ADB:Brisger, Eberhard

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Brisger, Eberhard“ von Gustav Leopold Plitt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 334, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brisger,_Eberhard&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 15:22 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Brisselot, Jan
Band 3 (1876), S. 334 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Eberhard Brisger in der Wikipedia
GND-Nummer 135647258
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|334|334|Brisger, Eberhard|Gustav Leopold Plitt|ADB:Brisger, Eberhard}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=135647258}}    

Brisger: Eberhard B., protestantischer Theologe, geb. zu Vallendar im Erzbisthum Trier, † 24. Jan. 1545. Sohn nicht unvermögender Eltern, kam er als Augustiner nach Wittenberg und studirte an der dortigen Universität. Mit den meisten seiner Wittenberger Ordensgenossen wandte er sich der Reformation zu, blieb aber im Kloster, auch als jene fast alle austraten. Er ward Prior des beinahe verödeten Klosters, in welchem nun einige Jahre hindurch er und Luther die einzigen Insassen waren. Als dieser Zustand nicht mehr länger haltbar war, da die Einkünfte schwanden, übergaben beide im Juli 1525 das Kloster dem Kurfürsten. B., der sich ohnehin im Gewissen gedrungen fühlte, sein Leben zu ändern, wollte in einen bürgerlichen Beruf übertreten. Er ward Magister und heirathete eine Wittenbergerin. Doch bei dem Mangel an tüchtigen Geistlichen fand sich bald eine Verwendung für ihn im Kirchendienste. Wenceslaus Link, der seit 1522 als erster evangelischer Pfarrer in Altenburg gewirkt hatte, erhielt im Frühling 1525 einen Ruf nach Nürnberg, den er annahm. Spalatin sollte sein Nachfolger werden; da jedoch die wachsende Arbeit in Altenburg die Kräfte eines Mannes zu übersteigen drohte, erbat sich der Stadtrath einen zweiten Geistlichen. Als solchen empfahl Luther nun B., der, als auch der Kurfürst den Ruf bestätigte, diesem Folge leistete. Im December des Jahres kam er in Altenburg an und begann seine Predigten in der Kirche S. Bartholomäi. Das amtliche Verhältniß zu Spalatin, dem ursprünglich eine Superintendentur auch über die Stadtgeistlichkeit scheint zugedacht zu sein, war kein ganz klares, das persönliche ein sehr freundschaftliches. Er arbeitete in gutem Einvernehmen mit ihm und mußte ihn vertreten, wenn Spalatin vom Fürsten zu auswärtigen Verrichtungen berufen ward, so daß die Durchführung und Sicherung der Reformation in Altenburg zu einem nicht geringen Theile ihm zu verdanken ist. Ein Zeichen seiner Tüchtigkeit ist es, daß er im Herbste 1539 auf einige Monate als Superintendent und Seelsorger an die Michaeliskirche in Zeitz geschickt ward, um dort, den Bitten der Bürger entsprechend, die Reformation einzuführen. Er predigte mit solchem Beifall, daß die Kirche die Zuhörer nicht fassen konnte und die Zeitzer ihn gern ganz behalten hätten. Dennoch zog B. es vor, nach Altenburg zurückzukehren, obwol seine äußeren Verhältnisse dort dürftig genug waren, denn die Besoldung, welche er bezog, war gering und sein Erbtheil entzog ihm mit Bewilligung des Erzbischofs seine Mutter, weil er die römische Kirche verlassen hatte. Er kam nicht aus den Geldverlegenheiten heraus. Gegen Ende seines Lebens trübte sich auch noch das Verhältniß zu dem immer empfindlicher und reizbarer werdenden Spalatin, sodaß Luther beschwichtigend auftreten mußte. Ueber die letzten Jahre Brisger’s ist nichts weiter bekannt. Er starb acht Tage nach Spalatin.

Vgl. Seckendorf, Histor. Lutheranismi; Luthers Briefe; Mittheilungen der geschichts- und alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes Bd. VII. H. 1.