Seite:Ein neuer Weg, alte Schulden einzucassiren-Gerstaecker-1870.djvu/6

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aber ist’s nichts, und wenn sie mich nicht gutwillig bezahlen, muß ich das Geld richtig im Stich lassen, bis ich einmal später hier wieder vorspreche.“

„Und wo sind Die nachher!“ sagte Jack.

„Ja, das ist freilich wahr“, seufzte der Händler, „aber was läßt sich machen?“

„Na“, meinte Jack, der sich jetzt selber anfing für die Sache zu interessiren, „gebt mir nur bis morgen früh Zeit, daß ich einmal ordentlich darüber nachdenken kann – nachher findet sich vielleicht was – Never say die ist ein altes gutes Sprüchwort, und wenn ich’s angefangen habe, führ’ ich es auch vielleicht durch.“

Damit war das Gespräch für heute abgebrochen, als aber Slocum am nächsten Morgen aufstand und mit Jack noch einmal Rücksprache nehmen wollte, war dieser schon mit Tagesanbruch auf und fort und ließ sich auch an dem ganzen und selbst am nächsten Tag nicht wieder sehen.

Jack war an der Arbeit und hatte es sich diesmal so eingerichtet, daß er den am entferntesten wohnenden Schuldner zuerst aufsuchte, um solcher Art auf dem Rückweg nach Boonville die verschiedenen Schulden einzukassiren – denn dazu war er diesmal fest entschlossen.

Das erste Haus also, das er aufsuchte, gehörte einem dort wohnenden und ebenfalls von Illinois herübergesiedelten Franzosen, der eine ziemlich große Farm hatte und sich auch in vortrefflichen Umständen befand. Dieser schuldete an Slocum fünfundsechzig Dollars, hatte Jack aber schon vorgestern erklärt, daß er keinen Cent im Hause habe. Allerdings erbot er sich augenblicklich, seine Note – so gut wie ein Wechsel – für die ganze Summe auszustellen; Jack war aber darüber schon von Slocum unterrichtet worden, Notes über fünfzig Dollars nicht anzunehmen, da diese einen regelrechten Proceß erforderten, der viermal den Betrag der Summe kosten konnte. Notes unter fünfzig Dollars konnten aber bei jedem Friedensrichter eingeklagt werden, und zwei Notes, die eine zu dreißig, die andere zu fünfunddreißig, weigerte sich Mr. Girardin, wie der Bursche hieß, zu geben, denn derartige Sachen wurden vor dem Richter rasch erledigt.

Wie der Franzose den Mahner von vorgestern wieder sah, zogen sich seine Brauen finster zusammen und er sagte in seinem gebrochenen Englisch:

Eh bien, monsieur, und was verschafft mir die Honneur, Sie so bald wieder zu sehen?“

„Oh nichts, Mr. Girardin“, sagte Jack unbefangen, indem er abstieg, sein Pferd anhing und dann ohne Weiteres in das Haus trat.

„Bitte, Monsieur“, sagte der alte Franzose etwas gereizt, da Jack ohne Weiteres in das Wohnzimmer treten wollte. „Hier wohne ick – da drüben wohnt ma femme, verstanden?“

Da Jack „Ma femme“ gar nicht kannte und gar nicht wußte, wer es war, hatte er nicht das geringste Interesse, darnach zu suchen. Ihm