ADB:Beißel, Jodokus

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Artikel „Beissel, Jodoc“ von Friedrich Haagen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 294–295, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bei%C3%9Fel,_Jodokus&oldid=2489315 (Version vom 24. November 2017, 05:24 Uhr UTC)
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Beissel: Jodoc B., † 1514, Sohn eines Aachener Schöffen, wurde 1464 nach Vollendung seiner Studien auf der Universität Löwen zum Doctor beider Rechte ernannt und in der Folge Geheimrath des Erzherzogs Maximilian von Oesterreich. Als dieser 1486 in Aachen zum Könige gekrönt worden war, blieb Jodoc B. in seiner Stellung. Er wohnte im J. 1505 mit dem Könige zu Köln dem Fürstentage bei. B. war allseitig gebildet, war Philosoph, Redner, Dichter, gründlich bewandert in den heiligen Schriften und stand mit vielen Gelehrten seiner Zeit in Briefwechsel. Als Jurist besorgte er die Rechtsangelegenheiten seiner Vaterstadt, deren Archiv von ihm Briefe und andere Schriften aufbewahrt. Zu seinen selten gewordenen Schriften gehören: „Rosacea tria [295] coronamenta versu elegiaco“, Antv. 1495 et Lovanii 1623; „De mysteriis Rosarii“, lib. I.; „De optimo genere musicorum“; „Gesta Flandrorum“, vielleicht dasselbe unter dem Titel: „Ad Car. virulum de seditione Flandrensi“; „De christiano ambitu“, das ohne Jahreszahl und ohne Angabe des Druckortes unter dem Titel: „M. Tulli Ciceronis conversi commentarius de christiano ambitu …“ erschienen. (Vgl. Chr. Quix, der Kreis Eupen. S. 79 ff.)

Die Familie Beissel gehört übrigens zu den wenigen, welche aus den Zeiten, in welchen Familiennamen aufkamen, sich bis auf unsere Tage in Aachen erhalten haben. Mit dem Anfange des 14. Jahrhunderts war ein Wilhelm B. Vorsteher einer der neun Grafschaften, in welche die Stadt vom 13. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eingetheilt war. Im 15. Jahrhundert begegnen wir Mitgliedern dieser Familie als Bürgermeistern und Schöffen der Stadt. In den Jahren 1449–1478 finden wir den Johann B. in einflußreicher Stellung am Hofe der beiden letzten Herzoge von Burgund. Ein Verwandter desselben, der Aachener Schöffe Gerard B. steht mit ihm im brieflichen Verkehr, um der Stadt ihren werthvollsten Besitz vor der Begehrlichkeit der mächtigen Nachbaren zu sichern. Es handelte sich nämlich um die reiche Galmeigrube des Altenberg, welcher im Aachener Reich (Gebiet) an der Grenze des Herzogthums Limburg lag, das die Herzöge von Burgund nebst Brabant geerbt hatten. Der rücksichtslos um sich greifende Herzog Philipp der Gute nahm den Altenberg in Besitz und erklärte, er würde sein Recht auf denselben gegen jeden, wer er auch sei, mit den Waffen aufrecht erhalten. Bekanntlich ist der außerordentlich ergiebige Galmeiberg, der auf dem sogenannten neutralen Gebiete liegt, heute ein gemeinsamer Besitz der beiden Kronen Preußen und Belgien. – In den leidenschaftlichen Verfassungskämpfen des 15. Jahrhunderts stand ein Wilhelm B. an der Spitze der Gemeine gegen den Erbrath; dieser behielt aber das Uebergewicht und ließ den Wilhelm B. aus der Augustinerkirche, wo er ein Asyl gesucht hatte, auf den Markt bringen und ohne gerichtliches Verfahren 1477 enthaupten. Die B. gehörten bis zur neueren Zeit einer liberalen Richtung an. In den bürgerlichen Streitigkeiten des Jahres 1786 gehörte ein Stephan B. zu den Häuptern der Opposition gegen das alte Regiment. Bei der ersten französischen Occupation wurde Anfangs 1793 der Nadelfabricant B. gegen seinen Willen zum Maire ernannt. Die in Aachen seit dem 16. Jahrhundert so wichtige Nadelfabrication wurde von jeher durch die B. mit großem Erfolge betrieben. Sie erwarben im J. 1806 bei der großen Nationalausstellung des französischen Kaiserreichs zu Paris eine Auszeichnung. Durch die Nadelfabrication sind sie bis zum heutigen Tag berühmt. Nur Einer des Namens, jener 1477 enthauptete Wilhelm B. wird als Junker aufgeführt. Zu dem noch blühenden Geschlechte v. Beissel-Gimmenich scheinen die Aachener B. keine Beziehung zu haben.