„Die Lerche des deutschen Frühlings“

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Helbig
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: „Die Lerche des deutschen Frühlings“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 134–136
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[134]
„Die Lerche des deutschen Frühlings“.
Von Fr. Helbig.

Es war eine sinnige That, als baierische Kammerdeputirte ihrem einstigen Collegen, dem am 22. Januar dieses Jahres verstorbenen Joseph Völk in Augsburg, einen Kranz auf den Sarg legten, der neben Lorbeeren, den Blättern des Ruhmes, auch Schneeglöckchen, die Blumen des Frühlings, enthielt. „Es will Frühling werden in Deutschland,“ hatte er, den sie hier in ein frühes Grab senkten, im Wonnemonat des Jahres 1868 vorahnend ausgerufen – ein Wort, das ihm später den sinnreichen Ehrennamen, „die Lerche des deutschen Frühlings“ eintrug. Und in den Lenz- und Honigmond des neuerstandenen Reichs hinein fallen auch die Tage von Völk’s Ruhm und seiner unbeirrten Größe. Als aber der Sommer gekommen, als die heiteren Flitterwochen der jungen Einheit und Freiheit vorüber und die herben Tage des ehelichen Zwistes, der Streit zwischen Haupt und Gliedern, erschienen waren, da fing der feste Mann an zu wanken und zu schwanken, und der energische Kopf verlor das sichere Fühlen.

Völk war wie so Viele, deren politische Thätigkeit sich zurückdatirt bis vor die achtundvierziger Jahre, bis in die Zeiten des Harrens und Sehnens, ein Idealpolitiker. Er trieb die Politik nicht blos mit dem Verstande, er trieb sie noch weit mehr mit dem Herzen, und solchen Politikern geschieht es nur zu oft, daß die ewig rollende Woge der Zeit ihnen einen Conflict vor die Füße wirft, dem wohl ihr Kopf, nicht aber ihr Herz gewachsen ist; sie können von den alten Idealen nicht loskommen und opfern lieber ihre eigene politische Existenz, als auch nur ein Theilchen jener Ideale. Es liegt eine herbe Tragik in dem Schicksal dieser Märtyrer, eine Größe, der wir, wie allem echt Tragischen, unsere Theilnahme nicht versagen können.

In der That breitet sich denn auch Völk’s politisches Leben vor uns aus wie ein Drama. Es hat seinen Aufstieg zur Höhe, seine Umkehr und seine Katastrophe, aber die letztere ist, da das rein menschliche Ende nicht als solche erscheint, noch nicht eingetroffen, nein, sie bereitet sich erst für die nächste Zeit vor. Der Held des Einzeldramas hat den Eintritt der politischen Katastrophe nicht mit erlebt, und wie im ernsten Drama die aufsteigenden Acte immer die wohlthuendsten sind, da sie den Helden noch in seiner Reinheit und der Freiheit von Irrthum und Fehler zeigen, so sind sie es auch in dem Drama, das wir hier zu entwickeln gedenken, im Lebensdrama: „Völk“. Sie vor Allen machen uns den Mann lieb und werth und legen uns die Pflicht auf, an seinem frischen Grabe nicht wort- und theilnahmlos vorbeizugehen.

Joseph Völk war – um hier nur einige Daten aus seinem vielbewegten äußeren Leben kurz zu berühren – am 9. Mai 1819 in Mittelstetten bei Augsburg geboren und hatte in den Jahren 1838 bis 1842 in München Jura studirt und mit einer Preisschrift über die „Handlöhne“ den juristischen Doctorgrad erworben. Drei Jahre später beginnt mit seiner selbstständigen Praxis als Rechtsanwalt auch schon sein Eintritt in’s politische Leben. Der sechsundzwanzigjährige Advocat wurde als Vertreter des Kreises Günzburg in den baierischen Landtag gewählt. Er hat seinen Sitz dort innebehalten durch die Stürme der kommenden Zeit hindurch und vom Anfange bis zum Ende alles Reaktionäre in Staat und Kirche, alle die vielfachen antinationalen Bestrebungen im Schooße der Ministerien und der in Baiern allzeit besonders mächtigen Ultramontanen mit siegreichem Worte bekämpft.

Zu der Zeit als die deutsche nationale Bewegung in Fluß kam, Ende der fünfziger Jahre, gründete er als Pendant zu dem in Norddeutschland gestifteten „Nationalvereine“ mit seinen baierischen Collegen Marquardt, Barth und Brater eine „deutsche Partei“ und suchte in der baierischen Kammer durch seinen auf die Reform der Bundesverfassung gerichteten Antrag vom 14. August 1859 den Bestrebungen jener Partei ein reales Ziel zu stecken – damals freilich ohne Erfolg.

Aber auch unmittelbar im Volke suchte er den nationalen Gedanken wach zu halten und vor der feindlichen Gegenströmung zu schützen. Auf den Festen und in den Volksversammlungen, an denen jene Zeit so überreich war, warf er die zündenden Feuerströme seiner Worte in die Massen hinein; war er doch durch die Gewalt seines Organs, durch das Imponirende seiner Erscheinung, durch die Volksthümlichkeit seines Wesens, die Energie seines Vortrags und die Wärme seiner Empfindung ein Volksredner im besten Sinne des Wortes.

Die deutschen Abgeordnetentage fanden in ihm einen regen Theilnehmer. Seine Rede auf dem Frankfurter Tage am 20. Mai 1866 als Referent über die Frage der Neutralität der deutschen Mittelstaaten steigerte sich zur Bedeutung eines geschichtlichen Moments. Mit kühner Initiative, mit männlicher Unerschrockenheit und zugleich als geschickter Anwalt für seine Sache suchte er in jener Rede die damals mächtig angefachte mißtrauische Antipathie des deutschen Südens gegen das aufstrebende Preußen zu erdrücken.

Als dann das baierisch-österreichische Bündniß durch den Majoritätsbeschluß der Kammern dennoch zur Thatsache geworden war, strebte er dem damaligen Minister von der Pfordten als Resultat desselben wenigstens die Aufstellung eines deutschen Reformprojects abzugewinnen. Auch hier vergebens. Und als nun durch den Ausgang des sechsundsechsziger Krieges die Bahn des Anschlusses an Norddeutschland geebneter erschien, da war die Zahl der Feinde eher noch gewachsen als gemindert; denn es war nicht blos die sogenannte patriotische Partei, besser gesagt die des Adels und der Ultramontanen, sondern auch die Partei der Radikalen, welche sich dem Anschlusse Baierns an die norddeutschen Staaten feindlich entgegenstellten.

Mit gewaltiger Hand erdrückte Völk die letztere noch in ihrem Werdeprocesse, ehe sie bis zu der Macht emporstieg, welche sie in dem benachbarten Württemberg errang. Dann gelang es dem vereinten Mühen Völk’s und seiner Freunde, die Majorität der Abgeordnetenkammer für den Zollvereinsantrag und das Schutz- und Trutzbündniß mit dem norddeutschen Bunde zu gewinnen. Dieser Beschluß, den ein damaliges baierisches Volksblatt in einer die Zeitströmung kennzeichnenden Weise als den „Begräbnißact des baierischen Selbststands und Lebenswohls“ bezeichnete, wurde zugleich ausschlaggebend für das zögernde Schwabenland, und es war besonders Völk’s Kammerrede vom 27. October 1867, welche den entscheidenden Erfolg herbeiführte.

Der Wahlkreis Immenstadt-Kempten sandte Völk in’s deutsche Zollparlament. Dort hielt er am 28. Mai 1868 die Eingangs erwähnte Frühlingsrede, in welcher er die Ueberbrückung der Mainlinie nur als eine Frage der Zeit, als eine halb und halb schon vollzogene Thatsache bezeichnete. Völk’s warmes Eintreten für die nationale Einigung von Süd und Nord blieb, wie man bestimmt behaupten kann, nicht ohne Einfluß auf die rasche Entschließung Baierns in dem kritischen Momente des Jahres 1870.

Die Ränke der Jesuiten und Ultramontanen hatten es indeß zuwegs gebracht, daß Völk in seinem alten Wahlkreise nicht wieder gewählt wurde. Dafür wählte ihn sein heimisches Augsburg. Aber schon bei der ersten Wahl in’s deutsche Reichsparlament fiel ihm sein alter Allgäuer Wahlkreis, den er scherzend als den „höchsten im Reiche“ bezeichnete, wieder zu.

Im deutschen Parlamente gründete Völk in Verbindung mit seinen süddeutschen Genossen Marquardt, Fischer, Barth und Fürst Hohenlohe die „liberale Reichspartei“. Als indeß die alten Freunde bei den Neuwahlen im Jahre 1874 sich nicht wieder [135] vollzählig zusammenfanden, schloß Völk sich der nationalliberalen Partei an und zählte fortan zu ihren thätigsten und regsten Mitgliedern, zugleich zu den zuverlässigsten Förderern der damaligen Politik des Reichskanzlers.

Bekannt ist, daß die Einführung der Civilehe und der Civilstandsregister namentlich aus der Anregung Völk’s hervorging. Die Verhältnisse in Baiern hatten ihm die Nothwendigkeit derselben nahe gelegt, war doch für die katholische Geistlichkeit das Trauungsmonopol zu einer Handhabe religiöser Intoleranz geworden, und machte sie bei Eingehung gemischter Ehen ihren Consens doch geradezu von der Bedingung abhängig, daß die Brautleute sich verpflichteten, ihre späteren etwaigen Kinder katholisch erziehen zu lassen, während von katholischen Eheleuten das Bekenntniß zum Unfehlbarkeitsdogma verlangt wurde.

Nachdem die baierische Abgeordnetenkammer einen bereits eingebrachten Gesetzentwurf, wenn auch mit geringer Mehrheit, abgelehnt hatte, blieb nur der Reichstag als weitere Instanz für die Abhülfe der schreienden Mißstände übrig, und so brachte Völk schon im Jahre 1872 eine Resolution an die Reichsregierung ein. Sie wurde angenommen, als aber die letztere mit der Einbringung des Entwurfes zögerte, veranlaßte er mit Hinschius die Initiative des Reichstags, und da die Sache in einer Commission vergraben zu werden schien, brachte er in der Frühjahrssession 1874 den Antrag von Neuem ein. Nun erlangte der Entwurf mit großer Mehrheit die Annahme.

In seiner auch hier wieder wesentlich entscheidenden Rede führte Völk aus, daß der Staat, indem er das Recht der Eheschließung selbst beanspruche, im Grunde genommen nichts weiter verlange, als was ihm von Alters her bereits zustand; denn die Eingehung der Ehe vor Laien war die ursprüngliche, die echt deutsche Form. Erst später, führte der Redner weiter aus, und es ist geboten, gerade jetzt wieder auf das damals Gesagte zurückzukommen – erst später habe die Kirche, treu ihrem Grundsatze, sich in alles zu mengen, dem Staate sein gutes Recht entzogen. Der ultramontane Abgeordnete Dr. Jörg wollte umgekehrt in dem Gesetze einen Eingriff des Staats in die Rechte der Kirche finden, und ihm hielt Völk mit Recht entgegen: wenn man sagen wolle, der Staat habe hier einen Rechtsbruch begangen, so sei ihm das gerade so unerfindlich, als daß die vatikanischen Decrete nichts an der katholischen Kirche geändert hätten.

Wie im Reichstag dem Reichskanzler, so war Völk in der baierischen Kammer dem liberalen Ministerium Hegnenberg-Lutz eine kräftige Stütze, wie denn auch die Einfügung des sogenannten Kanzelparagraphen in das Reichsstrafgesetzbuch, der dem Mißbrauche der Kanzel und der geistlichen Stellung zu staatsfeindlichen Agitationen steuern soll, wesentlich das Werk des den Antrag der Regierung lebhaft unterstützenden Völk ist.

Stand somit Völk bis dahin immer auf dem Boden der nationalliberalen Partei, so wurde dieser feste Boden für ihn ein schwankender, als die neue Wirthschafts- und Zollpolitik des Reichskanzlers ihren opferreichen Einzug in das Haus der Abgeordneten hielt. Völk hatte seine national-ökonomische Bildung aus den Schriften des schutzzöllnerischen Volkswirthes List gezogen, und die Beziehungen persönlicher Freundschaft zu den Großindustriellen seiner baierischen Heimath hatten ihn darin nur bestärkt.

Als daher nach dem Ende der Aera Delbrück der Reichskanzler, dem Völk mit hoher persönlicher Verehrung zugethan war, die gleichen schutzzöllnerischen Bahnen wie Völk’s volkswirthschaftliches Vorbild, Friedrich List, zu wandeln begann, da war gegen diesen gemeinsamen Druck der Gegendruck der Fractionspolitik nicht mehr stark genug, und die Katastrophe war unausbleiblich. Sie brach denn auch herein und zwar leider weit schroffer und herber als die Verhältnisse dazu nöthigten; sie wurde herbeigeführt durch den ominösen Antrag Frankenstein, der für die Parteiverhältnisse, besonders aber für die nationalliberale Partei eine so verhängnißvolle Tragweite gewann. Dieser Zusatzantrag des Centrumsmitglieds von Frankenstein vom Zolltarifgesetzentwurf vom 10. Juli 1879, beabsichtigte die Ueberweisung des Ueberschusses der Zölle und der Tabakssteuer an die einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe der Matricularbeiträge und unter Zugrundelegung eines dreijährigen Durchschnittsergebnisses.

Die liberalen Parteien erblickten in diesem Antrage eine Hintansetzung des konstitutionellen Budgetrechtes, eine Verschiebung der Verhältnisse der Reichsgewalt zu der Vertretung in den Einzelstaaten, eine Conservirung der Matricularbeiträge, deren endliche Beseitigung durch eine Steigerung der Reichseinnahmen erwünscht erschien. Bennigsen, der Führer der nationalen Partei, stellte deshalb einen Gegenantrag, der die Selbstständigmachung des Reichs und seiner Finanzwirthschaft durch die jährliche Feststellung der Zollsätze im Reichshaushaltetat und damit zugleich eine Wahrung der konstitutionellen Garantien bezweckte. In der Fractionssitzung kam es bereits zu einem heftigen Für und Wider. Dennoch erklärten am Schlusse Völk und Treitschke, daß sie, obwohl sie dem Frankenstein’schen Antrage eine principielle Bedeutung beimessen könnten, dennoch gegen denselben stimmen würden.

In der Reichstagssitzung Tags darauf legte Fürst Bismarck, wie er das gern in allen entscheidenden Lagen zu thun pflegte, das ganze Gewicht seiner, wir möchten sagen historischen Persönlichkeit zu Gunsten des von der Regierung adoptirten Antrags Frankenstein in die Wagschale. Er werde, sagte er, den Weg, den er betreten und den er für recht und gedeihlich halte, bis an’s Ende gehen. Möge er darum Haß oder Liebe ernten. Die Einigung Deutschlands zu fördern und so zu erhalten, daß sie dauernd erhalten bleibe, aus dem freien Willen aller Mitwirkenden, sei von Anfang an sein Streben gewesen.

Dieser Berufung an seinen eigenen Idealismus widerstand Völk nicht. Angesichts der Bennigsen’schen Erklärung, daß die ganze nationalliberale Partei beschlossen habe, gegen den Antrag Frankenstein zu stimmen, und des von der Regierung erklärten Bruchs mit den liberalen Parteien, stimmte er für den Antrag. Er könne, meinte er in seiner Rechtfertigungsrede, die grundsätzlichen Bedenken gegen denselben nicht theilen, mindestens seien sie nicht so tiefgreifend, daß er es verantworten könne, deshalb dem deutschen Volke das ganze große Reformwerk des Reichskanzlers vorzuenthalten. „Wo Begriffe fehlen,“ schloß er mit einem schwungvollen Citate aus Goethe’s „Faust“, „da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.“

Das Citat war unglücklichen Ursprungs; denn es entstammt bekanntlich dem Munde Mephisto’s, der die Worte dem Schüler gegenüber gebraucht, mit dem er seinen Spott treibt. Weit schlimmer aber war es, daß Völk nicht das that, was Treitschke that, daß er seinen faktischen Bruch mit der nationalliberalen Partei nicht sofort vollzog, sondern vielmehr abwartete, bis die Parteigenossen in einer sehr erregten Sitzung ihm ein Mißtrauensvotum, das eine Minorität sogar bis zu einem Tadelsvotum steigern wollte, zuerkannten.

Völk’s gemüthliche und versöhnliche Natur mochte wohl trotz seiner Stimmabgabe einen so schroffen Bruch nicht erwartet, eine Aussöhnung nicht für unmöglich gehalten haben, aber nirgends herrscht das Princip des Unversöhnlichen wohl so sehr wie auf dem Gebiete der Politik. Völk büßte seine That mit dem Fluche politischer Vereinsamung, da die neugebildete Gruppe Schauß-Völk zu keiner selbstständigen Bedeutung gelangte, und das mag er tief empfunden haben, er, der so gern unter Vielen stand und sich gern von Vielen gehört und geehrt sah. Sein Herz mochte nach dem, was er früher im Dienste des Vaterlands gethan, die strenge Logik der Thatsachen als bitteren Undank empfinden. Und es ist ja wahr: er hat dem deutschen Vaterlande viel, sehr viel geopfert, nicht blos an geistiger Kraft, auch an äußeren Gütern. Seine advocatorische Praxis hätte ihm ein großes Vermögen gesichert, wenn er ihr seine Zeit und seine Kraft voll hätte widmen wollen. Doch blieb diese Uneigennützigkeit wenigstens nicht ganz ohne dankbare Anerkennung; denn an seinem fünfundzwanzigjährigen Kammerjubiläum übergaben ihm seine politischen Freunde und Anhänger ein Haus in Augsburg als Dotation für sein opferreiches Wirken. Er hat den behaglichen Besitz, die Erfüllung eines längst gehegten Wunsches, nicht lange genossen, und auch die kurze Ruhe wurde ihm noch durch den frühzeitigen Tod seines ältesten Sohnes Josef tief vergällt, desselben, der, in der Liebe zum deutschen Vaterlande mit dem Vater wetteifernd, als der „jüngste Soldat der deutschen Armee“ – er war damals erst fünfzehn Jahre alt – 1870 in den Kampf gegen Frankreich gezogen war. Dann schlichen sich die Schatten finsterer Krankheit auch noch in’s Haus und mißgönnten Völk den Humor, dem der Frohgesellige sich allezeit so gern hingegeben.

Völk starb, wie die Zeitungen berichteten, an der vollständigen Degeneration des Herzens, des Herzens, das immer so warm geschlagen für des Volkes Wohl und des Reiches Größe.

Uneigennützig und selbstlos hat Völk den besten Theil seiner Zeit und seiner Kraft dem Vaterlande gewidmet; eingedenk des [136] Wortes: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre.“ Der Tod tilgt alles Herbe und Unversöhnte: so ließen auch die drei liberalen Parteien des deutschen Reichstags dem alten treuen Genossen durch den Reichstagsabgeordneten Armand Busch einen Kranz auf den Sarg legen, „auf den Sarg“, wie ihr Sendbote sprach, „des trefflichen Mannes und braven Patrioten, dem es das deutsche Volk niemals vergessen wird, daß er das Vaterland so treu geliebt hat.“