ADB:Apian, Philipp

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Artikel „Apian, Philipp“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 23–25, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Apian,_Philipp&oldid=- (Version vom 27. Mai 2019, 04:36 Uhr UTC)
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Apian: Philipp A., Mathematiker und Geograph, geboren am 14. September 1531 zu Ingolstadt, † am 14. November 1589 zu Tübingen, Sohn [24] Peter Apian’s (s. A. D. B. I, 505). Von Philipp’s Jugendzeit wissen wir wenig; unter Leitung des Vaters eignete er sich eine sehr achtbare mathematische Bildung an, und als jener 1552 verstarb, sah sich der noch sehr jugendliche Sohn zum Nachfolger in der Professur befördert. Als solcher wirkte er mit Eifer und Erfolg siebzehn Jahre an der bairischen Landesuniversität. Die Gegenreformation, welche damals von den bairischen Fürsten eifrigst betrieben wurde, vertrieb ihn aus dieser Stellung, denn A. war überzeugter Protestant; seit 1564 hatten die Ketzerrichter ein Auge auf seine religiösen Bethätigungen geworfen, und als 1568 sämmtliche Professoren den Eid auf das tridentinische Glaubensbekenntniß leisten mußten, konnte man ihm ernstlich zu Leibe gehen. Herzog Albrecht V. war ihm wohlgesinnt und hätte ihn gerne vor der Austreibung gerettet, wie dies der wohlerhaltene Briefwechsel zwischen dem Landesherrn, der Hochschule und dem der Sectirerei angeschuldigten Gelehrten deutlich genug beweist. Man würde ihm vielleicht sogar den ferneren Aufenthalt gestattet haben, wenn er nur darauf verzichtet hätte, mit seiner Ueberzeugung auch öffentlich hervorzutreten. Allein dazu war A. nicht zu bringen; als er die Tendenz seiner Gegner klar erkannt hatte, legte er freiwillig seine Lehrstelle nieder, brachte Frau und Tochter in Rosenheim, dem Geburtsorte der ersteren, sicher unter und trat nun eine Reise durch Süd- und Mitteldeutschland an, auf welcher er allenthalben neue Verbindungen anzuknüpfen suchte. So gelang es ihm denn in der That, einen Ruf nach Tübingen zu erwirken, der ihm einen neuen und glücklichen Wirkungskreis zu sichern schien. Leider verfolgte ihn hier das nämliche Mißgeschick, von welchem er schon so hart betroffen worden war. Der Tübinger Universitätskanzler Andreae hatte an der Schaffung der sogenannten Concordienformel hervorragenden Antheil genommen und setzte nun eine besondere Ehre darein, die Staatsdiener des Herzogthums Württemberg auf die neuen Dogmen zu verpflichten. A. lehnte ebensowol, wie früher das Tridentinum, auch diesen neuen Gewissenszwang ab; „ich weiß wohl“, sagte er zu dem in ihn dringenden Andreae, „wie es mir in Ingolstadt mit den Theologen ergangen ist“. Darauf erfolgte auch hier die „Beurlaubung“, d. h. Dienstentlassung, im J. 1583. Doch verließ A. die ihm lieb gewordene Neckarstadt nicht mehr, sondern lebte fortan in ihr als Privatmann; das Vermögen seiner Frau und ein „Leibgedinge“, welches ihm Baiern trotz aller Vorkommnisse nach wie vor auszahlen ließ, behüteten ihn vor äußerer Noth. Doch wird berichtet, daß ihn diese zweite Religionsverfolgung seelisch schwer angegriffen habe, und auch seine Gesundheit wurde von da ab eine schwankende, bis ein Schlaganfall seinem vielbewegten Leben ein Ziel setzte.

Von Ph. Apian’s im engeren Sinne schriftstellerischen Leistungen sind zunächst nur zwei astronomisch-geodätische Tractate zu nennen („De utilitate trientis, astronomici instrumenti novi, libellus“, Tübingen 1580; „De cylindri utilitate“, ebenda 1588). Theilweise Gedanken, die schon Peter A. ausgesprochen hatte, weiter ausgestaltend, verrathen beide Schriften den sachkundigen und im Lehren geschickten Praktiker, gehen aber nicht über das Durchschnittsniveau zeitgenössischer Litteratur hinaus. Als höchst gewandter Mechaniker tritt uns A. auch entgegen in den beiden gewaltigen Globen, welche derselbe für Herzog Albrecht anfertigte, und welche noch jetzt dem Besucher des Kimeliensaales der Münchener kgl. Hof- und Staatsbibliothek durch ihre Dimensionen, sowie nicht minder durch die bei aller Größe höchst graziöse Ausführung ins Auge fallen. Man sollte meinen, diese Kunstwerke müßten noch in der bairischen Periode entstanden sein, allein so verhält es sich in Wirklichkeit nicht. Derselbe Herzog Albrecht, der über A. die – allerdings durch Fortbezug eines früher verliehenen Ehrensoldes gemilderte – Verbannung verhängt hatte, setzte es bei [25] Herzog Ludwig von Württemberg durch, daß sein früherer Unterthan längeren Urlaub erhielt, um in München, von einem trefflichen Miniaturmaler – ob Hans Müelich? – unterstützt, eine künstliche Erd- und Himmelskugel zu construiren. Den Acten des Hofzahlamtes zufolge wurde der ungehorsame Protestant für seine Mühe freigebig belohnt.

Jene Jahresrente hatte A. erhalten wegen seiner auch nach unseren heutigen Anschauungen großartigen Leistung, der bairischen „Landtafeln“. Es ist dies eine detaillirte Karte von ganz Ober- und Niederbaiern, durchaus auf wirklicher Vermessung mit Meßkette und Compaß beruhend und in allen Theilen von der höchsten Treue. Damals besaß kein europäisches Land eine so correcte Mappierung, und erst zweihundert Jahre später fing man in Baiern selbst an, über diese 24 Blätter vom Jahre 1566, denen fünf Jahre zuvor eine Generalkarte vorausgesandt worden war, hinauszugehen. Auch in technischer Hinsicht verdient die topographische Zeichnung hohes Lob. Die Holzstöcke, von denen die einzelnen Karten abgezogen wurden, befinden sich noch im Besitze des bairischen Armeeconservatoriums und ermöglichten eine neue Ausgabe, welche das verdienstvolle Werk nunmehr allgemein zugänglich macht.

Cellius, Oratio de vita et morte nobilis et praeclarissimi viri Philippi Apiani Ingolstadensis, Tübingen 1591. – v. Prantl, Geschichte d. Ludwig-Maximilians-Universität. München 1872, I, 320 ff.; II, 258 ff. – v. Sydow, Die Kartographie Europas bis zum Jahre 1857, Petermanns Geographische Mittheilungen II, 73 ff. – Günther, Peter und Philipp Apian, zwei deutsche Mathematiker und Geographen; Prag 1881. – Günther, Die Münchener Globen Philipp Apians, Jahrbuch f. Münchener Geschichte II, 131 ff.