ADB:Bernhardi, August Ferdinand

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Bernhardi, August Ferdinand“ von Hermann Hettner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 458–459, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bernhardi,_August_Ferdinand&oldid=- (Version vom 21. Mai 2019, 16:00 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Bernhard, Johann Adam
Band 2 (1875), S. 458–459 (Quelle).
Wikisource-logo.png August Ferdinand Bernhardi bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg August Ferdinand Bernhardi in der Wikipedia
GND-Nummer 118656449
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|458|459|Bernhardi, August Ferdinand|Hermann Hettner|ADB:Bernhardi, August Ferdinand}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118656449}}    

Bernhardi: August Ferdinand B., am 24. Juni 1770 zu Berlin geboren, war ein verdienstvoller Berliner Schulmann aus der Schule F. A. Wolf’s, Meierotto’s und Gedike’s. Er war seit 1808 Director des Werder’schen, in den letzten Jahren des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums. Er starb am 2. Juni 1820. Durch seine „Sprachlehre“ (erster Theil 1801, zweiter Theil 1803), welche die grammatischen Anschauungen F. A. Wolf’s auf der Grundlage der Fichte’schen Wissenschaftslehre zu begründen und fortzubilden suchte, ist er ein Bahnbrecher der neueren Sprachwissenschaft geworden. In den weiteren Kreisen aber ist er [459] besonders durch seine Verbindungen mit den Häuptern der romantischen Schule bekannt. Zuerst der Lehrer Ludwig Tieck’s, wurde er später dessen Schüler und Nachahmer. Er nahm nicht nur am Athenäum und an A. W. Schlegel’s und Tieck’s Musenalmanach Antheil, sondern er dichtete auch Dramen und Erzählungen, obgleich ihm jede tiefere dichterische Gestaltungskraft versagt war. Sein bekanntestes Werk dieser Art sind die „Bambocciaden“ (3 Bde. 1797–1800), satirische Schnurren, dürftig in der Erfindung, aber von sorgfältiger, oft boshafter Kleinmalerei des Berliner Gesellschafts- und Litteraturlebens. Im J. 1838 erschienen „Reliquien von A. F. Bernhardi und dessen Gattin Sophie Bernhardi, geb. Tieck. Erzählungen und Dichtungen, herausgegeben von Wilhelm Bernhardi, mit einem Vorwort von Varnhagen von Ense“. (Vgl. Hettner, Romantische Schule.)

Sophie Bernhardi, 1775 in Berlin geboren, war die Schwester Ludwig und Friedrich Tieck’s. Sie heirathete 1799 Ludwig Tieck’s Jugendfreund August Ferdinand Bernhardi, wurde aber von diesem schon 1803 geschieden. Darauf lebte sie mit ihren Brüdern eine Zeit lang in München und in Rom. Im J. 1810 verheirathete sie sich zum zweiten Mal mit einem Herrn von Knorring, einem livländischen Gutsbesitzer. Im J. 1833 starb sie. Durch ihren Bruder Ludwig war sie früh in die Litteratur eingeführt. Sie betheiligte sich nicht nur lebhaft an den Zeitschriften der Romantiker, sondern versuchte sich auch in eigenen größeren Dichtungen; doch kommt sie nirgends über gefühlsschwelgerische weibliche Anempfindung hinaus. „Wunderbilder und Träume in elf Märchen“ (1802); „Flore und Blancheflur“, bereits 1805 begonnen, aber erst 1812 von A. W. Schlegel herausgegeben, und ein nach ihrem Tode von L. Tieck herausgegebener Roman „Evremont“ (1836).