Zur Schöpfungsgeschichte der Erde

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Carl Ernst Bock
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Zur Schöpfungsgeschichte der Erde
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 148–152
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[148]
Zur Schöpfungsgeschichte der Erde.

Feuer, Wasser, Luft und Erde, die man früher fälschlich für Elemente ansah, tragen in sofern zur Zusammensetzung unseres Erdballes bei, als sich Feuer im Innern desselben als Centralfeuer (feurig-flüssiger Kern) befindet, Erde und Wasser die Erdrinde rings um den Kern bilden und Luft um die Rinde als Atmosphäre (von etwa zehn Meilen Höhe) lagert. – Unser jetziges Wissen über den Bau der Erde und die Kenntniß der auf dieser herrschenden Naturgesetze läßt nun mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf den früheren Zustand unserer Erde schließen. Wir wissen nämlich, daß die Erde eine Kugelform hat, deren Durchmesser von einem Pole zum andern 1712 Meilen, die Oberfläche gegen 9,260,000 Quadratmeilen (wovon 6,260,000 M. Wasser und 3,060,000 M. Land) beträgt; daß diese Kugel an den Polen etwas abgeplattet ist und daß ihre Temperatur im Innern nach dem Mittelpunkte hin bedeutend zunimmt. Dringen wir ferner von der Oberfläche aus in das Innere der Erdoberfläche ein, so finden sich in verschiedener Tiefe ganz andere Gesteine und die Ueberbleibsel der verschiedenartigsten Pflanzen und Thiere, von denen sehr viele weder mit den unsrigen, noch mit den über und unter ihnen in der Erdrinde liegenden Ähnlichkeit haben. An sehr vielen Punkten lagern Gesteinsschichten mit den versteinerten Resten einer eigenthümlichen Organisation zwiebelschalenartig über einander und diese zeigen deutlich, daß von den höheren Thieren zuerst Fische, dann Amphibien, nach diesen Säugethiere und zuletzt erst die Menschen auf der Erde erschienen. Ebenso nehmen die Pflanzen von außen nach innen in der Erdrinde einen immer einfacheren Bau an und die Anzahl ihrer Arten wird fortwährend geringer, bis zuletzt fast nur solche Pflanzen vorhanden gewesen zu sein scheinen, welche sich in den Steinkohlen wiederfinden. Was aber die Gesteine betrifft, so weist die Chemie ganz klar die Bildung der höher gelegenen Gesteine und Erden aus den tieferliegenden nach. Kurz, Alles deutet darauf hin, daß das Neugeschaffene auf unserer Erde aus dem Untergegangenen erzeugt und dabei immer vollkommener hergestellt worden ist und daß dies wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit auch so fort gehen wird. – Die Wärme des Erdbodens hängt in ihrer obersten Schicht nur von der Sonne ab und diese Sonnenwärme erstreckt sich bei uns zu Lande nur etwa 60 bis 70 Fuß in die Tiefe, in heißen Ländern aber tiefer, in kalten weniger tief. Da wo man nun im Erdboden die Wirkung der Sonnenwärme nicht mehr spürt, befindet sich die sogen. Zone der unveränderlichen Temperatur; der Wärmegrad dieser Zone ist stets gleich der mittlern Jahrestemperatur und diese ist stets niedriger als die mittlere Tageswärme im Sommer, stets höher als die mittlere Tageswärme im Winter. Deshalb ist auch die Temperatur tiefer Keller im Sommer kälter, im Winter wärmer. Unterhalb dieser Zone stammt die Wärme vom Centralfeuer ab und diese nimmt stets auf hundert Fuß Tiefe um einen Grad zu, so daß bei 10,000 Fuß in der Tiefe das Wasser siedet, bei acht Meilen sich eine Wärme von 1800 Grad findet, bei welcher Eisen schmilzt, und bei etwa fünfzehn Meilen alle bekannten Körper feurig-flüssig werden. Demnach dürfte die feste Erdrinde auch nur eine Dicke von etwa fünfzehn Meilen haben können. Allein da wahrscheinlich die Temperatur im Erdinnern nicht ganz gleichmäßig zunimmt, und die Schmelzbarkeit der Stoffe durch den [149] bedeutenden Druck sehr vermindert sein kann, so schätzt man die Dicke der Erdrinde im Allgemeinen auf 20– 50 Meilen.

Die Wissenschaft denkt sich die Schöpfung der Erde etwa so: von der Sonne löste sich einst die Erde und von dieser sodann der Mond ab, wodurch die Erde zum Trabanten der Sonne, der Mond Trabant der Erde wurde. Im Anfange seines Daseins war der Erdkörper ein weit ausgedehnter Gasball, welcher alle gegenwärtig in fester Gestalt vorhandenen Materien in Dunstgestalt enthielt, der sodann bei allmäliger Verdichtung in Gluth gerieth und durch langsame Abkühlung seine spätere Beschaffenheit annahm. Zuerst bildete sich in der Dunstmasse des Erdballs, sei es durch das Streben der schwereren Stoffe nach dem Mittelpunkte oder durch den Druck der äußern Schichten auf die innern, ein festerer Kern aus den schwersten Materien (Metallen), so daß nun die Erde als eine kometenartige Masse im Weltraume dastand, gebildet aus einem glühenden Mittelpunkte und einer weiten Gaszone. Durch Abkühlung des Umfanges des Kernes, welcher natürlich fort und fort neue Metallschichten an sich heranzog und so an Größe zunahm, und in Folge der mannigfaltigsten Verbindungen der Stoffe in der Gaszone erzeugte sich eine Gesteins-Rinde (der Mantel) um den metallischen Kern. Dieser Mantel, vorzugsweise aus Kieselerde mit etwas Thonerde, Talk- und Kalkerde, Kali und Natron, Eisen- und Manganoxyd zusammengesetzt, plattete sich, so lange er noch im flüssigen Zustande war, den Drehungsgesetzen gemäß an den Polen, der Umdrehungsachse der Erdkugel, ab und es entstand von den Polen eine Strömung der Stoffe nach dem Aequator hin, wo sich zuerst ein Gürtel von festen Stoffen bildete. Die Erstarrung des Mantels, welche am Aequator früher vor sich gehen mußte als an den Polen, dürfte nach Versuchen (über die Schmelzbarkeit der Gesteine) erst in etwa 300 Millionen Jahren zu Stande gekommen sein, weil die Hitze von 1600 Grad Reaumur auf 160 Grad herabsinken mußte. – Nach der Erstarrung des Mantels und mit fortschreitender Abkühlung und Verdickung desselben konnte erst das dampfförmige Wasser der Gaszone tropfbar flüssig werden und auf den Erdmantel niederfallen, wodurch eine Scheidung von Luft und Wasser vor sich ging. Vor dieser Trennung muß die mit Wasserdampf erfüllte Luft für die Sonnenstrahlen undurchdringlich gewesen sein und die tiefste Finsterniß auf der Erde geherrscht haben. Das kochend heiße Wasser (Urweltmeer) enthielt höchst wahrscheinlich alle nur möglichen Salze aufgelöst und in der Luft waren alle gasförmigen Stoffe vertheilt. Durch Zerklüftung des Mantels in Folge seiner Abkühlung und Zusammenziehung, sowie durch zahlreiche vulkanische Processe erhielt derselbe eine Menge von Einsenkungen und Erhöhungen, von denen die ersteren das Wasser aufnahmen, die letzteren als glühendheiße Felsen aus dem kochenden Urweltmeere herausragten. Von Zeit zu Zeit brach ein Theil des feurigflüssigen Erdkerns durch die Spalten des Mantels hervor und überströmte die Erdoberfläche, wodurch sich neue Rindenschichten auf dieser bildeten. So war nun mit Hülfe des feurigen (plutonischen und vulkanischen) Processes eine Grundlage für die Erdrinde, und zwar aus den Massen- und Schiefergesteinen erzeugt, auf welcher jedoch noch kein lebendes Wesen existiren konnte, über welcher sich aber, hauptsächlich durch Einfluß den Wassers, neue und zwar für Organismen bewohnbare Erdschichten auflagerten. Diese sedimentären Schichten änderten nicht mehr in Folge großer Erdrevoluten ihren Charakter, sondern ganz allmälig, so daß keine schroffen Grenzen zwischen ihnen zu finden sind, sondern deutliche Uebergänge und diese zeigen sich nicht blos in den Gesteinen, sondern auch in den Pflanzen und Thieren. Mit Zunahme der Dicke unserer Erdrinde nehmen die Organismen an Zahl und Vollkommenheit zu und erst auf der Oberfläche der neuesten Erdschicht erscheint als zur Zeit vollkommenster Organismus der Mensch, dem aber ohne Zweifel auf später über unserer jetzigen Erdschicht sich bildenden Schichten noch vollkommnere Wesen folgen werden. – Zur bessern Uebersicht ließe sich die Schöpfung der Erde in die folgenden Akte oder Perioden theilen:

I. Erste Schöpfungsperiode: reicht, wenn wir von der Loslösung der Erde von der Sonne ganz absehen, vom Festwerden des Erdgasballes bis zum Auftreten von Organismen auf der Erdrinde. Sie schließt die Bildung des feurig-flüssigen Kerns, des Mantels, des Wassers und der Luft, der Massen- und Schiefergesteine in sich.

II. Zweite Schöpfungsperiode: beginnt mit der Bildung der sedimentären Erdschichten und der Organismen und endet mit Erschaffung des Menschen. Während dieses Zeitraumes war die Temperatur auf der ganzen Erde dieselbe und überall eine tropische. Die kohlensäuerereiche Atmosphäre wurde durch die Pflanzen immer ärmer an Kohlensäure und reicher an Sauerstoff gemacht, dadurch aber tauglich für luftathmende Thiere. Einige thierische Organismen (Infusorien, Muscheln, Polypen) consumirten den kohlensauren Kalk des Wassers und bildeten Kalklager; manche Pflanzen eigneten sich dagegen die Kieselsäure an. Diese zweite Schöpfungsperiode durchlief nach und nach den Zeitraum der Fisch-, Amphibien, und Säugethier-Organisation. Aus dieser Periode schreiben sich die Stein- und Braunkohlen, das Kochsalz und alle vorweltlichen Thiere und Pflanzen.

III. Dritte Schöpfungsperiode: beginnt mit dem Erscheinen des ersten Menschen und mit dem Eintritte des Zonenunterschiedes (Eises) und reicht bis zur Jetztzeit. Sie zeichnet sich durch die Bildung der Damm- und Ackererde aus.

Die Massen- oder Urgesteine sind Gemenge aus Quarz (reiner Kieselerde), Feldspath und Glimmer (vorzugsweise aus kieselsaurer Thonerde), Hornblende, Augit und Olivin (hauptsächlich aus kieselsaurer Talkerde), und sonach Mischungen aus Kiesel-, Thon- und Talkerde. Diese Gesteine bilden folgende Gruppen: eine Granitgruppe (aus Granit, Granulit und Syenit), eine Grünsteingruppe (aus Grünsteinen, Diorit, Serpentin), eine Porphyrgruppe (aus Porphyren und Melaphyr), eine Basalt- und eine Lavagruppe (aus Basalt, Dolerit, Trachyt, Phonolith und Lava); man theilt sie auch in granitische, porphyrige und vulkanische Felsarten. Es finden sich die Urgesteine nicht blos in der tiefsten Tiefe der Erdrinde, sondern in Folge vulkanischer Erhebungen auch zwischen den übrigen Erdschichten und über die Erdoberfläche hervorragend, wo sie dann die bedeutendsten Gebirge (mit kuppigen und ruinenartig aufgethürmten Bergen) bilden. In den Gemenggesteinen eingesprengt finden sich an vielen Stellen schwere Metalle und auch Edelsteine (aus dem Kieselgeschlechte: Amethyst, Karneol, Chrysopras und Rauchtopas; aus dem Thongeschlecht: Saphir, Rubin, Smaragd, Topas und Granat; ferner Diamanten aus reinem Kohlenstoff). – Durch den Verwitterungsproceß liefern die meisten der genannten Massengesteine einen ziemlich fruchtbaren Erdboden für die Pflanzen, während ihre Zertrümmerung der Bildung der Schichtgesteine zum Grunde liegt.

Die Schiefergesteine, welche ihre Lage zwischen den unter ihnen liegenden Massengesteinen und den über ihnen befindlichen Flötzgebilden einnehmen, werden von krystallinischen Schiefergesteinen, mit feinblättrigem Gefüge, gebildet, zu denen der Gneiß, der Glimmer- und Talkschiefer gerechnet werden. Der Gneiß ist das unterste Schiefergestein und ein Gemenge aus Feldspath, Glimmer und Quarz, mit Erzgängen. – Der Glimmerschiefer, welcher über dem Gneiß lagert, ist ein schieferiges Gemenge von Glimmer und Quarz und bildet breite Felsrücken mit starken Kämmen, zackigen Gipfeln und schroffen Einschnitten. – Der Talkschiefer aus schieferiger kieselsaurer Talkerde mit Quarz, Kalk und einigen andern Mineralien, steht mit Chlorit- und Serpentinschiefer in Verbindung. – Zuweilen bilden Massengesteine den Kern eines Gebirges, um welchen sich die Schiefergesteine mantelförmig gelagert und vielfach von dieser durchbrochen und durchsetzt zeigen. Häufig ist ihre Schieferstruktur sehr gebogen und gewunden.

Die Sediment- oder Schichtgesteine (mit Versteinerungen) sind theils durch Verwitterung der Massen- und Schiefergesteine, theils durch das Wirken der Organismen, aus einem Wasserniederschlage von Sand, Thon, Kalk und andern Materien und in Folge einer Verhärtung dieser Stoffe durch Hitze und Druck nach der Ablagerung entstanden; besonders verdankt ein großer Theil des kohlensauren Kalkes sein Entstehen den niedern Thieren (Infusorien, Muscheln, Polypen). – Die Dicke der sedimentären Erdschichten beträgt etwa 16.000 Fuß, gegen 3/4 bis eine Meile und soll sich in etwa fünf bis elf Millionen Jahren gebildet haben. – Die Schichtgesteine sind in ihrem mineralogischen Charakter sehr einfach; ihre Grundlage wird von Quarzkörnern, Thon und Kalk gebildet, durch deren Mengung Sandsteine, Schiefer, Mergel [150] u. s. w. entstanden sind. Uebrigens werden die Schichtgesteine an vielen Punkten der Erde in Folge vulkanischer Processe von Massen- und Schiefergesteinen in der verschiedenartigsten Weise gehoben und durchbrochen. Bei genauer Untersuchung der Schichtgebilde zeigt sich, daß die Meeresbildungen bedeutend vor den Süßwasserbildungen vorherrschen und daß nur zur Zeit der Stein- und Braunkohlen eine üppige Landvegetation existirt habe. – Zu Anfange der Sedimentbildungen scheint auf der Erde nur Wasser, Luft und eine Anzahl das Wasser überragender Felsengruppen, kein Flachland vorhanden gewesen zu sein. Im Wasser begann sodann das Leben mit der Entstehung von Pflanzen und Thieren, denen die Riffe ihre Entstehung verdanken. Durch Verwitterung der Felsen an ihren Gipfeln und Füßen, und durch Lösung von Felsstücken mit Bildung von schuttartigem Gerölle, sowie in Folge des Hinwegführens des Verwitterten durch Wasser und Winde bildete sich allmälig Strand um die Felsen und mit dem Fortschreiten der Strandbildung entstand Flachland zwischen den Felsen. Jetzt entwickelte sich auf dem Lande eine tropische Pflanzenwelt, welche die Luft durch Reinigung von der Kohlensäure zuerst zum Athmen für Amphibien, dann für Vogel und Säugethiere, und endlich für den Menschen tauglich machte.

I. Die Fisch-Steinkohlenperiode, die erste sedimentäre Epoche, welche die Grauwacken-, Steinkohlen-, Rothliegende-, Zechstein- und Kupferschiefergruppe (das Cambrische, Silurische, Devonische und Permsche System) in sich schließt, zeichnet sich in ihrem Beginne (in der Grauwackengruppe) nur durch die zahlreichen Seethiere und die üppigen Meerpflanzen aus. Ihnen folgten später die riesenhaften Landpflanzen (der erste Urwald), welche zum großen Theil in Steinkohlen verwandelt wurden, in denen aber die Spuren von Insekten, Schaben und scorpionartigen Thieren gefunden werden. Am Ende dieser Periode scheinen gewisse Meerthiere der früheren Zeit schon untergegangen und dafür andere vorhanden gewesen zu sein; auch tritt hier zuerst ein eidechsenartiges Reptil (der Proterosaurus) auf. – Die wurmartigen Graptolithen, die jetzt versteinert, als fast körperlose Zeichnungen im dunklen Grauwackenschiefer noch zu finden sind, scheinen die ersten Meerbewohner gewesen zu sein, ihnen folgten dann Polypen (Haarsterne), später Mollusken (Muscheln und Schnecken), krebsartige, den Kellerasseln ähnliche Thiere (Trilobiten) und Fische. Mit oder vielleicht schon vor den Graptolithen existirten im Urweltmeere krautartige Gewächse (Tangen) von knorpliger oder lederartiger Beschaffenheit, wahrscheinlich braun oder roth gefärbt, ohne Blätter und Blüthen, frei im Wasser schwimmend. – Die Fische, waren Knorpelfische, den Rochen und Haifischen ähnlich und mit festen, breiten und höckerigen Zähnen bewaffnet, besaßen alle (wahrscheinlich wegen der großen Hitze des Meerwassers und der starken Brandung an den Felsen) einen dicken Panzer, welcher entweder aus großen oder kleinen Hornplatten, die mit verschiedenen Höckern oder langen Stacheln besetzt waren, bestand, oder aus rautenförmigen Hornschuppen, die an ihren Kanten meist durch vorspringende Zapfen und Fugen der nächstliegenden Schuppe eingefügt waren. Die Cephalaspiden sahen den Schildkröten ähnlicher als Fischen, denn ein solider aus großen starken Schildern zusammengesetzter Panzer bedeckte den Kopf und Rumpf auf der Rücken- und Bauchseite. Der Körper hatte eine flache Drachen- oder Rochenform mit kurzem kegelförmigen Schwanze. Die Cölacanthinen waren große, starke, plumpe Fische mit einem dicken Kopfe und weiten, mit zahlreichen kräftigen Zähnen besetzten Maule; der Körper war mit großen, starken, emaillirten Schuppen gleichmäßig bedeckt. – Die ersten Landpflanzen waren, weil die wasserreiche Atmosphäre für die Sonnenstrahlen noch nicht gehörig durchdringbar war, höchst wahrscheinlich große holzige Pilze, wie aus Versteinerungen in der Grauwacke hervorgeht. Nach ihnen fanden sich die Pflanzen der Kohlenperiode (Farrenkräuter und Bärlappe, Schachtelhalme und Schuppenbäume), welche zum größten Theil gänzlich von den jetzt existirenden Pflanzenformen abweichen. – Von den Wirbelthieren fand man in der obersten Schicht dieser Periode, also im Zechstein und Kupferschiefer, ein eidechsenartiges Reptil, den Proterosaurus, welcher am Ufer von Fischen gelebt zu haben scheint. Neuerlich ist aber schon in der Steinkohlengruppe der Schädel einer froschähnlichen Eidechse (Archegosaurus) entdeckt worden, die ebenfalls ein räuberischer Meeruferbewohner gewesen sein dürfte.

Die Gartenlaube (1854) b 150.jpg

II. Die Amphibien-Kalksteinperiode, die zweite sedimentäre Epoche, welche aus der Trias-, Jura- und Kreidegruppe besteht, eine Dicke von 4 – 5000 Fuß besitzt und sich in etwa 11/2 bis 4 Millionen Jahren gebildet hat, besaß außer den Farren und Schachtelhalmen, auch noch Palmen, Nadelholz- und Laubholzbäume, und ist besonders wegen der zahlreichen und wundersam gestalteten Amphibien interessant. Vorzüglich spielen die eidechsenartigen Amphibien (die Saurier) ebenso im Meere, wie auf dem Lande und in der Luft eine große Rolle. Auch Schildkröten und Krokodile gab es, nicht aber Schlangen und Froscharten. Aus dem versteinerten buntgefleckten Kothe (Koprolithen) der Meersaurier werden jetzt Schmucksachen gemacht. – Die Labyrinthodonten (Trematosaurus, Zygosaurus, Mastodonsaurus, Capitosaurus, Archegosaurus), mit Haifischzähnen aus merkwürdig gewundener Zahnsubstanz, scheinen die merkwürdigsten und ältesten aller untergegangenen Amphibien des Landes gewesen zu sein. Ihr schlanker Kopf, der allein näher bekannte Theil, gleicht im Allgemeinen dem der gemeinen Eidechse; der bei einigen plumpe, kurze und breite, bei anderen wahrscheinlich schlanke und lange Rumpf mit langem Schwanze und kurzen, plumpen Gliedmaßen, von denen die vordern kürzer, als die hintern waren, war von feinen hornigen Ziegelschuppen bedeckt und an der Kehle saßen drei große Knochenplatten (Kehlpanzerplatten). Die Labyrinthodonten bildeten ein Gemisch von Eidechse, Frosch, Krokodil und Schildkröte und hatten etwa die Größe eines großen Schweines. Ihre Fußstapfen (im bunten Sandsteine) hatten eine große Aehnlichkeit mit dem Eindruck, der durch die Hand eines Menschen hervorgebracht werden kann. – Die Enaliosaurier, Meersaurier, Meereidechsen, im Meere lebend, waren fischähnliche, etwa 15 bis 20 Fuß lange Eidechsen mit großen flossenförmigen Gliedmaßen und nackter Wallfisch-Haut; die eine Gattung derselben mit großem delphinähnlichen Kopfe, kurzem Halse, kurzen und breiten Flossen, dickem gedrungenen Körper und langem Schwanze, erhielt den Namen Ichthyosaurier (Fischeidechsen), die andere mit kleinem, schmalen, krokodilähnlichen Kopfe, langem Halse und längern, schmälern Flossen, nennt man Plesiosaurier (Nachbareidechsen); zu den Plesiosauren scheinen auch die Seedrachen oder Halidrakonen mit kleinem Kopfe, großen Fangzähnen, langem Halse und langen Flossen, kurzem Rumpfe und langem Schwanze, gehört zu haben (als Nothosanrns, Dracosaurus, Pistosaurus, Simosaurus, Conchiosaurus). – Dinosaurier (Megalosaurus, Mosasaurus, Hyläosaurus, das Iguanodon) waren riesenhafte, bis 100 Fuß lange, plumpe Landeidechsen oder Krokodile mit Klumpfüßen. – Die Flugsaurier, Pterodoctylen, waren fledermausartige Thiere, nackte, fliegende Eidechsen, nicht größer, als unsere jetzigen Fledermäuse. [151] Man denke sich ein Geschöpf von der Größe eines Sperlings oder einer Krähe im Rumpfe, das einen langen dünnen Hals hat, von dem ein großer mit schnabelförmig verlängerten Kiefern versehener Kopf getragen wird und man hat, wenn man mit dieser Gestalt die vordern langen und die hintern kürzern Fledermauspfoten verbindet, das vollständige Bild einer Lufteidechse. – Die Fußstapfen von riesenförmigen Sumpfvögeln finden sich im bunten Sandsteine; übrigens existirten schon eine Menge der verschiedensten Vögel in dieser Periode.

Die Gartenlaube (1854) b 151 1.jpg

III. Die Säugethier-Sandsteinperiode, die dritte sedimentäre Epoche, aus Nummulitengebirge, Braunkohle und Molasse, enthält neben den Meeres-, auch noch viele Süßwasserablagerungen und eine Menge Säugethierreste. Die Braunkohlen sind zum größten Theile die Ueberreste von Cypressen, Palmen und Nadelhölzern. Diese Periode scheint in kürzerer Zeit, als die vorige verlaufen zu sein, denn ihre Dicke beträgt kaum 1000 Fuß und ihre Bildungszeit dürfte nicht viel über ein Drittel Million Jahre gedauert haben. – Von den Säugethieren der Tertiärschicht gehören die meisten zur Ordnung der Dickhäuter, wohin auch unser Elephant, Nashorn, Pferd und Schwein gehört. Am häufigsten waren plumpe tapierartige Pflanzenfresser (Paläotherium, Lophiodon, Coryphodon etc.). Sie hatten einen mit kurzen anliegenden Haaren dicht bekleideten Körper, eine rüsselförmige mäßig lange Nase, vorn 4, hinten 3 Zehen. – Das Anoplotherium, ein zweizehiges Hufthier, welches von Gras lebte und etwa die Größe des Esels hatte, ist das erste Thier mit einfach gespaltenem Fuße und einem langen, bis zum Boden reichenden kräftigen Schwanze; es scheint eine pferdeartige Schnauze gehabt und in schlanker (Xiphodon) wie in plumper Form existirt zu haben.– Das Dinotherium, ein wallroßähnliches pflanzenfressendes Seethier von 15 – 20 Fuß Länge, hatte auf einem kurzen dicken Halse einen wallfischähnlichen Kopf mit 2 Stoß- oder Fangzähnen, die aus der untern Kinnlade nach unten hervorragten; der Rumpf war spindelförmig und mit Flossenfüssen. – Das Zeuglodon (Hydrarchos, Basilosaurus, Dorudon, Squalodon), fälschlich für einen Saurier gehalten, ist ein wallfischähnliches Säugethier, nur etwas schlanker, aber nicht größer als unser Wallfisch und mit einem seehundsähnlichen Kopfe versehen. – Das Sivatherium war ein Wiederkäuer von sehr großer und plumper giraffenähnlicher Gestalt, dessen Kopf dem des Elephanten glich. – Faulthiere von elephantischer Größe sind: das Megatherium, Megalonyx und Mylodon; kleinere Gürtelthiere: das Glyptodon und der Holophorus; das größte Nagethier war das Toxodon. – Das Hippotherium ist dem Pferde ähnlich, nur zierlicher und besaß außer dem einen großen Hufe an jedem Fuße noch 2 kleine Afterhufe.

Die Gartenlaube (1854) b 151 2.jpg

Die Diluvialschicht, welche unmittelbar die jüngste Tertiärschicht bedeckt und sich früher, als der Mensch auf der Erde erschien, gebildet haben muß, scheint unter einem ziemlich schnellen Sinken der Temperatur entstanden zu sein, denn man findet wohlerhaltene Thiere (Mammuths in Sibirien) in diese Schicht eingefroren. Der Grund dieser Erkaltung dürfte darin zu suchen sein, daß das heiße Innere der Erde der Oberfläche derselben nicht mehr die frühere Wärme spendete. – Von den Thieren der Diluvialschicht sind besonders das Mammuth, der Höhlenbär und die Höhlenhyäne, die Elephanten, Nashörner, Flußpferde und die Riesenhirsche mit großem Geweihe erwähnenswerth. – Das Mammuth ist eine Art Elephant, aber mit viel längeren und stärker gekrümmten Stoßzähnen, und einer borstigen, langbehaarten, der des wilden Schweines ähnlichen Haut. – Das elephantenähnliche Mastodon (oder Ohiothier), war größer als unser Elephant, und findet sich vorzugsweise im Westen.

Die Gartenlaube (1854) b 151 3.jpg

[152] Die Alluvialschicht, welche den Boden für den Menschen bildet, enthält ebenfalls fossile Gebeine, aber nur solche der Gegenwart (selbst incrustirte Menschenknochen), hier und da aber auch losgespülte präadamitische Thierknochen aus der Diluvialschicht. – Die Dicke der Erdschicht, welche sich seit dem Bestehen des Menschengeschlechts als gebildet nachweisen läßt, beträgt gegen 200 Fuß und daraus ist zu schließen, daß der Mensch schon 70 bis 100 Tausend Jahre bestehen muß. Die 5793 Jahre, welche die jüdische Aera seit Erschaffung der Welt zählt, würden nur 16 Fuß Bodendicke zulassen. – Da die Processe, welche die Alluvialschicht erzeugten, ohne Unterlaß fortdauern, so wird diese Schicht fortwährend an Dicke zunehmen, und die Erdoberfläche, durch Verwitterung der Gesteine immer flacher werden müssen. Der Mensch geht dann vielleicht auch leiblich allmälig ganz unter, wie die früheren Geschöpfe, so daß alsdann über dessen fossilen, im Alluvium begrabenen Gebeinen neue und vollkommner organisirte Wesen auf der neugebildeten Erdoberfläche zwischen anders gestalteten Pflanzen- und Thierarten herumwandeln. Doch wer kann das wissen.

NB. Man glaube nun aber ja nicht etwa, daß an jedem Punkte der Erde die oben erwähnten Schichten der Erdrinde alle gerade so über einander lagern, wie sie ausgezählt wurden. An vielen Stellen fehlt diese oder jene Schicht, an andern sind dagegen in Folge vulkanischer Processe die einen Schichten durch und zwischen die andern geschoben.

(B.)