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’dann kommt das Ende‘[1],
und das Erbarmen vergeht,
’das Mitleid ist fern‘[2],
die Langmut verschwunden[3];
34 mein Gericht allein wird bleiben,
die Wahrheit bestehen,
der Glaube triumphieren[4];
35 der Lohn[5] folgt nach[6],
die Vergeltung erscheint:
die guten Thaten[7] erwachen,
die bösen schlafen[8] nicht mehr. —
36 Dann[9] erscheint die Grube[10] der Pein
und gegenüber[11] der Ort der Erquickung;
der Ofen der Gehenna[12] wird offenbar
und gegenüber das Paradies der Seligkeit[13].

37 Da wird der Höchste sprechen zu den Völkern, die erweckt sind:

Nun schaut und erkennet den, den ihr geleugnet,
dem ihr nicht gedient, dessen Gebote[14] ihr verachtet!
38 Schaut nun hinüber und herüber[15]:
hier Seligkeit und Erquickung,
dort Feuer und Pein!

Diese Worte ’wird er‘[16] zu ihnen am Tage des Gerichts sprechen. —

39 Jener Tag ist so,
daß er Sonne nicht hat, nicht Mond, nicht Sterne[17],
40 nicht Wolken, nicht Donner, nicht Blitz;
nicht Wind, nicht Regen[18], nicht Nebel[19];
nicht Dunkel, nicht Abend[20], nicht Morgen;
41 nicht Sommer, nicht Frühling, nicht Hitze;
nicht Winter, nicht Eis, nicht Frost;
nicht Hagel, nicht Wetter, nicht Tau;
42 nicht Mittag, nicht Nacht, nicht Dämmerung;
nicht Glanz, nicht Helle, nicht Leuchten[21],

  1. Syr et veniet consummatio; vgl. Ar².
  2. Syr et misericordia elongabitur; auch Aeth hat den Passus gelesen.
  3. נֶאֱסַף versammelt werden, verschwinden.
  4. Syr exsultabit, Hilg. κατισχύσει.
  5. Opus ist nach Wellh. Hebraismus; פְעֻלָּה = „Werk, Lohn“, vgl. Ps 109,20 ἔργον.
  6. Offenb. Joh. 14,13. 1 Tim. 5,24.
  7. δικαιοσύναι צְדָקוֹת.
  8. Zur Form vgl. Bensly S. 16.
  9. Hier beginnt „die Lücke“ im Sangermanensis und seinen Tochterhandschriften.
  10. λάκκος, Syr גובא (Bensly) fovea, Aeth Ar¹.²; vgl. Bensly, Missing Fragment S. 55 und 1 Clemens 45. Tert. De spectaculis 30. Zur Vorstellung vgl. Offenb. Joh 9,2. Die Anschauung von der Grube der Hölle ist sicher urspr. mytholog. Art und ins Judentum aus der Fremde, genauer aus dem Orient gekommen. Weiteres ist einstweilen unbekannt.
  11. Luk. 16,23.
  12. Offenb. Joh. 9,2.
  13. ὁ τῆς τρυφῆς παράδεισος = גַּן עֵדֶן Bensly.
  14. Vgl. zu 3,7.
  15. in contra wie 14,45 in palam (Rönsch, S. 235).
  16. Syr Aeth Ar¹ loquetur.
  17. In der nachfolgenden Aufzählung gehören je drei Worte zusammen, wie oft in hebräischen Versen; vgl. darüber die Einl. S. 349.
  18. ὕδωρ.
  19. ἀήρ.
  20. Über die Form sero vgl. Bensly S. 57.
  21. Eine ähnliche Aufzählung für die Endzeit Sibyll. 3,89-92. Gegenstücke solcher Schilderungen für die Urzeit sind 4 Esra 6,1ff. und die zu dieser Stelle notierten Stellen. Auch hier liegt der Satz im Hintergrunde: τὰ ἔσχατα ὡς τὰ πρῶτα.
Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gunkel (Übersetzer): Das vierte Buch Esra. Mohr Siebeck, Tübingen 1900, Seite 371. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DasVierteBuchEsraGermanGunkelKautzsch2.djvu/41&oldid=2234675 (Version vom 31.08.2014)