ADB:Backhuysen, Ludolf

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Artikel „Backhuysen, Ludolf“ von Wilhelm Schmidt (Kunsthistoriker) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 777–778, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Backhuysen,_Ludolf&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 22:51 Uhr UTC)
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Bakhuizen: Ludolf B., berühmter holländischer Marinemaler, geb. 1631 zu Emden, † zu Amsterdam 7. Nov. 1709. Zuerst ward er als Schreiber auf dem Bureau seines Vaters beschäftigt. Im J. 1750 kam er nach Amsterdam, um die Kaufmannschaft zu erlernen, wandte sich aber bald der Malerei zu und lernte bei A. von Everdingen und namentlich auch bei Hendrik Dubbels. [778] Dadurch und durch fleißiges Studium der Natur eignete er sich bald eine beneidenswerthe Vielseitigkeit an. Um das Wüthen des Sturmes, das Stranden der Schiffe etc. kennen zu lernen, ließ er sich sogar oft hinausfahren, ohne auf sie Lebensgefahr zu achten. Durch seinen unermüdlichen Fleiß wuchs seine Geschicklichkeit, durch seine Geschicklichkeit sein Ruhm. Im J. 1665 bestellten die Bürgermeister von Amsterdam bei ihm ein großes Gemälde, die Ansicht von Amsterdam von Y aus mit einer Anzahl von Schiffen, Yachten und Booten und gaben ihm die für damals außerordentliche Summe von 1300 Gulden und noch eine Belohnung; das Bild wurde an Ludwig XIV. zum Geschenke gesandt und hängt jetzt im Louvre. Der König von Preußen, der Großherzog von Toscana, der Kurfürst von Sachsen und verschiedene andere deutsche Fürsten suchten ihn auf; der Czar Peter von Rußland ließ ihn in seinem Beisein verschiedene Gattungen von Schiffen für ihn zeichnen, während seine Majestät zu gleicher Zeit einige Schiffe aufs Papier brachte. Bakhuizen’s letzte Tage wurden durch Steinleiden getrübt; er starb ruhig und ergeben, nachdem er überhaupt sein Leben still, bescheiden und tugendhaft geführt hatte, wie Honbraken von ihm berichtet.

B. galt lange für den ersten holländischen Marinemaler. Heutzutage ist freilich sein Ruhm gesunken, ja man hat ihn zu einem mittelmäßigen Künstler degradirt. Es ist allerdings nicht abzuleugnen, daß verschiedene seiner Gemälde durch kalte, geleckte Färbung, durch die unnatürliche Verdunkelung des Himmels gegen die Erde und namentlich durch die bunte, schlechtgezeichnete und -componirte Staffage abstoßend wirken. Er hätte sich nicht so oft verleiten lassen sollen, die Figuren zur Hauptsache oder doch zu einem hervorragenden Bestandtheil seiner Bilder zu machen. Doch gibt es auch Werke von ihm, deren Farbe eine größere Klarheit und Naturwahrheit zeigt. Und ganz besonders war er ein trefflicher Zeichner und verstand sich darauf, die Bewegung des Wassers in leichter Brise und im wüthendsten Sturme zu bemeistern. Die Auffassung der Wellen zeugt öfter von einer gewissen Großartigkeit, wenn wir auch die volle Naturfrische J. van Ruisdael’s und Willem van de Velde’s vermissen. Meisterhaft sind seine häufig vorkommenden Zeichnungen. Er radirte auch mit sicherer Hand eine Anzahl (gegen 15) Blätter, von denen die meisten mit dem J. 1701 bezeichnet sind. Seine Gemälde finden sich in den meisten Hauptgalerien und kommen auch zahlreich im Privatbesitze vor. Nachahmer hat er viele gehabt.