ADB:Bothe, Friedrich Heinrich

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Artikel „Bothe, Friedrich Heinrich“ von Karl Felix Halm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 196–197, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bothe,_Friedrich_Heinrich&oldid=- (Version vom 14. November 2019, 13:29 Uhr UTC)
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Bothe: Friedrich Heinrich B., geb. 1771, † 9. Juli 1855 zu Reudnitz bei Leipzig, Dichter, Philolog und Uebersetzer. Er studirte zu Halle Philologie, wurde Mitglied des Vereines für gelehrte Schulen zu Berlin, später lebte er als Privatgelehrter zu Heidelberg, Mannheim, Constanz und in der Nähe von Leipzig. Wiewol die sehr ausgedehnte schriftstellerische Thätigkeit Bothe’s eine Zeit von sechs Decennien umfaßt, so fehlt es doch gänzlich an genaueren und verlässigen biographischen Mittheilungen. Die Angaben über das Jahr seiner Geburt schwanken zwischen 1771 und 1779 (letzteres Datum entschieden unrichtig); als Ort seiner Geburt wird Berlin angegeben, während er sich selbst in seinen „Opuscula critica et poëtica.“ (1816) einen Magdeburgensis nennt. Daß er Noth hatte, sich als Privatgelehrter durchzuschlagen, geht aus einem Briefe an Fr. Thiersch (aus Mannheim, 30. März 1833) hervor, wo er schreibt: „Da mir mein Verleger Hahn die viele Mühe und Zeit, welche der Homer mich kostet, nicht gehörig vergüten kann, wünschte ich mir manchmal ein kleines festes Einkommen als Bibliothekar, Professor, ja als Castellan eines schönen Schlosses, wo möglich mit einer alten Bibliothek voll alter Urkunden, besonders da ich nicht allein stehe, sondern Hand in Hand mit meiner Gattin und Tochter durchs Leben pilgere. Allein Niemand nahm je auf mein Verhältniß Rücksicht außer Vater Gleim. Dieser ernannte mich zum Lehrer an der aus seinem Vermögen zu stiftenden Humanitätsschule, und setzte mir bis dahin ein jährliches Legat von 100 Thlr. in Gold als Wartegeld aus, welches ich noch genieße; aber die Stiftung selbst jener Schule ist bekanntlich vereitelt durch eine Uebereinkunft der Gleim’schen Fideicommissarien mit der preußischen Regierung, die trotz Vorstellungen von mir und einigen Berliner Freunden mich nie für die verlorene Stelle entschädigt hat.“ – Bothe’s philologische Arbeiten bezogen sich hauptsächlich auf die Dichter; die Dramatiker sowol die griechischen als römischen hat er sämmtlich, zum Theil wiederholt bearbeitet. Da viele seiner ungemein zahlreichen Ausgaben wol nur, um Geld zu verdienen, entstanden sind und da seine Kritik eine höchst willkürliche war und nur zu oft geradezu ins Abenteuerliche ging, wurde sein Name als Kritiker ziemlich verrufen und seine Leistungen wenig mehr beachtet, so daß manche gute Vermuthung später erst dadurch Anerkennung fand, daß eine solche von anderer Seite beigebracht wurde. Bei einer glücklichen Divinationsgabe und einem feinen Sinn für poetischen Ausdruck sind ihm nicht wenige treffende Verbesserungen, besonders im Plautus und in den Bruchstücken der römischen Dramatiker gelungen. Als Uebersetzer bewährte B. eine ungewöhnliche Vielseitigkeit. Aus dem Griechischen übersetzte er Pindar’s olympische Oden (1804) und zweimal den Euripides (1800 ff. in 5 Bänden und 1823 ff. in 3 Bänden); seine vermischten satirischen Schriften (1803) enthalten eine modernisirte Bearbeitung der Satiren des Persius und das Gedicht über die Tonkunst von Salvator Rosa; aus dem Englischen übertrug er Pope’s Versuch über den Menschen (1793) und zahlreiche Balladen aus Percy’s Sammlung in seinen Volksliedern (1795), worin sich selbst einige poetische Uebersetzungen deutscher Balladen ins Englische finden. Endlich die „Opuscula critica et poëtica“ [197] (1816) enthalten Bothe’s Versuche in griechischen und lateinischen Gedichten, theils eigenen, theils Uebersetzungen, und kritische Anmerkungen zum Don Quixote in spanischer Sprache. Seine übrigen belletristischen Arbeiten (Gedichte, Dramen, Romane) sind in Goedeke’s Grundriß § 367 verzeichnet.

Goedeke a. a. O. II, 178. Leipziger Repertorium der Lit. XIII, 4 (1855), S. 295.