Zweytes Fragment

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Textdaten
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Autor: Carl Streckfuß
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Titel: Zweytes Fragment
Untertitel:
aus: Gedichte,
S. 110-111
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1804
Verlag: J. V. Degen
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Erscheinungsort: Wien
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und scans auf commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[110]

Zweytes Fragment.

Boreas hatte getobt, mit ehernem Fittig gebrauset,
     Daß die Erde gebebt, daß sich die Völker entsetzt,
Aber ihn hörte nicht Natur, im Schlummer erstarret,
     Fester über sich zog sie nur die Decke von Eis.

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Nicht der Gewalt wich sie, sie harrte des Rufes der Liebe,

     Und da sendete Zevs Zephyrn den liebenden ab.
Sanft umweht’ er die Freundinn, er küßt’ ihr leise die Wange,
     Lößt’ ihr das lockige Haar, rief sie mit freundlichem Laut —
Siehe, da schlug die Schöne empor zum Himmel die Blicke,

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     Blickte lächelnd umher auf dem zerstörten Gefild,

Und die Wolken verschwanden von blauer Tiefe des Aethers,
     Phöbus, in glänzender Pracht, lachte den Sterblichen neu,
[111] Schmiegte liebend der Flur sich an mit belebenden Strahlen,
     Glühende Liebe ergoß rings um die liebende Gluth,

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Und der neidischen Hüll’ enthüpft, die Schöne der Glieder

     Zeigend, stand Natur jugendlich kräftig empor.
Voll von Sehnen die Brust rief sie den Lenz, den Geliebten,
     Rief den Lenz, und der May brachte den Fröhlichen her.
Heiß umschlang er die Braut in der Liebe hoher Begeistrung,

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Krönte mit Blumen ihr Haar, schmückte die göttliche Brust,

Hieß das Feld ergrünen, den Wald; und den schwankenden Zweigen
     Gab er Zungen, daß sie sängen das herrliche Fest.
Was da lebte war seelig in der Geliebten Vereine,
     Liebt’ und hüpfte dahin durch das belebte Gefild.