ADB:Bert, Peter de (Bibliothekar)

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Artikel „Bert, Peter de“ von Joseph Albert Alberdingk Thijm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 509–510, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bert,_Peter_de_(Bibliothekar)&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 21:20 Uhr UTC)
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Bert: Peter de B. (Bertius), geb. 14. November 1565 in Beveren, wahrscheinlich in der Provinz Westflandern, † zu Paris am 5. Oct. 1629. Seine Eltern verließen bald nach seiner Geburt Flandern, weil sie wegen der Annahme des reformirten Glaubens nicht mehr sicher waren; sie flohen nach London, wo sie ihren Sohn in den alten Sprachen, der Musik etc. von einem gewissen de Ryck unterrichten ließen, jedoch schon im J. 1572 nach den Niederlanden zurückkehrten. Der alte de B. war einer der ersten reformirten Prediger zu Rotterdam. Von ihm ist bekannt, daß er unter anderem Jakob Hermansz (den später berühmten Arminius), welcher Eltern und Habe verloren hatte, bei sich aufnahm, daß er mit Hubert Duifhuis (s. d.) in Beziehung stand, im J. 1581 der Nationalsynode beiwohnte, später Prediger zu Dünkirchen wurde und zu Heinkenssande im J. 1599 starb. Der junge de B. kam 1577 im Alter von zwölf Jahren wieder nach den Niederlanden. Zwei Jahre später ging er auf die 1574 gestiftete Hochschule zu Leyden. 1582 schon finden wir ihn dort in der Eigenschaft eines Docenten an der lateinischen Schule, später sehen wir ihn zu Dünkirchen, Ostende, Middelburg und längere Zeit zu Goes. 1589 wurde er als Lehrer der alten Sprachen nach Leyden berufen; 1591 aber [510] begab er sich mit einigen Freunden auf Reisen, um die berühmten calvinistischen Gelehrten zu Heidelberg und anderer Orten kennen zu lernen, 1593 wurde er als Subregens des calvinistisch-theologischen Collegiums („staten collegie“) in Leyden angestellt, trat aber diese Stelle erst nach einer größeren Reise durch Deutschland, Rußland etc. an. Zugleich wurde er auch Bibliothekar daselbst und gab im J. 1595 den ersten Katalog der Bibliothek heraus. Zum Regens befördert, mußte er dieses Amt dem später so berühmten G. J. Vossius abtreten, und wurde dafür zum Professor der Moral ernannt. Zu Leyden entwickelte sich nun der Streit der Arminianer und Gomaristen oder der Remonstranten und Contraremonstranten, so genannt, weil sie gegen die calvinistischen Angriffe und die Prädestinationslehre remonstrirt hatten. B. wurde bald das Opfer dieses Conflicts. Arminius war der alte Freund seines Vaters. Der Verkehr mit ihm gab natürlich seinen Zweifeln in Bezug auf das calvinistische Lehrsystem Nahrung. Beim Tode des Arminius im J. 1609 hatte B. sich schon bestimmt zu dessen Ansichten bekannt. Als Leiter des Staatencollegiums schrieb er eine Art Rechtfertigung seiner christlichen Principien, weil er bei den Staaten von Holland und Westfriesland des „Unglaubens“ verdächtigt worden war. Aus den Worten dieser Schrift geht hervor, wie günstig er bereits über die Principien des katholischen Glaubens dachte. Im Laufe des J. 1610, in welchem die obengenannte Remonstration geschrieben und unter Andern auch von B. unterzeichnet wurde, gab er ein Werk heraus mit dem Titel: „Hymenaeus desertor“, welches von Jakob I. von England, dem man von Seiten der Staaten eine gewisse Autorität in religiösen Dingen zugestand und der sich diesen Vorrang gerne gefallen ließ, verdammt und verbrannt wurde. Jakob nannte die Arminianer „Ketzer“ und „Gottesläugner“. Und doch hatte B. sich nichts anderes erlaubt, als eine Widerlegung der absoluten Rechtfertigungslehre Calvin’s. 1613 erschien von ihm „Arminii amica collatio per litteras cum Franc. Junio de praedestinatione“, zum Zwecke abermaliger Vertheidigung des Arminius; dadurch machte er sich wieder neue Feinde. Im J. 1619 wurden alle Geistesverwandten des B. zu Leyden abgesetzt, und auch er selbst mußte weichen, nachdem er 25 Jahre als Professor der Moral daselbst thätig gewesen war. Von allem entblößt, begab er sich nun nach Frankreich, da Ludwig XIII. ihm schon im J. 1618 den Titel eines königlichen Kosmographen verliehen hatte. Hier entwickelte sich mehr und mehr seine Hinneigung zu den Lehren der katholischen Kirche, zu welcher er sich am 25. Juni 1620 vor dem Erzbischof de Retz öffentlich bekannte. In der Folge wurde er zum Lehrer der Beredsamkeit, dann der Mathematik ernannt und erhielt den Titel eines königlichen Geschichtschreibers. Unterdessen war zu Leyden bei der Ostercommmunion in der Kirche die Excommunication über ihn ausgesprochen worden. Auch seine Frau und Kinder kamen dann nach Paris und wurden katholisch wie er. Seine vier Söhne traten in den geistlichen Stand. B. starb am 3. Oct. 1629, 64 Jahre alt. Er hinterließ noch einige geographische Werke.

H. J. Allandt: P. Bertius, Studien op wetgodsdienstig, enschappelyk en letterkundig gebied. III. 4. Lieferung. Uytenbogaert: Kerckelycke Historie, p. 44 ss. Blandt: Historie der Reformatie II, passim; III, 888 ss.; IV, 302 ss. Saxe, Onomasticon Liter. IV, 49 und 569.