ADB:Brünneck, Magnus von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Brünneck, Magnus von“ von Otto Nasemann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 443–445, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Br%C3%BCnneck,_Magnus_von&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 06:02 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Brunneau, Jakob
Nächster>>>
Brunnemann, Jakob
Band 3 (1876), S. 443–445 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Magnus von Brünneck in der Wikipedia
GND-Nummer 124753906
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|443|445|Brünneck, Magnus von|Otto Nasemann|ADB:Brünneck, Magnus von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=124753906}}    

Brünneck: Karl Otto Magnus v. B., Oberburggraf des Königreiches Preußen, geb. am 28. Januar 1786 in Brandenburg a. d. Havel, † 24. Dec. 1866. Er war der zweite Sohn des hochachtbaren Feldmarschalls v. B., eines Veteranen aus den schlesischen Kriegen, der, sehr verschieden von den übrigen höheren [444] preußischen Officieren jener Zeit, sich durch Vorurtheilslosigkeit und humane Gesinnung auszeichnete. Seine Jugend verlebte er in Cöslin und Königsberg i. Pr. Im Frühjahr 1802 trat er als Junker bei dem Husaren-Regiment Blücher ein, ward 1803 Officier, besuchte die sogenannte école militaire und versah seit dem Frühling 1806 die Geschäfte des Regimentsadjutanten, erst eben 20 Jahr alt. Als solcher nahm er Theil an der unglücklichen Schlacht bei Auerstädt, begleitete den Rückzug des Blücher’schen Heertheils bis Lübeck, ward dort gefangen genommen, in der Folge ausgewechselt und trat dann nochmals in ein näheres Verhältniß zu Blücher, als dieser im Mai 1807 nach Rügen gesandt ward, um eine Diversion im Rücken der französischen Armee zu machen. Nach dem Tilsiter Frieden ging er mit dem General in dessen Standquartier nach Treptow und Stargard, ward Premierlieutenant, harrte bei ihm auch während der unglücklichen Zeit aus, in welcher Blücher von fixen Ideen bis zum Irrsinn besessen war, und nahm endlich 1810 als Rittmeister seinen Abschied, um sich zu verheirathen und die Bewirthschaftung der väterlichen Güter in Preußen zu übernehmen. Nachdem er mit seinem Bruder, dem nachherigen General der Infanterie, getheilt hatte, gelangte er 1812 in den Besitz der im Rosenberger Kreise gelegenen Güter. Indeß rief ihn der Ausbruch des Freiheitskrieges wieder zu den Waffen. Wir finden ihn seit Anfang 1813 eifrig thätig bei dem specifisch altpreußischen Werke der Organisation der Landwehr; er formirte ein Nationalcavallerieregiment und wurde als Major zum Commandeur desselben ernannt. Mit ihm rückte er zum Blokadecorps von Danzig, verließ auch diese Stellung nicht, obwol er mit seinem Freunde Ludwig zu Dohna viel von der Anmaßung der verbündeten Russen zu leiden hatte, als ihn Blücher in den Generalstab der schlesischen Armee berief. Bald nach dem Frieden schloß er seine soldatische Laufbahn ab; er war zum 8. Uhlanenregiment versetzt, zog es aber vor, als dasselbe nach Bonn verlegt ward, als Obrist seinen Abschied zu nehmen und nach seinem Gute Bellschwitz zu gehen. – Hier hat er zwei Decennien mit ungebrochener Thatkraft, hoher Einsicht und patriotischer Uneigennützigkeit der Verwaltung seiner Güter obgelegen und ist als Landwirth für die ganze Provinz ein Vorbild geworden. Hatte er schon vorher den Tod seines neunzigjährigen Vaters zu beklagen gehabt, so traf ihn gleich nach Beginn seiner neuen Thätigkeit auch sonst manches schwere Unglück, unheilbare Erkrankung seines ältesten Sohnes, Feuersnoth u. a. Er ließ sich nicht entmuthigen, sondern faßte seine Aufgabe mit der ihm eigenen Energie an. Der Werth der preußischen Landgüter war in Folge der schweren Kriege, der massenhaften Truppendurchzüge sehr gesunken, es bedurfte neuer Hülfsquellen, um ihn zu heben. Brünneck’s Gedanke war es, die Zucht veredelter Schafe mit dem herkömmlichen Ackerbau zu verbinden. Indem er seinen Landsleuten auf diesem Wege voranging und überhaupt ihnen zeigte, welche Vortheile eine rationelle Wirthschaft bringe, hat er segensreichen Einfluß geübt. Reisen nach Sachsen vermittelten ihm den Ankauf edler Thiere, bald wurden die Provinzialbehörden, zumal sein Schwager, der Oberpräsident v. Schön, auf seine Thätigkeit aufmerksam, er erhielt einen Credit der Seehandlung von 100000 Thlr., um für die ganze Provinz gleiche Ankäufe zu machen; bis 1823 hat er zu diesem Zwecke die besten Stammschäfereien in Sachsen wie in Schlesien besucht. – Inzwischen entzog er sich auch anderen Aufgaben nicht. Von dem Jahre 1822 an ist er in eminenter Weise auch für die Entwickelung der Verfassungsverhältnisse, zunächst in seiner Provinz und weiter für das ganze Land thätig gewesen. In jenem Jahre nahm er zuerst an einer Versammlung von Notabeln Theil, welche die Einrichtung der Provinzialstände vorzubereiten hatte. Er ist seitdem ein ständiges Mitglied des altpreußischen Provinziallandtages geblieben, in der Folge Vicelandtagsmarschall, [445] zuletzt Landtagsmarschall gewesen und hat sich, in Gemeinschaft zunächst mit dem früheren Minister Grafen Alexander zu Dohna, mit den beiden Auerswald, Bardeleben, Saucken bedeutende Verdienste um die geistige Hebung seiner Provinz erworben. Immer bereit, sicheren und ruhigen Schrittes vorwärts zu gehen, aber zugleich ein bewußter Gegner jeder radicalen, unhistorischen Uebereilung und ein Feind aller Phrase ist er auf dem bekannten Huldigungslandtage 1840 wie auf dem berühmten Allgemeinen Landtage in Berlin 1847, auf dem letzteren als Marschall, der eigentliche Halt der besten Mitglieder gewesen. Dieselbe Stellung nahm er im Revolutionsjahre 1848 ein, als er einer der wenigen Rittergutsbesitzer durch das Vertrauen seiner Bauern in die Berliner Nationalversammlung gewählt ward; diesmal seitens des Kreises Lebus, in welchem er seit Ende der dreißiger Jahre auf dem von seinem Oheim ererbten Gute Trebnitz wohnte. Als die Versammlung nach Brandenburg verlegt ward, übernahm er als Alterspräsident den Vorsitz, und seiner Festigkeit ist es besonders zu danken, daß die Regierung bei der Herstellung geordneter Zustände auch die Landesvertretung auf ihrer Seite behielt. In der Folge ward er als Oberburggraf des Königreiches Preußen – welche Würde ihm noch von Friedrich Wilhelm III. verliehen war – in die erste Kammer und in das Herrenhaus berufen, gehörte jedoch unter dem Ministerium Mantteuffel nicht mehr zu den Unterstützern der Regierung, für welche er erst wieder mit dem Regierungsantritt König Wilhelms eintrat. Er erlebte noch die Tage von Königgrätz und hatte die Freude, einen Sohn und drei Enkel aus dem Feldzuge unverletzt wiederkehren zu sehen. – B. war ein liberaler Mann im echten Sinne des Wortes, muthig in seiner Ueberzeugung, billig gegen Andersdenkende, hingebend und aufopfernd für die allgemeinen Interessen, dabei von kindlicher Einfachheit und unverbrüchlicher Zuverlässigkeit. Geraden Sinnes, ohne Vorurtheile, in nie ermattender Thätigkeit hat er ein langes Leben durchmessen und ist Vielen durch sein Thun wie durch sein Beispiel zum Segen gewesen.