Seite:Astronomische Beobachtungen an der k. k. Sternwarte zu Prag 4.djvu/127

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der Vernachlässigung von λ und der Schwierigkeit, gegebene Maße vollkommen exact auf die zur Verfügung gestandene, etwas primitive Vergrößerungs-Camera (bei welcher unter Anderem die Visierscheibe nicht in die Aufnahme-Cassette eingelegt werden konnte, sondern sich in einem besonderen Rahmen befand) zu übertragen, nicht einwurfsfrei erschien, wurde es vorgezogen, in der Nähe dieser berechneten Distanz c Ausmessungen am vergrößerten Bilde vorzunehmen und diese mit den Dimensionen des Originales zu vergleichen. Derart wurde gefunden, dass für V = 24 der Abstand der rechten rückwärtigen Seite des Rahmens mit der durchsichtigen Visierscheibe nach erfolgtem Senkrechtstellen derselben zur optischen Axe des Objectives von der rechten, der Camera zugekehrten Rahmenseite des Apparates, welcher das Original-Negativ trägt, 56.1 cm beträgt. Diese Distanz wurde sodann in Benützung eines steifen Maßstabes bei allen, nach Lick-Negativen vorgenommenen Vergrößerungen sorgfältig eingehalten. Reduciert man dieselbe mit 1.1 cm, weil das Negativ um 0.7 cm, die Visierscheibe um 1.8 cm gegen die erwähnten Rahmenflächen zurücklag, auf die Größe c, so folgt dafür 55.0 cm. Die gegen den obigen berechneten Wert sich ergebende Differenz dürfte ausreichend aus dem bereits Angeführten und den Unvollkommenheiten des verwendeten Vergrößerungsapparates, welcher mit nur geringen Mitteln herzustellen war, zu erklären sein. Schiebt man dieselbe nur auf die Größe f und beachtet, dass eine spätere, unter vollständig gleichen Verhältnissen am 21. Februar 1897 aufgenommene, photographische Vergrößerung eines Glasnetzes mit kleinen Quadraten von ½ mm Seitenlänge und deren umfassende Ausmessung nach zwei zu einander senkrechten Richtungen für V statt 24 den genaueren Betrag 23.766 ergab, so resultiert, wenn abermals λ außeracht gelassen wird, f = 2.131 cm. Diese Verminderung des Wertes von f wurde im November 1898, als die Firma Zeiss in Jena auf mein Ansuchen hin sich in entgegenkommendster Weise bereit erklärte, eine scharfe Bestimmung von f durchzuführen, zum Theil bestätigt, indem dafür experimentell 2.175 ± 0.007 cm gefunden wurde. Die noch übrig bleibende Abweichung erscheint für den Atlas ohne Belang, da, wie bemerkt, die für 24-fache Vergrößerung gewählte Distanz der Ebenen des Original-Negatives und der Vergrößerungsplatte von einander möglichst constant eingehalten und für diese der Vergrößerungsfactor empirisch zu 23.766 ermittelt wurde.

Um den Maßstab der einzelnen Atlas-Tafeln[1] nach focalen Mond-Negativen der Lick-Sternwarte auf Grund dieses experimentellen Vergrößerungsfactors zu erhalten, ist vorerst der Durchmesser des Mondbildes im photographischen Brennpunkte des 36-zölligen Lick-Refractors bei mittlerer Entfernung des Mondes von der Erde zu eruieren. Gleichzeitig mögen hier einige nothwendige Zahlenwerte in Bezug auf den Mond Platz finden. Es heiße:

Δ0 = Mittlere geocentrische Entfernung des Mondmittelpunktes.
p0 = Aequatoreal-Horizontal-Parallaxe des Mondes für Δ0.
s0 = Geocentrischer Winkelhalbmesser des dunklen Mondes für Δ0.
σ0 = Geocentrischer Winkelhalbmesser des hellen Mondes für Δ0.
Δ = Geocentrische Mondentfernung zur Aufnahmezeit der Platte.
Δ' = Topocentrische (d. i. vom Beobachtungsorte aus gerechnete) Mondentfernung zur Aufnahmezeit der Platte.
p = Aequatoreal-Horizontal-Parallaxe des Mondes für Δ.
s = Geocentrischer Winkelhalbmesser des dunklen Mondes für Δ.
s' = Topocentrischer Winkelhalbmcsser des dunklen Mondes für Δ'.
a = Acquatoreal-Halbmesser der Erde in Längenmaß.
a = Kugelhalbmesser des Mondes in Längenmaß.

Die Bedeutung dieser Größen wird auch durch die nebenstehende Figur veranschaulicht. – Beachtet man noch, dass

a = Δ0 sin p0 } a = sin s0 = k
a = Δ0 sin s0 a sin p0

  1. Dieselben wurden derart hergestellt, dass zunächst von dem originalen, vergrößerten Glas-Diapositive durch Contact (im Copierrahmen) ein gleich großes Glas-Negativ angefertigt und weiter dieses für den Lichtdruckprocess verwendet wurde.