BLKÖ:Zichy de Zich und Vásonykeő und Zichy-Ferraris, Grafengeschlecht, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 60 (1891), ab Seite: 2. (Quelle)
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I. Zur Genealogie des Grafenhauses Zichy de Zich und Vásonykeő und Zichy-Ferraris. Eines der ältesten, berühmtesten und denkwürdigsten Adelsgeschlechter Ungarns, führt es seinen Ursprung bis Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. Es ist tatarischer Abstammung, und Gallus Zichy erscheint in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ahnherr des Hauses, von ihm geht die Stammesfolge in ununterbrochener Reihe fort, sich in verschiedene Linien, Zweige und öfter erlöschende Nebenzweige abtrennend. Leider verkümmern uns unvorgesehene und unliebsame durch unablässiges Drängen der Staatsdruckerei veranlaßte Beschränkungen die Möglichkeit, wie wir es früher bei berühmten Adelsfamilien gethan, unsere Stammtafel bei dem ältesten bekannten Ahnherrn zu beginnen, wie wir uns überhaupt aus gleichen Gründen jetzt öfter kürzer fassen müssen, als es für Zweck und Bedeutung des Werkes gut ist. Indem wir also einfach die Stammesfolge von vier Jahrhunderten überspringen, beginnen wir unsere Stammtafel, mit dem 1724 gestorbenen Johann Zichy, dem Sohne Pauls aus dessen Ehe mit Katharina Freiin Károlyi. Johanns zwei Söhne, Johann und Stephan sind die Stifter der noch heute blühenden zwei Hauptlinien dieses Geschlechtes der Palotaer und der Karlsburger. Erstere spaltet sich dann in mehrere Zweige, und zwar in den von Adony und Szent-Miklós, von Nagy-Láng und in den im Mannesstamme erloschenen von Palota. Die Karlsburger Linie, welche Stephan gründet, scheidet sich in drei Zweige: I. dessen Gründer der Veszprémer Obergespan Franz ist; II. der mit dessen Bruder Karl I. und III. der mit dem Bruder Stephan beginnt. Der zweite von Karl I. ausgehende Zweig theilt sich in viele Nebenzweige, die mit Ausnahme des von Franz mit seiner Gemalin Maria Wilhelmine geborenen Gräfin Ferraris gestifteten, der den Namen Zichy-Ferraris angenommen, keine besonderen Bezeichnungen haben und aus der zweiten Stammtafel leicht ersichtlich sind. Was die Würden betrifft, so ist der Adel dieses Geschlechtes, abgesehen von der ausdrücklichen Verleihung des Freiherrn- und Grafentitels, uralt. Die Verleihung [3] der vorbenannten Würden aber fällt in die Jahre 1625–1675, in welch letzterem Stephan in den Grafenstand erhoben ward. Von Aemtern bekleideten die Zichy seit dem 16. Jahrhunderte die Obergespanschaften des Zalaer, Eisenburger, Veszprémer, Tolnaer, Szabolcser, Biharer und anderer Comitate, sie waren Mitglieder der Magnatentafel, in welcher zur Zeit nicht weniger als 32 Sprossen dieses Hauses ihren Platz einnehmen. Wir finden den Namen dieses Geschlechtes im Rathe der Krone, in den Reihen unseres glorreichen Heeres, unter den Fürsten der Kirche und unter den Boten, welche das Volk in den Landtag entsendet zur Berathung über sein Wohl und Wehe. Unter den Rathgebern der Krone steht obenan Graf Karl I., den der Monarch mit seinem höchsten Ehrenzeichen, mit der Collane des goldenen Vließes, schmückte; aber auch sonst sind als Würdenträger zu nennen die Grafen Edmund, Eugen, der für die Treue, mit der er zu seinem Könige hielt, unter der Mörderhand der Rebellen den Märtyrertod erlitt, ferner die Grafen Felix, Ferdinand, Franz, Heinrich, Joseph, Karl II. und III., Stephan; in den Reihen des Heeres stehen in höheren und niederen Diensten die Grafen Alexander, Béla, Edmund, Emanuel, Ferdinand, Franz, Rudolf, die sich alle vor dem Feinde hervorgethan, Friedrich, der den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfelde fand, während General Ferdinand, in den schweren Tagen[WS 1] des Jahres 1848 Commandant Venedigs, seine humane Absicht, Blutvergießen zu vermeiden, mit der kriegsgerichtlichen Verurtheilung büßen mußte. Unter den Würdenträgern der Kirche ragen zwei Sprossen des Hauses: der Veszprémer Bischof Graf Dominik und der Raaber Bischof Graf Franz, beide als Wohlthäter ihrer Diöcese verehrt, besonders hervor. Glänzend aber erscheint die Familie in Förderung der Interessen der Künste und Wissenschaften und der Volkswirthschaft, und sind Männer wie die Grafen August, Edmund, Eugen, Geza, Joseph, Peter Zierden ihrer Familie und Wohlthäter ihres engeren Vaterlandes, dessen volkswirtschaftlichen Wohlstand sie durch Rath und That in verschiedenen Richtungen zu fördern suchen, und bilden ein hellleuchtendes Beispiel für den cisleithanischen Adel der Gegenwart, dem wir im großen Ganzen solch rühmliches Vorgehen nicht eben nachrühmen können. Als Freunde und Kenner der Poesie und Musik sind Peter und der einarmige Graf Geza insbesondere zu nennen, welch Letzteren sein musicalischer Genius zwang, mit einer Hand auf dem Instrumente, das er spielt, das zu leisten, was andere Künstler nicht immer mit zwei Händen fertig bringen. Auf dem Felde der Wissenschaft sind schriftstellerisch thätig: Graf Johann, der als Botaniker rühmlich genannt wird, die Grafen August, Joseph, welche ihre Reise um die Welt beschrieben haben. Graf Eugen, der als Volkswirth verschiedene wichtige sociale Fragen erörterte. Graf Edmund, welcher als Kunstforscher und Förderer des Kunstgewerbes eine Thätigkeit entfaltet, die weit über die Grenzen des engeren Vaterlandes Anerkennung fand. Besonders lebhaft ist in der Familie der Drang die Welt zu sehen, und viele Mitglieder haben, demselben folgend, große Reisen in den verschiedenen Theilen der Erde, aber nicht bloß zum Vergnügen und um zu jagen unternommen, sondern um in fernen Ländern Verbindungen mit dem Mutterlande anzuknüpfen oder sonst Verhältnisse kennen zu lernen, die sich nutzreich auf heimischen Boden verpflanzen ließen. Vor Allen sind da die Grafen August und Joseph zu nennen, und dann Graf Wilhelm, der sich als Entdeckungsreisender einer Expedition gegen Abessinien anschloß, leider aber auf derselben einen gewaltsamen Tod fand. – Damit es unter so viel Licht auch am Schatten nicht fehle, bemerken wir, daß im Gegensatze zu dem Grafen Eugen, der den Märtyrertod für seine Königstreue erlitt, zwei Sprossen des Hauses diese Treue brachen und sich offen dem Landesverräther – damals Landesgouverneur, genannt Lajos Kossuth – anschlossen und die Rebellion mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote standen, unterstützten und förderten. Diese sind Graf Emanuel Zichy-Vásonykeő, der sein ganzes Silber auf den Altar des Vaterlandes niederlegte, um die Rebellion zu fördern, und Graf Otto Zichy-Vásonykeő, welcher die Honvéds organisirte und als Rebellenoberst die Komorner Capitulation unterzeichnete. – Werfen wir noch einen Blick auf die Frauen des Hauses, so finden wir, daß ebenso die Töchter desselben in die edelsten Familien ihrer engeren Heimat und des österreichischen Adels heirateten, wie sich die Söhne ihre Gattinen aus den vornehmsten Geschlechtern [4] holten; wir finden in den Stammtafeln die Namen: Apponyi, Batthyányi, Colloredo, Csáky, Eszterházy, Ferraris, Festetics, Hoyos, Hunyady, Karátsonyi, Keglevich, Khevenhüller, Khuen-Belásy, Kinsky, Klebelsberg, Königsegg, Kolowrat, Kornis, Lichnowsky, Metternich, Rádasdy, Odescalchi, d’Orsay, Pállfy, Pallavicini, Seilern, Sermage, Starhemberg, Stubenberg, Szápáry, Széchényi, Sztaray, Thalheim, Vécsey, Waldstein, Wenckheim. Aber Schönheit und tragisches Geschick spielten in den Lebensläufen der Frauen des Hauses Zichy eine große Rolle. Ist schon Männern dieses Geschlechtes das Göttergeschenk der Schönheit in die Wiege gelegt worden, denn selten finden sich in den Adelsfamilien des Kaiserstaates solche Prachtgestalten wie in jenen der Zichy, so prangen die Frauen nicht minder mit dem Schmuck natürlicher Schönheit und seltener Reize. Unter den berühmten Schönheiten des Wiener Kongresses, aus welchen Kaiser Alexander von allen sechs heraushob, deren jede er mit einem Beiwort charakterisirte, erscheinen in diesem halben Dutzend zwei Damen Zichy, die Gräfin Julie Zichy als beauté céleste und Gräfin Sophie Zichy als beauté triviale. Das tragische Geschick aber, welches in den Lebensläufen einiger Frauen aus diesem Hause eine Rolle spielt, finden wir bei der Gräfin Eleonore Zichy vermälten Fürstin Lichnowsky, deren Sohn Felix unter den Händen einer wilden Meute fiel, bei Crescentia Zichy, der Witwe des Grafen Karl und nachmaliger Gattin Stephan Széchényi’s, des großen Patrioten, der, von seinem Volke verkannt, von seinen Standesgenossen verfolgt, in geistiger Umnachtung seinem Leben selbst ein Ende machte, bei Antonie Zichy, der Gemalin des Grafen Ludwig Batthyányi, der durch kriegsrechtlichen Spruch den Tod fand, und bei Melanie Zichy, nachmaliger Fürstin Metternich, die den Sturz ihres Gatten, des allmächtigen Staatsmannes im Vormärz, erlebte. Wenn wir einen übersichtlichen Blick in die Geschichte dieses Hauses thun, so finden wir neben tiefen Schatten viel glänzend strahlendes Licht, neben Irrthümern und verhängnißvollen Thaten eine Summe von geistigen Gaben, Talenten und seelischen Vorzügen, die wir in solchem Maße vereint bei nur wenigen Familien antreffen, bei allen aber und selbst bei jenen, die ihrem Könige untreu geworden – denn sie wurden aus Liebe zu ihrem Vaterlande bethört durch das Gaukelspiel eines Verräthers – einen unauslöschlichen Patriotismus, der in der Förderung höherer Zwecke und der Wohlfahrt des Ganzen seine Lebensaufgabe erkennt. [Quellen zur Geschichte des Grafengeschlechte Zichy-Vásonykeő. Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1832, 8°.) Bd. VI, S. 240. – (Zedler’s) Universal-Lexikon, Band 62, Sp. 1594–1595 unter den Schreibungen Zitsche und Zitsy [eine ungemein dürftige, von den genealogischen Artikeln dieses noch heute brauchbaren Werkes stark abweichende Darstellung]. – Schönfeld (Ignaz Ritter von). Adels-Schematismus des österreichischen Kaiserstaates (Wien 1824, Schaumburg, 8°.) I. Jahrgang, Seite 132 bis 138. – Die genealogischen Taschenbücher der gräflichen Häuser vom Jahre 1844 bis auf die Gegenwart. – A. Zichy és Vásonykeői Gróf Zichy család idősb ágának okmánytára, d. i. Diplomatarium der alten Linien der Familie Zichy von Zich und Vásonykeő, herausgegeben von der ungarischen historischen Gesellschaft, redigirt von Emmerich Nagy (Budapesth), sind bis 1888 fünf Bände erschienen. – Gőyri Történelmi és Régészeti Füzetek (Győr) Bd. I, 1861, S. 240, 255, 277; Bd. II, 1863, S. 37, 58, 59; Bd. III, 1865, S. 67, 71, 221: „Zichy Gróf család“. – Nagy (Iván). Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1865, M. Ráth, gr. 8°.) Bd. XII, S. 368–395. – Századok, d. i. Die Jahrhunderte (Pesth) Bd. IV, 1870, S. 207: „Gróf Zichy-levéltári bizottság“; Bd. V, 1871, S. 361, 562; Bd. VII, 1873, S. 143, 276: „Zichy-codex, l. és II. kötet“; Bd. VII, 1873, S. 574: „Radnay (Ferencz). Zayk Gál a Zichy-család őse volt-e?“ – Történelmi Adattár (Temesvár) Bd. II, 1872, S. 383–427: „Zichy-család idősb ága zsélyi levéltarának...“].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Tangen