Die Erschaffung unserer Erde

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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Die Erschaffung unserer Erde
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 54–57
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Erschaffung unserer Erde.

So wunderschön wie jetzt, war es nicht immer auf unserer Erde. Es gab Zeiten, wo sie weder von Menschen, noch von Thieren und Pflanzen belebt war, auch wuchsen höchst wahrscheinlich einstens schon Pflanzen auf derselben, bevor noch Thiere hier ihren Wohnsitz aufschlugen, und Thier und Pflanze existirten ganz gewiß schon lange, und zwar in ganz anderer Gestalt als jetzt, ehe der Mensch zwischen ihnen erschien. Ja, man hat guten Grund zu vermuthen, daß die Erde bei ihrem ersten Entstehen vor Millionen Jahrtausenden nichts als ein Gasball aus dunstförmiger Nebelmasse war, der sich allmälig verdichtete, dadurch in Glut gerieth, so eine glühende Kugel darstellend, und, indem er an seiner Oberfläche langsam abkühlte, eine feste Rinde erhielt. Diese Rinde, welche dadurch, daß sich an derselben fortwährend neue Erdschichten an den alten anlagerten, immer dicker wurde und auf welcher nach und nach die verschiedenartigsten Mineralstoffe, Pflanzen, Thiere und Menschen zum Vorschein kamen, umgibt auch jetzt noch einen, das Innere unseres Erdballes bildenden, feurig-flüssigen Kern (das sogen. Centralfeuer) und hat zur Zeit eine Dicke von durchschnittlich etwa 15–20 Meilen erlangt. Dieses Centralfeuer theilt natürlich den untersten oder innersten Schichten der Erdrinde eine nicht unbedeutende Wärme mit, die aber nach der Oberfläche der Erde hin immer geringer werden muß, so daß sie von uns gar nicht mehr gespürt wird, denn die jetzige Erdoberfläche erhält ihre Wärme nur von der Sonne. Daher kommt es nun, daß je tiefer man in die Erde eindringt, die Schichten derselben und die zwischen diesen fließenden Wässer um so wärmer werden, und daß man endlich bei fortgesetztem Eindringen an einem Punkte ankommen muß, wo Alles schmilzt. Die 163 zur Zeit noch bestehenden Vulcane (s. Gartenlaube 1. Jahrg. No. 3 und 4) sind nichts anderes, als Abzugskanäle für den Erdkern, durch welche ein Theil des feurig-flüssigen Inhaltes desselben (als Lava) ausgebrochen wird, sobald im Innern der Erde solche Revolutionen zu Stande kommen, durch welche beim Mangel an Oeffnungen in der Erdrinde ausgebreitete, zerstörende Erdbeben hervorgerufen werden müßten. Insofern sind also Vulcane die Sicherheitsventile für unsern Erdball und verhindern das Zerplatzen desselben.

Ist die Erde wirklich aus einem Gasballe hervorgegangen, so mußte die erste Bildung auf derselben die einer festen Schale um den glühenden Kern sein; eine solche findet sich denn auch und zwar aus den härtesten Gesteinen (Granit und Syenit, Basalt, Porphyr, Grünstein etc.) und den schwersten Metallen gebildet. Wegen ihres Reichthums an Kieselgestein (Silicaten) wurde diese Schale der Silicatmantel genannt und die denselben zusammensetzenden, aus verschiedenen Gesteinsarten gemengten Gesteine, erhielten die Namen „Urgesteine, Massen- oder Gemenggesteine, plutonische Bildungen.“ Nach der Mantelbildung ging als Folge der Abkühlung ohne Zweifel eine Scheidung der Luft vom Wasser unter wolkenbruchähnlichen Regengüssen vor sich, so daß demnach die Erde in ihrer allerfrühesten Kindheit nur aus einem feurigen Kerne und einer festen glühend heißen Rinde um denselben, sowie aus siedend heißem, salzigem Wasser (Urweltmeer) und einer Atmosphäre aus glühend heißer Luft voll Kohlensäure und andern schädlichen Gasen bestand. Während der Luft- und Wasserbildung verdickte sich die Rinde allmälig immer mehr; sie berstete ferner in Folge ihrer Abkühlung an vielen Stellen, erhielt dadurch eine unebene Oberfläche mit bedeutenden Vertiefungen und Erhöhungen, und ein Theil des feurig-flüssigen Inhaltes des Erdkerns ergoß sich durch die Risse in der Rinde auf die Oberfläche derselben, mischte sich hier mit siedendem Wasser und bildete so eine Schicht von Gesteinen über dem Silicatmantel, welche sich durch ihr wellenförmiges, schieferiges Gefüge auszeichnen und deshalb auch Schiefergesteine (aus Gneiß, Glimmerschiefer und Talkschiefer) benannt wurden, auch vulkanisch-neptunische Bildungen genannt werden könnten. – Daß bei einem solchen Zustande auf der Erde noch keine Pflanzen, Thiere und Menschen existiren konnten, ist leicht einzusehen; auch finden sich nirgends Spuren dieser Organismen in den Ur- und Schiefergesteinen. Um die Erdoberfläche für lebende Wesen vorzubereiten, mußte vorher noch die Temperatur sinken und ein erdiger Boden geschaffen werden, auf welchem vor allen Dingen Pflanzen wachsen und Thiere alsdann durch diese Pflanzen ernährt werden konnten. Denn die Pflanze lebt von unorganischen Stoffen, von Wasser, Kohlensäure, Ammoniak und Salzen, das Thier braucht dagegen Pflanzen oder andere Thiere zu seiner Nahrung. Ein solcher Boden bildete sich nun allmälig aus den Ur- und Schiefergesteinen mit Hülfe des Verwitterungsprocesses (d. i. ein Zerstörungsproceß der Gesteine durch die Luft und das Wasser) und wurde von Wasserfluthen (großen Ueberschwemmungen) über die Erdoberfläche, hin verbreitet. Diese Verbreitung geschah theils so, daß das Wasser gewisse Mineralstoffe auflöste, die sich dann entweder als solche oder mit andern zu neuen Stoffen verbunden hier oder da wieder ausschieden, theils dadurch, daß es dergleichen nur mit sich fortriß und später an dieser und jener Stelle wieder fallen ließ. Weil man die Stoffe, welche sich aus dem Wasser und zwar gewöhnlich in Schichten über einander absetzen, Sedimente nennt,

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Die Gartenlaube (1854) b 055.jpg

Schematische Uebersicht der verschiedenen Erdschichten.

[56] so erhielten alle die Erdschichten, welche sich über dem Schiefergestein allmälig auf unserer Erdrinde in Folge von großen Ueberschwemmungen und theils durch Zertrümmerung und Verwitterung des Ur- und Schiefergesteins theils aus Pflanzen- und Thierstoffen bildeten, die Namen „sedimentäre“ oder Schichtgebilde; auch nannte man sie neptunische Bildungen, weil vorzugsweise das Wasser zu ihrem Entstehen beitrug, oder Flötzgebirge (d. i. geschichtete Niederschlags-Gebirge). Erst in diesen Erdschichten findet man die Spuren und Ueberreste von Pflanzen und Thieren, niemals aber die von Menschen, denn diese bewohnten bis jetzt nur die Oberfläche der letzten oder obersten Erdschicht. Die wesentlichen Bestandtheile dieser Flötzgebirge sind Thonerde, Kieselerde und Kalkerde, sie bilden vorzugsweise Thonschiefer, Sandsteine und Kalksteine. Uebrigens lassen sich wegen der auffallenden Verschiedenheit der Pflanzen- und Thierarten in den obern, mittlern und untern sedimentären Schichten diese in 3 Abtheilungen trennen, in die untere oder erste (primäre), mittlere oder zweite (secundäre) und oberste oder dritte (tertiäre) sedimentäre Schicht, von denen aber eine jede wieder aus verschiedenartigen, über einander lagernder Schichten zusammengesetzt ist, so daß die Rinde unserer Erde, wie eine Zwiebel, aus um einander herum liegenden Schalen besteht, die aber an den verschiedenen Stellen unserer Erde von verschiedener Dicke und Form, auch hier und da verschoben und durchbrochen sind.

I. Die unterste oder erste sedimentäre Schicht, (primäre Formation oder primäre Flötzbildung) heißt deshalb, weil in ihr die Steinkohlen und Fische die bemerkenswerthesten Bildungen sind, auch die Steinkohlenperiode oder die Epoche der Fischorganisation. Die Gesteingruppen, welche man in dieser Schicht von unten nach oben über einander lagernd findet, sind:

1. Grauwackengruppe, das älteste Schichtgestein, besteht hauptsächlich aus thonigen und sandsteinartigen Gesteinen, welche mit Lagen von dichtem Kalkstein verbunden sind, nämlich aus Urkalk, Thonschiefer, Grauwacke und altem rothen Sandsteine. Man theilt diese Gruppe auch in eine untere (cambrische), mittlere (filurische) und obere (devonische) Grauwackenschicht.
2. Steinkohlengruppe, aus Steinkohlen zwischen Kalk-, Thon- und Sandsteinlagern. Es lassen sich zwei wesentlich verschiedene Abtheilungen in dieser Gruppe unterscheiden, die untere aus dichtem Berg- oder Kohlenkalk mit viel Meerorganismen und die obere aus Kohlensandstein, Kohlenschiefer und Steinkohlen, mit wenig Resten von Organismen des süßen Wassers.
3. Rothliegendes oder Rothtodtliegendes (jüngerer rother Sandstein), darüber thoniges Grau- und Weißliegendes; ohne Metallgehalt (deshalb todt); die Unterlage des Kupferschiefers.
4. Zechsteingruppe mit dem Kupferschiefer, aus welchem viel Kupfer gewonnen wird und die viel Fischreste enthält. Der Zechstein ist ein thoniger Kalkstein, auf welchem gewöhnlich Gyps, Dolomit (Rauhkalk, Rauhstein, Rauhwacke) und Stinkstein (ein erdiger, theerartigriechender Kalk) lagert.

Von Pflanzen wuchsen in dieser primären Periode, in welcher die Wärme des Wasser, des Erdbodens und der Luft über die ganze Erde noch eine sehr bedeutende war und die Luft sehr großen Reichthum an Kohlensäure besaß, theils üppige Meerpflanzen (Tangen), theils riesenhafte Landpflanzen, wie baumartige Farrenkräuter und Bärlappe, Schachtelhalme, palmähnliche Schuppenbäume, und zwar größtentheils ohne Blüthen und Früchte. Alle diese Pflanzen konnten aber deshalb sehr gut gedeihen, weil ihre Hauptnahrung, die Kohlensäure, in so großer Menge in der Luft vorhanden war. Indem sie nun dieses, für Thier und Mensch so schädliche Gas aufzehrten und anstatt dessen Sauerstoff (d. i. die Lebensluft für Thiere und Menschen) von sich gaben, veränderten sie die atmosphärische Luft allmälig so, daß endlich Thiere in derselben leben konnten. Die Meerpflanzen machten das Meer früher für seine Bewohner bewohnbar, als die Landpflanzen das Land, denn Meerthiere gab es weit früher als Landthiere. Aus den Pflanzen dieser primären Epoche sind übrigens durch Verkohlung (wahrscheinlich auf ähnliche Weise wie dies in Kohlenmeilern geschieht) oder durch Vermoderung und durch gewaltigen Druck der Gesteine die Steinkohlen entstanden, in denen man auch jetzt noch die damaligen Pflanzen deutlich wiederfindet. – Unter den Thieren der primären Periode nehmen die Fische den obersten Rang ein, denn Landthiere existirten so gut wie noch gar nicht. Diese Fische hatten meistenn eine eigenthümliche (haifischartige) Form und ein knorpliches Skelet, waren groß, plump und mit eckigen oder ohne alle Schuppen, aber mit Panzern. Es gab ferner noch eine große Menge von Muscheln, Polypen, Schnecken, gestielte Haarsterne, und krebsartige schwimmende Thiere (Trilobiten). Die ersten Ueberreste eines Reptils (Proterosaurus) finden sich im Kupferschiefer. – Die organischen Reste des Grauwackengebirges gehören ausschließlich Meeresbewohnern von sehr unvollkommener Organisation an, es sind Korallen, gestielte Haarsterne, die krebsartigen Trilobiten und gepanzerte Fische. In den Steinkohlen zeigen sich schon einzelne Insecten, ein scorpionartiges Geschöpf und die Flügel von Schaben. Im Kupferschiefergebirge finden sich der eidechsenartige Proterosaurus und schmelzschuppige Fische, während die gepanzerten Fische und die Trilobiten verschwunden sind.

NB. Die primäre Periode wird von den Gelehrten auch noch so eingetheilt: 1. Paläozoische Gruppe, die unterste Schicht aus stark thonigen, feinkörnigen und sehr harten Gesteinen, welche mit ähnlichen Kalken oder thonigen Sandsteinen wechselt. Sie entspricht der Grauwackengruppe und wird zertheilt: in das kambrische System (oder azoische Gruppe), ohne Versteinerungen, aus Thonschiefer: in das Silurische System aus Thonschiefer und grauem Sandstein (Grauwacke), welches sehr reich an Versteinerungen ist, und in das Devonische System aus altem rothen Sandstein, mit vielen Versteinerungen. – 2. Steinkohlengruppe, aus verkohlten Pflanzensubstanzen zwischen Kalk-, Thon- und Sandsteinen (Bergkalk, Kohlenschiefer, Schieferthon, Kohlensandstein). – 3. Perm’sches System aus dem Rothliegenden, Kupferschiefer und Zechstein, mit Dolomit, Gyps und Stinkstein.


II. Die mittlere oder zweite sedimentäre Schicht, secundäre Flötzformation, wird auch ihres Reichthums an Kalkgesteinen halber, sowie wegen des ersten Auftreten der Amphibien die Periode der Kalkgebirge oder der Amphibienorganisation genannt. Die Gesteinsgruppen folgen hier von unten nach oben so aufeinander:

1) Trias- oder Steinsalzgruppe aus einer Sandstein-, Kalk- und Mergelformation, nämlich aus buntem Sandsteine, Muschelkalk mit Steinsalz und Keuper (mit der kohlenarmen Lettenkohle). Jede dieser drei Gesteinsarten besteht wieder aus mehreren Gliedern; die ersten und letzten sind hauptsächlich aus Sandsteinen und Mergel zusammengesetzt, während in der zweiten Kalkstein mit vielen Muschelresten vorherrscht.
2) Juragruppe (weil das Juragebirge viel davon enthält) oder Oolith-Formation (wegen der kuglig-schaligen Form des Kalkes) besteht im Allgemeinen aus Thon, Mergel, Sand- und Kalksteinen und zerfällt: in den untern oder schwarzen Jura (Lias-Schiefer), in den mittlern oder braunen Jura (mit Eisengehalt) und in den obern oder weißen Jura (mit lithographischem und Korallenkalk).
3) Kreidegruppe enthält in ihrer obersten Schicht die weiße Kreide und Quadersandsteine mit Plänerkalk und Mergel, sonst besteht sie aus Mergel- und Sandstein-Ablagerungen, Hilsthon, mit vielen Meer- und Süßwasserbildungen. Die unterste Schicht der Kreidegruppe heißt auch die Wälderformation oder das Wäldergebirge und besteht aus vielen Muschel- und Schneckengehäusen, Mergel- und Sandsteinen.

Die Pflanzen der secundären Epoche sind außer Pilzen und Flechten vorzugsweise Farren, Schachtelhalme, Palmen, Nadelholz- und Laubholzbäume, während die Schuppenbäume und die baumartigen Bärlappe der früheren Periode untergegangen sind und die Kryptogamen sich bedeutend verringert haben; weiden- und ahornähnliche Pflanzen finden sich in geringer Anzahl vor. Durch die Flora dieser Epoche wird ein Uebergang von den Pflanzen der primären Periode zu denen der tertiären vermittelt. – Von den Thieren der Secundärschicht nehmen die merkwürdig gestalteten, meist krokodil- und eidechsenartigen und selbst fliegenden (fledermausartigen) oder schwimmenden (wallfischartigen) Amphibien die erste Stufe der Organisation ein, denn Säugethiere giebt es noch nicht. Diese Amphibien sind riesenhafte Eidechsen, Krokodile, Schildkröten, sowie Gemische von allen diesen (Saurier: Ichthyo-, Enalio-, Plesio-, Mosa-, Mystrio-, Mastodon-, Notho-, [57] Simo-, Ptero- und Dinosaurier; Labyrinthodonten). Neben den Amphibien existirten noch Knochenfische, viel Muscheln und Schnecken, Ammoniten und Belemniten. Polypein (mit Korallenstöcken), Haar- und Seesterne u. s. w. – In der Triasgruppe zeichnen sich langschwänzige Krebse, die Enaliosaurier und Labyrinthodonten aus. Im Jura finden sich Korallenpolypen, viele Muscheln und Schnecken, freie Seesterne und Seeigel, Tintenfische, Belemniten und Ammoniten, Krebse, Ichthyosaurier, Plesiosaurier und Pterosaurier. In der Kreidegruppe, in welcher zuerst Weiden, Birken und Nadelhölzer auftreten, zeigen sich ächte Knochenfische, Krokodile, Eidechsen und Schildkröten.


III. Die oberste oder dritte sedimentäre Schicht, tertiäre Flötzformation, oder die Periode der Säugethierorganisation und Sandgebirge, besteht hauptsächlich aus Sandsteinen, Thonflötzen, Braunkohlen, Mergel und Molasse. Die Gesteinsarten bilden hier drei Schichten:

1) Die unterste Tertiärschicht (Eocen-Formation), im Pariser und Londoner Becken, aus Nummulitengesteinen und sogenannten Flysch, enthält Thon und Sand mit einigen Braunkohlen-Ablagerungen, mit Bernstein, Erdöl und Erdpech, Grobkalk.
2) Die mittlere Tertiärschicht (Miocen-Formation), im Mainzer und Wiener Becken, aus den Molassenbildungen der Alpen und dem Hauptlager der norddeutschen Braunkohle (d. s. verkohlte Pflanzen, und zwar Palmen, Cypressen und Nadelhölzer). Der Bernstein ist das Harz dieser Waldbäume; eben daher stammt das Erdöl und Erdpech (Asphalt).
3) Die obere Tertiärschicht (Pliocen-Formation) oder Molassenformation, enthält viel Süßwasserkalk und als Reste von Infusorien den Tripel, das Bergmehl, Kieselguhr und den Polirschiefer. Man nennt die obere Gruppe auch die Tegelformation, die untere die subappenninischen Gebilde.

Die Pflanzen der Tertiärschicht gleichen so ziemlich denen, welche jetzt wachsen, nur giebt es weniger Arten von denselben, auch sind sie etwas einfacher gebaut. – Von Thieren giebt es jetzt, nachdem die Kohlensäure in der Atmosphäre durch die Pflanzen zum größten Theile entfernt worden ist, eine große Menge von Säugethieren. Im Meere herrschen Wallfische, Potfische, Delphine und Seekühe; ihnen schließen sich zwei ganz untergegangene wallfischähnliche Thiere, der Ziphius und das Metaxytherium, sowie die Robben und das Wallroß an, zu deren Familie auch das Zeuglodon oder Hydrarchos (eine Art von Wallfisch mit Seehundskopf), das Dinotherium und Toxodon gehören. Unter den Pflanzenfressern auf dem Lande zeichneten sich das elephantenartige Mastodon, das pferdeartige Hippotherium, colossale Elephanten und Nashörner aus. Außerdem finden sich jetzt Schlangen, sowie Frösche und Kröten (zum Theil ungeschwänzt). Die Reste eines Riesensalamanders dieser Zeit hielt man früher für die eines Menschen (des Sündfluthmenschen, Andrias Scheuchzeri). Von Vögeln kennt man besonders Falken, Eulen, Wasserhühner, Riesenstrauße.

Ueber diesen drei sedimentären Schichten folgt nun eine Lage von Sand, Kies, Gruß, Geröllen und Geschieben, mit etwas Lehm und Löß, welche aus den Schichtgesteinen hervorgegangen ist und sich mit Hülfe einer großen allgemeinen Ueberschwemmung (Diluvium) über die ganze oberste Tertiärschicht verbreitet haben soll, weshalb sie Diluvial-Formation, ausgeschwemmtes Land, Schwemmland der Vorzeit genannt wird. In dieser Erdschicht trifft man Reste von (diluvianischen) Thieren, die theils jetzt noch leben, wie Hirsche, Pferde, Ochsen, Nashörner, Flußpferde, Bären und Hyänen (in Höhlen), theils untergegangen sind, wie riesenhafte Katzen, das Mammuth, Mastodon und Mylodon. Das Klima muß zu jener Zeit überall auf der Erde ein höheres (tropisches) gewesen sein, wie die Pflanzen von damals beweisen. Erst später sank die Temperatur, wie und wodurch ist noch nicht erforscht, und es bildete sich der jetzt bestehende Zonenunterschied und mit diesem das Eis, welches die sogen. erratischen Phänomene (das Fortschaffen von Felsstücken nach entfernteren Gegenden d. s. die sogen. erratischen Blöcke oder Wander-Blöcke) hervorrief.

Ueber der Diluvialschicht befindet sich nun die oberste Lage unserer Erdrinde und auf dieser leben wir Menschen mit den uns bekannten Pflanzen und Thieren. Diese oberste Lage erhielt den Namen Alluvialschicht, Angeschwemmtes, Schwemmland der Jetztzeit, und besteht vorzugsweise aus lockern Massen, deren Bildung immer noch fortdauert. Zur Bildung des Alluviums tragen bei: Sand- und Schuttlager (Tuffe), abwechselnd mit Lehm- und Mergelschichten, sowie Reste von Infusorien (Trippel, Polirschiefer, Bergmehl); über diesen lagern Schichten verwitterter Pflanzen (Moorland, Torf als Wald-, Wiesen-, Haide- und Moostorf) und Ackererde. Diese Massen sind theils Anschwemmungen der Flüsse (Sand, Schlamm, Geschiebe und Gerölle) und Ablagerungen des Meeres (Sandbänke, Dünen), theils Niederschläge aus Wasser, besonders der Quellen, (Kalktuffe, Kieseltuffe, Raseneisenstein, Steinsalz, Asphalt), und Anhäufungen organischer Massen (Infusorienlager, Riffe, Koralleninseln, Torf). Das jüngste Gebilde des Alluviums ist die Dammerde, ein Gemenge von organischen und unorganischen Materien, hervorgegangen aus der Zertrümmerung und Verwitterung der verschiedenartigsten Gesteine und der Zersetzung organischer (pflanzlicher, thierischer und menschlicher) Substanzen. In den Alluvial-Gebilden hat man auch schon incrustirte Menschenknochen, sowie Produkte des menschlichen Kunstfleißes, wie Waffen, Werkzeuge, Geräthschaften etc. gefunden. Uebrigens spricht alles dafür, daß erst mit dem Eintritte der Alluvial-Formation das Erscheinen der Zonenunterschiede und des ersten Menschen auf der Erde stattfand. Dies geschah aber nach den Forschungen der Gelehrten vor etwa 70 bis 100 Tausend Jahren und nicht, wie die jüdische Aera will, vor 6000 Jahren.

(Ausführliches später.).
(B.)