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7 Alle aber, die dann gerettet sind, und die dann haben entrinnen können, um ihrer Werke willen oder des Glaubens wegen, den sie bewahrt haben, 8 die sind es, die aus allen Gefahren, die ich dir verkündet, überbleiben: die werden mein Heil[1] schauen in meinem Land und auf meinem Gebiet, das[2] ich mir seit Ewigkeit her geheiligt[3]. 9 Dann lernen Ehrfurcht[4], die jetzt meine Wege mißachtet[5]; dann weilen sie selber in den Martetn, die[6] sie verachtet und verspottet haben. 10 Denn alle, die mich im Leben nicht erkannt, als sie noch Wohlthaten von mir empfingen, 11 die mein Gesetz verschmäht, als sie noch die Freiheit hatten, 12 die die Thür der Buße, die ihnen damals noch offenstand[7], nicht bedacht, sondern verschmäht, die sollen nach dem Tode zur Erkenntnis kommen.

13 Du also frage nicht weiter, wie die Gottlosen gemartert, sondern forsche darüber, wie die Gerechten erlöst werden sollen, wem der Äon gehöre, um wessentwillen er sei und zu welcher Zeit[8].

Nochmals das traurige, aber wohlverdiente Los der Sünder.

14 Ich antwortete und sprach: 15 Einst[9] habe ich gesagt und sage jetzt und werde immer wieder sagen:

Mehr sind der Verlorenen als der Erlösten,
16 wie die Flut mehr ist[10] als ein Tropfen!

17 Er antwortete mir und sprach:

Wie der Boden, so die Saat,
wie die Blumen, so die Farbe;
wie die Arbeit, so das Werk;
wie der Landmann, so die Ernte. —

18 Denn es gab eine Zeit im Äon — da bereitete ich dem gegenwärtigen Geschlecht, ’das damals noch nicht da war‘[11], die Welt zur Wohnung; und damals widersprach mir niemand, denn niemand war vorhanden. 19 Nun aber sind sie, die ich gesetzt hatte in diese Welt, die ich bereitet hatte, an einen ewigen Tisch, auf eine geheimnisvolle ’Weide‘[12], die sind in all’ ihrem Thun entartet.

20 Da schaute ich meine Welt an: siehe, sie war verderbt[13];
und meine Erde: siehe, sie war in Gefahr

der Anschläge ’derer‘[14] wegen, die darein gekommen waren. 21 Das sah ich und verschont davon mit Müh’ und Not[15] und rettete eine Beere aus der ganzen Traube und einen Sproß


  1. τὸ σωτήριόν μου.
  2. καὶ ἐν τοῖς ὁρίοις μου, ἃ ἡγίασα (Hilg.)
  3. Während der Verf. in den vorhergehenden Stücken von Himmel und Hölle gesprochen hat, haftet sein Blick hier an den irdischen Hoffnungen. Dies erklärt sich daraus, daß die (politischen) Zeichen V. 3 seinen Blick inzwischen auf sich gezogen haben. Solche und ähnliche Stellen zeigen, daß die Frommen jener Zeit beide eigentlich prinzipiell verschiedene Eschatalogien nicht deutlich auseinanderhielten; auch im N. T. liegen sie vielfach ineinander.
  4. θαυμάσοθσι Respekt bekommen (Hilg.).
  5. παραχρῆσθαι (Hilg.).
  6. Lat eas bezieht sich auf βασάνους (Hilg.).
  7. Hebr. 12, 17.
  8. Dies ist dann der Inhalt der folgenden drei Visionen.
  9. 7,47.
  10. πλεονάζει (Hilg.).
  11. Daß die Welt, ehe Gott sie bereitete, noch nicht da war, ist doch selbstverständlich. Daher wird die Übersetzung des Lat wohl aus einem Mißverständnis seiner griech. Vorlage beruhen. Lat hat πρὶν ἢ γενέσθαι (Hilg.) fälschlich mit αἰῶνα zusammengenommen.
  12. Verwechselung von νόμος und νομός Weide Volkmar. — Die (für Menschen) unausspürbare Weide, der ewige Tisch, der nie Mangel hat, ist das wundervolle Paradies, dessen Bäume ewig Früchte tragen.
  13. Gen 6,12.
  14. Syr habitatorum eius. Die Vorlage mag gelautet haben: ὑπὸ τῶν λογισμῶν τῶν ἐν αὐτῇ γενομένων und ist von Lat (Aeth Ar¹) mißverstanden worden.
  15. πάνυ μόγις mit großer Schwierigkeit (Lupton).
Empfohlene Zitierweise:

Hermann Gunkel (Übersetzer): Das vierte Buch Esra. Mohr Siebeck, Tübingen 1900, Seite 384. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DasVierteBuchEsraGermanGunkelKautzsch2.djvu/54&oldid=1074075 (Version vom 13.04.2010)