Der sterbende Douglas
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[160] Der sterbende Douglas.
(Schlacht bei Langside. 1568)
Die Heere stießen an einander; der Tag ist
heiß, der Himmel finster,
Vom Hufschlag dröhnt weithin die Haide, roth
tropft der Thau vom schwarzen Ginster;
Es blickt die schottische Maria von nahen Schlos-
ses Fensterbrüstung,
Ihr Auge haftet auf dem Kampfe, doch in dem
Kampf auf Einer Rüstung.
ihr Herze höher schlagen,
Er ist’s, der sechszehnjährige Knabe, der aus
dem Kerker sie getragen,
Er ist’s, der ihr ein Heer geworben, und durfte
doch um Eins nicht werben,
Drum wirbt er jetzt um seinen Frieden und
um das Glück für sie zu sterben.
Wen tragen aus dem Kampfgetümmel sie dort
auf zweiggeflochtner Bahre,
und roth von Blut die blonden Haare?!
Der Douglas ist’s: Erfüllung wurde des Hoff-
nungslosen einzgem Hoffen,
Es hat ein Schwert von Murray’s Mannen
in’s tiefste Leben ihn getroffen.
[162] Da liegt er, auf gewirktem Teppich, jetzt an
des alten Schlosses Stufen,
Maria neigt sich zu ihm nieder, ein Priester
wird herbeigerufen,
aber segnet diese Stunde,
Hätt’ langsam sonst verbluten müssen an seines
Herzens stiller Wunde.
Die Brust wird kalt, es stockt sein Athem,
sein Auge scheint vom Tod geschlossen,
Maria küßt die bleiche Stirne, die schon so
frühe Ruhm genossen:
Da spielt um seinen Mund ein Lächeln, auf-
glimmt ein letzter Lebensfunken,
zurückgesunken.
