ADB:Alber

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Artikel „Alber“ von Wilhelm Gaß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 219–220, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Alber&oldid=- (Version vom 14. Dezember 2019, 04:56 Uhr UTC)
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Alber von Windberg
Band 1 (1875), S. 219–220 (Quelle).
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Alberus: Erasmus A., geb. wol im Eingang des 16. Jahrhunderts, † 5. Mai 1553; ein begabter Mitarbeiter der Reformatoren, vielfach eingreifend, aber niemals zu einer stetigen und dauernden Wirksamkeit gelangt, war in der Wetterau, nach anderer Nachricht in Sprendlingen bei Frankfurt a. M. geboren, Sohn eines Predigers Tilemann A.; das Geburtsjahr ist unbekannt. Er wurde in Nidda, dann in Mainz unterrichtet, bezog 1520 oder 21 die Universität Wittenberg und wurde ganz für Luther und Melanchthon gewonnen, mit dem letzteren blieb er in Briefwechsel. Sein öffentliches Leben vertheilt sich unter viele Stationen. Wir finden ihn zunächst 1525–27 als Schullehrer in Ursel, dann in Heldenberg bei dem Ritter Konrad von Hackstein, hierauf in dem Landstrich Drei-Eichen in der Grafschaft Katzenelnbogen, wo er als Prediger von Götzenhahn die neue Lehre einführte und 1528 als Pfarrer zu Sprendlingen, wohin ihn Landgraf Philipp von Hessen berufen hatte. Dort soll er bis 1538 geblieben sein. Der Kurfürst Joachim II. von Brandenburg erwählte ihn zum Hofprediger, entließ ihn aber wieder, weil er gegen die Besteuerung der Geistlichen starken Widerspruch erhoben hatte. Im J. 1541 finden wir ihn als Prediger in Neubrandenburg, und 1542–45 in gleicher Eigenschaft zu Stade bei Friedberg; während dieser Zeit war er am 24. Aug. 1543 von Luther zum Doctor der Theologie ernannt worden. Gleich darauf begab er sich auf kurze Zeit nach Rotenburg an der Tauber, wo er, wie Seckendorf berichtet, neben Thomas Venatorius das reformatorische Werk durchführen half, und nach Babenhausen bei Hanau auf Veranlassung des Grafen Philipp IV. von Hanau-Lichtenfels. Doch verließ er nach 1545 auch diese Gegend, verweilte abermals bis 1548 oder 49 in Sprendlingen und ging als Prediger nach Magdeburg. Dort aber hatte das Interim Anklang gefunden; als dessen entschiedener Widersacher konnte er sich in Magdeburg nicht halten, er wanderte nach Hamburg aus und lebte daselbst einige Jahre ohne Amt, bis ihn 1553 ein neuer Ruf als Superintendent nach Neubrandenburg in Mecklenburg führte. Hier ist er jedoch gleich nach seinem Amtsantritt gestorben. – So unstet sein Lebenslauf, so fest war seine Ueberzeugung. Von heftiger Gemüthsart ist er in der Bekämpfung der Agricolisten, [220] Karlstadtianer, Osiandristen, Interimsfreunde und Anderer, die an Luther’s Lehre ändern wollten, sich stets gleich geblieben. Daher ist ein Theil seiner Schriften, besonders der lateinischen, polemischen Zwecken gewidmet, doch würden diese und andere philologische Arbeiten („Dictionarium Latino-Germanicum“), ihm noch keinen Namen gegeben haben, wenn nicht sein Talent zugleich eine ihm besser zusagende, volksthümliche, poetische und satirische Richtung genommen hätte. Neben Burkard Waldis, obwol weniger fruchtbar als dieser, wurde er der deutsche Fabeldichter seiner Zeit; das „Buch von der Tugend und Weisheit“ 1550 umfaßt 49 Thierfabeln, in denen allerdings nur ältere Stoffe in ansprechender Weise bearbeitet sind. Großes Aufsehen machte die gegen den Katholicismus gerichtete Satire: „Der Barfüßer Mönche Eulenspiegel und Alcoran“, welche geschöpft aus einem Liber conformitatum s. Francisci ad vitam Jesu Christi, Med. 1510 und aus anderen Legenden, von Luther bevorwortet und 1542 edirt, dann aber auch in lateinischer, französischer und holländischer Uebersetzung verbreitet wurde. Andere Volksschriften behandeln z. Th. in dialogischer und satirischer Form den Sündenfall, den Ehestand, die Kindererziehung, die Kindertaufe, das Interim. Endlich hat A. auch zur kirchlichen Lyrik einen Beitrag geliefert. (Wackernagel, D. Kirchenlied III. S. 886–889. 1263.) Er ist als Liederdichter von Herder sehr ausgezeichnet worden; neuere wie Rambach haben dies Lob mit Recht ermäßigt, indessen haben doch mehrere seiner „geistlichen Lieder“ in die älteren Gesangbücher und in neuere Liedersammlungen Aufnahme gefunden.

Strieder, Hess. G.- und Schriftst.-Gesch. I. S. 24. – Hoffmann von Fallersleben, Mecklenburgisches Volksbuch für 1846 S. 187.