ADB:Bünau, Heinrich Graf von

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Artikel „Bünau, Heinrich Graf von“ von Heinrich Theodor Flathe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 538–539, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:B%C3%BCnau,_Heinrich_Graf_von&oldid=- (Version vom 17. August 2019, 23:31 Uhr UTC)
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Bünau: Heinrich Graf v. B., der Verfasser der „Teutschen Kayser- und Reichshistorie“, geb. 2. Juni 1697 in Weißenfels, wo sein Vater, der später Regierungspräsident in Ansbach und zuletzt kursächsischer Kanzler wurde, Geheimerrath und Kanzler war, † 7. April 1762. Nach Vollendung seiner Universitätsstudien in Leipzig trat er 1716 als Beisitzer des dortigen Oberhofgerichts in den sächsischen Staatsdienst, war bereits 1727 Oberconsistorialpräsident und 1730 Wirklicher Geheimerrath. Noch glänzendere Aussichten eröffneten sich ihm durch die Ernennung des Oheimes seiner zweiten Frau, des Grafen K. H. v. Hoym, zum Cabinetsminister. Er unterstützte diesen in dem vergeblichen Bemühen August den Starken von Polen wegzuziehen, die Rechte der Stände zu wahren und den drohenden Bankerott zu verhüten, als es aber Brühl gelungen war, v. Hoym zu stürzen, wurde B. 1734 als Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld nach Eisleben entfernt. Bereitwillig folgte er daher einer Aufforderung Kaiser Karls VII., der ihn als kursächsischen Gesandten in Mainz kennen gelernt hatte, und trat als erster evangelischer Reichshofrath auf der Herrenbank und Wirklicher Geheimerrath in dessen Dienste. Als Gesandter im ober- und niedersächsischen Kreise führte er an verschiedenen norddeutschen Höfen die Verhandlungen wegen der Frankfurter Union, wurde in den Reichsgrafenstand erhoben, kehrte aber nach des Kaisers Tode 1745 nach Sachsen zurück, um sich auf dem ihm durch seine dritte Gemahlin, Christiane Elisabeth v. Arnim, zugebrachten Gute Nöthnitz bei Dresden (von der ersten, Helene v. Döring, hatte er das Gut Dahlen geerbt, dessen Inneres er durch Oeser mit Gemälden ausschmücken ließ) den wissenschaftlichen Studien zu widmen, bis er 1751 zum obervormundschaftlichen Statthalter des Herzogthums Sachsen-Eisenach während der Minderjährigkeit des Herzogs Constantin berufen wurde. Im J. 1756 ernannte ihn dieser zu seinem ersten Minister, welche Stelle B. auch noch nach des Herzogs Tode von 1758–59 bekleidete. Den Abend seines Lebens verlebte er auf seinem Gute Oßmanstedt bei Weimar. Bünau’s Bedeutung liegt jedoch weniger in seiner staatsmännischen als in seiner wissenschaftlichen Thätigkeit; von Natur kalten und gemessenen Wesens fand er in diesem zugleich eine Schutzwehr gegen die Lockerheit der damaligen vornehmen Welt und Erholung von seinen Berufsgeschäften. Nachdem er sich bereits auf der Universität an der Actis Eruditorum betheiligt hatte, erschien 1722 die erste bedeutende Frucht seiner historischen Studien unter dem Titel: „Probe einer genauen und umständlichen Teutschen Kayser- und Reichshistorie oder Leben und Thaten Friedrichs I. Römischen Kaysers“ 4., von welcher Mascov urtheilte, „daß der Verfasser gewiesen habe, [539] wie viel man inskünftige von Einem, der sich an die deutsche Geschichte macht, fordern könne“. Dieser folgte 1728–43 sein Hauptwerk: „Genaue und umständliche teutsche Kayser- und Reichshistorie aus den bewährtesten Geschichtsschreibern und Urkunden zusammengetragen“, mit des Verfassers Bildniß, in vier Bänden, 4. Doch reicht dasselbe nur bis zu Konrads I. Tode. Obgleich zur Fortsetzung des Werkes umfassende Vorarbeiten und selbst bedeutende im Manuscript fertige Stücke, gegenwärtig größtentheils auf der Dresdener Bibliothek befindlich, vorhanden waren, ist es zu deren Veröffentlichung nicht gekommen. Aber auch so wurde B. durch dieses Werk neben Mascov der Begründer der neueren deutschen Geschichtsschreibung, indem er darin nicht nur auf die mittelalterlichen Urkunden zurückging, die Quellenschriftsteller nach den Grundsätzen der philologischen Kritik würdigte und benutzte und mit staunenswerthem Fleiße, Gründlichkeit und Weite des historischen Blicks die Gesammtmasse des Stoffes bewältigte, sondern auch rein, deutlich und gut deutsch, nicht blos für den Fachmann, sondern für das ganze gebildete Publicum zu schreiben sich befleißigte. Freilich leidet sein Stil an farbloser Breite und ermüdender Trockenheit. Dies war wol auch der Grund, daß das von den Zeitgenossen viel bewunderte Werk später ganz in Vergessenheit gerieth, erst Böhmer rühmte wieder von B., daß er für die Länder diesseit der Alpen dasselbe unternommen habe wie Muratori für die jenseitigen. Nach Bünau’s Tode erschien aus seinem Nachlasse noch eine „Historie des Kriegs zwischen Frankreich, England und Teutschland“, franz. und deutsch. 4 Thle. Fol. Regensburg 1763–67, welche die ersten Jahre des siebenjährigen Kriegs behandelt. Die gelehrten Hülfsmittel für seine Arbeiten lieferte dem Grafen seine reiche, auch äußerlich kostbar ausgestattete Bibliothek, an der er seit 1725 sammelte. Außer vielen kleineren Schriften enthielt dieselbe über 42000 Bände und war, anfangs in Dresden, seit 1740 in Nöthnitz aufgestellt, jedem Gelehrten mit großer Liberalität geöffnet. Nach dem B. dabei vorschwebenden Plane sollte sie eine Universalbibliothek werden, der Katalog derselben, den er von seinem Bibliothekar Joh. Mich. Franke anfertigen ließ, der aber nur bis zum 7. Bande gedieh, „als Universalindex gebraucht werden können, die Schriften in allen möglichen Materien darin zu finden“. Auch Winckelmann war von 1748–54 an Bünau’s Bibliothek als Secretär angestellt, hauptsächlich um ihm bei Ausarbeitung seines Geschichtswerkes zur Hand zu gehen. Nach Bünau’s Tode wurde seine Bibliothek von der Regierung für 40000 Thaler angekauft und der königlichen Bibliothek zu Dresden einverleibt.

Eine eingehende Biographie Bünau’s hat C. Sahrer v. Sahr auf Dahlen begonnen (1. Band Dresden 1869).