Eine Mohrin
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VI. Eine Mohrin. auch ein Geheimniß aus Ludwig XIV Regierung. (aus den Memoires des Herzogs von S. Simon)
Man giebt vor, daß sie sich oft sehr hochmüthig zu betragen pflegte. Als eines Tages Frau von Maintenon auf eine Anklage der Aebtissinn zu ihr gekommen, um ihr Gesinnungen einzuflößen die der geistlichen Demuth mehr angemessen wären, und ihr unter andern zu verstehn gegeben, sie wäre das nicht, was sie zu seyn sich einbildete“ so soll sie dieser zur Antwort gegeben haben „Wäre ich es nicht, so würden sie sich nicht die Mühe geben, mir es zu sagen“ diese Nachrichten haben muthmaßen lassen, daß sie eine Tochter des Königs, und der Königinn wäre, daß man sie ihrer Farbe wegen verborgen gehalten, und die Nachricht ausgebreitet habe, die Königinn habe ein todes Kind gebohren. [127] Mademoiselle erzählt, daß Marie Therese sich ganz von einer Spanischen Kammerfrau, mit Nahmen Molina habe leiten lassen; daß sie nichts gut fand als was diese zubereitet hatte: für eine andre Spaniern Philippa, habe sie viel Zärtlichkeit gehabt, diese habe man in dem Pallast ihres Vaters als ein Kind gefunden. Auch habe sie eine Zwergin, die fast so schwarz als eine Mohrin war, bey sich gehabt, die ihr sehr gefallen habe. Auf diesen bizarren Geschmack wurde nachher dieser Argwohn gegründet; dieser eigne Geschmack eine unformliche Mohrin, wie Mademoiselle sie nennt, immer vor Augen zu haben, läßt wenigstens muthmaßen, daß Maria Therese nicht delikat genug war, ihre Blicke von Gegenständen wegzuwenden, die sich eine Frau versagen sollte; daß sie diese Blicke vielleicht zu sehr auf die Neger gerichtet habe, die die Fortschritte des Seehandels anfiengen in Frankreich sehr gewöhnlich zu machen, und daß daher vielleicht die Farbe dieser Unglücklichen gekommen, die man in einem Kloster verbergen mußte.[1]
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