ADB:Babo, Joseph Marius Freiherr von

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Artikel „Babo, Joseph Marius“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 726–727, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Babo,_Joseph_Marius_Freiherr_von&oldid=1685943 (Version vom 2. September 2015, 19:32 Uhr UTC)
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Babo: Joseph Marius B. (so schrieb er selbst sich), Dichter, geb. zu Ehrenbreitenstein 14. Jan. 1756, † zu München 5. Febr. 1822 (nach den Acten der Akademie). Sohn eines aus Baiern stammenden kurtrierschen Hauptmanns. Auf dem Jesuitencolleg in Coblenz gebildet, trat er schon 15 jährig als dramatischer Dichter auf und ward bald nach 1774 als Secretär an die Mannheimer Bühne berufen. Seit 1784 lebte er in München, zuerst nur als Schriftsteller, Vorlesungen haltend. Bald ein geschätztes Mitglied des Rumford’schen Kreises, nahm er an dessen mannigfaltigen Schöpfungen thätigen Antheil. 1789–99 war er Studiendirector der neuerrichteten Militärakademie; daneben Censurrath, [727] Oberpolizeicommissär, kurfürstl. Raths- und geh. Secretär und endlich seit 1792 erst als Theatercommissär, dann als Intendant Leiter der Hofbühne, welche ihm nach gründlichem Verfall eine Periode schöner Blüthe dankte. Als Intendant folgte ihm 1810 (nicht erst 1819) de la Motte. B., 1807 zum Mitglied der Akad. d. Wissenschaften ernannt, scheint später ein öffentliches Amt nicht mehr bekleidet zu haben (fast alle Acten über ihn sind bei dem Münchener Theaterbrand von 1823 verloren gegangen). – Als dramatischer Dichter vorzüglich den geschichtlichen Stoffen zugewandt, folgt er, namentlich in „Otto von Wittelsbach“ der von Goethe im „Götz“ angebahnten Richtung. Ohne auf die wilde Genialität eines Klinger u. A. Anspruch machen zu können, zeigt er warme Empfindung, ja selbst ergreifendes Pathos und verräth hie und da in der Ausdrucksweise deutlich die Bekanntschaft mit Shakespeare. Jenes schon genannte vaterländische Trauerspiel „Otto von Wittelsbach“ hat unter allen Stücken des Dichters des größten und dauerndsten Beifalls sich zu erfreuen gehabt und sich bis in die 40er Jahre auf der Bühne erhalten. Und in der That sind in ihm alle jene Merkmale deutlich erkennbar, von denen Wieland in seinem dritten „Sendschreiben an einen jungen Dichter“ die große Anziehung der vielfältigen Nachahmungen des „Götz“ herleitet. Stark aufgetragene Charaktere, mächtige Leidenschaften, ein großer scenischer Apparat sind die Hebel, die von einer geschickten Hand angewendet werden, ohne zu Uebertreibungen, rohen Effecten oder Derbheiten der Sprache Anlaß zu geben. So auch nur war es möglich, daß der freisinnige Verfasser der „Ideen zu einer Mimik“, J. J. Engel im „Otto von Wittelsbach“ ein dramatisches Product vom „höchsten Rang“ erblickte und Tieck ist nicht im Unrecht, wenn er Babo’s Dramen zu denen zählt, die „den Stempel des deutschen Geistes tragen und die Grundlage zu einem deutschen Nationaltheater“ hätten werden können. Unsere Zeit hat B. ebenso vergessen, wie die ihm litterarisch nächststehenden Dramatiker: Jac. Mayer und Joh. A. v. Törring. Außer „Otto von Wittelsbach“, 1781 u. zuletzt 1869, hat B. verfaßt die Trauerspiele: „Oda“, 1782; „Dagobert“, 1787; „Genua und die Rache“, 1804; das dramatische Heldengedicht: „Die Römer in Deutschland“, 1780; das heroische Schauspiel: „Die Strelitzen“, 1790 u. 93; das militärische Drama: „Arno“, 1776; das Melodrama: „Cora und Alonzo“, 1780 und endlich die Lustspiele: „Winterquartier in Amerika“, 1778; „Die Mahler“, 1783 u. ö.; „Das Fräulein Wohlerzogen“, 1783; „Bürgerglück“, 1792 u. ö. und „Der Puls“, 1804 und 1869. Nicht unbedeutend sind die Erzählungen: „Gemälde aus dem Leben der Menschen“, 1783. Auch redigirte er die Zeitschriften: „Der dramatische Censor“, 1782 ff. und „Aurora“.

Joseph Kürschner.