ADB:Brun (Bischof von Augsburg)

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Artikel „Brun, Bischof von Augsburg“ von Ernst Steindorff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 422–424, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brun_(Bischof_von_Augsburg)&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 06:10 Uhr UTC)
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Brun: Bruno, Bischof von Augsburg, geb. um 976, † 24. April 1029. Urenkel König Heinrichs I., Sohn Herzog Heinrichs II. (des Zänkers) von Baiern und der Gisela, Tochter König Konrads II. von Burgund, jüngerer Bruder des am 6. Mai 973 geb. Herzog Heinrich III., des nachmaligen deutschen Königs und römischen Kaisers Heinrichs II., der als Kind mit B. öfters zum Bischof Wolfgang von Regensburg gebracht wurde, um von diesem später heilig gesprochenen Kirchenfürsten den Segen zu empfangen. Dabei soll es – so berichtet um die Mitte des elften Jahrhunderts der Regensburger Otloh in der Lebensbeschreibung S. Wolfgangs – einmal geschehen sein, daß Wolfgang die Zukunft der fürstlichen Kinder bedenkend, Heinrich als König, B. als Bischof begrüßte. In die allgemeine Geschichte führt B. sich damit ein, daß er während der ersten Monate des J. 1003 bei einem Aufstande, den der böhmische Markgraf Heinrich von Schweinfurt und einige andere mißvergnügte Große des oberen Deutschlands im Bunde mit den Herzogen Boleslav von Polen und Böhmen gegen König Heinrich II. unternahmen, wider den eigenen Bruder für die Rebellen Partei ergriff. Indessen, da der König seinen deutschen Widersachern gegenüber im Felde rasch bedeutende Erfolge erzielte, so hielt B. es für gerathen, ins Ausland zu fliehen und zwar über Böhmen nach Ungarn zum König Stephan, der wol schon damals mit Gisela, einer Schwester der beiden feindlichen Brüder, vermählt war und sich dann auch ebenso wie die Mutter derselben ins Mittel legte, um eine Versöhnung herbeizuführen. In der That von dem König begnadigt (Ende März 1004), trat B. im Mai 1005 als Kanzler für Deutschland (und wol auch für Italien) zu seinem Bruder sogar in [423] ein persönliches Dienstverhältniß, welches gerade ein Jahr lang dauerte, worauf der König ihn spätestens Ende Januar 1007 zum Nachfolger des am 14. oder 23. August 1006 verstorbenen Bischof Siegfried von Augsburg ernannte. Andrerseits ging B. um dieselbe Zeit bereitwillig auf einen Lieblingsplan des Königs, auf die Stiftung des Bisthums Bamberg ein, steuerte selbst aus seinen Erb- und Eigengütern zur Ausstattung desselben bei und bekräftigte die bezügliche zu Frankfurt ergangene Gründungsacte vom 1. Nov. 1007 in besonders feierlicher Weise, was ihn freilich zufolge späterer, sehr legendenhafter, aber doch nicht ganz zu verwerfender Ueberlieferung nicht abgehalten haben soll, fast unmittelbar nach dem Tode seines Bruders auf die Wiederaufhebung des Bisthums hinzuarbeiten. Soviel ist jedenfalls gewiß: das gute Einvernehmen zwischen B. und Heinrich, welches in den oben erwähnten Vorgängen zu Tage trat, war nicht von Dauer, sondern wich allmählich einer neuen Entzweiung, als deren erstes Symptom wir wol den Umstand betrachten dürfen, daß B. sich 1022 an der antipäpstlichen Kirchenreform des Erzbischof Aribo von Mainz betheiligte (Synode von Seligenstadt 13. Aug. 1022), während der Kaiser eben damals Hand in Hand mit dem Papste vorzugehen gedachte. Vollständig und offen war der Bruch 1024, wo B. ins Exil wandern und noch einmal fern von der Heimath besserer Tage warten mußte. Diese kamen allerdings bald genug: denn schon am 13. Juli 1024 starb Heinrich II., sein Nachfolger aber, König Konrad II. theilte die Abneigung seines Vorgängers gegen den auch ihm blutsverwandten B. so wenig, daß er ihm vielmehr von vornherein besonderes Vertrauen schenkte und ihn sogleich bei der Einrichtung des neuen Hofes zu Rathe zog. Ferner bestellte er B. zum Pfleger oder Vormund seines noch sehr jugendlichen Sohnes, des künftigen Königs Heinrich III. und ließ ihn als solchen mit seinem Pflegling in Deutschland zurück, während er selbst im Februar 1026 nach Italien zog, um hier zunächst die lombardische Krone und nicht ohne harte Kämpfe am 26. März 1027 auch noch die römische Kaiserkrone zu gewinnen. Diesem letzteren Acte wohnte B. höchst wahrscheinlich bei, nachdem er mittlerweile in dem zwischen Erzbischof Aribo von Mainz und Bischof Godehard von Hildesheim schwebenden Rechtsstreit über Gandersheim auf einer neuen Synode zu Seligenstadt, 21. Sept. 1026, für Godehard aufgetreten war, im Winter 1026 aber mit einem Hauptfeinde Konrads II., dem schwäbischen Grafen Welf, eine heftige und trotz Freisinger Hülfe für Stadt und Bisthum Augsburg höchst nachtheilige Fehde durchgefochten hatte. Der Kaiser daher, als er Ende Mai 1027 aus Italien zurückkehrte, wandte sich vor allem gegen die schwäbischen Rebellen, hielt in Augsburg und Ulm darauf bezügliche Berathungen und Versammlungen, und was insbesondere die Irrungen zwischen dem Grafen Welf und B. betrifft, so ruhte er nicht eher, als bis jener dem Bischof persönlich Genugthuung geleistet, sowie den gesammten Schaden ersetzt hatte. Ueberhaupt war Bruno’s Ansehen und Stellung bei Hofe durch die Niederlage, welche er im Kampfe mit Welf erlitten hatte, durchaus nicht erschüttert, so daß seine Vormundschaft über Heinrich III. auch dann noch fortdauerte, als dieser, seit Ende Juni 1027 erwählter Herzog von Baiern, am 14. April (Ostern) 1028 in Aachen mit großem Pomp und in Bruno’s Gegenwart die Königswürde erhalten hatte. In besonders lebhaftem Verkehr stand B. mit der kaiserlichen Familie während des nächstfolgenden Winters 1028–29, wo Konrad II. um Weihnachten in Augsburg Hof hielt und sich darauf von B. nach Regensburg begleiten ließ. Hier feierte man auch das Osterfest (6. April) wieder mit einander, aber zum letzten Mal, denn schon am 24. April starb B. ebendort, nachdem er noch auf dem Sterbebette und in Gegenwart des Kaisers seine Canoniker mit einer reichen Landschenkung (Straubing) bedacht hatte. Die [424] Leiche wurde, geleitet von der Kaiserin Gisela, einer Nichte des Verstorbenen, und von König Heinrich III. nach Augsburg übergeführt und beigesetzt in der noch unvollendeten Basilica des Mauritiusstiftes, welches B. selbst gegründet hatte, – der letzte seines Hauses, aber wegen seines regen kirchlichen Interesses noch ein echter Ludolfinger, überhaupt ein Mann, der sich, wie Wipo ihm in der Lebensbeschreibung Kaiser Konrads II. nachrühmt, nützlich zu machen wußte und einen hellen Kopf besaß, wofern er nicht dem blinden Haß nachgab, welcher ihn gegen seinen Bruder den Kaiser beseelte.

Vgl. Thietmar von Merseburg, Wipo, Wolfhere von Hildesheim. – Hirsch, Jahrb. Heinrichs II., Bd. I an verschiedenen Stellen und II. S. 255 ff., wo die um 1012 durch Bruno bewirkte Wiederherstellung des klösterlichen Lebens in S. Afra zu Augsburg eingehend behandelt ist.