, Rudolf (d. i. Richard Cramer): Gedichte. Hrsg. v. Hans Uhlig. Berlin, Akademie Verlag 1965 (Seite 43).