Zum hundertjährigen Geburtstage der Königin Louise von Preußen

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Titel: Zum hundertjährigen Geburtstage der Königin Louise von Preußen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 188
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[188] Zum hundertjährigen Geburtstage der Königin Louise von Preußen. Die edle Frau, welche in den schwersten Zeiten Deutschlands auf dem Throne der Hohenzollern saß, ist nicht nur unter den deutschen Königinnen aller Zeiten eine der leuchtendsten Erscheinungen, sie ist ohne Frage die am meisten geliebte unter den deutschen Frauen dieses Jahrhunderts. Ein ganzes Volk erblickt in ihr ein strahlendes, nimmer verblassendes Vorbild, und wenn wir unseren Töchtern auf der Bahn des Guten und Schönen einen Leitstern zeigen wollen, so nennen wir ihnen nur den einen Namen, der uns den Inbegriff echt weiblicher Seelengröße und königlichen Geistes bedeutet, den Namen der besten Fürstin, unserer Königin Louise.

Daß diese Empfindungen der Verehrung und Liebe, welche Deutschland schon in den von Fremdherrschaft und Krieg zerrissenen ersten Decennien dieses Jahrhunderts seiner Königin entgegentrug, noch heute bei uns in ungeschwächter Frische wach sind, das beweist die hingebende Wärme, mit der man im ganzen Reiche sich zur würdigen Feier des 10. März, des hundertjährigen Geburtstages der edlen Fürstin, rüstet. Ein Beispiel statt vieler: Der preußische Minister der geistlichen Angelegenheiten hat durch Circularrescript die Verordnung erlassen, daß in allen Schulen der Monarchie an dem Ehrentage der Königin erhebende Festlichkeiten zum Andenken derselben anberaumt und in den Mädchenschulen den besonders fleißigen Schülerinnen zur bleibenden Erinnerung an die Feier passende Prämien zuertheilt werden. Aber nicht nur schnell verrauschende Feste werden vorbereitet, mit jenem Jubeltage soll auch eine Reihe von dauernden Instituten der Menschen- und Vaterlandsliebe in’s Leben treten, von denen wir statt vieler nur das eine nennen, welches von einem Comité in Berlin unter Vorsitz des Director Marienfeld (Frobenstraße 33) angestrebt wird und dessen Aufgabe in der Bildung eines Louisenfonds besteht, aus dem begabte Kinder aus den Volksschulen bis zur Erreichung der Selbstständigkeit unterstützt werden sollen.

Die „Gartenlaube“ hat der Königin Louise in Nr. 1 bis 4 des laufenden Jahrgangs in Wort und Bild ein ehrendes Denkmal gesetzt, glaubte aber nicht ohne ein Wort pietätvoller Erwähnung den Tag dürfen verstreichen zu lassen, an welchem sich seit der Geburt der erlauchten Mutter unseres Kaisers ein Jahrhundert vollendet.

Königin Louise hat sich das beste Denkmal in dem Herzen ihres Volkes gesetzt – in ihm wird sie unvergänglich fortleben.