ADB:Burnacini, Ludovico

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Burnacini, Ludwig Octavius“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 629, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burnacini,_Ludovico&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 02:00 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Burmeister, Joachim
Nächster>>>
Burow, Karl August
Band 3 (1876), S. 629 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juli 2014, suchen)
GND-Nummer 118665332
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|3|629|629|Burnacini, Ludwig Octavius|Karl Weiß|ADB:Burnacini, Ludovico}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118665332}}    

Burnacini: Ludwig Octavius, Freiherr v. B., Architekt, geb. 1636. Im J. 1666 erscheint er bereits als angestellter Architekt am Hofe Kaiser Leopolds I. und erhielt sich in dieser Eigenschaft bis zu seinem am 12. Dec. 1707 erfolgten Tode. B., einer der entschiedensten Anhänger des italienischen Barockstils in Wien, hat sich durch Erfindungskraft und üppige Phantasie, dabei aber auch durch starke Hinneigung zu grellen Effecten zu ganz absonderlichen Schöpfungen verleiten lassen. Der Sinn für einfache, edle Formen fehlte ihm vollständig. Für den Hof Kaiser Leopolds, an dem die mit ungeheuerem Aufwand an Decorationen, Costümen und Maschinen in Scene gesetzten italienischen Opern und Ballete sich großen Beifalls erfreuten, war er ein unentbehrlicher, angesehener Mann. Unter den zahlreichen von ihm in Scene gesetzten Opern erregten die Decorationen und Costüme vom „Pomo d’oro“ allgemeines Aufsehen und sie erschienen in Begleitung des Textes 1668 von Küssel in 42 in Kupfer gestochenen Blättern. 1665 baute B. ein reich verziertes Theater von Holz, aus drei Gallerien bestehend, auf der Burgbastei, welches 1668 durch Feuer zerstört und dann aber wieder erneuert wurde; 1676–1677 war er an dem Laxenburger Schloßbau beschäftigt; 1687–1689 hatte er das Schloß Kaiser Ebersdorf nach dessen Zerstörung durch die Türken aufzubauen. In Wien wurde nach seinem Entwurfe 1679 die 66 Fuß hohe Denksäule am Graben, das Muster einer barocken decorativen Architektur, ausgeführt; nur der figuralische Theil rührt theilweise von den Gebrüdern Strudel her. Unter den Handzeichnungen der kaiserl. königl. Hofbibliothek sind zwei Bände mit Entwürfen von diesem Künstler. Der eine mit 306 Blättern enthält 65 Studien und Skizzen zu religiösen und theatralischen Darstellungen, 24 Zeichnungen zu Schlitten, dreierlei Gattungen von Triumphwagen, 79 Landschaften und Genrebilder, zum Theil im Geist der französischen und niederländischen Meister, 48 getuschte Köpfe und 90 illuminirte Faschingsfiguren und einen illuminirten Faschingswagen, der zweite Band 189 Tafeln mit Theatercostümebildern, welche einen interessanten Einblick in die ganze Geschmacksrichtung gewähren. In Anerkennung seiner langjährigen Verdienste wurde B. von Kaiser Joseph I. in den Freiherrnstand erhoben. Der von Füßli angeführte Octavio Burnacini ist identisch mit Ludwig. Gleichzeitig mit Ludwig erscheinen 1652 auch Johann B. als kaiserl. Architekt und um 1667 Jakob B. als Hofmaler, über deren verwandtschaftliche Beziehung zum ersteren nichts bekannt ist.

Einzelne Daten wurden hier benützt aus J. Schlager’s Materialien zur österr. Kunstgeschichte im II. Bd. des Archivs für Kunde österr. Geschichtsquellen.