Astronomische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte zu Prag in den Jahren 1892–1899
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ASTRONOMISCHE BEOBACHTUNGEN
AN DER
K. K. STERNWARTE ZU PRAG
IN DEN JAHREN
1892–1899
NEBST
ZEICHNUNGEN und STUDIEN der MONDOBERFLÄCHE
NACH PHOTOGRAPHISCHEN AUFNAHMEN.
Auf öffentliche Kosten herausgegeben
von
Professor Dr. L. WEINEK,
Director der k. k. Sternwarte in Prag.
(Mit 3 Tafeln in Heliogravure, 11 Tafeln in Phototypie, 2 Tafeln in Lichtdruck, 2 Tafeln in Lithographie und 12 Abbildungen im Texte.)
PRAG.
K. U. K. HOFBUCHDRUCKEREI A. HAASE. – SELBSTVERLAG.
1901.
Inhalts-Verzeichnis.
[V] VORWORT.
Im vorliegenden vierten Bande der von mir seit 1884 herausgegebenen astronomischen Beobachtungen an der Prager Sternwarte wurde abermals eine Reihe von Jahren zusammengefasst, da die jährlich zur Verfügung stehende Publications-Dotation wegen ihrer relativ geringen Höhe eine Cumulierung der Beträge nothwendig macht, um die beabsichtigte Veröffentlichung nicht zu dürftig zu gestalten. Wesentlich aus diesem Grunde, zugleich aber auch, um einzelne Arbeiten in abgeschlossener Form der astronomischen Welt vorlegen zu können, wurde die Publication dieses 4. Bandes bis zur Gegenwart verschoben. Unter den bekannten ungünstigen baulichen und instrumentellen Sternwarten-Verhältnissen in Prag wurde das Hauptaugenmerk auf fortlaufende Polhöhen-Messungen nach der Horrebow-Talcott’schen Methode und auf die Beobachtung von Culminationen des Mondes, sowie des Kraters Mösting A gerichtet. Mit ersteren wurde hauptsächlich der Adjunct der Sternwarte, mit letzteren Einer der beiden Assistenten betraut. Ueberdies wurde den gelegentlichen Erscheinungen der Sonnen- und Mondfinsternisse, der Jupiterstrabanten-Verfinsterungen, der Sternbedeckungen und Sternschnuppen volle Aufmerksamkeit zugewendet. Die Continuität und der Umfang einzelner Beobachtungsreihen hatte besonders unter dem häufigen Wechsel des Sternwarten-Personales zu leiden. Derselbe erklärt sich aus dem Umstande, dass die Prager Assistentenstellen keinen stabilen Charakter besitzen und insoferne meistens als Durchgangsstationen für das aussichtsreichere Lehramt an Mittelschulen betrachtet werden. Auch wird die Position der Prager Assistenten dadurch erschwert, dass für dieselben bislang keine Naturalwohnungen im Institutsgebäude selbst erlangt werden konnten. Dass andererseits die Sternwarte auch umfangreiche Aufgaben auf meteorologischem und erdmagnetischem Gebiete zu erledigen hat, ist gleichfalls für die astronomische Thätigkeit derselben von beklagenswertem Nachtheil. – Im Zeitraume 1892–1899 wirkten als Assistenten an der Prager Sternwarte die Herren: Robert Lieblein vom 1. November 1890 bis 1. October 1893 und vom 1. October 1894 bis 1. September 1896, Carl Pin vom 1. October 1891 bis 19. Februar 1894, Otto Schally vom 1. October 1893 bis 1. November 1896, Anton Grünwald vom 1. März 1894 bis 1. October 1894, Carl Köppner vom 1. October 1896 bis 1. October 1897, Rudolf Benesch vom 1. November 1896 bis 16. September 1897, Josef Grünwald vom 1. October 1897 bis 1. December 1897, Arthur Scheller vom 1. October 1897 bis 1. September 1898 und Victor Hevler vom 1. September 1898 bis 1. April 1899. – Zur Zeit besteht das wissenschaftliche Personal der Sternwarte aus dem Adjuncten, Herrn Dr. Rudolf Spitaler (seit 1. October 1892), nachdem der frühere Adjunct, Herr Dr. Gustav Gruss, zufolge seiner Ernennung zum Professor der Astronomie an der Prager čechischen Universität mit 1. Mai 1892 die Sternwarte verlassen hatte (derselbe war Adjunct seit dem 1. December 1881), aus dem ersten Assistenten, Herrn Dr. Egon Ritter von Oppolzer (seit 1. December 1897) und dem zweiten Assistenten, Herrn Josef Dörr (seit 1. April 1899). Hinsichtlich der Prager Polhöhen-Messungen ist in dieser Publication nur die Uebersicht derselben von 1895 bis 1899 gegeben. Die ausführlichen Beobachtungen dieses Zeitraumes, sowie des vorangegangenen von 1889 bis 1892 finden sich in der speciellen, gegenwärtig im Drucke [VI] befindlichen, umfangreichen Sternwarten-Publication »Definitive Resultate aus den Prager Polhöhen-Messungen von 1889 bis 1892 und von 1895 bis 1899« vor. Der zweite Theil der vorliegenden Publication enthält die Fortsetzung meiner selenographischen Studien nach focalen Mondaufnahmen der Mt. Hamiltoner (Lick-) und Pariser Sternwarte. Dieselben zerfallen 1. in zeichnerische, 2. in rein photographische Vergrößerungen und 3. in Vergleichungen verschiedener Mondplatten mit Schmidt’s zwei Meter großer Mondkarte. Diese eingehenden Arbeiten dürften den hohen Wert der jetzigen Mondphotographie für die Erkenntnis der Oberflächenbeschaffenheit unseres Trabanten überzeugend bekunden und auch dem, sei es aus Mangel an Gründlichkeit, sei es aus Sorge um die naturgemäße Entwertung des subjectiven, zumeist skizzenhaften und wenig genauen, Zeichnens nach der Natur durch die objective Photographie, propagierten Irrthume, als würden diese Aufnahmen nur gröberes Detail wiedergeben, nachdrücklich steuern. Dass letztere in vielen Fällen auch feines Monddetail darstellen, habe ich bereits in einer besonderen Schrift »Ueber das feinere selenographische Detail der focalen Mond-Photographien der Mt. Hamiltoner und Pariser Sternwarte« (Prag 1897) dargethan. Hier wird diese Anschauung noch weiter begründet und durch mannigfaltige Beispiele der Auffindung unbekannter kleiner Objecte und deren nachträglicher optischer Bestätigung erläutert. Bei diesen Verificierungen unterstützte mich in hervorragendem Maße der hochverdiente französische Selenograph, Herr C. M. Gaudibert in Vaison (Vaucluse), welchem ich für dessen bezügliches unermüdliches Interesse um so mehr Dank schulde, als mir selbst wegen der Kleinheit des hiesigen Aequatoreales, der beengten Verwendbarkeit desselben und der allgemein sehr unruhigen Prager Luft nach dieser Richtung hin die Hände völlig gebunden waren. – Betreff des feineren photographischen Monddetails befinde ich mich in erfreulichem Einklange mit den Erfahrungen der Pariser Sternwarte, denen zufolge für die untere Grenze des photographisch wahrnehmbaren, noch präcise Form zeigenden Monddetails der Betrag von 0″.5 =0.93 km (für mittlere Mondentfernung) anzunehmen ist. Diese Grenze schließt indessen nicht aus, dass auf den gekörnten Emulsions-Platten noch kleineres reales Detail von weniger bestimmtem Charakter vorhanden sei, welches nicht von einem photo-selenographisch und zeichnerisch geübten Auge ausfindig gemacht bezw. richtig gedeutet werden könnte. Der reiche Tafelschmuck dieser Publication stammt von dem k. u. k. militär-geographischen Institute in Wien, von der k. u. k. Hof-Photogr. Kunst-Anstalt C. Angerer & Göschl in Wien, von dem artistisch-typographischen Institute C. Bellmann in Prag, sowie von der k. u. k. Hoflithographie A. Haase in Prag und weist durchwegs ausgezeichnete Leistungen dieser Institute auf. Von dem Prager photographischen Mond-Atlas, zu dessen Herstellung meine sehr zahlreichen, rein photographischen Mondvergrößerungen mit adäquater Schärfe zu den focalen Originalen geführt haben, konnte hier leider bloß Tafel XVI und auch diese nur in reduciertem Formate gebracht werden; doch dürfte dieselbe ihrem Zwecke genügen. Prag, im Februar 1901. L. Weinek.
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