Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen/Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg

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Textdaten
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Autor: Ludwig Bechstein
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Titel: Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg
Untertitel:
aus: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, S. 337–338
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Georg Wigand's Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Karl philipp fuerst zu schwarzenberg.jpg


Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg.
Geb. d. 15. April 1771. gest. d. 15. Oct. 1820.


Fürst Schwarzenberg war der Mitbefreier des deutschen Vaterlandes vom lastenden Joche Napoleon’s I., der erste in der Reihe hochberühmter Feldherren der Befreiungskriege, als Soldat wie als Mensch gleich ausgezeichnet, bis zum Lebensende dankbar verehrt und mit goldenen Lettern eingetragen in das Buch der Nationalgeschichte Deutschlands als einer seiner tapfersten, besten und edelsten.

Fürst Schwarzenberg entstammte einem berühmten Adelsgeschlechte Frankens, dem der Freiherren von Seinsheim; ein Ahnherr, Erkinger von Seinsheim, erwarb durch Kauf die Herrschaft Schwarzenberg, nach der dann die Familie sich nannte, indem er zugleich seinem Hause die Reichsunmittelbarkeit verschaffte. Adolf von Schwarzenberg wurde 1599 in den Reichsgrafenstand erhoben, dessen Enkel Johann Adolf 1760 in den Reichsfürstenstand; Macht, Ansehen, Vermögen und Güterbesitz der Schwarzenberge wuchs, und der letztere namentlich erstreckte sich nach Oesterreich wie nach der Schweiz. Adam Franz Fürst v. Schwarzenberg wurde Herzog von Krummau in Böhmen.

Napoleon und sein Rheinbund mediatisirten, d. h. sie beraubten die Fürsten des deutschen Reichs, und Karl Philipp’s Vater, dem dieß Loos im reichen Maaße widerfuhr, wurde Geheimer Rath und Kämmerer des Kaiser Franz II. von Oesterreich. Carl Philipp wurde zu Wien geboren und frühzeitig für den Kriegerstand bestimmt, wie sein älterer Bruder für den höheren Dienst des Staates, der mittlere für den Dienst der Kirche.

Auserwählte tüchtige Lehrer bildeten des jungen Fürsten Geist wissenschaftlich aus, dann beschritt er im 16. Lebensjahre als Unterlieutenant die Laufbahn, die er mit so vielem Ruhm durchwandeln sollte, und machte unter Laudon’s Führung die Türkenzüge von 1787 bis 1789 mit, wo er persönliche Tapferkeit bewies und bis zum Rittmeister vorrückte. Wie er unter hohen Vorbildern kriegerischer Tüchtigkeit, unter den Grafen Loscy und Kinsky, und unter Laudon gedient hatte, so diente er unter Graf Clairfait und zeichnete sich im Gefechte von Quivrain 1. Mai 1792 aus, machte den folgenden Feldzug nach Frankreich als Oberstlieutenant [Ξ] unter dem Prinzen Coburg mit, führte das Uhlanen-Freirorps Jngelmann und übte Thaten der Tapferkeit, welche die Entscheidung des Sieges in der Schlacht bei Chateau-Cambresis 26. April 1794 krönte. Dieser Sieg brachte ihm die Verleihung des Maria-Theresia-Ordens auf dem Schlachtfelde.

Von Stufe zu Stufe höher steigend in kriegerischen Ehrenstellen, wurde Fürst Schwarzenberg, der stets unerschrockene Held, 1796 Generalmajor, 1799 Feldmarschall-Lieutenant, und führte nun ein Uhlanenregiment unter seinem eigenen Namen. Als das Kriegsglück sich im Beginn des Jahrhunderts gegen die österreichischen Waffen wandte, gelang es Schwarzenbergs einsichtvoller Führung, manchem Verlust vorzubeugen und manch größeres Unheil abzulenken.

Da der Fürst nicht blos Feldherr, sondern auch diplomatisch gewandt war, so wurde ihm 1802 schon ein Gesandtschaftsposten am St. Petersburger Hofe zugedacht, er nahm ihn aber damals noch nicht an, blieb dem Kriegerstande treu und kämpfte mit bei Ulm und Austerlitz, nach welchen für Oesterreich unglücklichen Schlachten Fürst Schwarzenberg nun die diplomatische Laufbahn betrat. Er ging 1806 als Gesandter Oesterreichs nach Paris, 1808 nach St. Petersburg, gab aber den Gesandtschaftsposten 1809 wieder aus und eilte zu den Fahnen zurück, fand Gelegenheit, sich aufs neue auszuzeichnen und wurde General der Cavallerie. Später leitete er die Verhandlungen der Vermählung Napoleon’s mit der Erzherzogin Maria Luise, und gab zu deren Vermählungsfeier ein glänzendes Ballfest, welches durch einen schnell um sich greifenden Brand furchtbar tragisch endete. Oesterreich stellte seinem neuen Verbündeten ein Hülfsheer von 50,000 Mann gegen Rußland, mit dessen Oberbefehl Napoleon den Fürsten betraute. Schwarzenberg überschritt den Bug, drang in Padolien vor, später auch, doch mit wechselndem Glück, in Volhynien, und sah sich zu rückgängiger Bewegung gegen Warschau veranlaßt, wo General Sacken glücklich gegen Schwarzenberg operirte, bis Napoleon’s verhängnißvolle Stunde schlug und das französische Heer den Rückzug aus Rußlands Schneegefilden nahm. Es hatte den Anschein, als vermeide man gegenseitig so viel als möglich Zusammenstöße zwischen der zurückgezogenen österreichischen Hülfsarmee und dem russischen, die französische Streitmacht verfolgenden Heere.

Abermals wurde Fürst Schwarzenberg berufen, mit Friedensbedingungen nach Paris zu gehen, welche aber sämmtlich von Napoleon zurückgewiesen wurden, bis die Entscheidung auf die Schärfe des Schwerts gelegt war.

Und nun begann Fürst Schwarzenberg’s glücklicher Stern seinem Gipfelpunkte zuzueilen. Sobald er von der verfehlten Sendung nach Paris zurückkehrte und der Krieg erklärt war, erhielt der Fürst, dem bereits der Oberbefehl über das in Böhmen zusammengezogene Beobachtungsheer anvertraut war, als Generalissimus das Commando der sämmtlichen verbündeten Heere. Diese hohe und überaus wichtige Stellung verdankte der Fürst den glänzenden Eigenschaften seines Geistes als Feldherr, seiner Geschäftstüchtigkeit, Besonnenheit und Menschlichkeit; kaum konnte ein besserer an die Spitze der Heere berufen werden, deren erhabene Aufgabe die Erlösung Deutschlands von einem despotischen Feind war. Welche Schlachten Schwarzenberg schlug, welche Siege er erkämpfte, wie auch er gleich dem wackern Blücher »im Sturz und Sieg bewußt und groß« war, hat die Geschichte in eherne Tafeln gegraben. Sein Ausruf vor der Völkerschlacht bei Leipzig entflammte die Herzen der Streiter, sein Feldherrngenius half den schweren Sieg erringen und muthvoll wurde nun die Bahn des Sieges und auf derselben der fliehende Feind verfolgt. Schwarzenberg schlug ihn auf dem heimischen Boden bei Brienne, bei Bar sur Aube, bei Arcis sur Aube, bei la Fere Champenois und bei Paris, in das er das Heer triumphirend einführte, worauf er den Oberbefehl in die Hände der Kriegsherren zurückgab.

Noch einmal, 1815, stand Fürst Schwarzenberg als Generalissimus der gegen Napoleon aufs neue in den Kampf gerufenen Heere, doch ohne zu thätigem handeln Gelegenheit zu finden. Orden, Ehrendegen, Auszeichnungen aller Art lohnten den großen Krieger, dem das deutsche Vaterland ewigen Dank schuldet; sein Kaiser verlieh ihm das Recht, das Herzschild des östreichischen Wappens mit einem aufwärts gerichteten Degen in sein Familienwappen auszunehmen, unter den huldvollsten Ausdrücken, und eine Herrschaft in Ungarn als Familieneigenthum und Mannlehen. Schon 1817 traf den edeln Fürst ein Schlaganfall und lähmte ihm die rechte Seite. Ein organischer Fehler, ein Herzleiden, untergrub das Leben des deutschen Helden. Er hoffte von dem berühmten Hahnemann in Leipzig Hülfe und reiste dorthin, um lebend nicht in die Heimath zurückzukehren. An dem Tage, an welchem er nach der Schlacht vor 7 Jahren in Leipzig eingezogen war (19. October), wurde durch dasselbe Thor der Leichnam nach Böhmen abgeführt.